Für drei Minuten lacht die Welt
Was sich am 3. Mai im Berliner Tiergarten abspielte, versetzte so manchen ahnungslosen Besucher bei seinem sonntäglichen Spaziergang in große Verwunderung. Der Tiergarten war an diesem Tag Schauplatz eines ziemlich ungewöhnlichen Events.
Über 60 Menschen hatten sich in der Parkanlage nahe dem Brandenburger Tor versammelt und schienen seltsame Rituale zu begehen. Hier wurde gekichert, immer wieder losgeprustet und lauthals gelacht. Was so lustig war? Eigentlich gar nichts. Doch die fröhliche Masse hatte sich nicht ohne Grund versammelt. Sie begingen gemeinsam den internationalen Weltlachtag, der seit 2001 in Berlin jeden ersten Sonntag im Mai von der Initiative „Hauptstadt lacht“ organisiert wird.
Lachen ist bekanntlich die beste Medizin
Die seit 1998 bestehende Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, das Lachen und die Lebensfreude in Berlin zu fördern. Zu Verdanken haben wir diese Idee Dr. Madan Katarian. Auch wenn der Name leicht die Assoziation dazu wecken könnte, handelt es sich bei ihm nicht etwa um einen verrückten Guru, sondern um einen indischen Arzt. Er entwickelte bereits im Jahr 1995 das so genannte „Hasya Yoga“, das Yoga des Lachens, welches er als natürliche Medizin und als Mittel zur Anhebung der Lebensqualität unter die Menschen bringen wollte.
Nach seiner Theorie soll durch das organisierte gemeinsame Lachen der Weltfrieden verkörpert und ein globales Bewusstsein der Brüderlichkeit und der Freundschaft erreicht werden. Dies bewegte Dr. Katarian dazu, in Mumbai den ersten Lachclub zu gründen und 1998 den ersten Weltlachtag ins Leben zu rufen. Sein Ruf schien auch in Deutschland erhört worden zu sein. Von den inzwischen über 6.000 Lachclubs weltweit entstanden 70 allein in Deutschland. Mit der Verbreitung der Lachyoga-Bewegung stieg somit auch die Popularität des Weltlachtags zunehmend.
Ein buntes Programm für heitere Gäste
Beim diesjährigen Weltlachtag in Berlin erwartete die Teilnehmer ein vielseitiges Programm. Neben Auftritten von Clowns, Umarmungsaktionen und so genannten Tänzen des universellen Friedens standen vor allem Lachyoga-Übungen mit LachtrainerInnen aus ganz Deutschland im Mittelpunkt der Veranstaltung. Bei dieser Form des Yoga soll das anfangs grundlose Lachen durch pantomimische Übungen in wahrhaftiges Lachen übergehen. Der Fantasie scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein.
Die Berliner Spaßvögel schienen besonders bei der Umsetzung der Übung „Lachschokolade“ in ihrem Element gewesen zu sein. Mit viel schauspielerischem Talent wurde eine imaginäre Tafel Schokolade auf der flachen Hand gehalten und dann davon gekostet. Hatten man ein Stück weiße Schokolade erwischt ertönte zaghaftes Gekicher, bei Vollmilchschokolade tieferes Gelächter und die Zartbitter-Variante veranlasste die Teilnehmer dazu, aus vollem Halse kräftig zu lachen. Ziel soll dabei die geistige Entspannung und das Erreichen einer positiveren Grundstimmung sein.
Weitere Lachyoga-Sessions im Tiergarten
Für diejenigen, die sich nicht am den etwas absurd wirkenden Übungen beteiligen, aber ihre Stimmung dennoch durch einen kleinen Endorphinstoß etwas anheben wollten stand Frank Hildenbrand bereit. Als Mr. Hug tourt der Ludwigsburger Diplom-Ingenieur durch ganz Deutschland und macht dabei nichts weiter, als „kostenlose Umarmungen“ anzubieten, aber das mit Erfolg. Wann bekommt man heutzutage schon etwas umsonst? Das dachten sich einige der Lachtag-Teilnehmer auch und ließen sich bereitwillig in die einladend ausgebreiteten Arme des fremden Mannes sinken.
Der Höhepunkt des Tages war jedoch um genau 14 Uhr deutscher Zeit erreicht. Die Anwesenden im Berliner Tiergarten stellten sich zu einem großen Kreis zusammen auf und führten den Programmpunkt aus, den alle Weltlachtag-Events rund um den Erdball gemeinsam haben: das gemeinsame Lachen für drei Minuten, oder die so genannte weltweite Lachenergieübertragung. Losgelöst von allen Sorgen und zur Freude der Initiatoren schien die heitere Gesellschaft dem Lachen wie in einem Wahn verfallen zu sein. Die Nachricht, dass zukünftig jeden Sonntag regelmäßig im Tiergarten Lachyoga-Sessions stattfinden sollen, dürfte daher für den Großteil der Besucher ein weiterer Grund zur Freude gewesen sein. Es darf also weiterhin gelacht werden und das nicht nur einmal im Jahr.
Linkliste:
- http://www.hauptstadt-lacht.de – Die Initiative und kommende Lachyoga-Aktivitäten
- http://www.hoho-haha.de – Der Verband der deutschen Lach-Yoga-Therapeuten
- http://de.wikipedia.org/wiki/Weltlachtag – Der Weltlachtag bei Wikipedia
- http://www.laughteryoga.org – Die Website von Dr. Madan Kataria
- http://www.misterhug.com – Die Website von Mr. Hug
- http://www.lachclub.info/ – Eine Liste zu LachyogatrainerInnen in ganz Deutschland
- http://www.lachen-wieder-lernen.de – Liste der Lachyoga-Übungen
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