Kulturen

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Schiff Ahoi und Wasser marsch!


Michael Fritz vor dem Viva con Agua Stand

Michael Fritz vor dem Viva con Agua Stand

Sie sind jung, sympathisch und kreativ. Sie veranstalten Benefiz-Konzerte mit Künstlern wie Clueso, Fettes Brot oder Makabu und sind 2008 für sauberes Trinkwasser in Nicaragua 39 Tage zu Fuß von Hamburg nach Basel marschiert. Dieses Jahr haben sie mit ihrer Aktion „Gib Viva con Agua Deinen Pfand zurück“ wieder die deutsche Festivalsaison aufgemischt. Viva con Agua versteht sich als All-Profit-Organisation und hat sich die nachhaltige Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern zur Aufgabe gemacht. Am Chiemsee Reggae Summer haben wir mit Michael Fritz, Mitbegründer von Viva con Agua und Mann im Schlauchboot gesprochen.

Wie kam es zur Gründung von Viva con Agua und was sind eure Ziele?

Michael Fritz: Benjamin Adrion war Anfang 2005 als Fußballspieler des FC St. Pauli in Kuba im Trainingslager und hat dort mitbekommen, welche desolaten Zustände an den Schulen und Kindergärten herrschen. Er gründete daraufhin Viva con Agua und innerhalb weniger Monate konnten schon 5.000 Schulen und Kindergärten mit Wasserspendern und damit mit Trinkwasser für 30 Jahre versorgt werden. Bald weiteten wir unsere Projekte auf Afrika, Südamerika und weitere Länder aus  und konnten als Partner die Welthungerhilfe gewinnen. Sie unterstützt uns wunderbar mit ihrer Infrastruktur, ihren Fachleuten und Kontakten. Unser Ziel ist es, die Millenniumsdörfer mit Trinkwasser zu versorgen.

Wie seid ihr organisiert bzw. strukturiert?

Michael Fritz: Viva con Agua läuft unter e.V., wir sind also ein eingetragener Verein. Wir haben drei Jahre alle komplett hauptberuflich ehrenamtlich in unserem Hamburger Büro gearbeitet. Manche waren Existenzgründer, andere Hartz IV-Empfänger, doch mittlerweile haben wir jemanden gefunden, der die Personalkosten für fünf Mitarbeiter trägt. Wir suchen immer nach Lösungen, um nicht an die Spendengelder ran zu müssen. Wenn du uns was spendest, soll das zu hundert Prozent in unsere Projekte fließen. Deswegen nimmt unser Partner, die Welthungerhilfe, welche die Projekte vor Ort umsetzt, auch keine Verwaltungskosten von uns. Und wir versuchen Spender zu finden, die in die Organisationsstruktur spenden, sodass die Spenden des Einzelnen direkt in die Projekte gehen.

Wie funktioniert euer Projekt hier am Chiemsee Reggae Summer?

Mit dem Schlauchboot in der Menge

Mit dem Schlauchboot in der Menge

Michael Fritz: Wir versuchen immer Aktionen zu finden, bei denen die Leute einfach mitmachen können. Hier auf dem Chiemsee Reggae Summer haben wir zusammen mit FKP Scorpio, dem Veranstalter der meisten Festivals in Deutschland,  ein spezielles Projekt  am laufen: Wir gehen mit Tonnen und Schlauchboot in die Menge und sammeln leere Pfandbecher von den Festivalbesuchern als Spende für Viva con Agua ein. So einen Becher schmeißt du halt einfach rein. Der kostet einen Euro und wenn das jeder macht, sind das schon 25.000 Euro. Damit kannst du drei Schulen in Burundi (Westafrika) mit Trinkwasser versorgen. Das ist auch das, worum es bei Festivals eigentlich gehen sollte: Eine Masse von Individuen kommt zusammen, um einen gewissen Spirit zu feiern, um Musik zu hören und das Leben zu zelebrieren. Eigentlich ist es das schönste Side Project, das wir machen und man kann damit wirklich ein ganzes Trinkwasserprojekt finanzieren. Gemeinsam mit FKP Scorpio wollen wir in drei Dörfern bzw. Schulen in Burundi Brunnen und Regenwasserzisternen bauen. Die Projektkosten werden sich auf ungefähr 50.000 Euro belaufen und Ziel ist es, diese Summe komplett in der kurzen Festivalsaison einzunehmen.

Wie zuversichtlich seid ihr, dieses Ziel zu erreichen?

Michael Fritz: Bisher sieht es recht gut aus. Wir haben auf jeden Fall schon über die Hälfte des Geldes zusammen, aber es ist von Festival zu Festival sehr unterschiedlich: Beim Melt bekamen wir nur 600 Becher, beim Hurricane waren es 10.000. Es kommt auch immer darauf an, welche Künstler uns unterstützen. Wenn natürlich Die Ärzte bei einem Konzert eine fette Ansage machen, was sie immer machen, dann fliegen innerhalb einer halben Stunde eben 3.000 Becher auf die Bühne. Das macht einen Haufen Spaß.

Welche Rolle spielen die Künstler, die euch unterstützen für den Erfolg von Viva con Agua?

Michael Fritz: Der Erfolg hängt eigentlich hauptsächlich von der Kommunikation via Bühne ab. Ich habe selber schon oft Ansagen auf Konzerten gemacht, aber es ist nie das gleiche, als wenn Musiker zum Spenden aufrufen. Den Messages von Musikern wird in unserer Gesellschaft besonderes Gehör geschenkt. Wenn dann eine Band wie Irie Révoltés, die mit ihren sozialkritischen Texten alles anprangert, was ihnen gegen den Strich geht, eine Ansage macht, nehmen das die Leute ganz anders wahr. Gerade unsere Aktion mit dem Schlauchboot; das finden die Leute flashig und das kommuniziert natürlich das Thema. Das ist auch die Art und Weise, wie Viva con Agua auftreten will: Wir wollen positiv was verändern. Deine Sensoren sind so gepolt, dass du auf das unterernährte, afrikanische Kind anspringst. Wenn du aber nach Afrika gehst, wirst du viel Liebe finden, viele tanzende Menschen auf der Straße treffen, wunderschöne Landschaften und Sonnenschein sehen. Es ist nicht alles arm, was arm aussieht. Ich weigere mich zu sagen: Afrika ist ein armer Kontinent. Afrika ist ein reicher Kontinent, nur was mit dem Kontinent passiert,  ist arm und traurig. Dagegen muss man was machen.

Irie Révoltés und Viva con Agua

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