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	<title>Kulturen &#187; Frederike Ebert</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Märchnschloss geplant, Luftschloss gebaut</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:48:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer Luftschlösser baut, muss sich nicht wundern, wenn sie zerplatzen. Dem Berliner Stadtschloss scheint dieses Schicksal gleich doppelt zu widerfahren: Erst ließ Walter Ulbricht den Originalbau 1950 als Symbol des preußischen Absolutismus sprengen und nun scheinen auch die Pläne für eine Rekonstruktion des Schlosses zu Schutt und Asche zu zerfallen, noch bevor überhaupt der Grundstein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer Luftschlösser baut, muss sich nicht wundern, wenn sie zerplatzen. Dem Berliner Stadtschloss scheint dieses Schicksal gleich doppelt zu widerfahren: Erst ließ Walter Ulbricht den Originalbau 1950 als Symbol des preußischen Absolutismus sprengen und nun scheinen auch die Pläne für eine Rekonstruktion des Schlosses zu Schutt und Asche zu zerfallen, noch bevor überhaupt der Grundstein gelegt werden konnte. Anders als Ulbricht muss die Stadt Berlin daher zumindest keine Trümmer abtragen, auch wenn das städtische Selbstbewusstsein in selbigen daniederliegt.<span id="more-1445"></span></p>
<p>2002 traf der Bundestag den Entschluss, auf dem Schlossplatz, der derzeit eher einer Wiese gleicht, einen Mammutbau zu errichten, dessen äußeres Erscheinungsbild der Barockfassade des historischen Stadtschlosses entsprechen sollte. Seither wollten die Diskussion über Sinn und Zweck des Projekts nicht verstummen, bis die Bundesregierung Kritikern wie Befürwortern am gestrigen Montag ein Maulkorb verpasste. Oder sollte man besser von einer Maulschelle sprechen?</p>
<p>Nach zweitägiger Sparklausur des Kabinetts kam man zu dem Entschluss, das Bauvorhaben sei unter Berücksichtigung der aktuellen Finanzlage „nicht vermittelbar“. 552 Millionen Euro Kosten, so die Schätzung, kämen auf den Bund, die Stadt Berlin und einen privaten Förderverein zu, sollte der Schlossplatz inmitten der Museumsinsel wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen – den finanziellen Aufwand für die spätere Nutzung des Gebäudes einmal außer Acht lassend. Während die Aufteilung der Finanzierung zumindest schon einmal unter den drei Förderern abgeklärt war, so war die Aufteilung der entstehenden Räumlichkeiten weiter unklar.</p>
<p>Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sah dort die Sammlung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst aus Dahlem künftig beheimatet, die Humboldt-Universität wollte Stücke ihrer wissenschaftlichen Sammlung präsentieren. Auch Teile der Landesbibliothek hofften auf  ein neues Obdach. Somit hätte sich die Anwohnerliste des künftigen Stadtschlosses ähnlich gelesen, wie ein Neuköllner Klingelschild: ein heilloses kulturelles Durcheinander.</p>
<p>Für ein ebensolches sorgte der gestrige Entschluss der Bundesregierung nicht nur in lokalen Medien. Das Projekt Stadtschloss ist damit noch nicht endgültig zerstört, allerdings kreist Abrissbirne bedrohlich nah über den Köpfen der Verantwortlichen. Bis 2014 rollt jedoch definitiv kein Bagger auf dem Gelände in Berlin-Mitte an. Allerdings wird untertage schon einmal fleißig gebuddelt: Der Ausbau der U-Bahnlinie 5 bis zum Pariser Platz bleibt von dem Entschluss unbeeinträchtigt. Ob die Haltestelle am ehemaligen Standort des Palastes der Republik dann zu einem Stadtschloss oder zu einem Stadtpark führt, bleibt abzuwarten.</p>
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		<title>Er ist gut, der Junge</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:47:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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Mit der Single &#8220;Spare&#8221; legt Good Gux Mikesh, der gute Junge aus Leipzig,  eine wunderbaren Release vor. Die Vorfreude auf sein am 17. September 2010 erscheinendes Debütalbum steigt&#8230;

„To spare something“ bedeutet „etwas entbehren können“. Insofern hat Good Guy Mikesh mit dem Titel der ersten Singleauskopplung seines auf Ki-Records erscheinenden Debütalbums ziemlich tief gestapelt. Denn was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_1375" style="width: 262px;">
<dt><img title="Good Guy Mikesh" src="../wp-content/uploads/2010/05/25531899.jpg" alt="Good Guy Mikesh" width="252" height="269" /></dt>
</dl>
<p>Mit der Single &#8220;Spare&#8221; legt Good Gux Mikesh, der gute Junge aus Leipzig,  eine wunderbaren Release vor. Die Vorfreude auf sein am 17. September 2010 erscheinendes Debütalbum steigt&#8230;</p>
<p><span id="more-1374"></span></p>
<p>„To spare something“ bedeutet „etwas entbehren können“. Insofern hat Good Guy Mikesh mit dem Titel der ersten Singleauskopplung seines auf Ki-Records erscheinenden Debütalbums ziemlich tief gestapelt. Denn was der junge Mann aus Leipzig dort in drei Minuten verpackt, mag man bereits nach dem ersten Hören nicht mehr missen. Mikesh beweist mit dieser Single sein kompromissloses Gespür für kontemporäre Club- und Popmusik. Eine verspulte, manchmal recht düstere Bassline trifft auf wunderschön verzerrte Vocals, das Ganze wiederum trifft zielsicher ins Schwarze bei geschmacksversierten Musikfreunden. Sowohl Clubbesucher als auch Radiohörer werden sich glücklich schätzen, dass der Good Guy ihnen diesen Track nicht länger vorenthalten hat.</p>
<p>Srikt nach dem Motto „Spare – let’s share“ ließ Mikesh darüber hinaus auch noch Marbert Rocel, Axel Boman, Christian Löffler und Mano Le Tough ihre Remixkünste auf seinen Track anwenden.</p>
<p>Marbert Rocels Remix ist die verspielte Variation des Originals mit teils discoiden Elementen. Er belässt die Vocals in ihrer ursprünglichen Form, ergänzt aber ein Saxophon, das einen Hauch von Free-Jazz durch das Soundkonstrukt flirren lässt.</p>
<p>Axel Boman schielt mit seiner Version von „Spare“ ganz klar gen Tanzfläche und zaubert einen Deep-House-Schieber par excellence. Er entzerrt die Bassline des Originals in feine Snippets, unterlegt den Track mit clubtauglichen Sounds und erzeugt damit einen Spannungsbogen „ready for the floor“.</p>
<p>Der Melancholiker unter den Technoproduzenten Christian Löffler trägt mit seiner Version des Mikesh-Tracks dazu bei, dass auf dem Dancefloor neben Schweiß auch mal ein paar Tränchen fließen können. Sein Remix entwickelt eine emotionale Tiefe, die den Hörer in die Klangwelten des löfflerschen Soundkosmos entführt: hier erklingen ein paar Glocken, dort breitet sich eine wundervolle Fläche aus. Und über allem entfalten sich die Vocals aus dem Original in ihrer ganzen Pracht.</p>
<p>Mehr retrospektivische Reminiszenz denn Remix ist Mano Le Toughs Version von „Spare“. Er verzichtet auf die düstere Bassline und fügt vorher nicht dagewesene Synthesizer Lines und Chords hinzu, die den Remix gleichermaßen Home-Listening als auch Clubkompatibel machen.</p>
<p>Frederike Ebert &amp; Michael Kastens</p>
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		<title>Das Kreuz mit dem Kruzifix</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 13:56:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Monat April macht die heute designierte Ministerin Aygül Özkan erst was sie, dann was die CDU will.
Seit dem 24. April 2004 dürfen Lehrerinnen in Niedersachsen ihre Köpfe nicht mehr mit Tüchern verhüllen, die Gemüter der Landesregierung sind zurzeit dennoch bedeckt.
Nachdem die Ernennung der türkischstämmigen CDU-Politikerin Aygül Özkan zur Sozial- und Integrationsministerin zunächst für eitel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Monat April macht die heute designierte Ministerin Aygül Özkan erst was sie, dann was die CDU will.</strong><span id="more-1224"></span></p>
<p>Seit dem 24. April 2004 dürfen Lehrerinnen in Niedersachsen ihre Köpfe nicht mehr mit Tüchern verhüllen, die Gemüter der Landesregierung sind zurzeit dennoch bedeckt.</p>
<p>Nachdem die Ernennung der türkischstämmigen CDU-Politikerin Aygül Özkan zur Sozial- und Integrationsministerin zunächst für eitel Sonnenschein bei der Union sorgte – man klopfte sich gegenseitig zur gelungenen Demonstration noch gelungenerer Integration auf die Schultern – zogen kurze Zeit später dunkle Gewitterwolken auf. Denn das Hochdruckgebiet öffentlichkeitswirksamer Personalentscheidungen stieß auf ein Tief in Form eines Interviews, das Özkan, deren Eltern in den 60er Jahren aus der Türkei nach Hamburg zugewandert waren, dem Magazin „Focus“ gab.</p>
<p><strong>&#8220;Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen“</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>&#8220;Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen“, konstatierte die 38-jährige dort. Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff, die Wangen noch rosa leuchtend von den wärmenden Strahlen medialer Aufmerksamkeit, die ihm durch die Ernennung Özkans zuteil geworden war, errötete nun vor Ärger.</p>
<p>Mehr wolkig als heiter war auch die Laune des Integrationsbeauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Stefan Müller. Politiker, die Kruzifixe in öffentlichen Schulen verbieten wollten, müssten sich, so Müller, überlegen &#8220;ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind&#8221;.</p>
<p>Während sich der meteorologische Frühling in Deutschland am Wochenende in voller Pracht präsentierte, herrschte bei der Landesregierung am vergangenen Wochenende typisches Aprilwetter.</p>
<p><strong>Kreuze sind dagegen erwünscht</strong></p>
<p>Aber ebenso, wie das Wetter in diesem launigen Monat, änderte sich auch die Meinung Özkans schlagartig. Zumindest ließ Fraktionschef David McAllister verlauten, gemeinsam mit Wulff habe sich Özkan darüber verständigt, dass &#8220;Kreuze an niedersächsischen Schulen erwünscht sind&#8221;.</p>
<p>Die Schlechtwetterfront befindet sich also auf dem Rückzug, und die Union darf hoffen, dass das parteipolitische Unwetter ein reinigender Regen war und nicht alle Glaubwürdigkeit in die Ernsthaftigkeit der Berufung Özkans davon gespült hat.</p>
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		<title>Astronomischer Beginn bei Ki-Records</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 00:06:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 20. März ist Frühlingsanfang und nicht nur die Bäume schmücken sich mit zarten Knospen, auch das Kölner Label Ki treibt zu diesem Datum seine Sprossen aus. Seit letztem Jahr konnte dieses zarte Pflänzchen elektronischer Musikkultur seine Wurzeln in der Kölner Partylandschaft schlagen. 
Das Konzept, Kunst und Musik miteinander zu verknüpfen, fiel dort auf fruchtbaren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 20. März ist Frühlingsanfang und nicht nur die Bäume schmücken sich mit zarten Knospen, auch das Kölner Label Ki treibt zu diesem Datum seine Sprossen aus. Seit letztem Jahr konnte dieses zarte Pflänzchen elektronischer Musikkultur seine Wurzeln in der Kölner Partylandschaft schlagen. <span id="more-1146"></span></p>
<p>Das Konzept, Kunst und Musik miteinander zu verknüpfen, fiel dort auf fruchtbaren Boden: Ki kann mittlerweile einen soliden Stamm von Releases ausgewählter Musikconnaisseure vorweisen.</p>
<p><strong>Lokale Gastgeber</strong></p>
<p>Von Kölner Erde genährt, gediehen auf Ki nicht nur nationale Sprösslinge ausgezeichnet, auch internationale Triebe fanden hier optimale Wachstumsbedingungen. Gut gedüngt und gegossen durch die Anerkennung von DJs, Musikjournalisten und Kritikern der ganzen Welt, zieht Ki nun in den Stadtgarten, um diesen mit einer satten Wiese aus experimentellen Dub/HipHop-Sounds und Deep House zu überziehen.</p>
<p>Dafür, dass der Rasen auch ganz sicher sprießt, zeichnen sich in der „Flamboyant Night“ ONRA, DAISUKE TANABE und CHRISTIAN LÖFFLER mit ihren Live-Sets verantwortlich.</p>
<p><strong>Globale Gäste</strong></p>
<p>Der Japaner DAISUKE TANABE konnte sein Saatgut in diesem Jahr bereits auf der Red Bull Music Academy in der Fabric und dem Plastic People in London verteilen.</p>
<p>In die hohe Kunst der Aussaat experimenteller Klangwelten unterweist ihn an diesem Abend der Franzose ONRA, in dessen musikalischem Garten Sounds von futuristischem HipHop bis zu jazzigen Broken Beats gedeihen.</p>
<p>Die schönsten Keime regionaler House- und Techno-Flora blühen in dem Live-Set von CHRISTIAN LÖFFLER auf, dem die Ehre zuteilwurde, das erste Ki-Release auf vinylernem Boden zu pflanzen.</p>
<p>Mit dem heimischen Klima bestens vertraut sind MARC LANSLEY und Ki-Mitbetreiber MITCH, die an den Plattenspielern mit wärmenden Scheiben für humide Partystimmung sorgen.</p>
<p>Da haben die Jungs und Mädels von Ki die schönsten Blüten des noch jungen Frühlings zu einem klangfrohen Strauß geschnürt.</p>
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		<title>„The Age Of Stupid“: Für die grüne Tonne…</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/933</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 18:14:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit ihrem neuen Film verkauft Franny Armstrong uns für dumm. Einmal Erderwärmung für Anfänger. So erweist die britische Regisseurin dem Klimaschutz einen Bärendienst.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet [….] ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Ähnlich bauernschlau wie diese mit Vorliebe von Alt-68ern auf Stickern publizierte Redewendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit ihrem neuen Film verkauft Franny Armstrong uns für dumm. Einmal Erderwärmung für Anfänger. So erweist die britische Regisseurin dem Klimaschutz einen Bärendienst.</strong><br />
<span id="more-933"></span></p>
<p>„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet [….] ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Ähnlich bauernschlau wie diese mit Vorliebe von Alt-68ern auf Stickern publizierte Redewendung der kanadischen Cree-Indianer kommt auch Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“ daher.</p>
<p>Die britische Regisseurin nahm die im Dezember dieses Jahres anstehenden Verhandlungen zum Nachfolgevertrag von Kyoto zum Anlass, eine Dokufiktion zum Thema Klimawandel zu drehen. Doku, weil neben mehr oder weniger manipulierten Nachrichtenmitschnitten auch vermeintlich „echte“ Menschen zu Wort kommen. Fiktion, weil das Ausgangsszenario eine Welt nach der Klimakatastrophe im Jahr 2055 ist.</p>
<p><strong>Apocalypse now?</strong></p>
<p>Der Film beginnt mit einer Auswahl wirklich schockierender Bilder: Sydney in Flammen, London überflutet, Las Vegas unter Wüstensand begraben – schockierend vor allem aufgrund kaum ertragbar schlechter Computeranimation.</p>
<p>Der offensichtlich einzig Überlebende der Katastrophe, ein namenloser Menschenfreund, nennen wir ihn Noah, zeigt den Zuschauern in einer Vielzahl kurzer Clips auf modernster 3D-Animationsoberfläche, wie es zur Klimakatastrophe kommen konnte. Sollte da tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Wirbelstürmen, Waldbränden, Flutwellen und der Erderwärmung bestehen?</p>
<p><strong>Umweltbewusstsein: Nachsitzen!</strong></p>
<p>So nimmt die Lehrstunde in Sachen Umweltbewusstsein ihren Anfang. Einwegflaschen aus Plastik sind böse, Öl ist böse, Krieg ist böse und Schuld an allem haben natürlich die Amerikaner. Und die Inder, denn von denen gibt es ziemlich viele und die wollen jetzt auch Billigairlines.</p>
<p><strong>Die Gletscher schmelzen, die Herzen bleiben kalt<br />
</strong></p>
<p>Es dauert nicht lang, da fließen die ersten Tränen. Nicht bei den Zuschauern, sondern bei dem sympathischen älteren Franzosen, einem Bergführer, der nun immer höher klettern muss, um überhaupt noch auf Gletschereis zu stoßen.</p>
<p>Und wessen Herz davon noch unberührt geblieben ist, den sollen dann die ein bis zwei mitleiderregende Quotenschluchzer des kleinen irakischen Jungen im Exil erweichen, wenn er von der Ermordung seines Vaters durch die Amerikaner erzählt –  was ihn jedoch nicht davon abhält, mit seiner Schwester Krieg zu spielen. Dabei kann man  sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese possierliche Sequenz vom Filmteam wenn nicht gar initiiert, dann zumindest forciert wurde.</p>
<p><strong>Plastik statt plastisch</strong></p>
<p>Überhaupt hat all das so deklariert Reale den bitteren Nachgeschmack des Inszenierten: Die junge Afrikanerin, die eigentlich Ärztin werden möchte, nun aber auf dem Schwarzmarkt Diesel verkaufen muss, weil die Flüsse vergiftet und die Fische gestorben sind. Der engagierte Engländer, der mit seiner Windenergieanlage am Wiederstand der in ihrem ästhetischen Empfinden gekränkten Bürger scheitert. Und der Amerikaner, der durch Hurrikan Katrina alles verloren hat, außer seiner Harley, seine Nikotinsucht und seinem Spaß am American Way of Life.</p>
<p>Alle bedienen gängige Klischees und helfen dem Zuschauer zu verstehen, dass es eben nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse gibt. Franny Armstrong betreibt politische Aufklärung auf Grundschulniveau, die Kunst der Persuasion ist ihr offensichtlich nicht geläufig.</p>
<p><strong>Populistische Pollution</strong></p>
<p>Ein einseitiger Blick auf die Ausbeutungsstrukturen des kapitalistischen Konsumsystems auf dem Niveau von aufmerksamkeitsheischendem Boulevardjournalismus ist purer Populismus in bester Sabine-Christiansen-Talk-Manier.</p>
<p>Phasenweise fragt man sich, wann sich wohl Michael Moores dicker Hintern endlich vor die Kamera schiebt. Und ähnlich wie Moores Filme berührt auch „The Age of Stupid“ so, wie von Bettlern in Fußgängerzonen zur Schau gestellte Amputationsstumpen: unterhalb der Gürtellinie der moralischen Würde.</p>
<p><strong>Who’s the stupid?</strong></p>
<p>Das umweltfreundlichste an diesem Film ist noch seine Herstellung: „lediglich 94 Tonnen CO2 wurden ausgestoßen – etwa so viel wie fünf Amerikaner in einem Jahr verbrauchen“ weiß die Pressemitteilung. 94 Tonnen zuviel.</p>
<p>Vielleicht leben wir ja in „The Age of Stupid“, was nicht heißt, dass wir in einer Welt voller Dummen leben, für die Gut gemeint nicht trotzdem noch das Gegenteil von Gut wäre.</p>
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