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	<title>Kulturen &#187; Cara Wuchold</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Unterwegs nach Überall</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 11:35:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cara Wuchold</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[ Der amerikanische Autor William T. Vollmann erzählt in &#8220;Hobo Blues. Ein amerikanisches Nachtbild&#8221; Güterzuggeschichten als Heldenliteratur. Er beschreibt in seiner literarischen Reportage eine alte Vagabundentradition. 
Hobos, das waren einst kühne Cowboys, die illegal auf Güterzügen Amerika durchkreuzten. Fern der von ihnen verachteten bürgerlichen Welt. Auf der Suche nach Arbeit am vorläufigen Zielpunkt einer der zahllosen [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><span id="more-822"></span>Hobos, das waren einst kühne Cowboys, die illegal auf Güterzügen Amerika durchkreuzten. Fern der von ihnen verachteten bürgerlichen Welt. Auf der Suche nach Arbeit am vorläufigen Zielpunkt einer der zahllosen Reisen durchs Land, und auf der Suche vor allem nach Freiheit, ihren eigenen Gesetzen gehorchend. Heute trifft Vollmann, bekennender Hobo-Verehrer und selbst immer wieder auf den Zugtrassen seines Heimatlandes unterwegs, vor allem verzweifelte und fertige Gestalten in den Camps an den Gleisen. Männer wie Ira, „der, stets in seinen glibberigen blauen Anorak und den Geruch nach altem Schweiß und verbranntem Müll gehüllt, mit federnden Schritten am Straßenrand entlangging, weg von der Lokomotive, von der er abgesprungen war, erst im Trott, dann rennend und rennend, querfeldein in seiner Angst.“ Männer wie Ira sind auf der Hut, auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen sie von Eisenbahnleuten mit Knüppeln von den Zügen geschlagen wurden. Vollmann spürt ihnen nach, findet einige Wenige, die reden wollen und viele verlassene Camps.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Scheiß Bürger und College-Bengel<br />
</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es sind die Fußstapfen von Jack London, Ernest Hemingway oder Thomas Wolfe, in die Vollmann tritt. Sie haben das Leben der Wanderarbeiter lange vor ihm beschrieben, und so liefert er viele ihrer Beobachtungen mit. Der Beatnik Jack Kerouac steht Pate mit „On the Road“. Wie Kerouac ringt Vollmann mit dem bürgerlichen Dasein, von dem er sich auf den Güterzügen für eine Zeit lang befreit, das in den Augen eines Hobo jedoch augenscheinlich an ihm klebt: „Und hör auf, dich zu rasieren, sagte der Mann. Laß dir einen Bart wachsen und verhalte dich unauffällig und hör auf, dich wie so ein beschissener College-Bengel zu benehmen.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ein Aufschneider ist Vollmann nicht. Sein Kumpel Steve Jones ist der Wagenfinder, liest die Karten, ist schneller und wendiger als er. Henry David Thoreaus „Walden“ und dessen von Geldgeschenken nicht ganz und gar unabhängigen gesellschaftlichen Rückzug zitiert er herbei, um sich für seine „privilegierten Eisenbahneskapaden“ zu rechtfertigen und die Triebfeder seines Schreibens in sympathischer Bescheidenheit zu benennen: Die Worte sollen inspirieren, Freude machen und Mut. Auch wenn der Text das nicht schaffen sollte, sei er „in aller ‚Aufrichtigkeit’ geschrieben worden“. Vollmann ist ein ehrlicher Berichterstatter, das zeigt sich schon in „An Afghanistan Picture Show“. Hier beschreibt er autobiografisch, wie er daran scheitert, die Mudschahedin im Kampf gegen die Besatzungstruppen der Roten Armee in Afghanistan zu unterstützen – und am Ende selbst von einem Partisanen durch Gebirgsflüsse getragen wird.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Attacke der Leidensgeschichten</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Autor trifft wenige Frauen und viele Männer an den Zugstrecken, die er zu Wort kommen lässt. Er lässt sich auf die Außenseiter ein, zollt ihnen Respekt. Denn er misst ihr Leben nicht an gesellschaftlichen Standards, denen er selbst nicht traut. Und er kommt ihnen nahe, auch im wirklichen Leben, das macht die Kraft seiner Erzählungen aus. Das ist ihm auch in seinem Roman „Huren für Gloria“ und seinem Blick auf die Prostituierten gelungen, der Perversion und Verletzlichkeit zeigt. „Manche der Geschichten attackieren mich wie wütende Geister“, heißt es in „Hobo Blues“. Aber Vollmann ist klug genug, nicht in Betroffenheitsphrasen zu verfallen und so zu tun, als verliere er sich in anderer Leid: „Ich schreibe dies und schreie es hinaus, meine damit gelegentlich auch meinen eigenen Schmerz, und dann vergeht der Schmerz wieder, wie alles andere.“</p>
<p>Es sind Nöte oder die Sehnsucht nach einer „Dieselvenus“, die die Männer auf die Gleise treiben und an Waggonwände malen. „Cold Mountain“ heißt das Traumland ihres Verbündeten Vollmann, dem die Zugfahrt durch die amerikanische Prärie seine Frau aus Oregon vergessen hilft. „Überall ist Cold Mountain“, behauptet er mal. „Denn Irgendwo ist es nicht.“ Der Sehnsuchtsort bleibt unerreicht und doch erklärtes Ziel.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>William T. Vollmann: Hobo Blues. Ein amerikanisches Nachtbild. Deutsch von Thomas Melle. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2009, 275 S.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 30.6pt; text-align: justify;"><strong></strong></p>
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		<title>Lieblingskunst im Bunker</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 09:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cara Wuchold</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[  Der Kunstsammler Christian Boros traut sich was. Kauft einen von Albert Speer konzipierten Bunker in der Reinhardtstraße 20 in Berlin und baut ein Penthouse oben drauf.

In den fünf Stockwerken zu seinen Füßen kann seit Juni 2008 auch die Öffentlichkeit Objekte, Skulpturen und Installationen sehen, die Boros nicht versteht. Denn das Nicht-Verstehen formuliert er [...]]]></description>
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<p><span style="font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;"><span id="more-783"></span></span></p>
<p>In den fünf Stockwerken zu seinen Füßen kann seit Juni 2008 auch die Öffentlichkeit Objekte, Skulpturen und Installationen sehen, die Boros nicht versteht. Denn das Nicht-Verstehen formuliert er als Motto seiner Sammlerstrategie auf seiner Website zur Kollektion. Vier Jahre währten die Umbauarbeiten. Aus den vormals 120 sind unter dem Architekten Jens Casper vom Berliner Büro Realarchitektur 80 Räume entstanden. Sie tragen Spuren vergangener Nutzungen als Luftschutzbunker, Gefängnis, Textil- und Lebensmittellager, Techno- und SM-Club. Betritt der Besucher das 3000 Quadratmeter große Gebäude fällt die Stahltür hinter ihm geräuschvoll ins Schloss. Jetzt ist Berlin draußen. Willkommen in Boros’ Welt.</p>
<p><strong>Ventilator im Schwebezustand</strong></p>
<p>Gleich im Foyer eröffnen sich unterschiedliche Perspektiven auf die Glocke des belgischen Künstlers Kris Martin, die tonlos schwingt. Es gibt Durchblicke aus den oberen in darunter liegende Stockwerke, so dass man Kunstwerken aus anderen Blickwinkeln wieder begegnet. Die Wände changieren zwischen 2,40 und 13 Metern, sind im Ursprungszustand belassen oder weiß gestrichen. Viel Platz vor weißem Grund hat der von der Decke hängende metallene Ventilator von Olafur Eliasson, der bereits im Rahmen der ersten Berlin Biennale im Postfuhramt zu sehen war. Angetrieben von eigener Kraft schwebt er durch die Lüfte und korrespondiert mit Zeichnungen, die unter Mithilfe von Eliassons Vaters entstanden sind.</p>
<p><strong>Schwarze Blitz-Skulptur</strong></p>
<p>Sich den Platz gefügig gemacht hat der vier Räume durchbrechende schwarze Blitz von Monika Sosnowska, der vom Besucher begangen werden kann. Ergebnis eines Auftrags von Boros an die Künstlerin, eine raumübergreifende Skulptur für den Bunker zu entwerfen.<br />
Christian Boros ist nah dran an der zeitgenössischen Kunst. Die Ausstellung ist famos besetzt und kuratiert. Abseits der Diskussionen um die Leerstelle einer Kunsthalle in Berlin, die vor allem junge Künstlerinnen und Künstler zeigt, ist ein inspirierendes Schmuckstück entstanden. Dass er allein auf dem Dach aus seinem Badezimmer in einen eingehängten Pool rutschen kann, sei ihm verziehen. Es lebe die Dekadenz, wenn sie solche Früchte trägt.</p>
<p><span style="font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;"><br />
<img class="alignleft size-thumbnail wp-image-790" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/09/boros_bunker1-150x150.jpg" alt="boros_bunker1" width="150" height="150" /><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-791" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/09/kris_martin_glocke2-150x150.jpg" alt="kris_martin_glocke2" width="150" height="150" /><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-792" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/09/techno_spuren1-150x150.jpg" alt="techno_spuren1" width="150" height="150" /><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-793" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/09/monika_sosnowska_blitz2-150x150.jpg" alt="monika_sosnowska_blitz2" width="150" height="150" /></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt; font-family: Arial;"><br />
</span></p>
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