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	<title>Kulturen &#187; Anna Frenyo</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Die Einsichten einer Barfrau</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 12:23:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna Frenyo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Barfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

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		<description><![CDATA[Motto: Niemandem Ahn. Gedicht von Endre Ady.
Niemandem Ahn &#8230;
Niemandem Ahn, niemandem Erbe,
Niemandem anverwandt, bekannt, und sterbe&#8230;
Bin jemand &#8211; keinem,
Bin jemand &#8211; keinem.
Bin doch, wie jeder andere: Hoheit,
Nordkap, Geheimnis, Fremdheit, Soheit,
Irrlichternd, ferner Schein,
Irrlichternd, ferner Schein.
Doch ach, kann weiter so nicht bleiben,
Würde mich andern gerne zeigen,
Dass sie mich wirklich sähen,
Dass sie mich wirklich sähen.
Dafür all dies: Selbstqual, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Motto</em>: Niemandem Ahn. Gedicht von Endre Ady.</p>
<p><strong>Niemandem Ahn &#8230;<br />
Niemandem Ahn, niemandem Erbe,<br />
Niemandem anverwandt, bekannt, und sterbe&#8230;<br />
Bin jemand &#8211; keinem,<br />
Bin jemand &#8211; keinem.</strong><br />
<strong>Bin doch, wie jeder andere: Hoheit,<br />
Nordkap, Geheimnis, Fremdheit, Soheit,<br />
Irrlichternd, ferner Schein,<br />
Irrlichternd, ferner Schein.<br />
Doch ach, kann weiter so nicht bleiben,<br />
Würde mich andern gerne zeigen,<br />
Dass sie mich wirklich sähen,<br />
Dass sie mich wirklich sähen.<br />
Dafür all dies: Selbstqual, mein Singen,<br />
Könnt&#8217; man mir Liebe doch entgegenbringen,<br />
Und ich wär&#8217; jemandes,<br />
Ich wäre jemandes.</strong></p>
<p>(Könnt man mich lieben doch &#8211; Übertr. v. A. W. Tüting)</p>
<p>Es ist um drei in der Nacht, das Konzert ist vorbei, die meisten Gäste sind schon heimgekehrt, nur die Band ist noch dabei. Langsam kann die Frau hinter dem Tresen auch durchatmen. Sie arbeitet schon seit einigen Monaten in der kleinen Bar in Neukölln und hat sich schon vielerlei Geschichten von den Gästen angehört. Sie nennt sie einfach Berliner Geschichten. Ihr gemeinsamer Nenner ist, dass jeder Erzähler ein Mensch ist, der in einer Grenzsituation lebt. Das Leben hat sie irgendwie nach Berlin gebracht, und nun sind sie hier und versuchen mit dem Ganzen etwas anzufangen.</p>
<p><strong>&#8220;Es ist die Einsamkeit. Ich treffe sie manchmal&#8221;</strong></p>
<p>Ein schon seit Jahren hier lebendes amerikanisches Mädchen, Molly, 32, fängt an, über ihr Berlin-Erlebnis zu erzählen. „Es ist die Einsamkeit. Ich treffe sie manchmal. Sie erscheint wie ein Dieb, mit einer großen, schwarzen Kapuze, angsterregend kleinen blauen Augen und Zähnen, die vom Rauchen schon gelb sind. Ich merke wie er mir in der S-Bahn gegenübersitzt und mich anstarrt. Dann legt der Dieb seine Hand auf meine Schulter und alles beginnt um mich herum zu gefrieren. Und er rattert mit mir durch die immerwährenden, ewig dauernden S-Bahnfahrten über graue, dürre Industrielandschaften, und ich werde von seinem eiskalten, sauren Atem umnebelt. Ich kann ihn nicht loswerden.“</p>
<p>Sie lacht trotzdem, und nimmt das Leben mit mancher Sicherheitsladung von Marihuana wahr. Sie lebt seit vielen Jahren in Berlin. Eine fünfjährige Ehe liegt schon hinter ihr sowie eine Scheidung, Theatherstudium, Weltreisen. Jetzt hat sie ihren eigenen Klamottenladen in Berlin und singt bei einer psychedelischen Jazz-Rock-Band, die in der Neuköllner Bar gerade aufgetreten ist. Bald trifft ihre asiatische Freundin ein, die in einer Bäckerei arbeitet und einen Haufen leckerer belegter Brötchen mitbringt, die Überreste des Tages. Molly vermisst ihre Familie in den USA tierisch, und kann kaum erwarten, über Ostern nach Hause zu fahren (ihre Großmutter, eine Jazz-Sängerin feiert ihren Geburtstag), aber sie würde Berlin auf Dauer nicht mehr verlassen. Sie hat ihr Leben hier schon aufgebaut.</p>
<p><strong>Seit fünf Jahren auf der Suche nach Vollständigkeit</strong></p>
<p>Sabine, 29, geht es ähnlich. Sie gehört zu den aus Deutschland stammenden Berlin-Zugezogenen, die als erfolgreiche Singles in der Stadt leben. Während des Tages ist alles in Ordnung, man muss arbeiten. Weniger glücklich ist sie, sobald sich der Abend niedersinkt. „In den letzten Wochen bin ich traurig“,  erzählt sie. „Ich habe den Sack voll von der Jagd auf Ereignisse, Menschen, Geschehnisse, nur damit es irgendetwas gibt, damit ich irgendwo hingehöre, damit ich nicht einsam bin.“ Seit fünf Jahren wohnt sie in Berlin und ist immer noch auf der Suche nach Vollständigkeit.<br />
Und dann gibt es den, der sich verzweifelt klammert. Dieser Typ von Mensch würde sich gleich mit beiden Händen festkrallen an dem, der ein wenig nett zu ihm ist. „Berlin ist eine einsame Stadt“, seufzt Markus, 35. Er rannte vor einer schlecht gelaufenen Liaison aus Köln davon. Die Folgen dessen wird er dennoch ein Leben lang tragen: ein krankes Kind und das hohe Vaterschaftsgeld. Seine Vergangenheit begleitet ihn, egal was er macht. Verzweifelt hat er versucht, zu allen möglichen Menschen Kontakte zu knüpfen, Programme zu organisieren, Seelenverwandte zu finden, aber das kopflose Herumtreiben hat an dem Wesentlichen nichts geändert. Er gehört nirgendwo hin, für niemanden ist er Jemand in dieser Stadt. Das Biest der Einsamkeit sitzt in seinem Nacken und lässt ihn nicht atmen.</p>
<p><strong>&#8220;Apropos, würdest Du mir deine Handynummer geben?“</strong></p>
<p>Der lustige Kerl bestellt sich noch ein Bier. Dieser Typ leidet auch bitter, aber er schreibt schmerzstillende Lieder, die er auch vorträgt, und das hilft bei der Aufarbeitung. Er mag das Leben viel zu sehr, um sich von etwas zu lange niederdrücken zu lassen. „Ich bin wegen einer Frau gekommen“, so Roberto, 38, der Italiener. „Als ich ankam, wollte sie nicht mehr mit mir sein. Was hätte ich tun können? Ich musste es überleben. Jetzt war ich schon da. Ich bilde mich weiter, spiele Musik, arbeite. Es ist drei Monate her, und es tut immer noch weh, aber ich will es nicht mehr rückgängig machen. Wie ich meine Tage verbringe? Ich ziehe durch die Gegend und gucke, wo ich musizieren kann, und schreibe Lieder“, und er lächelt. „Schau, ich spiele dir eins vor. Das habe ich noch über sie geschrieben. Apropos, würdest Du mir deine Handynummer geben?“</p>
<p>Molly bittet um einen Aschenbecher, und spricht fort: „Ja, wie in dem Ungarischen Gedicht, aus dem du zitiert hast: hier bin ich „Niemandem Ahn, niemandem Erbe/ Niemandem anverwandt, bekannt, und sterbe&#8230;/ Bin jemand – keinem.” Das ganze ist nur ein Tanz der Spiralen, bei dem jeder nur um sich herum kreist, ab und zu mit einem anderen verfangen wird, aber eigentlich zu niemandem richtig Kontakt hat.<br />
Aber weißt Du, ich habe schon an vielen Orten der Welt gelebt. Es war überall genauso. Und aus den Spiralen gibt es einen Ausweg, nur diese Leute – ich auch – sind bei den Stationen unserer Vergangenheit stehengeblieben, wir haben unaufgearbeiteten Kummer oder Schuldgefühle wegen früheren Entscheidungen, und wir können den Knoten nicht mehr lösen – wir sitzen in der Grube anstatt an uns selbst zu arbeiten.“</p>
<p><strong>Alles im Leben weitergeben</strong></p>
<p>Claudia, 48, Schauspielerin, liest aus dem Dialog zwischen Eva und Charlotte in Bergmans Herbstsonate vor. Mutter und Tochter treffen sich nach vielen Jahren wieder. Vorwürfe der Tochter an die Mutter. Es wäre doch so einfach, mit dem scheinbaren Opfer einverstanden zu sein. Aber Charlotte ist nur aus dem Gesichtspunkt von Eva Täter. Wenn sie ihre Geschichte erzählt, verstehen wir, warum sie ihre Tochter so behandelt hat – sie hat nur das weitergegeben, was sie zu Hause erfahren hatte. „Diese Sachen können nicht vergeben werden“, so Claudia, „und es macht sowieso keinen Sinn, über die zu reden, denn es ändert nichts mehr. Das Interessante ist, wie man in dem Jetzt mit seinem Leben umgeht. Hat er aus der Situation, die ihm zugeteilt worden war, gelernt, um danach weiterschreiten zu können? Mutter und Tochter bekommen eine neue Chance durch das Treffen. Eine Chance, etwas in sich selbst zu lösen, zudem sie bisher unfähig waren. Es geht nicht um die beiden, sondern um jeden einzelnen selbst.</p>
<p>Mein Gebet lautet: Lass mich so lieben, dass ich nichts und niemandem dermaßen zugeneigt bin, um ihn nicht jede Zeit gehen lassen zu können, und sollte ich letzteres tun, dann soll ich wissen, dass ich auch das aus Liebe mache.</p>
<p>Der Rest? Der kann nur mit Humor begriffen werden. Wie der alte Spruch sagt: Man kann nicht alles bekommen, was man will, aber man soll ja froh sein, wenn man nicht das bekommt, was man verdient hat.“</p>
<p>Berliner Geschichten. Einige aus den vielen, die die Barfrau in der Neuköllner Nacht hinter dem Tresen mitbekommt. Menschen, die in einer Grenzsituation leben, die irgendwie hierhin geraten und nun da sind. Und versuchen mit dem Ganzen etwas anzufangen.</p>
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		<title>Wer steckt hinter dem Poker Face? Portrait über Lady Gaga</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 23:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna Frenyo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[lady gaga]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Vorbereitung für den Artikel über Lady Gaga habe ich unter anderem verschiedene junge Menschen in Berlin und Budapest nach ihrer Meinung über die Künstlerin befragt. „Eine interessante neue Erscheinung, die keine besondere Stimme hat oder außerordentlich schön aussieht, aber trotzdem große Aufmerksamkeit erregt. Sie könnte eine bedeutende Person der aktuellen Pop-Geschichte werden.” – lautete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Vorbereitung für den Artikel über Lady Gaga habe ich unter anderem verschiedene junge Menschen in Berlin und Budapest nach ihrer Meinung über die Künstlerin befragt. „Eine interessante neue Erscheinung, die keine besondere Stimme hat oder außerordentlich schön aussieht, aber trotzdem große Aufmerksamkeit erregt. Sie könnte eine bedeutende Person der aktuellen Pop-Geschichte werden.” – lautete die Antwort der meisten Befragten. Ich selbst wurde im Frühling dieses Jahres besonders aufmerksam auf die neue Popdiva, als ich in einem berühmten Berliner Club den Beat ihres Hits Poker Face gehört habe und den nicht überfordernd schweren Text des Liedes mit zwei New Yorker Jungs auf der überfüllten Tanzfläche gemeinsam gesungen habe (Pa-pa-pa-…-poker face…). Zweifellos: Lady Gaga bringt mit ihren Liedern die ganze Welt der Clubs in New York über Berlin bis Tokio in Bewegung.</p>
<p><strong>„Enfant Terrible“ des Musikgeschäfts</strong></p>
<p>Doch wer ist diese neue Erscheinung auf dem Musikmarkt? Die in New York geborene, aus einer italienischen Familie stammende Sängerin/Songwriterin heißt ursprünglich Stefani Joanne Angelina Germanotta. Ihren Künstlernamen hat sie vom Queen-Klassiker Radio Gaga übernommen. Nicht zufällig, denn laut ihrer offiziellen Biographie  gehören Queen und David Bowie zu ihren musikalischen Vorbildern, die auch ihr den Hauch des Glam-Rock verliehen haben. Lady Gagas Stil vereint die charakteristischen Merkmale des Pop, Dance und Rock. Die 23-jährige Showlady hat schon drei Hits geschrieben: Just Dance, Poker Face und Paparazzi und ist im Jahre 2008 für den Grammy Award und im Jahre 2009 für den MTV Video Music Award nominiert worden, neben Konkurrentinnen wie Beyoncé und Britney Spears. Auf ihrer Deutschlandtour vor kurzem tobten Tausende von Teenagern in den ausverkauften Konzerthallen von München, Köln, Berlin und Hamburg.</p>
<p><strong>Zwischen Britney Spears und Pink</strong></p>
<p>Im Gegensatz zu den lyrischen Balladensängerinnen wie Celine Dion, Mariah Carey, Whitney Houston oder heutzutage Christina Aguilera und Leona Lewis debütierte Lady Gaga mit provozierenden, rhythmischen Liedern (Just Dance, Poker Face). Insofern war der Beginn ihrer musikalischen Karriere ähnlich wie bei Britney Spears (Oops I Did It Again) oder in den ´80er Jahren Kylie Minogue (Locomotion, I Should Be So Lucky), die auch mit der Eroberung der Dancefloors angefangen haben und erst später mit lyrischen Balladen auftraten (wie Lady Gaga im Frühling 2009 mit Paparazzi), weil sie in erster Linie keine Balladensängerinnen sind. Doch wo gibt es noch Platz für die neue Diva? Britney Spears musste aus der Rolle des guten Mädchens durch ein neues, sexuell beladenes Image ausbrechen, mit Liedern wie Toxic oder Womanizer. Pink steht am anderen Ende der Skala: sie ist die groteske Provozierende. In der Mitte stehen Sängerinnen wie Gwen Stefanie, die das Publikum durch das Image der attraktiven Frau  erreichen wollen. Wo kann die ehemalige Gogotänzerin, die exhibitionistische Lady Gaga mit ihrem skurrilen Aussehen, ihren „hermaphroditischen“ Zügen, komischen, selbstgemachten Origami-Kleidern und ihren wilden Shows, in denen sie alle Broadway-Elemente kombiniert, ihren Platz finden?<br />
In den ´80er Jahren gab es ein ähnliches Phänomen: zwischen den Balladensängerinnen (Mariah Carey, Whitney Houston) und den Popsängerinnen (Madonna und Kylie Minogue) ist Samantha Fox plötzlich aufgetaucht und gleich berühmt geworden, allerdings kurz darauf wieder verschwunden. Wird der schnelle Erfolg von Lady Gaga wohl von Dauer sein und wird sie, wie sie es gerne hätte, zur Popikone?</p>
<p><strong>House of Gaga</strong></p>
<p>Auf ihrer offiziellen Website kann man das futuristische House of Gaga betreten, um mehr über die Künstlerin zu erfahren. Was ihr Zuhause betrifft, hat sie einen fundierten musikalischen Hintergrund: ihr Vater hat in verschiedenen Bands in New Jersey gespielt, und Stefanie selbst hat klassischen Klavierunterricht bekommen. Schon mit 14 hat sie angefangen zu singen und zu komponieren. In den folgenden Jahren hatte sie, wie sie sagt, in „jedem Club von New York City“ Auftritte und amüsierte das Publikum mit einer effektvollen, theatralischen Show, in der sie sogar Haarsprayflaschen anzündete, sich ihrer Kleider zum größten Teil entledigte und sich in lässiger Pose hinstellte, während die Discokugel herunterstieg . Doch nicht nur als Showfrau war sie tätig, sondern auch als Lyrikautorin. Sie hat für Künstler wie die Pussycat Dolls, mit denen sie später auch getourt ist, Britney Spears und Fergie von den Black Eyed Peas, Lieder geschrieben.<br />
Schon in ihrer katholischen Schule, der Convent of the Sacred Heart School,  war sie für ihren extravaganten und exzentrischen Stil bekannt. Sie war eine der wenigen Teenager, die für die New Yorker Tisch School of the Arts vorzeitig ausgewählt wurden , jedoch brachte sie das Studium nicht zu Ende.<br />
Drogenkonsum ist im Leben der jungen Frau nicht ausgeblieben, aber wie sie in Interviews bekennt, hat sie damit aufgehört, „da es ihren Eltern nicht gefallen hatte.“ Für ihre Eltern waren die Auftritte der Performance-Künstlerin auch gewöhnungsbedürftig, der Hang zur Provokation und zum Lasziven ist immer Teil ihrer Shows und Videos, in denen sie diverse Liebesspielchen durchführt, freizügige Texte singt und in Lack- und Leder-Corsagen, High-Heels und Netzstrümpfen herumtanzt.</p>
<p><strong>Revolution der Popmusik –Warhol folgen</strong></p>
<p>Ihre Inspiration bezieht sie aus der bildenden Kunst, besonders Andy Warhol hatte einen großen Einfluss auf ihre Ideologie. In ihrer Musikfabrik, im „House of Gaga“, in dem sie nur mit jungen Menschen musiziert, soll genauso gearbeitet werden wie in der „Factory“ von Warhol. Lady Gaga spricht über die Erneuerung der Popmusik  und vergleicht sie mit der hohen Kunst. “Wie erreiche ich, dass Pop und kommerzielle Kunst genauso ernst genommen werden wie hohe Kunst? Das ist was Warhol gemacht hat. (…) Wie kann ich inspirierende, frische und zukunftsorientierte musikalische Performances machen? Wir entscheiden was gut ist, und wenn die Ideen stark genug sind, können wir die Welt davon überzeugen, dass es Klasse ist.”  Welche Neuigkeiten sie genau einbringt und ob sie tatsächlich eine Revolution erreichen kann ist jetzt noch nicht vorauszusehen – hätte z.B. Kylie Minogue nach ihrem I Should Be So Lucky aufgehört, wäre sie nicht die reife Popdiva, die sie heute ist.<br />
Wie sie der Zeitschrift Brigitte verriet, bete sie jeden Tag, lese Rainer Maria Rilke, und sei eine Verehrerin Beethovens. In den Jahren des Studiums hat sie einige kritische Aufsätze über Kunst, Pop Art, Religion, soziale Strukturen und Politik geschrieben. Diese Erfahrungen haben sie auch zu der bewussten Künstlerin gemacht, die sie heute ist, und haben sie motiviert, in der Welt etwas verändern zu wollen.<br />
Sie will zum Nachdenken anregen, sie will die Popmusik revolutionieren: „Ich habe etwas ausgesprochen Kommerzielles genommen und habe es interessant gemacht.”  Und interessant ist Lady Gaga auf jeden Fall. Zumindest merkt man sich ihren Namen. Aber schafft sie es unter den vielen anderen Künstlern der Musikindustrie herauszuragen, nicht nur kurzfristig ein Star zu sein, sondern es auch zu bleiben? Ist diese freche, blutjunge Dame nur eine schon gehörte Klischeemischung aus Madonna, Gwen Stefani, Britney Spears und Christina Aguilera oder kann sie etwas bisher noch nicht Gehörtes und Gesehenes präsentieren? Vielversprechend ist die Tatsache, dass sie mit ihren beiden ersten Liedern zur Spitze der Amerikanischen Topcharts vorgedrungen ist. Und das haben vor ihr nur Tifanny (’87-88), Mariah Carey (’90) und Christina Aguilera (’99) geschafft. Könnte das schon ihre Zukunft prophezeien? An und für sich wären ihre Lieder vielleicht nur einige unter vielen anderen ähnlichen. Aber durch die „Persona“, die Lady Gaga auch außerhalb ihrer Shows ist, durch ihren Charakter, ihr außerirdisches, schockierendes Erscheinungsbild und das Selbstbewusstsein der Revolutionärin wird sie tatsächlich zur Besonderheit unter den anderen Diven des Musikgeschäfts.</p>
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