Das Kreuz mit dem Kruzifix
Im Monat April macht die heute designierte Ministerin Aygül Özkan erst was sie, dann was die CDU will.
Seit dem 24. April 2004 dürfen Lehrerinnen in Niedersachsen ihre Köpfe nicht mehr mit Tüchern verhüllen, die Gemüter der Landesregierung sind zurzeit dennoch bedeckt.
Nachdem die Ernennung der türkischstämmigen CDU-Politikerin Aygül Özkan zur Sozial- und Integrationsministerin zunächst für eitel Sonnenschein bei der Union sorgte – man klopfte sich gegenseitig zur gelungenen Demonstration noch gelungenerer Integration auf die Schultern – zogen kurze Zeit später dunkle Gewitterwolken auf. Denn das Hochdruckgebiet öffentlichkeitswirksamer Personalentscheidungen stieß auf ein Tief in Form eines Interviews, das Özkan, deren Eltern in den 60er Jahren aus der Türkei nach Hamburg zugewandert waren, dem Magazin „Focus“ gab.
“Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen“
“Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen“, konstatierte die 38-jährige dort. Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff, die Wangen noch rosa leuchtend von den wärmenden Strahlen medialer Aufmerksamkeit, die ihm durch die Ernennung Özkans zuteil geworden war, errötete nun vor Ärger.
Mehr wolkig als heiter war auch die Laune des Integrationsbeauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Stefan Müller. Politiker, die Kruzifixe in öffentlichen Schulen verbieten wollten, müssten sich, so Müller, überlegen “ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind”.
Während sich der meteorologische Frühling in Deutschland am Wochenende in voller Pracht präsentierte, herrschte bei der Landesregierung am vergangenen Wochenende typisches Aprilwetter.
Kreuze sind dagegen erwünscht
Aber ebenso, wie das Wetter in diesem launigen Monat, änderte sich auch die Meinung Özkans schlagartig. Zumindest ließ Fraktionschef David McAllister verlauten, gemeinsam mit Wulff habe sich Özkan darüber verständigt, dass “Kreuze an niedersächsischen Schulen erwünscht sind”.
Die Schlechtwetterfront befindet sich also auf dem Rückzug, und die Union darf hoffen, dass das parteipolitische Unwetter ein reinigender Regen war und nicht alle Glaubwürdigkeit in die Ernsthaftigkeit der Berufung Özkans davon gespült hat.
