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	<title>Kulturen &#187; Karolin Korthase</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Der Tanz mit den Worten</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 17:29:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karolin Korthase</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[Schiller in Bewegung:  Der Theaterregisseur und Choreograph Laurent Chétouane sucht nach dem  Grundwesen des Tanzes. Ob er in der deutschen Sprache fündig geworden  ist, zeigt sein „Tanzstück # 3: Doppel/Solo/Ein Abend“. 
Laurent Chétouane und  das Publikum schenken sich nichts. Der Franzose, der seit 10 Jahren  in Deutschland lebt, hat es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Schiller in Bewegung:  Der Theaterregisseur und Choreograph Laurent Chétouane sucht nach dem  Grundwesen des Tanzes. Ob er in der deutschen Sprache fündig geworden  ist, zeigt sein „Tanzstück # 3: Doppel/Solo/Ein Abend“.</span> <span id="more-742"></span></strong></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Laurent Chétouane und  das Publikum schenken sich nichts. Der Franzose, der seit 10 Jahren  in Deutschland lebt, hat es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft  die Zuschauer mit seinen wortlastigen und puristischen Theaterinszenierungen  zu verstören. Goethes „Iphigenie auf Taurus“ inszenierte er zuletzt  an den Münchener Kammerspielen als minimalistisches Sprechdrama, das  den Schauspielern nur wenig Handlungsspielraum zugestand. Das Publikum  quittierte dieses Vorgehen mit Buhrufen, die Kritik reagierte mit niederschmetternden  Rezensionen. Dass sich Chétouane in den letzten Jahren zunehmend dem  zeitgenössischen Tanz widmete, erscheint, angesichts seiner Obsession  für bedeutungsschwere Wortbrocken deutscher Dichter und Denker, nicht  gerade naheliegend. In den Sophiensälen inszenierte er zuletzt das  „Tanzstück # 3: Doppel/Solo/Ein Abend“.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><strong>Vom Wort zur Bewegung</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Chétouane scheint es  gut mit seinem Publikum zu meinen an diesem Abend. Schon beim Betreten  des Festsaals ertönen harmonische Gitarrenklänge, die Leo Schmidthals,  Gitarrist der Band Selig aus seinem Instrument hervorzaubert. Nach dieser  entspannenden musikalischen Einstimmung, beginnt das Solo von Matthieu  Burner. Langsam suchend und vortastend, erschließt sich der Tänzer  Stück für Stück den Raum, der durch die unverputzten Wände und die  mit schwarzer Folie abgeklebten Fenster eine urige und mysthische Atmsophäre  ausstrahlt. Der Text „vom ich“, der aus der Feder des Choreographen  Philip Gehmacher stammt, wird währenddessen hinter ihm an die Wand  projiziert. Die Worte beherrschten von dort aus den Raum und werden,  da Burner sie auch laut spricht, zu Determinanten des Körpers.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Alltägliche Bewegungen,  wie das Heben eines Armes bekommen durch diese Textualisierung und Versprachlichung  eine Bedeutungsschwere, die nach dem Wesen des Tanzes selbst, nach den  grundlegenden Gesetzen der Bewegung fragt. Fast bekommt man Mitleid  mit diesem Tänzer, der auf der Bühne zu einem bloßen Instrument der  Sprache degradiert wird, von dem er nicht weiß, wie es zu bedienen  ist.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><strong>Der nächste Schritt</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Nach einem kurzem Zwischenspiel,  bei dem aus dem Solo Burners ein Doppel im Gleichschritt mit der Tänzerin  Sigal Zouk wird, sprengt der Körper im zweiten Akt seine geistigen  Fesseln. Sigal Zouk wird nicht mehr durch die Worte von „draußen“  bestimmt, sondern sucht die Gesetze der Bewegung in sich selbst. Zum  ersten Mal an diesem Abend findet auf der Bühne tatsächlich Tanz statt,  der von Schmidthals&#8217; Improvisationen auf der Gitarre untermalt wird.  Zouks Bewegungen folgen dabei keinem vorgegebenen Muster. Immer wieder  hält sie kurz inne, legt sich zum Beispiel auf den Boden, in sich hineinhorchend,  um kurz darauf die Suche nach der nächsten Bewegung fortzusetzen. Dieses  Suchen, das nur durch kurze Momente des Findens unterbrochen wird, wirkt  vor allem durch die begleitenden Gitarrenklänge. Dennoch scheinen sich  Musik und Tanz nicht wirklich aufeinanander einzulassen: Nur selten  gibt es Berührungspunkte im Improvistaionsspiel der Tänzerin und des  Musikers.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><strong>Vertauschte Rollen</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Wirklich interessant  wird das Stück vor allem dann, wenn die Tänzer die Zuschauerposition  brechen. Der direkte, gleichzeitig in sich gekehrte Blick der Darsteller  ins Publikum irritiert und bewegt, da die Zuschauer es nicht gewohnt  selbst zum Gegenstand des Geschehenen zu werden. Chétouane fragt hier  nach dem Verhältnis zwischen dem Agieren auf der Bühne und dem Reagieren  in den Zuschauerreihen. Die konventionelle Teilung zwischen Darsteller  und Publikum wird gebrochen, das Sein auf der Bühne zur Diskussion  gestellt.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><strong>Die Bürde  der Bedeutung</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Dennoch: Die konzeptuellen  Bemühungen des Regisseurs sind während der Aufführung allzu deutlich  spürbar. Unter der Bedeutungslast, die er seinem Stück aufbürdet,  werden viele Details zu bloßen Nebensächlichkeiten degradiert. Die  Obstschale, die wie ein Stillleben als einzige Requisite auf der Bühne  steht, erschließt sich genauso wenig, wie die Kleidung der Tänzer.  Warum Sigal Zouk einen unförmigen, buntgeringelten Wollpullover trägt  und Mathieu Burner in Turnschuhen tanzt, bleibt unverständlich. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Zu einem größeren Verständnis  können dann auch die Zitate aus Dramen von Schiller und Hölderlin  nicht beitragen, wenn der Zuschauer gleichzeitig mit Musik, Schauspiel,  Bewegungen und seiner eigenen Rolle im Stück beschäftigt ist. Dieser  Rückgriff auf zu viele unterschiedliche Medien und Perspektiven  untergräbt  letztlich Chétouanes Versuch dem Wesen des Tanzes näher zu kommen.  Der Minimalismus, der ihm als Theaterregisseur vorgeworfen wird, würde  seine Tanzstücke bereichern.</span></p>
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