<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kulturen &#187; Carolin Petersen</title>
	<atom:link href="http://kulturen.b3at.de/archives/author/carolin-petersen/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://kulturen.b3at.de</link>
	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
	<lastBuildDate>Mon, 12 Mar 2012 10:31:59 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.5</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Blocklaster</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/1199</link>
		<comments>http://kulturen.b3at.de/archives/1199#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 20:27:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturen.b3at.de/?p=1199</guid>
		<description><![CDATA[Avatar, das mit neuster 3-D- und Special Effects-Technik ausgestattete Kino-Spektakel von Blockbuster Regisseur und Drehbuchautor James Cameron (Terminator, Titanik) ist ein Trip durch Utopia.

Blaue Mars-, äh Patagonia-Männchen vom Volk der Na‘vi, physisch ausgestattet mit einer Mischung aus westlichen Schönheitsidealen &#8211; groß und schlank mit Kulleraugen &#8211; und schlechter Mundhygiene leben im Einklang mit der Tierwelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Avatar, das mit neuster 3-D- und Special Effects-Technik ausgestattete Kino-Spektakel von Blockbuster Regisseur und Drehbuchautor James Cameron (Terminator, Titanik) ist ein Trip durch Utopia.</strong><br />
<span id="more-1199"></span></p>
<p>Blaue Mars-, äh Patagonia-Männchen vom Volk der Na‘vi, physisch ausgestattet mit einer Mischung aus westlichen Schönheitsidealen &#8211; groß und schlank mit Kulleraugen &#8211; und schlechter Mundhygiene leben im Einklang mit der Tierwelt und der Natur.  Bedroht durch die geldgierige Menschheit, die ihren eigenen Planeten nahezu komplett ausgebeutet hat und nun auf die Ressorcen des Naturvolks umsteigen muss, eilt Ihnen der gelähmte Soldat Jack Skully zur Seite. Allein durch seine Gedankenkraft steuert er einen Na‘vi-Avatar, der in der für Menschen giftigen Athmosphäre existieren kann.</p>
<p>Während seiner Abenteuer in der an kitschige Jahrmarkts“gemälde“ erinnernden Fantasia-Welt begegnet er der fluoreszierenden Neytiri. Zwischen ihm und der „Pocahontas auf LSD“ entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die der Kinogänger in kleinen Variationen schon hundert Mal gesehen hat.</p>
<p>Und es bleibt nicht bei diesem déjà vu. Schon die Charaktere bedienen sämtliche Stereotype: der geldgierige Firmenboss, der psychopathische Elitesoldat mit markigen Sprüchen, die ideologische Forscherin und der gebrochene Held.</p>
<p><strong>Alles nur geklaut</strong></p>
<p>Auch der Plot, oder besser „die Plots“, kommt einem bekannt vor. Kein Geheimnis, dass James Cameron sich bei sämtlichen Sci-Fi-Geschichten, die ihn seit der Jugend begeistern, bedient hat.</p>
<p>Sci-Fi-Abenteuer, Drama, Liebes- und Katastrophenfilm, dazu noch ein wenig Utopia und Kriegsfilmhandlungen &#8211; dies alles gepresst in 160 Minuten. Kann das gut gehen?</p>
<p>Manchmal ist weniger mehr. Und in diesem Fall: weniger mitreißende Geschichten, weniger ausgearbeitete Charaktere, dafür mehr &#8211; viel mehr &#8211; Technik und Special Effekte.</p>
<p>78 Bilder pro Sekunde für die ausgefeilte 3-D Technik, anstatt der sonst üblichen 24 &#8211; (über)fordern das Auge und sind vielleicht der Grund dafür, dass Cameron das Denkzentrum nicht unnötig belastet. So bleibt die volle Gehirnkapazität für die visuelle Verarbeitung.</p>
<p>Denn da ist einiges zu tun. Drachenvögel schlagen einem mit ihren Schwingen fast ins Gesicht, Silberfisch-Hunde schnappen zu und lassen einen auf den Kinositzen zusammen zucken. Selbst in der letzten Reihe ist keine Ruhe zum Knutschen. Wozu nach der Betrachtung von der blauen Pocahontas und Skully bei selbigem wahrscheinlich sowieso keiner mehr die Lust verspürt.</p>
<p><strong>Ein Klischee jagt das nächste</strong></p>
<p>3-D-Nerdbrillen, die vor zwei Jahren noch cool gewesen wären, bringen einen so nah ans / fast ins Geschehen, dass man am liebsten zu Sigourney Weaver rennen möchte und schreien: „Warum??“, wenn sie sich in ihren virtuellen Hippie-Öko-Avatar mit Flecht-Rastas morpht.</p>
<p>Die Klischees machen sogar vor der Musik keinen Halt. Der Auftritt der Na‘vi, deren Kleidung und Schmuck schon sehr etho-lastig ist, wird natürlich mit afrikanischer Trommelmusik begleitet. Wohingegen die Militärhubschrauber mit triumphaler Marschmusik eingeführt werden.</p>
<p>Für James Cameron, den technik-verliebten Erfolgsregisseur, ist Avatar eine Spielwiese der Special-Effects. Nebenher gibt es ein paar laue Storys, die unter anderem die grüne Bewegung und die Anti-Kriegs-Haltung bedienen. Gepaart mit der richtigen und kostenintensiven Marketingstrategie (150 Mio. $, mehr als jeder Film zuvor) soll Avatar sämtliche Zuschauerrekorde sprengen.</p>
<p>(Werbe)technik, die begeistert.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturen.b3at.de/archives/1199/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Olafur Eliasson &#8211; ein Wettergott?</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/1101</link>
		<comments>http://kulturen.b3at.de/archives/1101#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 23:39:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturen.b3at.de/?p=1101</guid>
		<description><![CDATA[Ein Porträt über den klimapolitisch hoch brisanten Künstler
Olafur Eliasson ist einer der populärsten und erfolgreichsten Künstler der Gegenwart. Mit seinen 42 Jahren blickt der symphatische Däne mit isländischen Wurzeln auf eine rasante Karriere mit unzähligen Ausstellungen &#8211; unter anderem in der Londoner Tate Gallery und dem New Yorker MoMA &#8211; zurück. In seinem Werk beschäftigt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Porträt über den klimapolitisch hoch brisanten Künstler</strong><span id="more-1101"></span></p>
<p>Olafur Eliasson ist einer der populärsten und erfolgreichsten Künstler der Gegenwart. Mit seinen 42 Jahren blickt der symphatische Däne mit isländischen Wurzeln auf eine rasante Karriere mit unzähligen Ausstellungen &#8211; unter anderem in der Londoner Tate Gallery und dem New Yorker MoMA &#8211; zurück. In seinem Werk beschäftigt sich der Installationskünstler hauptsächlich mit physikalischen Naturphänomenen. Er erschafft Nebelfelder, zaubert leuchtende Regenbögen, versetzt Eisberge in geschlossene Räumlichkeiten und verändert spielerisch die Tageszeiten. Er ist Bastler, Forscher, Poet und Konstrukteur.<br />
Oft bestehen seine Installationen nur aus Wasser, Licht und ein paar Spiegeln. Sie sind verblüffend einfach und doch kompliziert. Optische Täuschungen und atemberaubende Effekte ziehen den Zuschauer in den Bann. Dabei sind die Reaktionen der Betrachter oft Teil des Kunstwerkes.<br />
Zu seinen Meisterwerken zählt ‚The Weather Project‘ &#8211; Ein artifizieller Sonnenaufgang, der 200 Millionen Menschen in das Tate Modern Museum in London gelockt hat. Die Besucher konnten auf dem Boden liegend durch schwere Nebelmassen  den „Sonnenaufgang“ und sich selbt in einem über die ganze Decke reichenden Spiegel betrachten. Die Menschen genossen die angenehme Stimmung, die durch die &#8211; wenn auch künstlich &#8211; aufgehende Sonne verbreitet wurde. Das Projekt war ein riesiger Erfolg und lockte viele Menschen an, die nicht zum eingesessenen Museumspublikum gehören.</p>
<p><strong>Spektakuläre Fälle</strong></p>
<p>Olafur Eliasson möchte, dass die Kunst etwas mit dem Leben zu tun hat und über die elitäre Kunstszene hinaus Menschen ansprechen. Manchmal holt er dafür die Kunst aus dem konservativen Gebilde ‚Museum‘, wie bei ‚The New York City Waterfalls‘.<br />
2008 ließ Eliasson 110 Tage lang 4 künstliche Wasserfälle rund um die Südspitze von Manhattan installieren und Unmengen von Wasser in den East River fallen. Das von der Stadt und Sponsoren finanzierte Projekt diente einerseits als touristische Attraktion, sollte aber auch Denkanstöße zu Umweltschutz und Stadtplanung geben.<br />
Ein weiteres Kunstwerk entstand in Zusammenarbeit mit dem Münchner Automobilhersteller BMW. Als reine Promotion-Aktion geplant, erwartete der Konzern von Eliasson ein bunt gestaltetes Auto, wie von seinen Vorgängern Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Das Ergebnis von ‚Your Mobile Expectations: BMW H2R Project‘ war eine von einer futuristischen Eishülle überzogene und verdeckte Karosserie. Die von Kühlaggregaten und Eismaschinen am Leben gehaltene gefrorene Hülle erinnerte an ein Iglu. Das Wasserstoff-Auto setzte ein Statement zu Ökologie, der Öl-Industrie, fossilen Kraftstoffen und der globalen Erwärmung.</p>
<p><strong>Der Künstler als Unternehmer</strong></p>
<p>Eliasson ist gut im Geschäft. Seine kleinen Kaleidoskope werden für um die 100.000 Euro versteigert. Größere Objekte erzielen ein Vielfaches an Gewinn oder kommen gar nicht erst auf den Markt, da sie schon während ihrer Entwicklung von Sammlern und Museen gekauft werden.<br />
In seinem Atelier auf dem Pfefferberg in Berlin, umgeben von stark befahrenen Straßen und abseits vom Trubel, arbeitet der Aktions- und Installationskünstler an bis zu 50 Projekten gleichzeitig. Wie in einem Designstudio werden neben den eigenen Projekten unterschiedlichste Auftragsarbeiten gefertigt; es entstehen Produkte wie Mode oder architektionische Werke. Für Eliasson ist die Herausforderung wichtig, „künstlerische Ideen in den Unterschiedlichsten Formaten zu testen“.<br />
Sein internationales Team besteht aus ca. 35 Mitarbeitern. Er beschäftigt neben Künstlern Ingenieure, Elektriker, Möbelbauer, Physiker, Wissenschaftler, Architekten und Modellbauer. Das Studio ist wie ein mittelständisches Unternehmen organisiert. Es gibt eine PR-Abteilung, die Buchhaltung, ein Archiv, Projektmanager  und nicht zuletzt Köche. Denn jeden Mittag wird zusammen an einem großen Tisch gegessen. Die Arbeit ist klar organisiert und hierarchisch aufgebaut.<br />
<strong><br />
Die Privatsphäre</strong></p>
<p>Olafur Eliasson beschäftigt sich nicht nur beruflich mit Nachhaltigkeit. Der Künstler ist Philanthrop.Ein Teil der Einnahmen des Studios gehen an eine selbst gegründete Hilforganisation, die ein ostafrikanisches Weisenhaus unterstützt.<br />
Privat ist er mit diesem Land durch seine beiden äthiopischen Adoptivkinder verbunden. Er lebt mit ihnen und seiner Frau zusammen in Hellerup bei Kopenhagen. Er hält sich aus der Glamourwelt fern und widmet sich ganz seiner Arbeit und dem Privatleben.<br />
Seine künstlerische Laufbahn begann an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Hier verbrachte er auch seine Kindheit mit der Mutter, einer Näherin, und dem Vater, der selber Künstler war. Zu seinen Vorbildern gehörte Robert Irwin. Seine pragmatischen Vorstellungen von Körper und Raum entsprechen Eliassons Vostellungen von der Realität.</p>
<p><strong>Eliassons Traum &#8211; ein Raumexperiment</strong></p>
<p>Seit April dieses Jahres leitet Olafur Eliasson als Professor das Institut für Raumexperimente an der UdK Berlin. Seit langem hegte er den Wunsch, ein eigenes Museum mit integrierter Kunstschule und Hotel zu erbauen. Die Menschen sollen dort leben und Zeit verbringen. Das Gebäude gäbe die Form vor, die Räume wären die Kunstwerke und die Besucher, Studenten und Hotelgäste die Performance-Künstler.<br />
Diesem Traum ist er durch das Institut für Raumexperimente ein Stück näher gekommen. Die Kurse finden inmitten des Eliasson-Komplexes statt, zwischen und im Austausch mit seinen Mitarbeitern und Besuchern der Kunstschmiede. Der Künstler versteht sich als Mitstudent. Er möchte „einen Dialog führen, der Inspiration für alle eröffnet.“<br />
Gerade in der heutigen Zeit mit unserer klimatpolitischen Situation sind Eliassons Kunstwerke aktueller und brisanter denn je. Auch wenn seine Werke &#8211; wie zum Beispiel die Wasserfälle, der künstliche Sonnenaufgang oder das ständig zu frostende Auto &#8211; selbst Energieschlucker sind und somit Beschleuniger der Klimakatastrophe, so sind doch 2 Millionen Autofahrer, die nach der Betrachtung darüber nachdenken, ob sie selbst nicht eine große Schuld tragen und ihr Verhalten ändern, ein paar ausgelastete Kühlaggregate wert.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturen.b3at.de/archives/1101/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gebrochene Flügel</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/936</link>
		<comments>http://kulturen.b3at.de/archives/936#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 18:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturen.b3at.de/?p=936</guid>
		<description><![CDATA[Starchoreograph Jiri Kylián inszeniert mit „Zugvögel“ seinen liebevoll melancholischen Abschied von der Bühne.

Das zur Festwoche des Bayerischen Staatsballetts uraufgeführte Ballett „Zugvögel“ des Choreographen Jiri Kylián ist zugleich auch sein Abschiedswerk. Es ist ein sentimentaler Rückblick auf das Theaterleben und die ängstliche Frage nach der Zukunft, wenn die Jugend der Vergangenheit angehört und der Lebenstraum bereits [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Starchoreograph Jiri Kylián inszeniert mit „Zugvögel“ seinen liebevoll melancholischen Abschied von der Bühne.</strong></p>
<p><strong><span id="more-936"></span></strong></p>
<p>Das zur Festwoche des Bayerischen Staatsballetts uraufgeführte Ballett „Zugvögel“ des Choreographen Jiri Kylián ist zugleich auch sein Abschiedswerk. Es ist ein sentimentaler Rückblick auf das Theaterleben und die ängstliche Frage nach der Zukunft, wenn die Jugend der Vergangenheit angehört und der Lebenstraum bereits erfüllt ist.</p>
<p>Die Inszenierung um Tod und Leben, das Älterwerden und die Liebe ist Kyliáns Ehefrau und Muse Sabine Kupferberg gewidmet. Als langjährige und noch im Alter auf der Bühne stehende Tänzerin war sie für eine der Hauptrollen vorgesehen. Wegen eines tragischen Bühnenunfalls kurz vor der Premiere des Stückes übernahm Caroline Geiger ihren Part. Zusammen mit Peter Jolesch spielt sie das gealterte Tänzerpaar im Mittelpunkt der Inszenierung.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Die Unterwelt</strong></p>
<p>Der Abend beginnt mit einem Rundgang durch die Katakomben des Nationaltheaters. Karine Guizzo hat eine Unterwelt mit Tänzer-Vögeln und Installationen gestaltet, die auf das Bühnenstück einstimmt. In jedem Winkel des Unterbaus bewegen sich Tänzer in Vogelkostümen zu leisem Gezwitscher und spitzen Schreien. Ihr melancholischer Tanz mit sehr langsamen und monotonen Gesten erinnert an die Insassen eines Vogelkäfigs – der Freiheit beraubt und ohne Hoffnung. Der düstere Parcours führt durch niedrige Gänge über Metalltreppen hinweg schließlich direkt auf die Bühne des Theaters.</p>
<p><strong>Flugschau</strong></p>
<p>Zur digitalen Musik von Komponist Dirk Haubrich beginnt das Ballett. Immer wieder ertönt eine murmelnde Stimme, die die Nachkommastellen der Zahl Pi als ein Symbol für Unendlichkeit aufsagt. Der Bühnenraum ist von Michael Simon durch lange flatternde Stoffstreifen abgegrenzt, durch die die Tänzer in ihren puristischen Kostümen von Yoshiki Hishinuma effektvoll die Tanzfläche betreten und einnehmen. Wie Zugvögel tauchen sie plötzlich auf und verschwinden wieder. Die Symbolik des Fliegens und Weiterziehenmüssens als Metapher taucht in kleinen Variationen immer wieder auf.</p>
<p>Die Farbwelt von Bühne und Kostüm beinhaltet Schwarz und Weiß mit allen Graustufen plus Metallic-Blau und zarte Nude-Töne, wodurch eine kühle und düstere Atmosphäre entsteht, fern aller Bühnen-Theatralik. Riesige wehende Stoffbahnen und aufblasbare Mäntel aus Fliegerseide wirken bedrohlich und gleichzeitig schwerelos. Kubische Ballons schweben auf den Köpfen der Tänzer und lassen sie wie Marionetten erscheinen, die in eine Richtung gezogen und dirigiert werden.</p>
<p><strong>Katz-und-Maus-Spiel</strong></p>
<p>Die Inszenierung wird durch vier surreale Filmsequenzen von Jiri Kilián und Boris Paval Conen unterteilt, in denen die alternde Sabine Kupferberg ihrem Kind-Alter-Ego begegnet. Das Mädchen findet beim Spiel am Meer ein Miniatur-Modell des Nationaltheaters, das wie Strandgut vom Wasser umspült wird. Eine Mischung aus Faszination, Angst und Neugierde halten das Mädchen im Bann. Auf der Flucht vor dem Erwachsenwerden versteckt es sich in dem Theater, doch folgt ihr die alte Frau über Foyer und Freitreppe durch ein Labyrinth aus Spiegeln und Gängen. Ein Katz-und- Maus-Spiel mit beinahe komischem Charakter beginnt, bis die Frau und ihr junges Ich sich schließlich im Spiegelbild gegenüberstehen. Die Alte streicht wehmütig über ihr faltiges Gesicht und voll von Trauer flieht sie vor ihrem Antlitz nach draußen in die Dunkelheit. Ein Schwarm Zugvögel begleitet sie mit ihren Schreien auf der Flucht.</p>
<p><strong>Episoden</strong></p>
<p>Das Ballett ist mit Episoden des Theaterlebens durchzogen: Junge Tänzer erstürmen wild und voller Energie zu gehetzten Rhythmen die Tanzfläche. Voll Geltungssucht versuchen sie, das Publikum einzunehmen. Zwei Diven konkurrieren miteinander um die Vormachtstellung am Theater und duellieren sich mit einem Tanz, bei dem jede versucht, die andere in den Hintergrund zu drängen. Eine Solistin schreitet auf dem Rücken ihrer Tanzpartner über die Bühne und treibt sie wie eine Domina zu immer größeren Leistungen an.</p>
<p>Dazwischen tritt wie ein roter Faden das ältere Paar auf, gespiegelt von jüngeren Tänzern, die sie selbst in der Vergangenheit oder ihre junge Konkurrenz darstellen. Voll Trauer blickt die weibliche Hauptrolle mit ihrem gebrochenen Flügel zurück. Angst vor der Zukunft und der eigenen Unzulänglichkeit lassen sie fast wahnsinnig werden. Ihr Partner versucht zu trösten, ihr die Angst zu nehmen, einen neuen Weg aufzuzeigen. Doch auch er ist nicht frei von Zweifeln.</p>
<p><strong>Aus der Asche</strong></p>
<p>Zum finalen Akt erklingt Maurice Ravels „La Valse“. Das gesamte Ensemble wiegt sich in Walzerklängen. Das Theater-Modell aus der Filmsequenz erscheint auf der Bühne und verwandelt sich in einen Sarg, der schließlich in Flammen aufgeht. Das ganze Opernhaus scheint bis hinauf in die Ränge zu brennen. Der Vorhang fällt wie Asche über die Szenerie, das Theater stirbt. Doch steigen durch Filmprojektionen erneut geflügelte Tänzer wie der sagenhafte Phönix empor. „Zugvögel“ ist ein wunderschönes Ballett über die Liebe zum Theater und zum Tanz, über Abschiede und den Tod.  Jiri Kyliáns letzte Inszenierung ist sein Abschied vom Theaterleben – denn auch er muss weiterziehen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturen.b3at.de/archives/936/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

