Same Same, But Different
Same Same But Different—Eine Rezension
,,Same Same But Different“ ist eine Redewendung, die jeder Backpacker in Ostasien kennt – im Fall dieses Filmes ist er in Kambodscha zu hören. Der Spruch ist etwas (absichtlich) missverständlich und spielt besonders eine Rolle beim Feilschen um Souvenirs. Imitationen auf dem Marktplatz sind zum Beispiel ,,same same“ (wie das Original), aber einfach anders.
So ist es eben auch mit Same Same But Different: der Film ist eine reine Liebesgeschichte, wie viele andere. Er beschäftigt sich mit der wichtigsten Frage aller guten Liebesfilme: wie kann ein Paar zusammen bleiben, trotz allem? ,,Alles“ sind die großen existentiellen Herausforderungen, die für die Einzigartigkeit einer Liebe sorgen – dadurch ist sie ,,different“. Diese können aus so vielem bestehen und sind immer anders. Der Film bietet sogar eine ganze Reihe solcher Herausforderungen: Krankheit, kulturelle Unterschiede, Entfernung, Lebenstil und viele mehr.
Auf den ersten Blick
Genau in diesem Kontext kämpfen Sreykeo, eine Prostituierte in Phnom Penh, und Benjamin, ein junger Abiturient aus Deutschland, für ihre Liebe. Schon am Anfang des Filmes wird das am schwersten wiegende Problem deutlich: Sreykeo ist HIV-positiv. Danach zeigt der Film die Entwicklung ihrer Beziehung, von der ersten Nacht zusammen, nachdem sie sich in einem Bar kennen lernten und sich ineinander verliebten bis zu der Szene, in der Ben, wieder in Deutschland, die schlechte Nachricht von Sreykeo bekommt. Der Rest des Filmes geht um die oben gennante Frage und den Versuch des Liebespaares, sie—unter praktischen Gesichtspunkten– zu beantworten.
Sreykeo, ihm schmeckt‘s nicht
Es ist interessant, dass das übliche interkulturelle Filmklischee – der Hauptcharakter, der sich im fremden Land wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlt – nicht hervorgehoben wird. Ben hat eine ganz andere Haltung im Vergleich zu Jan aus „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“. Während Jan durch eine Reihe von Ereignessen mit den Eigenarten der Kultur und des Familienlebens seiner Verlobten unfreiwillig aber kömodiantisch umgehen muss, übernimmt Ben ganz bewusst die Verantwortung für seine Liebe und dazu die für ihn außergewöhnlichen Bedingungen von Sreykeos Leben. Dazu zählt nicht nur dass sie HIV-positiv ist, sondern auch praktische Erwägungen. So ist ihre Familie finanziell von ihr abhängig und erwartet nun, auch von Ben unterstützt zu werden. Der Vater erkundigt sich sogar nachdrücklich, wann er ein Haus für die Familie zu bauen gedenkt.
Auch wenn es ihm nicht leichtfällt, nimmt er an ihrer Welt teil. Er schickt ihr Geld, hilft ihr mit der Behandlung ihrer Krankheit und fliegt mehrmals zu ihr nach Kambodscha. Dadurch wird klar ausgedrückt: in erster Linie ist die Liebe eine selbstgewählte Entscheidung, sein Leben mit jemandem zu teilen.
Ein Film, der nichts außer Liebe thematisert
Was mir an diesem Film besonders gefällt, ist der entschlossene Fokus des Films. Auf der Same-Same-Webseite ist das folgende Zitat von Regisseur Detlev Buck zu lesen: “Seit der Filmhochschule will ich einen Film machen, der nicht nur, wie so oft, ein bisschen Liebe beinhaltet, sondern nichts außer Liebe thematisiert“. Das wird in diesem Film konsequent umgesetzt. Obwohl Ben und sein mitreisender Freund Ed auf der Suche nach einem Urlaubsabenteuer waren, ist der Film keine Backpacker-Story. Obwohl Sreykeo HIV hat, ist der Film weder eine Aufklärungskampagne über AIDS noch ein Kommentar zum Sex-Tourismus. Diese Elemente bilden nur den Zusammenhang der Geschichte, aber nicht die Geschichte selbst. Diese dreht sich ausschließlich um die Liebe, die „same same“ als universelle Sprache dargestellt ist, die alle Differenzen überbrücken kann.
