Kulturen

Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin

Beliebtheitsfaktor Lachen

Wer kennt sie nicht, die Menschen, die einem auf Anhieb sympathisch sind. Die sich nie darum kümmern müssen, Freunde zu finden, denn die Freunde finden sie.

Auf jeder Party sind sie zu finden, immer von einer Traube Menschen umringt, die sie mit erbietungsvollen Blicken würdigen. Mit einer Leichtigkeit strahlen sie derartig viel Lebensfreude aus, dass selbst der größte Zyniker resigniert ein „Charmebolzen“ knirscht.

Ein herzhafter Lacher hier, ein freundliches Lächeln da, und man sitzt bereits in der Falle. Unfreiwillig und erfrischend ehrlich bedienen sich diese Menschen einer Waffe, der sich niemand entziehen kann: Humor. Wer viel strahlt, grinst oder schmunzelt, gilt als unkompliziert, geistreich und liebenswürdig. Das war nicht immer so.

Lachen als Drohgebärde

Ursprünglich wurde Lächeln als Drohgebärde eingesetzt. Vor rund sechs Millionen Jahren wussten Männer mit einem gesunden Gebiss ihren Feind einzuschüchtern. Zähne zeigen symbolisierte Kraft, Stärke, Angriffslust. Schallendes Gelächter habe sich ebenfalls aus dem Kampf ums Überleben herausgebildet, meinen zahlreiche Evolutions-forscher. Sie vertreten die These, Lachen sei eine grundlegende Kommunikationsform, die der Sprachentwicklung deutlich voraus ging. Als Beweis führen sie einen anatomischen Aspekt an: Lachen wird in einer Gehirnregion verursacht, die weitaus älter ist als das Sprachzentrum des Menschen. Zwar konnte sich der Urmensch tagsüber mittels Gestik verständigen. Nachts war er jedoch auf Geräusche angewiesen. Jene Laute sollen die Anfänge dessen sein, was wir heute ganz selbstverständlich „Lachen“ nennen: Einen enorm aufwändigen körperlichen Prozess. Wenn sich unsere Augen verengen, unsere Nasenlöcher weiten, die Mundwinkel zucken. Wenn der Atem schneller geht, sich das Zwerchfell rhythmisch bewegt, sich die Bein- und Blasenmuskulatur entspannt. Und wenn sich 17 Muskeln im Gesicht anspannen; 80 am gesamten Körper betätigt werden, Luft mit bis zu hundert Stundenkilometern durch unsere Lungen schießt und 500 Schwingungen unserer Stimmbänder – pro Sekunde – gezählt werden können.

„Lachen ist gesund“

Kaum verwunderlich also, dass zwanzig Sekunden Lachen etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern entsprechen. Oder dass ein heftiger Lachanfall kurzzeitig ähnliche Empfindungen wie die Einnahme von Kokain hervorrufen kann. Lachen ist gesund: Es bildet Abwehrstoffe, verringert dagegen Stresshormone im Blut; stärkt die Funktion der Lunge, regt die Durchblutung an, fördert die Verbrennung von Cholesterin und kräftigt das Herz-Kreislauf-System. Sogar gegen Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen soll es Wundermittel sein.

Ist uns zum Lachen zumute, schüttet unser Körper außerdem Endorphine aus. Darum ist Lachen auch für unsere Seele „die beste Medizin“. Einsetzendes Wohlbefinden mindert Aggressivität, Angst oder Trauer. Auf zwischenmenschlicher Ebene mildert es so Konflikte, besänftigt und harmonisiert. Lachen signalisiert gegenseitiges Einverständnis und erleichtert das Zusammenleben – natürlich nur dann, wenn es „ernst“ gemeint ist. Tatsächlich ist es eine dem Menschen angeborene Fähigkeit, den echten vom falschen Lacher zu unterscheiden. Über die Authentizität urteilen verschiedene Parameter, die unterbewusst auf uns einwirken: Dynamik der Augen, Blickrichtung, Lachdauer und Mundöffnung.

Wir lachen gerne mit

Lacht man aber einmal kräftig und ausgelassen, stimmen andere meist mit ein. Egal, wie variantenreich Humor ist, er steckt nun einmal an. Schon das Geräusch lachender Menschen veranlasst unser Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten – selbst, wenn der Grund für die Heiterkeit unbekannt ist.

Weil wir vom Fröhlichsein profitieren, mögen wir Menschen, die uns häufig Grund dafür geben. Daher sind einem Leute, die viel lachen, sofort sympathisch. Sogar dem Zyniker. Insgeheim, versteht sich.

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