Kulturen

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Laute Beats und fliegende Becher

35 Grad, vibrierende Bässe und 25.000 Festivalbesucher. Der Chiemsee Reggae Summer feierte sein 15-jähriges Jubiläum


Die Hauptbühne von oben

Die Hauptbühne von oben

35 Grad, vibrierende Bässe und 25.000 Festivalbesucher. Tausende von jungen Menschen sind wieder einmal mit Zelten, Gummistiefeln und grün-gelb-roten Fahnenstangen im Gepäck ins beschauliche Örtchen Übersee in Südbayern gepilgert, um sich die internationalen Stars der Reggae-Szene in einem Drei-Tages-Event anzuhören. Der Chiemsee Reggae Summer hat sein 15-jähriges Jubiläum erfolgreich auf und über die Bühne gebracht. Was 1995 mit einem eintägigen Open-Air begann, ist mittlerweile zu einem Kultereignis in der deutschen Festivallandschaft angewachsen.

Ein abwechslungsreicher Soundmix

Bei unermüdlichem Sonnenschein gab es auch in diesem Jahr einen abwechslungsreichen Soundmix aus Roots-Reggae, Hip Hop, Dancehall und Ska. „Es heißt zwar Reggae Summer, aber du darfst hier auch als Hip Hopper auftreten. Es gibt ein bisschen was von allen subkulturellen, schwarzen Musikerzeugnissen – eben nicht nur Reggae, sondern auch viel Rap und ein bisschen Funk.“, sagt Jan Delay in einem Interview mit Bunch.tv über das Festival. Das Publikum war ähnlich bunt gemischt: Von alteingesessenen Rastafaris über Punks und Metaller konnte man die unterschiedlichsten Menschen und ihre Stile antreffen.

Geld ausgeben fällt nicht schwer

Die Mehrheit der Besucher bildete jedoch die Gruppe der Unter-20-Jährigen, die auf dem Gelände fleißig ihr Geld ausgaben: Becks, Mr. Asia, Marios Pizza und American Spirit an jeder Ecke. Morgens konnte man sich seinen Kaffee direkt am eigenen Zelt einschenken lassen, mittags ein wenig über den Markt flanieren und abends einen Bungee-Sprung aus 60 Meter Höhe wagen. Geld ausgeben fiel nicht schwer.

Das Festival überzeugte mit seinem Line-Up

Jan Delay 1Auch wenn es nervt, dass der Chiemsee Reggae Summer von Jahr zu Jahr stärker kommerzialisiert wird, bot er auf der anderen Seite ein überzeugendes musikalisches Line-Up. So konnte man mit aktuellen Chart-Reitern wie Jan Delay oder Peter Fox abrocken, sich aber auch von zahlreichen kleineren, häufig deutschen Bands überraschen lassen.

Irie Révoltés bringen die Menge zum Tanzen

Irie Révoltés ist solch eine Band. Die neun Heidelberger sind vor allem für ihre sozialkritischen französisch- und deutschsprachigen Texte bekannt. Sie richten sich unter anderem gegen Rassendiskriminierung, Chauvinismus, Konsumbetrieb und der noch immer weit verbreiteten Homophobie im Reggae. Auch wenn die beiden Brüder am Mikrofon mit offenem weißen Hemd anfangs wie Sänger einer Boygroup anmuteten, überzeugten sie mit ihrer Authentizität und Energie nach wenigen Takten. Die Menge konnte trotz der gnadenlosen Hitze an diesem Sonntagnachmittag nicht mehr still stehen. Gegen Ende des Konzertes passierte eine weitere Überraschung: Ein junger Mann schaukelte im Schlauchboot über die Hände der tanzenden Masse und sammelte auf Ansage von Irie Révoltés die Pfandbecher der Besucher ein. Die Becher flogen durch die Luft, sodass das Schlauchboot fast überquoll. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um eine originelle Aktion der jungen Trinkwasserinitiative Viva con Agua (siehe Interview).

Hans Söllner begeisterte trotz homophoben Texten

Keine Überraschung dagegen war der Auftritt des Headliners Hans Söllner am Samstagabend. Wie erwartet lockte der bayerische Liedermacher so viele Besucher vor die Bühne wie kaum ein anderer Künstler. Offenbar sang er sich mit seinen bissigen Mundarttexten und der Forderung nach Legalisierung von Marihuana in die Herzen vieler Zuhörer. Egal wen oder was Söllner verteufelte oder hochpries, die Menge zeigte sich begeistert. Dies verwundert jedoch, da die Mehrheit auch dann jubelte, als in seinen Liedern homophobe Tendenzen hörbar waren. So wirkte Hans Söllner während seines gesamten Auftritts weniger wie ein Revoluzzer, als viel mehr wie ein schimpfender alter Mann.

Neben diesem polarisierenden Auftritt machten die Konzerte von Busy Signal, Mono & Nikitaman und den Ohrbooten zu einem gelungenen Festivalwochende. Schnell war Sonntagabend und das letzte Becks wurde zu einer letzten Pizza von Mario getrunken. Zurück blieben ein niedergetrampeltes Gelände und die Erinnerung an laute Beats, ekstatisch tanzende Massen und fliegende Becher.

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