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	<title>Kulturen &#187; Lara Schirin Grund</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Wir wollen Kuschelkaschmir!</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 12:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lara Schirin Grund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Untiefen des Modebezirks Berlin-Mitte herrscht Suchtgefahr. Edle Stöffchen und alles was der Mensch von heute zu brauchen glaubt, lässt sich auf einem Streifzug der Verheißungen aufpicken. Das bedroht Geldbörse und den klaren Verstand. Und man möchte danach ganz dringend nach Neukölln.

Wo bitte geht’s denn hier zum Paradies in Beige? Immer den Ladies in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den Untiefen des Modebezirks Berlin-Mitte herrscht Suchtgefahr. Edle Stöffchen und alles was der Mensch von heute zu brauchen glaubt, lässt sich auf einem Streifzug der Verheißungen aufpicken. Das bedroht Geldbörse und den klaren Verstand. Und man möchte danach ganz dringend nach Neukölln.<br />
</strong><br />
Wo bitte geht’s denn hier zum Paradies in Beige? Immer den Ladies in den hohen Hacken nach. Süßlich weißes Licht umspült Muscheln und allerlei Meeresnippes, der sorgfältig auf wolkig getünchte Hocker und Tischchen drapiert ist, mit dösender Helligkeit. Fast möchte man das Rauschen der schlagenden Brandung hören, glaubt aus den Schuhen Sand schütteln zu müssen, wähnt sich in einem Strandhaus auf Sylt oder in den Hamptons. Doch von wegen. In diesem süffig Ton in Ton arrangierten Ambiente wird Mode verkauft. Und zwar nicht irgendwelche Mode, sondern die Mode schlechthin. Wir befinden uns im Epizentrum der deutschen Off-Modeszene: in Berlin-Mitte.</p>
<p><strong>Ein Besuch bei Lala</strong><br />
Eines ihrer Kinder ist die Wohlfühloase des Labels Lala der Modedesignerin und Hauptstadtpflanze Leyla Piedayesh. „Lala ist zart, weich und kuschelig“, souffliert die Chefin auf der Homepage. Ah ja, hätten wir nicht gedacht. Auf Strickkleidung hat sich die ehemalige MTV-Redakteurin spezialisiert, daher das Bedürfnis zum Anschmiegen. Schlicht wirken die Textil-Exemplare die Schulter an Schulter in ihrer Boutique in der Mulackstraße hängen. Überwiegend gedeckte Farben, ein Hauch Silber, gerne mal Flieder, Fuchsia oder Bordeaux, hier und da etwas Gelb. Wenig Schnickschnack haftet den Entwürfen an, dafür umso mehr Understatement-Eleganz, eine Spezialität der Berliner Designer.</p>
<p><strong>Zottelig statt chic<br />
</strong>Denn im Gegensatz zu den Pariser Madamen möchte hier niemand elegant sein, nicht mal chic. Man kommt daher, wie gerade aus dem Bett gefallen, im perfekt sitzenden Ensemble versteht sich, gestylt vom Scheitel bis zur Sohle und ohne jemals in den Spiegel zu schauen. Deshalb macht Lala auch „Wohlfühlklamotten“, wie Jacken für 700 oder Kaschmirtücher für 300 Euro das Stück. Welch ein Segen, sich dieses wohlige Gefühl leisten zu können. Und wer kann das? Die blasiert dreinschauende Verkäuferin in rosa Top und Halstuch wohl nur dank Mitarbeiterbonus. Im Laden drängelt und schubst sich niemand um die Kleider, wie bei den Kollegen COS oder American Apparel um die Ecke. Aber so läuft es hier auch nicht. Man spielt Oberliga mit dem Status der jungen Wilden und weiß sich in einem exklusiven Club.</p>
<p><strong>Kaffee Latte und Heidelbeermuffin in Knödelläden</strong></p>
<p>Im respektvollen Abstand sind die feinen Stoffe angeordnet, mit ausreichend Platz sich divenhaft zu entfalten und gleichzeitig so dezent, dass Ahnungslose sich suchend nach einem Kaffee Latte oder einem Heidelbeermuffin umsehen. Und es ist nicht ihre Schuld. In diesem Boheme-Kiez verkaufen Knödelläden, die wie Design-Ateliers aussehen, Leib und Seele-Produkte, und umgekehrt. In Wahrheit will jeder alles sein, nicht nur ein mit Ricotta gefüllter Spinatklops, nicht nur ein malvenfarbenes Häckelkleid, sondern Tei des neuen Savoir vivre, um Einiges moderner als die Franzosen. Daher verirrt sich auch kaum jemand en passant in diese seichte Art des Seins im Fashion-Bermuda-Dreieck Münz-, Mulackstraße- Alte/Neue Schönhauser Straße. Die vielen Modetouristen aus den Metropolen Europas kommen mit einer Mission: Eintauchen in eine Konsumwelt, die sich zu Multi-Kaufketten wie Alexia so verhält wie Homöopathie zu überfüllten Krankenhauswartezimmern. Es tut viel weniger weh und man hat sogar das Gefühl sich was Gutes zu tun.</p>
<p><strong>Souvenir-Modeshopping</strong><br />
Auch Lucia und Mel aus Barcelona wollen bei Lala glücklich werden. Zielstrebig durchcampen die beiden Freundinnen die aktuelle Sommerkollektion. Sie sind eindeutig auf der Suche nach einem Souvenir, dem Berlin-Item, das keiner hat. Von wegen Alexanderplatz, Reichstag oder Schloss Sanssouci, heute fliegt man für Partys, Mode und Lifestyle nach Berlin.<br />
Die gelangweilte Bedienung hat noch immer nichts zu tun. Eine Kasse gibt es nicht. Dafür ein glänzendes MacBook &#8211; natürlich in weiß, ein Gästebuch wie Präsidenten und Lakritze. Soviel Purismus erlaubt es dem Besucher sich sehr besonders zu fühlen. Vielleicht sind 389 Euro für ein Sommerhängerchen doch nicht zu viel und es lohnt es sich? Nein, eigentlich möchte man mit dreckbeschmierten Stiefeln über den feinen Boden schlurfen, laut rülpsen oder der verkrampften Tante hinterm Tresen die Frisur verwuscheln. Nicht jeder ist fürs Paradies gemacht.</p>
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