Kulturen

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Bluebox Blaumänner

James Cameron hat mit Avatar 3D wieder einmal den teuersten Film aller Zeiten gedreht. Es ist ein vor Doppelmoral triefender, sinnlos mit Technik vollgestopfter Streifen.

Blau ist das neue grün! Mercedes nennt seine neuen Spritsparer Blue-Line und Samsung sein neues Öko-Handy Blue Earth. Der Klimawandel machts möglich. Getreu dem Zeitgeist hat James Cameron nun mit Avatar 3D eine Art Bio-Science Fiction vorgelegt. Seine vollständig animierten Hauptfiguren sind dementsprechend: Blau.
Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Der Planet der Na´Vi –eine Art Alien-Öko-Indianer – wird nach menschlichen bzw. amerikanischen Gepflogenheiten kolonisiert und durch Raubbau an der Natur zerstört. Nach einer unvermeidbaren interplanetaren Liebesgeschichte schmeißen die Öko-Aliens die Menschen aber wieder raus.
Die Message ist klar. Popcorn-Kino für den zivilisierten Gutmenschen, der die Ausrottung der Indianer blöd und den Klimawandel auch nicht so gut findet. Action, Liebe und Verrat inklusive. Eine Mischung aus Star Wars, der mit dem Wolf tanzt, und Serengeti darf nicht sterben. Der nicht gerade als barmherzige Samariter bekannte Rupert Murdoch hat das Geld für den Film gegeben -James Cameron sein notorisches Faible für technische Neuerungen. Was in Abbys, Terminator 2 und Titanic noch Aufregung versprach und zur Illustrierung der Geschichte diente, wird bei Avatar nun zum Selbstzweck. Camerons im Computer errechneten Bildwelten sind durch ihren räumlichen 3D-Charakter zwar von beeindruckender Präsenz. Das bloße Zurschaustellen des visuell technisch Möglichen erinnert aber eher an die Schausteller des frühen 19. Jahrhunderts, die der Menschheit die ersten bewegten Bilder präsentierten. Die Geschichte war damals zweitrangig – bei Avatar ist sie es wieder. Mit dem Kino als Ort des Erzählens in Bildern hat das nichts mehr zu tun.
Offenbar hat selbst der Technik-Nerd Cameron dieses Manko bemerkt. Wie sonst könnte man sich die Besetzung der Science Fiction Ikone Sigourney Waever erklären, wenn nicht als krampfhafter Versucht, zumindest einen Rest an Wiedererkennungswert zum Kino der großen Geschichten herzustellen. In der Blue-Box wurde ihr Gesicht gescannt, gerastert und gerendert, um es dann gänzlich verwurstet auf einen virtuellen Körper zu verpflanzen. Selbst der Schauspieler dient nur noch als Vorlage. Ein Verfahren, das eher an die Autorschaft Helene Hegemanns erinnert, denn an Regie –wie Cameron sein Treiben immer noch zu nennen beliebt.
Michel Ballhaus hat diese vollständig im Computer generierten Bilder einmal als „Attraktion ohne Nervenkitzel“ – als „kaltes Auge“ – bezeichnet. James Cameron exerziert diese Ideenlosigkeit 161 Minuten in Reinform. Avatar 3D. So einen Film kann nur jemand machen, der alle dramaturgischen und ästhetischen Wegweiser des Kinos verloren hat. Die Erzählung untauglich, das Auge blind, und das Denken am Ende.

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