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	<title>Kulturen &#187; Julia Wießner</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Nicht alles ist Gold, was glänzt</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 15:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Frida Gold in Berlin: Überraschung und Enttäuschung zugleich. Die Band aus dem Ruhrpott rockte zwar den Postbahnhof, hinterließ aber einen üblen Beigeschmack.
Draußen vor dem Berliner Fritz Club klirrte eisige Kälte. Kinder mit ihren Eltern zitterten in der Schlange, Gruppen von Männern und Frauen gefroren die Becher voll Bier und Prosecco in den Händen. Alle wollten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/11/frida_gold_new_press_picture_7659.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2520" title="frida_gold_new_press_picture_7659" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/11/frida_gold_new_press_picture_7659-300x199.jpg" alt="frida_gold_new_press_picture_7659" width="300" height="199" /></a>Frida Gold in Berlin: Überraschung und Enttäuschung zugleich. Die Band aus dem Ruhrpott rockte zwar den Postbahnhof, hinterließ aber einen üblen Beigeschmack.</strong><span id="more-2513"></span></p>
<p>Draußen vor dem Berliner Fritz Club klirrte eisige Kälte. Kinder mit ihren Eltern zitterten in der Schlange, Gruppen von Männern und Frauen gefroren die Becher voll Bier und Prosecco in den Händen. Alle wollten endlich rein ins Warme, wo goldiger Glanz auf sie wartete.</p>
<p>Und so strömten mehr als 1000 Fans der Pop-Elektro-Kombo Frida Gold am 16.11. in den Club am Ostbahnhof. Doch es sollte noch ein ganzes Weilchen dauern, bis sich Frontsängerin Alina Süggeler und ihre Männer auf die Bühne wagten.</p>
<p>Denn zuvor versuchten sich drei Musiker alias die Band „Pilot“ erst einmal. Mit einer gelungenen Mischung aus gefühlvollem Deutschrock und Gitarrensoli zwischendurch unterhielten sie die erste halbe Stunde. Der Sänger mit seiner blonden Lockenmähne und der blauen Jacke mit floralem Muster versprühte sogar ein wenig Glamrock-Flair unter dem alten Holzdach.</p>
<p><strong>Neuer Look: Stoppeln statt Haarpracht</strong></p>
<p>Die Band konnte aber noch so oft die Locken wirbeln und die Saiten erzittern lassen, doch das Publikum wollte nur Frida Gold. Die ließen die Leute jedoch an der langen Leine zappeln. Nach der Vorband verstrichen erst 15, dann 30 und schließlich 45 Minuten. Das Publikum entlud ob dieser immensen Verspätung  seinen Unmut zu Recht in Pfiffen. Als die Band sich dann doch endlich entschloss, hinterm schwarzen Vorhang hervorzutauchen, war aller Unmut vergessen. Die verpuffte Wut mag vielleicht auch an der neuen Frisur Alina Süggelers legen, die „heute mal mit einem neuen Look“ überraschen wollte. Statt üppiger Haarpracht sprießen nur noch Stoppeln auf Alina Süggelers Kopf. Ob die lange Verspätung einer spontanen Rasur hinter der Bühne geschuldet ist? Man weiß es nicht. Jedenfalls tat die Band so, als ob nichts gewesen wäre, nur das erste Lied „Morgen“ ließ die Erkenntnis über eine gewisse zeitliche Diskrepanz erahnen.</p>
<p>Frida Gold, zurzeit mit ihrem am 2. Dezember erscheinenden Album „Juwel“ auf Deutschland-Tournee,  machten ihrem Namen alle Ehre: Der goldblonde Haarschopf von Gitarrist Julian Cassel harmonierte mit der goldenen, mit Strasssteinen besetzten Bassgitarre von Andreas Weizel und am Mikrofonständer baumelte ein golden glänzendes Schmuckstück. Sängerin Alina Süggeler funkelte zwar nicht golden, davor bot ihr schwarzer enganliegender Einteiler einen Ausschnitt bis zum Bauchnabel. Darunter blitzte zum Glück nicht der blanke Busen hervor, sondern ein schwarzes Bustier, darüber ein Pelzkragen.</p>
<p><strong>Auf fremden Schultern im Publikum baden</strong></p>
<p>Mit den gut bekannten und immer bewährten Titeln „Zeig mir wie du tanzt“ und „Wovon sollen wir träumen“ setzten Frida Gold kleine Höhepunkte in einer Reihe solider, aber nach Konfektionsware klingender Lieder. Dafür war die Interaktion mit dem Publikum umso erwärmender. Mit animierenden Zusprüchen – den Frauen entlockte die Sängerin ein hysterisches „ah“, den Männern ein animalisches „oh“ – versuchte Alina Süggeler Kontakt zu den Fans aufzunehmen.  Höhepunkt dieser intensiven Kontaktaufnahme war ihr Ritt auf den Schultern des „größten Mannes im Saal“, so die Frontfrau.</p>
<p>Für diesen Herrn war es wohl der Zenit des Abends. Für alle anderen genügte der tanzbare Disko-Pop, gepfeffert mit Trommeleinlagen Alina Süggelers und den kuriosen Hin-und-Her, Vor- und-Zurück-Bewegungen Julian Cassels, dessen Klatschbekundungen bei jedem Lied bereits nach fünf Titeln ermüdend wurden. In der Mitte des Konzerts gab es sogar einen Überraschungsgast: Der Bruder von Sängerin Alina sang eine eigene Ballade mit Unterstützung seiner Schwester im Hintergrund.</p>
<p>Neben der haarigen Neuerung brachten Frida Gold auch einen neuen Titel nach Berlin: ein deutsches Cover des Spandau Ballet-Klassikers  „Gold“. Dabei haben sie solche Neuinterpretationen gar nicht nötig. Ihre eigenen Lieder sind gute Pop-Elektro-Nummern. Und nur weil etwas glänzt, ist es noch lange nicht Gold. Es hätte ein gelungener Abend in Berlin werden können, wenn der üble Beigeschmack der langen Verzögerung nicht gewesen wäre. Denn so lange sind Frida Gold noch nicht berühmt und auch die größten Stars lassen ihre Fans nicht warten. Das hätte keine Klasse, keinen Stil und den Goldstatus auch nicht verdient.</p>
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		<title>Liebeseinheitsbrei ohne Geschmack</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 15:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Beyoncé Knowles ist mit ihrem neuen Studioalbum „4“ wieder zurück aus der Schaffenspause, leider nur mit mäßig guten Titeln.
Was waren das für Zeiten, als Beyoncé noch Mitglied und Grande Madame von „Destiny’s Child“ war. Powerfrau und freche Göre auf Mission, die Frauen dieser Welt zum Kampf gegen die Männer anzustacheln. Mit „Independent Women“, „Survivor“ und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Beyoncé Knowles ist mit ihrem neuen Studioalbum „4“ wieder zurück aus der Schaffenspause, leider nur mit mäßig guten Titeln.<span id="more-2402"></span></strong></p>
<p><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/B4_SNDRD_COVER_FINAL_CMYK_0.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2412" title="B4_SNDRD_COVER_FINAL_CMYK_0" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/B4_SNDRD_COVER_FINAL_CMYK_0.jpg" alt="B4_SNDRD_COVER_FINAL_CMYK_0" width="224" height="190" /></a>Was waren das für Zeiten, als Beyoncé noch Mitglied und Grande Madame von „Destiny’s Child“ war. Powerfrau und freche Göre auf Mission, die Frauen dieser Welt zum Kampf gegen die Männer anzustacheln. Mit „Independent Women“, „Survivor“ und nicht zuletzt als Solistin mit „Single Ladies“ von 2008 zeigte die geborene US-Amerikanerin Beyoncé Giselle Knowles Stärke und bewies ihre Bedeutung in der glitzernden Plastikwelt des Pop-Business, die Vorbild für so viele Pubertierende ist.</p>
<p>Seit dem 24. Juli ist nun Beyoncés neues Album heraus, das wenig kreativ einfach nach der Anzahl ihrer Studioalben benannt ist: 4. Das Cover ziert eine wie immer wenig bekleidete Sängerin, die sich als wildes Hippiegirlie stilisiert, mit durchzausten Haaren, dunklem Make Up und einem schwarzen Pelz auf den nackten Brüsten. Einfallslos und mit nur wenigen Lichtpunkten präsentiert sich auch die Musik auf der Platte.</p>
<p><strong>Das allumfassende Thema Liebe</strong></p>
<p>In zwölf Liedern trällert, kreischt und flüstert die 29-Jährige über das allseits beliebte und in der Musik bis aufs Äußerste ausgequetschte und breit getrampelte Thema Liebe. Man könnte argumentieren, dass sei ja etwas, womit sich jeder identifizieren könnte, da jeder schon einmal geliebt und verlassen hat oder verlassen wurde. Es hat aber auch jeder schon einmal einen Hund gestreichelt, eine Banane gegessen, einen Reißverschluss hochgezogen. Diese Dinge werden auch nicht hundertmal wiederholt, neu interpretiert und bis zur Absurdität besungen. Also nächstes Argument: Beyoncé kann an gar nichts anderes mehr denken als an Liebe. Könnte stimmen, ist sie doch seit 2008 mit dem Rapper Jay-Z verheiratet. Andererseits schreiben ihre Lieder sowieso andere. Beyoncé ist schließlich viel beschäftigt – Sängerin, Ehefrau (Mutter möchte sie laut Zeitungsberichten noch nicht werden, obwohl die böse Zahl 30 schon vor der Tür steht), Schauspielerin, Modell, Parfümeurin.</p>
<p><strong>Unterschiedliche Geschmackssorten</strong></p>
<p>Dann kann diese Monothematik nur daran liegen, dass es so beliebig und einfach zu besingen ist. Eine Prise Romantik, einen Spritzer Kummer und fertig ist die Liebessuppe, in der leider die Buchstaben fehlen. Von dieser Suppe gibt es zwar unterschiedliche Geschmackssorten wie das erste Lied des Albums „1+1“, in dem ein Gitarrensolo der faden Brühe einen rockigen Beigeschmack verleihen will, sozusagen ein Süppchen mit Croutons oder die kräftige Kartoffelsuppe „Best Thing I never had“ oder das ruhigere „I miss you“, die wie eine schlichte Tomatensuppe schmeckt: eintönig, aber solide; der Liebeseinheitsbrei ohne Geschmack aber bleibt.</p>
<p><strong>Frech und kämpferisch</strong></p>
<p>Zum Ende des Albums hin verschwinden diese Lieder zum Glück. In „Countdown“, zwar noch immer vom Sujet ein Liebeslied, doch viel spielerischer und frecher, adressiert sie ihre weiblichen Zuhörer. Geht es in diesem Lied noch um die richtige Verführung eines Angebeteten, sollen in „Run the World (Girls)“ die Männer nun den Erfolg ihrer Frauen anerkennen und respektieren. Es hat lange gedauert, geschlagene elf Lieder, bis Beyoncé wieder ihren Kampfanzug unter all dem Glitter und Pailietten hervorgekramt hat und a la Missy Elliott zu verzerrten Klängen, Buschtrommeln und kräftigen Beats über die Vorherrschaft des weiblichen Geschlechts singt. Kein Wunder, dass sie das Lied als erste Single-Auskoppelung gewählt hat. Jedoch wird der enttäuscht, der weitere solcher schnellen Nummern auf dem Album „4“ erwartet. Eine freche und kämpferische Beyoncé gefällt allemal besser als die verheulte und tragische Version vom Anfang des Albums.</p>
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		<title>Gewohnt ungewöhnlich</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 15:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das britische Pop-Duo Erasure gastierte in der Zitadelle Spandau &#8211; und brachte die 80er Jahre zurück.
Alles kommt wieder in Mode, so auch die 80er Jahre mitsamt Schulterpolstern, Oberlippenschnauzer, Neonfarben. Und die Musik? Schwulstige Synthie-Pop-Klänge geistern zwar nicht mehr durch die Charts, dafür sind Bands aus dieser Zeit wie A-HA und Depeche Mode noch immer präsent [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das britische Pop-Duo Erasure gastierte in der Zitadelle Spandau &#8211; und brachte die 80er Jahre zurück.</strong><span id="more-2394"></span></p>
<p><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/steve_double_02.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2410" title="steve_double_02" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/steve_double_02-300x300.jpg" alt="steve_double_02" width="300" height="300" /></a>Alles kommt wieder in Mode, so auch die 80er Jahre mitsamt Schulterpolstern, Oberlippenschnauzer, Neonfarben. Und die Musik? Schwulstige Synthie-Pop-Klänge geistern zwar nicht mehr durch die Charts, dafür sind Bands aus dieser Zeit wie A-HA und Depeche Mode noch immer präsent auf den Bühnen. So auch Erasure.</p>
<p>Das Duo aus England hat auf seiner „Total Pop!“ Tour Station in der Berliner Zitadelle gemacht. Unter wolkenlosem Himmel und mit nah vorbei fliegenden Flugzeugen im Hintergrund spielten Erasure in einem gut gefüllten Hof der Zitadelle in Spandau. Erwartungsvolle Fans tummelten sich untereinander, viele Pärchen gedachten wohl der guten, alten Zeiten, die Männer meist noch begeisterter als die Frauen. Die Atmosphäre glich eher der eines Biergartens als eines Konzerts, standen doch überall Bänke und Tische und roch es nach Gegrilltem und frischem Knoblauch.</p>
<p><strong>Die Farbe des Abends: Rot</strong></p>
<p>Um 20.15 Uhr, pünktlich zur besten Sendezeit, kamen Vince Clarke und Andy Bell auf die Bühne. Sänger und Frontmann Bell, gewohnt extravagant, zeigte sich in einem roten Pailliettenjacket. Passend dazu trug Gitarrist und Synthie-Spieler in Personalunion Clark einen roten Zweiteiler, der trotz seiner schreienden Farbe im Hintergrund blieb. Der 51-jährige Gründer von Bands wie Depeche Mode, Yazoo und eben Erasure gesellte sich auf seine Lieblingsposition: versteckt hinter dem extrovertierten Clarke und seinen Instrumenten. Dabei ist der Klavier-große Synthesizer von damals längst einem kleinen handlichen Exemplar gewichen samt Apple-Laptop. Zwei Backgroundsängerinnen in schwarzen Abendkleidern vervollständigten das Bühnenbild, das ansonsten durch die Outfits der Männer bestach. Über der Szenerie hing ein großes Banner mit dem Bandnamen Erasure in weißen, runden Buchstaben auf pinkem Untergrund und umgeben von bunten Scheinwerfern.</p>
<p><strong>&#8220;Always&#8221;, kreisende Hüften und ein bisschen Deutsch</strong></p>
<p>Alles war wie gewohnt ungewöhnlich bei Erasure. Das Publikum zollte es ihnen mit Dank und erhob sich endlich von seinen Bierbankplätzen. Sogar die Klofrau hörte kurz auf, ihre Chinanudeln aus der Box zu löffeln und bewegte sich zum Rhythmus. Für eine kurze Zeit lebten die 80er Jahre wieder. Eine von Künstlichkeit durchsetzte Pop-Musik erzählte von allen Facetten der Liebe – des Bauchkribbelns, den Kämpfen, dem Kummer und Schmerz – und ließ so immer wieder Verliebten sich zu innig umarmen. An einem Montagabend spielten Erasure ihre größten Hits „Always“, „Sometimes“ und „Little respect“, die eingebettet zwischen weniger bekannten Liedern lagen.</p>
<p>Trotz seiner 50 Jahre und der ein oder zwei Kilo mehr auf den Hüften legte Andy Bell eine noch immer amüsante Bühnenshow ab. Mit kreisenden Armbewegungen, einer lockeren Hüfte und flinken Füßen sprang und rannte er über die Bühne, immer in Interaktion mit seinem Mikro und dem Publikum. Die versammelte Mannschaft überraschte er mit seinem guten Deutsch, in dem er die ganze Zeit des Konzerts über plapperte. Bell spricht seit seiner Schulzeit Deutsch und lebte auch einige Jahre in Deutschland. Heute wohnt der 47-Jährige mit seinem Lebensgefährten in Spanien.</p>
<p>In Berlin ist aber nach nur anderthalb Stunden Schluss mit Erasure. Nur eine Zugabe gewährte das Duo, dann waren die 80er so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen waren. Es war ein kurzweiliges Erlebnis vergangener Zeiten, in denen homosexuelle Frontsänger noch ein Skandal waren, als Andy Bells freizügige Outfits und latent obszönen Bewegungen auf der Bühne noch für Aufschreie sorgten. Heute erregen wohl nur noch die antiquierten Synthie-Klänge so manche Fan-Herzen.</p>
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		<title>Pures Vergnügen und pure Klänge unterm Zelt</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 14:36:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die „Live-Akustik Tour“ von Pur hat auch die Hauptstadt erreicht. Ohne Elektronik, dafür mit ganz viel Gefühl reiste die Band durch ihre Geschichte.
30 Jahre sind eine lange Zeit. Mauern fielen, Politiker jeglicher Coleur kamen und gingen, Sommermärchen wurden gefeiert; und vor genau 30 Jahren fanden sich sieben Menschen aus dem Schwabenland zu einer der erfolgreichsten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die „Live-Akustik Tour“ von Pur hat auch die Hauptstadt erreicht. Ohne Elektronik, dafür mit ganz viel Gefühl reiste die Band durch ihre Geschichte.<span id="more-2167"></span></strong></p>
<div id="attachment_2173" class="wp-caption alignleft" style="width: 274px"><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/04/pur.jpg"><img class="size-full wp-image-2173" title="Pur" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/04/pur.jpg" alt="Die Jubiläumstour zum 30-jährigen Bandbestehen " width="264" height="264" /></a><p class="wp-caption-text">Die Jubiläumstour zum 30-jährigen Bandbestehen </p></div>
<p>30 Jahre sind eine lange Zeit. Mauern fielen, Politiker jeglicher Coleur kamen und gingen, Sommermärchen wurden gefeiert; und vor genau 30 Jahren fanden sich sieben Menschen aus dem Schwabenland zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands zusammen. Mit purer Freude an Musik gaben sich die Schwaben rund um den Sänger und Aushängeschild Hartmut Engler (49) den Namen „Pur“.</p>
<p>Da die 30 eine ganz besondere Zahl ist sowohl im Leben eines Menschen als auch in der Geschichte einer Band, hat sich Pur auf eine musikalische Jubiläums-Reise durch Deutschland begeben. Am Dienstag, 29. März, machte die „Live-Akustik Tour“ Station im Berliner Tempodrom. Das Zelt in der Möckernstraße, ein eher kleiner Veranstaltungsort, war mit 3000 Besuchern Rand voll gefüllt. Die Band wählte für ihr Jubiläum gerade eine etwas kleinere Stätte mit Stühlen, um dem Publikum ganz nah zu sein und entspannt gemeinsam eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Sitze hinderten die Fans aber nicht lange. Spätestens zu „Funkelperlenaugen“ kreisten die Hüften und zu „Lena“ schwangen die Arme im Takt.</p>
<p><strong>Auf Tuchfühlung mit den ehrlichen Leuten</strong></p>
<p>Engler genoss den Jubel und fegte durch die Reihen &#8211; trotz überdeutlicher Schweißflecke auf seinem rosafarbenen Hemd. Dabei schmetterte er so manchen Klassiker wie „Abenteuerland“ oder „Kowalski“. Mal ganz klassisch, mal rockig. Bei ihrer Tour verzichtet Pur auf elektronische Musikinstrumente. Statt E-Gitarre und Keyboard erklingen Klavier und Kontrabass. Pure Klänge eben.</p>
<p>Ganz nah und herzlich gab sich auch der Sänger. Der dichtete einen Limmerick auf Berlin und beehrte glückliche Damen mit seiner Aufmerksamkeit. Als kleines Schmankerl zeigte Pur einen kleinen Rückblick auf 30 Jahre Weltgeschichte, durchsetzt mit Szenen aus dem Leben der Band und witzigen Bildern aus Kindheit und Jugend der Mitglieder. Pure Gefühle, und am Ende sogar purer Gesang. Die a capella-Version des ACDC-Rockklassikers „Highway to hell“ war nur eines der kleinen Höhepunkte an diesem Abend der ehrlichen Leute voller purer Gefühle.</p>
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		<title>Der exotische Mauerstädtler</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 16:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Gesichter]]></category>

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		<description><![CDATA[
 

Thomas Eller, internationaler Künstler und Preisträger, hat sich bewusst für Berlin entschieden, um hier zu arbeiten und zu leben. Seine Kunst ist in besonderer Weise mit der Stadt und dem damaligen zerbröckelnden Sozialismus verbunden.
 

 
Ein Gesicht besteht aus einer Stirn, zwei Augen, einer Nase, einem Mund und einem Kinn. Das Haar setzt darüber an, manchmal auch schon im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong></strong></div>
<p> </p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_2098" class="wp-caption alignleft" style="width: 230px"><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/02/THE_Portrait_the_small.jpg"><img class="size-medium wp-image-2098" title="THE_Portrait_the_small" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/02/THE_Portrait_the_small-220x300.jpg" alt="Künstler und Wahlberliner: Thomas Eller Foto: Nadine Dinter (Copyright)" width="220" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Künstler und Wahlberliner: Thomas Eller Foto: Nadine Dinter (Copyright)</p></div>
<p>Thomas Eller, internationaler Künstler und Preisträger, hat sich bewusst für Berlin entschieden, um hier zu arbeiten und zu leben. Seine Kunst ist in besonderer Weise mit der Stadt und dem damaligen zerbröckelnden Sozialismus verbunden.</p>
<p> </p>
<p></strong></p>
<p> </p>
<p><strong><span id="more-1930"></span></strong>Ein Gesicht besteht aus einer Stirn, zwei Augen, einer Nase, einem Mund und einem Kinn. Das Haar setzt darüber an, manchmal auch schon im Gesicht. Thomas Ellers Augen sind braun, die Haare dunkelbraun und vorne etwas länger. Das Kinn ziert ein Dreitage-Bart, die Augenbrauen sind hochgezogen und spitz. Sie verleihen dem Gesicht einen leicht überheblichen Ausdruck. Doch das verschmitzte Lächeln, das seine Mundwinkel umspielt, macht ihn wieder sympathisch.</p>
<p>Eller ist Künstler und er lebt in Berlin, genauer gesagt in Kreuzberg. Das ist nicht verwunderlich, wo Kreuzberg und Kunst schon fast Synonyme für einander geworden sind. Der 46–Jährige wohnt in einem Kreativhaus, dem Aqua Carré, das unterschiedlichste Menschen beherbergt und berufliches und soziales Zusammenleben fördert: Fotografen, Designer und Architekten, Maler, Bildhauer, Musikproduzenten, PR-Agenturen und sogar Köche. Ein wahres Mekka an Kreativität inmitten von Plattenbau und sozialem Brennpunkt am Moritzplatz, der zum einen abgeschieden und zum anderen nah am Zentrum gelegen ist. In Kreuzberg entdeckte er eine „schräge Gegend, in der alles schnell erreichbar ist“.</p>
<p><strong>„Die Berliner Mauer grau streichen“</strong></p>
<p>Thomas Eller lebte schon einmal in Berlin, vor der Wende. 1964 in Coburg geboren, zog er 1985 nach West-Berlin, um hier an der Universität der Künste Bildende Kunst zu studieren. Jedoch war dies nur ein kurzweiliger Aufenthalt. Aufgrund „institutioneller Zwänge“, wie der Künstler selbst sagt, exmatrikulierte er sich bereits wenig später. Daraufhin studierte er an der FU Religionswissenschaften, Philosophie und Kunstgeschichte. Als Künstler und Student setzte sich Eller auch mit der Mauer auseinander, die mitten durch seine neue Wahlheimat verlief. Im Dezember 1986, kurz vor seiner Zwangsexmatrikulation, hatte der junge Künstler das Projekt „Die Berliner Mauer grau streichen“ begonnen. Mit vermeintlicher Erlaubnis der DDR-Behörden (die er nie erhielt) hatte er einen Mauerteil hinter dem Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg übermalt, um den „Skandal“ eines Mauerbaus wieder ins westliche Gedächtnis zu rufen. Wenige Jahre später fiel die Mauer.</p>
<p><strong>Ein kurzes Intermezzo</strong></p>
<p>Nach seinem Studium ging Eller für acht Jahre nach New York, wo er Hans Neuendorf traf, der ihn überzeugte, eine deutsche Version der Kunsthandelsplattform <em>artnet</em> mit dazugehörigem Magazin zu gründen. Der Künstler wurde zum Journalisten und damit laut Eller eine „schizophrene Persönlichkeit“. Von 2004 bis 2008 war er erfolgreicher Chefredakteur des Magazins und ab 2006 Managing Director der Internetplattform. In diesem Jahr kehrte er auch zurück nach Berlin, wo er ab 2008 als Geschäftsführer die Temporäre Kunsthalle Berlin leitete. Diesen zweijährigen Abschnitt bezeichnet er selbst als „Zäsur“ in seinem Leben.</p>
<p><strong>“And what do you represent?“</strong></p>
<p>Heute setzt sich Eller wieder mit seiner eigenen Kunst auseinander. Im Oktober und November 2010 zeigte der Künstler in seiner Ausstellung „THE ego show – a group exhibition“ Fotografien, Zeichnungen und Lithografien im Autocenter. Für ihn sei dieser Ausstellungsraum in der Eldenaer Straße die „Kunsthalle des Herzens“ und „ein Epizentrum“, weshalb er ihn auch nach langer Schaffenspause als Ausstellungsstätte wählte. Sein thematischer Schwerpunkt liegt im Verhältnis von Raum und Zeit. Er schneidet fotografierte Gegenstände aus und entbindet sie ihrem temporalen Kontext. So hatte der Künstler 1991 in Riga eine überlebensgroße Pappfigur von sich selbst gegenüber einer Lenin-Statue installiert. Diese „THE“-Skulptur stellte außerdem im Lokalfernsehen regelmäßig die Frage „And what do you represent?“. Kurze Zeit später zerbrach auch die UdSSR.</p>
<p><strong>Menschen machen Orte</strong></p>
<p>Was aber zieht einen Künstler wieder zurück nach Berlin-Kreuzberg und weg von New York? Berlin galt für Eller schon immer als Sehnsuchtsort und exotische Mauerstadt. Er habe sogar Spuren von New York in Berlin wieder gefunden. So hätten beide Städte einmal starke Kontraste in Mitte beziehungsweise Soho gezeigt, die durch eine wilde Aneinanderreihung von Ruinen und Galerien, Armut und Luxus generiert wurden. Nach der Wende legte Berlin laut Eller ein „aufgekratztes Selbstverständnis“ an den Tag. Für die heutige Zeit fällt sein Urteil eher nüchtern aus: „Berlin sucht. Die Stadt weiß nicht, wo sie steht. Berlin hat zu viel versprochen und steckt dabei stets in einer pubertären Phase.“ Trotz fehlender „Außenreize“ in Berlin fühle er sich hier produktiver, die Fantasie pulsiere und die Beziehungen zwischen den Menschen seien viel intensiver. Denn im Endeffekt „machen Menschen Orte“. Wie man an Thomas Eller sieht, können sie sogar indirekten Einfluss auf das politische System vor Ort ausüben und überholte Bauwerke und Ideologien zum Einsturz bringen.</p>
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