Heimat ?
Kurfürstendamm, kurz nach zehn. Ich weiß, dass wir in Berlin sind, aber …
… mein Körper glaubt nicht daran. Dem Wind nach zu urteilen sind wir mindestens in Sibirien.
Eine Umfrage sollen wir machen. Zum Thema „Wieviel Heimat braucht die Sprache?“. Ob meine Kollegen das verstehen? Ich tue es nicht. Mir geht es wie mit diesen Intelligenztests, die man im Internet machen kann: Ich verstehe einfach die Frage nicht.
Heimat und Sprache. Für ein deutsch-koreanisches Mischmensch-Erzeugnis wie mich ist das ein und dasselbe. Weil man mit einem Gesicht wie meinem niemals an einen bestimmten Ort gehört. Ich bin deutsch, weil ich die deutsche Sprache spreche. Und nicht, weil ich mit der Weißwurst in der Hand authentisch wirke. Deutsche Wortlandschaften – dass sind meine Berge, meine Wälder, meine Badeseen.
Aber die Aufgabe muss gelöst werden. Fragt sich nur wie. Natürlich könnte ich die Frage einfach stellen . Sollen sich die Passanten doch selbst überlegen, was sie darunter zu verstehen haben. Sind ja schließlich Berliner, die können das doch: Verbalsenf absondern über Gott und die Welt.
Und was ist, wenn ich jemand treffe, der so ist wie ich? Vielleicht sollte ich die Frage doch umformulieren. Neu interpretieren. Improvisieren. Die Kollegen fangen schon an, also los. Die Frau da vorne, die schlendert so nett. Die kommt von hier, dass sieht man gleich.
Die weiß bestimmt was Heimat ist.
