Kulturen

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Lesen mit sechs Punkten

Louis Braille erfindet 1825 die Punktschrift

Louis Braille erfindet 1825 die Blindenschrift

Blindheit ist in den Köpfen vieler Menschen ein unüberwindbares Schicksal. Es ist ein Leben in ständiger Abhängigkeit – so könnte man meinen. Die Geschichte einer Erfindung mit fühlbarem Erfolg.

Dave ist zwölf Jahre alt, besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums und hat eine große Leidenschaft – das Lesen. Doch Dave ist blind. Im Alter von drei Jahren nimmt ihm eine Netzhautablösung das Augenlicht, still und leise. So leise, dass er sich kaum mehr an die Zeit vor der Blindheit erinnern kann. Nur in seinen Träumen werden lange vergessene Bilder wieder Wirklichkeit.

Dave muss die Schulbank drücken, wie jedes Kind in seinem Alter. Mathe, Deutsch, Biologie und auch vom lästigen Vokabelpauken ist er nicht freigesprochen. Schuld daran ist ein Mann – der Franzose Louis Braille. Er ist der Erfinder der Schrift, die Blinden in aller Welt bis heute das Reich des Lesens eröffnet.

Ein Würfel steht Model

Selbst im Alter von sechs Jahren erblindet, entwickelt Louis Braille 1825 mit nur sechzehn Jahren die nach ihm benannte Blindenschrift – die Brailleschrift.

Die Idee für seine Erfindung liefert sein eigener Vater. Er schnitzt seinem blinden Sohn einen Spielwürfel aus Holz, bei dem er die Augenzahl ertasten kann. Louis merkt schnell, dass die maximal sechs Punkte optimal mit einer Fingerkuppe zu erfassen sind. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelt er sein System: Aus den sechs Punkten der Augenzahl sechs entwickelt Louis 64 verschiedene Kombinationen aus erhabenen und nicht erhabenen Punkten. Auf diese Weise lassen sich alle Buchstaben des Alphabetes, die Zahlen null bis neun und diverse Sonderzeichen darstellen. Die Idee ist ebenso genial wie einfach.

1850 wird seine Schrift an französischen Blindenschulen eingeführt. Den internationalen Durchbruch seiner Erfindung erlebt Louis Braille nicht mehr – er stirbt 1852 in Paris an Tuberkulose.

Auch heute noch gefragt

Lesen mit der Hand

Lesen mit der Hand

Und auch im technologiegeprägten 21. Jahrhundert sind Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in der Brailleschrift noch sehr gefragt. Martin Fuchs, Leiter einer der größten Druckereien in Deutschland, die sich auf die Herstellung von Printmedien in der Punktschrift spezialisiert hat, erklärt es so: „Wenn Sie sich vorstellen, Sie hören etwas – da ist ja eine Stimme dahinter. Und mit dieser Stimme assoziieren Sie irgendwas. Wenn Sie selber lesen, dann geht die Phantasie auf Reisen.“

Der Traum vom Schreiben

Auch Dave schickt seine Phantasie gerne in ferne und fantastische Welten. Jede freie Minute verbringt der Zwölfjährige in der Schulbibliothek. Und wenn er mit seinen Gedanken nicht gerade mitten in einem spannenden Buch steckt, schreibt er selber – Gedichte und lange Geschichten. Damit ist er seinem Traum schon ganz nah, eines Tages ein bekannter Schriftsteller zu sein.

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