Kulturen

Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin

Toter Glanz

Tod ist ein Tabu-Thema, wird gesagt. Das tazjournal vom Oktober 2007 will damit aufräumen: “Endlich. Tod kein Tabu mehr.” steht auf dem Titel. Und wie geht das?

Das Magazin sammelt Beiträge zum Thema Tod und Gesellschaft  im weitesten Sinne. Ernst, witzig, skurril, makaber, traurig. Es geht um das Töten im Krieg, Sterbehilfe, Bestattungsdiscounter, Mörder, Top-Ten Listen von Todesanzeigen, Mode. Der Theologe Reimer Gronemeyer spricht über den falschen Umgang mit dem Tod, er ist dagegen, dass das eigene Sterben verwaltet wird. Ferner werden Rezepte für den idealen Leichenschmaus empfohlen, die Bilder einer verwesenden Leiche gezeigt … und wer hilft den Geschwistern bei der Trauer, wenn sich alle um die Eltern kümmern?

Kein Problem mit dem Sterben

Im tazjournal ist der Tod ernst und lustig. Er ist alles. Mode, Beruf, Wissenschaft, Essen — Leben. Die “letzten berühmten Worte” könnte man vielleicht unter Rubrik Vermischtes laufen lassen. Hier war den Machern ein unverkrampfter Umgang wichtig und bisweilen wirkt das Magazin dadurch etwas geschmacklos und tollpatschig. So zum Beispiel bei der schriftlichen Korrespondenz des Kannibalen von Rothenburg mit seinen Opfern, die den Titel: “Liebe geht durch den Magen” trägt. Das ist wirklich lässig und der Leser weiß spätestens an dieser Stelle, dass die Redaktion überhaupt kein Problem mit dem Sterben hat.

Titelbild des tazjournals vom Oktober 2007

Titelbild des tazjournals vom Oktober 2007

Aber auch, wenn man das Magazin an einigen Stellen als taktlos und makaber empfinden kann, ist es doch so, dass genau das auch der Tod ist. Taktlos und makaber, dann wieder leise und traurig. Eben alles.

Tod auf 96 Seiten

Die Macher des Journals haben sich um eine ganzheitliche Betrachtung bemüht. Sie haben den Tod auf 96 Seiten zu einem journalistischen Produkt verarbeitet und ihn auf unterschiedlichste Weise inszeniert. Auf Seite 24 schreibt Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte, über den in Fernsehserien, Nachrichten und Kino allseits präsenten Tod, dass jener ebenso steril bliebe, wie “die glänzende Bildschirmoberfläche der Medien”.

Das gilt auch für das Journal. Der medial aufbereitete Tod ist darin zwar tatsächlich kein Tabu. Aber er bleibt ein Bild, bunt und glänzend.

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