Ein filmischer Leckerbissen
„Delicatessen“ ist ein anarchisches Märchen über die skurrilen Essgewohnheiten der Bewohner eines Mietshauses. Auf ihrem Speiseplan ganz oben: Der Hausmeister.
„Sie haben Ihn aufgegessen, das müssen Sie sich vorstellen, aufgegessen!“ Während der ehemalige Clown Louison (Dominique Pinon) noch den Tod seines Showpartners, des Äffchens Dr. Livingston, beklagt, ahnt er nicht, dass er bereits selbst auf dem Speiseplan des Fleischermeisters Clapet und seiner psychotischen Mietergemeinschaft steht.
Was wie der Plot eines mittelmäßig bis schlechten Horrorfilms klingt, ist das bezaubernde Spielfilmdebüt des französischen Regie-Duos Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro aus dem Jahre 1991. Bekannt wurden die beiden vor allem durch ihren späteren Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, der international erfolgreichste französische Film aller Zeiten. Doch bereits in Ihrem Debüt mit dem bezeichnenden Namen „Delicatessen“ erschaffen Jeunet und Caro, damals eher noch aus Geldmangel, eine surreale Märchenwelt, die durchgehend in braun-gelben Farbtönen gehalten ist und deren marode Studiobauten eine postapokalyptische Ästhetik vermitteln. Die absurden Angelegenheiten der Bewohner dieser schaurig-schönen Welt werden in einzelnen Episoden miteinander verwoben, doch verbindet sie insbesondere eines: Die Nahrungsbeschaffung.
Der Fleischermeister Clapet lockt mit einem ständig vakanten Hausmeisterposten die potenziellen Schlachtkandidaten, ein Mann züchtet in seiner feuchten Kellerwohnung Schnecken und Frösche für ein bisschen Zusatznahrung, andere Mitbewohner opfern ihre Gliedmaßen der hungrigen Mieterschaft und militante Vegetarier aus der Kanalisation eilen dem Clown Louison für ein paar Säcke Mais zu Hilfe, um ihn vor dem Metzgerbeil zu retten. Zusammengehalten wird die Handlung durch die sündlose Liebe zwischen Louison und Julie (Marie-Laure Dougnac), der Tochter des Fleischers.
Ein Geheimtipp für Liebhaber des bizarren Kinos, die vielleicht auch Peter Jackson schon vor „Herr der Ringe“ zu schätzen wussten.
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