Kulturen

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„The Age Of Stupid“: Für die grüne Tonne…

Mit ihrem neuen Film verkauft Franny Armstrong uns für dumm. Einmal Erderwärmung für Anfänger. So erweist die britische Regisseurin dem Klimaschutz einen Bärendienst.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet [….] ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Ähnlich bauernschlau wie diese mit Vorliebe von Alt-68ern auf Stickern publizierte Redewendung der kanadischen Cree-Indianer kommt auch Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“ daher.

Die britische Regisseurin nahm die im Dezember dieses Jahres anstehenden Verhandlungen zum Nachfolgevertrag von Kyoto zum Anlass, eine Dokufiktion zum Thema Klimawandel zu drehen. Doku, weil neben mehr oder weniger manipulierten Nachrichtenmitschnitten auch vermeintlich „echte“ Menschen zu Wort kommen. Fiktion, weil das Ausgangsszenario eine Welt nach der Klimakatastrophe im Jahr 2055 ist.

Apocalypse now?

Der Film beginnt mit einer Auswahl wirklich schockierender Bilder: Sydney in Flammen, London überflutet, Las Vegas unter Wüstensand begraben – schockierend vor allem aufgrund kaum ertragbar schlechter Computeranimation.

Der offensichtlich einzig Überlebende der Katastrophe, ein namenloser Menschenfreund, nennen wir ihn Noah, zeigt den Zuschauern in einer Vielzahl kurzer Clips auf modernster 3D-Animationsoberfläche, wie es zur Klimakatastrophe kommen konnte. Sollte da tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Wirbelstürmen, Waldbränden, Flutwellen und der Erderwärmung bestehen?

Umweltbewusstsein: Nachsitzen!

So nimmt die Lehrstunde in Sachen Umweltbewusstsein ihren Anfang. Einwegflaschen aus Plastik sind böse, Öl ist böse, Krieg ist böse und Schuld an allem haben natürlich die Amerikaner. Und die Inder, denn von denen gibt es ziemlich viele und die wollen jetzt auch Billigairlines.

Die Gletscher schmelzen, die Herzen bleiben kalt

Es dauert nicht lang, da fließen die ersten Tränen. Nicht bei den Zuschauern, sondern bei dem sympathischen älteren Franzosen, einem Bergführer, der nun immer höher klettern muss, um überhaupt noch auf Gletschereis zu stoßen.

Und wessen Herz davon noch unberührt geblieben ist, den sollen dann die ein bis zwei mitleiderregende Quotenschluchzer des kleinen irakischen Jungen im Exil erweichen, wenn er von der Ermordung seines Vaters durch die Amerikaner erzählt –  was ihn jedoch nicht davon abhält, mit seiner Schwester Krieg zu spielen. Dabei kann man  sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese possierliche Sequenz vom Filmteam wenn nicht gar initiiert, dann zumindest forciert wurde.

Plastik statt plastisch

Überhaupt hat all das so deklariert Reale den bitteren Nachgeschmack des Inszenierten: Die junge Afrikanerin, die eigentlich Ärztin werden möchte, nun aber auf dem Schwarzmarkt Diesel verkaufen muss, weil die Flüsse vergiftet und die Fische gestorben sind. Der engagierte Engländer, der mit seiner Windenergieanlage am Wiederstand der in ihrem ästhetischen Empfinden gekränkten Bürger scheitert. Und der Amerikaner, der durch Hurrikan Katrina alles verloren hat, außer seiner Harley, seine Nikotinsucht und seinem Spaß am American Way of Life.

Alle bedienen gängige Klischees und helfen dem Zuschauer zu verstehen, dass es eben nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse gibt. Franny Armstrong betreibt politische Aufklärung auf Grundschulniveau, die Kunst der Persuasion ist ihr offensichtlich nicht geläufig.

Populistische Pollution

Ein einseitiger Blick auf die Ausbeutungsstrukturen des kapitalistischen Konsumsystems auf dem Niveau von aufmerksamkeitsheischendem Boulevardjournalismus ist purer Populismus in bester Sabine-Christiansen-Talk-Manier.

Phasenweise fragt man sich, wann sich wohl Michael Moores dicker Hintern endlich vor die Kamera schiebt. Und ähnlich wie Moores Filme berührt auch „The Age of Stupid“ so, wie von Bettlern in Fußgängerzonen zur Schau gestellte Amputationsstumpen: unterhalb der Gürtellinie der moralischen Würde.

Who’s the stupid?

Das umweltfreundlichste an diesem Film ist noch seine Herstellung: „lediglich 94 Tonnen CO2 wurden ausgestoßen – etwa so viel wie fünf Amerikaner in einem Jahr verbrauchen“ weiß die Pressemitteilung. 94 Tonnen zuviel.

Vielleicht leben wir ja in „The Age of Stupid“, was nicht heißt, dass wir in einer Welt voller Dummen leben, für die Gut gemeint nicht trotzdem noch das Gegenteil von Gut wäre.

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