Kulturen

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“Ich traue mir mehr zu”

Die Erleichterung steht Sandra Mennicke ins Gesicht geschrieben: Bei ihrem Auftritt im Jazzclub „Schlot“ hat alles geklappt, die Nerven haben mitgemacht. Im Interview spricht die 23-jährige UdK-Studentin und Sängerin über musikalische Vorbilder, Rückschläge und ihre Leidenschaft für Musicals.

Sandra Mennicke. Foto: privat

Sandra Mennicke. Foto: privat

Sandra, du coverst sehr oft Songs der Sängerin Adele. Was fasziniert dich an ihr?

Sie ist einfach eine tolle Sängerin, hat eine wunderschöne Stimme und eine wahnsinnige Ausstrahlung. Auf der Bühne ist sie präsent wie kaum eine andere und zeigt Emotionen. Ich würde mich zwar nie mit ihr vergleichen; aber einige Leute haben schon öfter gesagt, dass sie, wenn ein Lied von Adele im Radio läuft, an mich denken müssten.

Ein schönes Kompliment.

Ja, das ist ein sehr großes Kompliment für mich, das beste, das ich mir vorstellen kann. Ein Dozent hat mir letztens gesagt, dass er immer an mich denken müsse, wenn er ein Lied von Pink hört. Auch das hat mich sehr gefreut.

Mit wem würdest du sonst noch gern verglichen werden?

Das kann ich nicht sagen. Ich denke, als Sänger ist es wichtig, dass man sich nicht mit irgendjemand vergleicht. Auch wenn ich Lieder cover, muss ich meinen eigenen Stil finden und mir diese Lieder zu eigen machen. Ich muss sie für mich selbst interpretieren und ihnen eine eigene Bedeutung geben.

Wie sieht es dann mit Vorbildern aus?

Die Musical-Darstellerin Willemijn Verkaik finde ich toll. Sie hat die Hauptrolle in „Wicked“ gespielt und hat eine traumhafte Stimme. Von ihr habe ich auch schon Lieder gesungen, zum Beispiel die Ballade „Ich bin es nicht“. Das war eine große Herausforderung für mich.

Du coverst hauptsächlich Songs von Sängerinnen, warum nicht von Sängern?

Das liegt vermutlich daran, dass ich mich besser an ihnen orientieren kann. Meinen eigenen Stil habe ich noch nicht wirklich gefunden, ich bin noch immer auf der Suche und sammle Eindrücke. Auch das Angebot an Musikrichtungen ist so vielfältig, dass ich noch nicht einmal die Gelegenheit hatte, mich überall auszuprobieren. Zurzeit geht es für mich eher in die Musical-Richtung, aber das kann sich noch ändern.

Hättest du dann nicht lieber Musical-Show an der UdK studiert?

Ja, ehrlich gesagt schon. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden mit meinem jetzigen Studium. Die Chance, an den Studiengang Musical-Show zu kommen, ist sehr gering. Da muss man schon richtig gut sein. Aber ich denke, ich habe einen guten Kompromiss gefunden. Außerdem versuche ich das durch die Musical-Company zu kompensieren und so meine Leidenschaft für Musicals in meine Freizeit einzubinden.

Hast du dich für den Studiengang Musical-Show beworben?

Ja, direkt nach der Schule. Ich wollte das unbedingt machen, habe mich wahnsinnig angestrengt und wurde dann abgelehnt. Ich war einfach zu schlecht. Trotzdem war es eine Enttäuschung, ein Rückschlag. Das war schon hart. Immerhin ist Musik etwas sehr Subjektives. Man gibt aber so viel von sich preis, da fällt es dann umso schwerer, mit der Niederlage umzugehen.

Hast du deshalb auch noch nie an Castingshows teilgenommen?

Nein, das war nicht der Grund. Ich will das auch in Zukunft nicht. Da geht’s ja eher um persönliche Schicksale als um Gesangstalent. Aber ich muss zugeben, ich schaue mir die Shows im Fernsehen an. Ich selbst möchte in zwei Jahren beim Bundeswettbewerb Gesang teilnehmen. Da habe ich auch etwas, worauf ich hinarbeiten kann. Ich gehe zwar nicht einmal davon aus, dass ich auch nur eine Runde weiterkomme, aber darum geht es auch nicht.

Seit deinem ersten größeren Auftritt im Schlot vor eineinhalb Jahren scheinst du dich verändert zu haben. Was meinst du?

Das habe ich schon mal gehört. Ich glaube, das kommt daher, weil ich gerade im Musik-Bereich viel gemacht habe. Vor allem in der letzten Zeit hatte ich viele Auftritte, auch bei Hochzeiten oder Uni-Veranstaltungen. Deshalb gehe ich etwas entspannter an die Auftritte heran. Ich versuche, lockerer zu sein. Und ich bin ein Stück weit sicherer geworden über die Jahre.

Entspannter, aber auch selbstbewusster?

Das ist schwer einzuschätzen. Ich bin immer noch relativ unsicher und stehe mir damit manchmal selbst im Weg. Aber es wird schon besser. Ich mache ja jetzt auch immer mehr und probiere mich aus. Ich traue mir mehr zu.

Kurzporträt:

Wie lange sie schon Musik macht, kann Sandra Mennicke nicht genau sagen. Mit zehn fing sie an, zu singen und Klavier zu spielen und nahm Ballett-Unterricht. Gitarre, Schlagzeug, E-Bass und Geige folgten. Heute studiert die 23-Jährige an der Universität der Künste in Berlin Musikpädagogik. Ihre große Leidenschaft seien Musicals, vor allem „Wicked“ habe es ihr angetan. Vermutlich deshalb hat sie auch dieses Jahr im Jazzclub „Schlot“ in Berlin ein Lied aus dem Musical gesungen.Nächstes Jahr wird sie mit der Berliner Musical Company auf der Bühne stehen, im Stück „Mein Avatar und ich“ von Peter Lund. 2013 will sie beim Bundeswettbewerb Gesang in den Kategorien Musical/Chanson teilnehmen. Außerdem wird sie mit ihrer Pop-Band, die aus einem Uni-Projekt entstanden ist, auftreten.
Auch privat hört Sandra am liebsten Lieder aus Musicals, aber auch Pop oder Jazz und Blues. „Manchmal habe ich eine Musical-Phase, manchmal eine Jazz-Phase. Das kommt ganz auf die Situation an“, sagt sie. Eine ihrer Lieblings-Sängerinnen ist Adele, von der sie auch schon einige Songs gecovert hat.

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