Die Lena-Endlosschleife
Der Eurovision-Songcontest und ein Volk das Lena ist. Eigentlich wunderbar, aber leider nur eigentlich.
Viele Menschen haben sich Samstagabend getroffen um den Eurovision-Song-Contest gemeinsam anzusehen. Ein Trend der bei der WM 2006 in Deutschland entstanden ist. Eine Zeit, in der fast jede Kneipe mit einem Flatscreen ausgestattet wurde und man sich traf um fern zu sehen. Man trifft sich, fühlt gemeinsam und erfreut sich am medialen Spektakel. Aus Fußball wurde mit der Zeit Germanys Next Topmodel und am diesen Samstag war es eben der Eurovision-Song-Contest, der die Menschen in Scharen vor den Fernsehern der Republik versammelte. Deutschland ist an dem Abend Lena, man steht gemeinschaftlich hinter ihr und kriegt beim Betrachten der Sendung auch noch ein gutes Stück europäische Trashkultur mit. Unterhaltung pur, also. Nicht mehr und nicht weniger. Es geht los, die Punkte steigen und Lena holt den Sieg. Man freut sich mit ihr und vor Allem gemeinsam. Getreu dem diesjährigen Eurovision-Motto „Share the moment“. Den Sieg hat Deutschland am Samstagabend schon mal geholt und zurück bleibt eine fröhliche, zufriedene und vor allem große und junge Zuschauerschaft.
Und es geht weiter.
Nur leider hört es dort nicht auf. Die Berichterstattung infiziert sich bereitwillig mit dem Lena-Virus. Endlich kriegt man so viel Aufmerksamkeit geschenkt und der Schlüssel dazu ist Lena und der wird an jeder möglichen Tür benutzt. An erster Stelle in allen Nachrichten tauchen immer wieder ihr Gesicht, Raabs-Riesengrinser, Interviewausschnitte und dann dieses Lied auf. Wem da mittlerweile nicht die Augen ausfallen und die Ohren bluten, ist wahrlich Fan und hat Lenas Album „My Cassette Player“ garantiert schon seit Wochen zu Hause liegen. Alle anderen, spontanen Public-Eurovision-Zuschauer sollten mittlerweile auf jeden Fall angefangen haben zu leiden.
Aus Freud wird Leid.
Und so ist der Alltag bei einem Großteil der Konsumenten spätestens montags wieder eingetroffen, als Köhler seinen Rücktritt bekannt gab und das anhaltende, mediale Getrampel auf der jungen Lena und ihrem Erfolg nur noch nervte und überflüssig erschien. Wichtigen Nachrichten wurde in den letzten Tagen ihre Bedeutung genommen und stattdessen immer wieder die Lena-Endlosschleife ausgepackt. Es ist ein Jammer, dass man nicht dann aufhört wenns am Schönsten ist. Samstagabend war ein Abend der leichten Unterhaltung, an dem ein Moment des Hochgefühls auf der Bühne und vor den Fernsehern stattfand. Dabei hätte man es belassen sollen. Denn mittlerweile fühlt man sich, wie ein Kind das zu viel Zuckerwatte hatte. Es tut einfach nur noch weh.
