Hasenjagd in der Parkidylle
Die Berliner Hasenheide ist eine der wenigen touri-freien Zonen Berlins und das ist nicht verwunderlich, denn mit einer Fotokamera herumzulaufen kann unangenehm werden. Im 17. Jahrhunderten gingen Fürsten hier auf Hasenjagd. Heute jagd die Polizei die zahlreichen Drogenhändler – und umgekehrt.
Der Park liegt zwischen Tempelhof, Südkreuz und Herrmannplatz in Neukölln. Auf den ersten Blick scheint er wie jeder andere zu sein. Yoga-praktizierende spreizen Arme und Beine für den Sonnengruß, Spaziergänger streunen über den Asphalt, Sonnenbadende rollen sich über die Wiese, türkische Großfamilien picknicken unter den Bäumen. Der Park ist ein typisches Berlin-Biotop. Seit einigen Monaten gibt es hier sogar einen Streichelzoo und im Sommer strömen junge Film- und Techno-Fans zum Openairkino und Raves.
Razzien stehen an der Tagesordnung
Ab und zu wird die Parkidylle jedoch gestört. Des öfteren wurden hier Tote und Leichenteile gefunden, im März 2006 starb ein 40-jähriger Polizeitkommissar an einem Kopfschuss, den ihm ein Kleinkrimineller in der Hasenheide verpasst hatte. Fast täglich finden hier Razzien statt. Ein ewiges Versteckspiel zwischen Polizei und Drogendealern. Siera Leone, Nigeria, Westafrika – Jeder Eingang ist von einer anderen Nationalität besetzt.
Frisches Grass aus Holland
Wenn eine Razzia stattfindet, wird die Ware ins Gebüsch geworfen. Angeblich nur Grass, frisch angeliefert aus Holland. Den Beamten bleibt dann nur noch die Passkontrolle. „Die Polizisten kaufen ja selbst bei uns ein, es kam sogar schonmal einer in Uniforum“, sagt ein Dealer. Nicht immer läuft es so harmonisch ab zwischen Polizei und Dealern. „Wir haben auch schon mal einen Zivilpolizisten vom Fahrrad gerissen und seine Kamara zerstört, weil er uns fotografiert hat”, sagt der 29-Jährige. - Eigentlich ganz sympatisch.
