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	<title>Kulturen &#187; Justus Wilhelm</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Eine Schule fürs Leben</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 12:11:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Wilhelm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Studieren heißt auch: mit der Bürokratie umgehen lernen
Philipp ist ein Student, dem man nichts Böses zutrauen möchte. Drittes Semester Geschichte und Sozialwissenschaften, blonde Locken, Nickelbrille. An einem Sonntagnachmittag würde er inmitten der Gute-Laune-Gesellschaft des Mauerparks wohl kaum auffallen. Hier aber, auf einem Flur der Humboldt- Universität (HU) Berlin, ist das anders. Philipp poltert wüste Verwünschungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Studieren heißt auch: mit der Bürokratie umgehen lernen</strong></p>
<p>Philipp ist ein Student, dem man nichts Böses zutrauen möchte. Drittes Semester Geschichte und Sozialwissenschaften, blonde Locken, Nickelbrille. An einem Sonntagnachmittag würde er inmitten der Gute-Laune-Gesellschaft des Mauerparks wohl kaum auffallen. Hier aber, auf einem Flur der Humboldt- Universität (HU) Berlin, ist das anders. Philipp poltert wüste Verwünschungen heraus und macht Anstalten, die verschlossene Tür des Prüfungsamtes einzutreten. Aber es ist niemand da, der das überhaupt mitbekäme. Und genau das ist Philipps Problem: &#8220;Die haben ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! Seit Mitte Oktober ist das Prüfungsamt hier dicht. Ich kann mir keine Scheine mehr anrechnen lassen.&#8221;</p>
<p><strong>Irrgarten Bürokratie</strong></p>
<p>Das Prüfungsamt ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Studierende, denn es stellt Bescheinigungen über erbrachte Prüfungen aus, regelt An- und Abmeldungen, erteilt Bafög-Belege, nimmt die Bachelorarbeiten entgegen und fertigt die Examenszeugnisse aus. Um so schlimmer, dass das Büro am Institut für Geschichtswissenschaften seit einem halben Jahr geschlossen hat. Doch Philipp beruhigt sich langsam: &#8220;Okay, ein anderes Prüfungsamt ist jetzt für uns zuständig&#8221;, sagt er. &#8220;Aber das hat oft gar nicht die Unterlagen, die wir brauchen, und überhaupt ist es total überlaufen. Und wenn man es da mal reingeschafft hat, dann herrscht da ein Ton . Man ist bei denen immer der Bittsteller, der Depp.&#8221;</p>
<p><strong>Zu Beginn lernt der Student, was alles nicht geht</strong></p>
<p>Philipp ist mit seinen Problemen nicht allein. Wer es einmal geschafft hat, den Papierkrieg der Einschreibung hinter sich zu lassen, der hat das Gröbste noch vor sich. Alsbald findet man sich als Neustudent beim Beantragen von Gutachten wieder, hofft auf Learning Agreements und schlägt sich mit EDV-Lernmanagement-Systemen herum. Man besucht Kurse, in denen Careermanager erzählen, dass man doch etwas anderes hätte studieren sollen, und muss feststellen, dass man ein Semester im Ausland nur absolvieren kann, wenn man dabei seine Regelstudienzeit überzieht. Ob man dafür das Bafög verlängert kriegt? &#8211; Fehlanzeige. Und selbst, wenn man es in eine der sagenumwobenen Schreibstuben schafft, dann nur, um sich dort erklären lassen zu müssen, was alles nicht geht.</p>
<p><strong>&#8220;Wer Kultur sagt, sagt Verwaltung&#8221;</strong></p>
<p>Schon Theodor W. Adorno wusste: &#8220;Wer Kultur sagt, sagt Verwaltung.&#8221; Wie sehr diese Feststellung des Frankfurter Philosophen auch im Jahre 2010 noch zutrifft, das weiß Jörg Baberowski sehr gut. Er ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität und forscht zu sozialistischer Planwirtschaft und Fünfjahrplänen. Wenn er über Bürokratien doziert, dann ergreift ihn &#8211; ähnlich Philipp &#8211; der Zorn: &#8220;Die Universitätsverwaltung hat die Angewohnheit, uns als Untertanen zu behandeln&#8221;, schimpft er. &#8220;Das ist unerträglich. Die Verwaltungsangestellten haben kein Sensorium dafür, dass sie hier eigentlich Service zu erbringen hätten &#8211; dass eben die Studenten und die Mitarbeiter die Könige sein sollten und nicht umgekehrt.&#8221; In Berlin, so argwöhnt Jörg Baberowski, sei eine arrogante Kultur des Verwaltens besonders hartnäckig ausgeprägt.</p>
<p>Baberowski erzählt, dass Verwaltungsapparate grundsätzlich dazu neigten, neue Aufgaben zu erfinden: &#8220;Sie können dies deshalb tun, weil die Bürokratie selber darüber entscheidet, wie es mit der Bürokratie weitergeht. Das heißt, es ist ein Lebensgesetz, dass man Bürokratien nie wieder los wird. Es sei denn, man stürzt sie.&#8221;</p>
<p><strong>Seit der Einführung von Bachelor und Master sind die Studenten kontrollierter den je</strong></p>
<p>Stürzen würden nicht wenige Studenten wohl gern auch die Bachelor- und Masterstudiengänge. Seit 1999 in Bologna die neuen Studiengänge beschlossen wurden, nimmt das Studium immer groteskere Züge an. Statt direkt mit einem Professor über Länge und Arbeitsaufwand für eine Hausarbeit sprechen zu können, muss man jetzt zum Beispiel ein anonymes EDV-System bemühen, das alles organisiert und regelt. Persönliche Absprachen sieht es nicht vor. Brauchte man früher ein normales ärztliches Attest, um sich für eine Prüfung krankschreiben zu lassen, so muss man heute seinen Arzt von der Schweigepflicht entbinden und sich ein Attest ausstellen lassen, in dem alle Symptome aufgelistet sind. Datenschutz sieht anders aus. &#8220;Durch diese Bachelor-Umstellung sind wir viel stärker gegängelt als vorher&#8221;, sagt Baberowski. &#8220;Nur das Vokabular dieser Reform ist marktwirtschaftlich, der Rest ist Planwirtschaft. Es ist überhaupt der Trick, dass einem eingeredet wird, es gehe um Wettbewerb, es gehe um Flexibilität, es gehe um Mobilität von Studenten. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht um Planung, um ständige Evaluierung und um ständige Kontrolle der Studenten.&#8221;</p>
<p>Dort wo Service für die Studierenden notwendig wäre, wird zugunsten von Kontrollgremien gekürzt. Agenturen für Evaluierung sprießen wie Pilze aus dem Boden, während Studienberatungen aufgelöst und Prüfungsämter geschlossen werden.</p>
<p><strong>Enger Kontakt zu Professoren und Kommitonen hilft dabei die Bürokratie zu bewältigen</strong></p>
<p>Wer heute in Berlin sein Studium beginnt, der muss wissen, dass es schwierig wird. Verzweifeln muss er aber nicht. Auch im Jahre zehn nach Bologna kann man sich Freiräume schaffen. Wer engen Kontakt zu Professoren und Kommilitonen hält, der wird den alltäglichen Kampf mit der Bürokratie durchstehen können. &#8220;Die Erfahrungen der höheren Semester nutzen!&#8221;, rät ein Studienberater. Diese finden sich bei den Studentenvertretern in der Fachschaft, unter den Tutoren, beim AStA. Die studentische Studienberatung hilft mitunter besser als die offizielle. Denn sie weiß oft detaillierter über die internen Hürden Bescheid. Bei ernsten Problemen helfen die kostenlose Rechtsberatung des AStA oder die Beratungsstellen des Studentenwerks.</p>
<p><strong>Vereinfachte Zettelwirtschaft für Bafög-Empfänger</strong></p>
<p>Hoffnung besteht mittlerweile für Bafög-Empfänger, die bisher stark unter der Bürokratie litten. Bis zu fünfeinhalb Stunden benötigten Studenten zum Ausfüllen der Formulare. Die Bearbeitung der Anträge dauerte bis zu einem halben Jahr. Damit soll jetzt Schluss sein, forderte im März eine Studie der Bundesregierung. Formblätter sollen verständlicher und einfacher, Krankenkassenbeiträge als Pauschale angegeben, beim Auslands-Bafög auf weitere Sprachnachweise verzichtet werden. Auch über ein flächendeckendes Online-Verfahren wird nachgedacht.</p>
<p><strong>Manchmal hilft auch schon ein Lächeln</strong></p>
<p>Bleibt also die Hoffnung, dass das System Universität nicht ganz lernresistent ist. Und es schadet &#8211; nebenbei gesagt &#8211; auch nie etwas, freundlich zu Mitarbeitern in Vorzimmern, Bibliotheken oder der Technik zu sein. Und sei es aus Trotz. Manchmal kommt etwas zurück. Man muss nicht gleich Blumen schenken. Aber man sollte wissen: Ohne Sekretärinnen läuft nichts an der Uni.<br />
Am Ende bleibt das Studium auch zwischen Credit Points und Workload das, was es immer war: eine Schule des Geistes und ein Ort der individuellen Entfaltung. Und indem man sich zu behaupten lernt, ist es auch eine Schule des Lebens.</p>
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		<title>Bluebox Blaumänner</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 00:27:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Wilhelm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[James Cameron hat mit Avatar 3D wieder einmal den teuersten Film aller Zeiten gedreht. Es ist ein vor Doppelmoral triefender, sinnlos mit Technik vollgestopfter Streifen.
Blau ist das neue grün! Mercedes nennt seine neuen Spritsparer Blue-Line und Samsung sein neues Öko-Handy Blue Earth. Der Klimawandel machts möglich. Getreu dem Zeitgeist hat James Cameron nun mit Avatar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>James Cameron hat mit Avatar 3D wieder einmal den teuersten Film aller Zeiten gedreht. Es ist ein vor Doppelmoral triefender, sinnlos mit Technik vollgestopfter Streifen.</strong></p>
<p><strong><span id="more-1168"></span></strong>Blau ist das neue grün! Mercedes nennt seine neuen Spritsparer Blue-Line und Samsung sein neues Öko-Handy Blue Earth. Der Klimawandel machts möglich. Getreu dem Zeitgeist hat James Cameron nun mit Avatar 3D eine Art Bio-Science Fiction vorgelegt. Seine vollständig animierten Hauptfiguren sind dementsprechend: Blau.<br />
Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Der Planet der Na´Vi –eine Art Alien-Öko-Indianer &#8211; wird nach menschlichen bzw. amerikanischen Gepflogenheiten kolonisiert und durch Raubbau an der Natur zerstört. Nach einer unvermeidbaren interplanetaren Liebesgeschichte schmeißen die Öko-Aliens die Menschen aber wieder raus.<br />
Die Message ist klar. Popcorn-Kino für den zivilisierten Gutmenschen, der die Ausrottung der Indianer blöd und den Klimawandel auch nicht so gut findet. Action, Liebe und Verrat inklusive. Eine Mischung aus Star Wars, der mit dem Wolf tanzt, und Serengeti darf nicht sterben. Der nicht gerade als barmherzige Samariter bekannte Rupert Murdoch hat das Geld für den Film gegeben -James Cameron sein notorisches Faible für technische Neuerungen. Was in Abbys, Terminator 2 und Titanic noch Aufregung versprach und zur Illustrierung der Geschichte diente, wird bei Avatar nun zum Selbstzweck. Camerons im Computer errechneten Bildwelten sind durch ihren räumlichen 3D-Charakter zwar von beeindruckender Präsenz. Das bloße Zurschaustellen des visuell technisch Möglichen erinnert aber eher an die Schausteller des frühen 19. Jahrhunderts, die der Menschheit die ersten bewegten Bilder präsentierten. Die Geschichte war damals zweitrangig – bei Avatar ist sie es wieder. Mit dem Kino als Ort des Erzählens in Bildern hat das nichts mehr zu tun.<br />
Offenbar hat selbst der Technik-Nerd Cameron dieses Manko bemerkt. Wie sonst könnte man sich die Besetzung der Science Fiction Ikone Sigourney Waever erklären, wenn nicht als krampfhafter Versucht, zumindest einen Rest an Wiedererkennungswert zum Kino der großen Geschichten herzustellen. In der Blue-Box wurde ihr Gesicht gescannt, gerastert und gerendert, um es dann gänzlich verwurstet auf einen virtuellen Körper zu verpflanzen. Selbst der Schauspieler dient nur noch als Vorlage. Ein Verfahren, das eher an die Autorschaft Helene Hegemanns erinnert, denn an Regie –wie Cameron sein Treiben immer noch zu nennen beliebt.<br />
Michel Ballhaus hat diese vollständig im Computer generierten Bilder einmal als „Attraktion ohne Nervenkitzel“ – als „kaltes Auge“ &#8211; bezeichnet. James Cameron exerziert diese Ideenlosigkeit 161 Minuten in Reinform. Avatar 3D. So einen Film kann nur jemand machen, der alle dramaturgischen und ästhetischen Wegweiser des Kinos verloren hat. Die Erzählung untauglich, das Auge blind, und das Denken am Ende.</p>
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