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	<title>Kulturen &#187; Magdalena Ulrich</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Gob Squad im Retro-Reigen</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Andy Warhol]]></category>
		<category><![CDATA[Gob Squad]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbühne]]></category>

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		<description><![CDATA[Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz.</strong></p>
<p><strong><span id="more-1886"></span></strong></p>
<dl id="attachment_1887" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px;">
<dt><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w.jpg"><img class=" " title="brochure_b_w" src="../wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w-150x150.jpg" alt="Kitchen-Party bei Warhol und Gob Squad" width="150" height="150" /></a></dt>
</dl>
<p>Die Küche ist das Zentrum einer jeden Party. Hier steht man dicht an dicht gedrängt, man lernt sich kennen, hier nährt man sich &#8211; kulinarisch und zwischenmenschlich. Andy Warhol wusste wohl, dass in der Küche die wahre Party und das wahre Leben zu erhaschen ist. In seinem Film „Kitchen“ von 1965 kann man beobachten, wie das so war in den 60ern mit Drogen, Sex und seiner Muse Edie Sedgwick. Die deutsch-englische Künstlertruppe Gob Squad zeigt ihre Version des vergriffenen Warhol Films. Sie stellen dafür einen verschlossenen Raum, einen fensterlosen Container, auf die Bühne, der für die Zuschauer nur durch Kameras im Inneren ersichtlich ist. Die Aufnahmen werden auf die dem Publikum zugewandte Außenwand des Raums projiziert. Innen spielen die Kitchen-Stars. Das Publikum sieht Reality-TV. Ein performativer Retro-Reigen. In Live und schwarz-weiß.</p>
<p>Beim Einlass kann der Zuschauer sich ein genaues Bild vom Innenleben des Containers machen. Man darf erstmal durch die Spielräume hindurch marschieren, einmal quer über die Bühne, bevor man seinen Sitzplatz im Zuschauerraum sucht. Erst ist da ein kleiner Raum mit einer Matratze auf dem Boden, auf die eine Kamera gerichtet steht. Hier wird Warhols Film „Sleep“ nachgestellt. Dann ein küchengroßer Raum in der Mitte, das 60er-Jahre-Set, an dem gleich „Kitchen“ gedreht werden wird. Im dritten Raum steht ein Sessel, auf den ebenfalls eine Kamera gerichtet ist. Wer hier Platz nimmt, wird Protagonist für „Screentests“. Auch diese sind einem Filmprojekt von Warhol nachempfunden, bei dem es galt: einfach nur gucken, selbst sein und filmen lassen. Drei Projektionsflächen auf der Außenwand zeigen dem Publikum, was innen passiert. The audience is watching you.</p>
<p>In Gob Squad´s Retro-Reigen quirlen die Protagonisten Nina, Bastian, Sarah und Simon auf der Bühne herum. Sie spielen 60er, persiflieren Warhols „Kitchen“, in dem es kein Drehbuch im herkömmlichen Sinne gab. Die Schauspieler waren mehr oder weniger sie selbst und auch ein Spiegel der damaligen Avantgarde. „Wir sind die Essenz unserer Zeit“, heißt es bei Gob Squad, doch was war das für eine Zeit, für ein Zeitgeist, den Warhol filmisch festzuhalten suchte? Die Gob Squad Performer sehen sich in der 60er-Küchenkulisse um, erkunden das Interieur und das Innenleben des Küchenschranks. Sie stellen resigniert fest: „There was no Capuccino around“. Aber Toastbrot gab es schon und Instant Coffee war gerade der neueste Schrei. Ansonsten gab es Drogen, eine latente sexuelle Spannung, Leben als Kunst und Rock ´n´ Roll – Aufbruchstimmung der kreativen Bohéme. Das war Avantgarde und die unstillbare Lust am revolutionären Neuen. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber mutiger war es wohl schon. Die Verkrustung der 50er schenkte viel Anlass und viele unbesetzte Ausdrucksmöglichkeiten für avantgardistische Gesten.</p>
<p>Und heute? Bei Gob Squad riecht es kurz nach Avantgarde, wenn man als Zuschauer der Erleichterung erliegt, dass da was anderes kommt als klassisches Schauspiel samt intel-lektueller Anstrengung. Ui, denkt man, hier geht´s aber ab! Hier kann ich lachen, und Spaß haben, hier fühle ich mich nicht klein im Antlitz bildungsbürgerlicher Attitüden. Da fällt Bastian in seinem karierten Schulbuben-Hemd, zugeknöpft bis obenhin, geradezu aus der Rolle, was auch Nina bemerkt und bemängelt: „Bastian, it´s all a bit stiff with you.“  Bastian ist der Sympath, bei dem man als Zuschauer sofort das Gefühl hat mit ihm befreundet zu sein. Das ganze Stück wirkt so locker, so flockig spontan. Erst als klar wird, dass nun ein Zuschauer auf die Bühne geholt wird, spürt der Theaterbesucher in seiner Angststarre mit einem mal wieder, was es heißt da oben zu sein, zu spielen, zu performen, zu unterhalten.</p>
<p>Der Anflug eines Avantgarde Gefühls ist leider aber allzu schnell verflogen, weil klar wird, dass das alles nichts Neues ist. Diese containerartigen Räume im Theater, Reality-TV, ein wenig Kryptisches, eine Prise Klamauk, so kocht René Pollesch (mit dem Gob Squad seine Anfänge an der Volksbühne feierten) in seinen Inszenierungen seit Jahren. Das war Anfang der Nuller Jahre mal hip. Gob Squad tanzen so einen zweideutigen Retro-Reigen, zum einen mit ihrer Hommage an Warhol, zum anderen, weil sie die wirklich innovative Theaterästhetik verfehlen.</p>
<p>„Was willste denn da draußen, da draußen ist alles schon passiert. Hier drinnen ist alles neu“, erklärt Nina und versucht Bastian, der vor die Projektionsfläche zum Publikum getreten ist, zurück in den Container zu holen. Dort drin möchte man als Theaterzuschauer sein, dort,  wo es scheinbar Neues zu erleben gibt.</p>
<p>Theater muss nicht immer so sein, muss nicht immer neu sein, bringt oft das Wahre, statt das Neue auf die Bühne. Doch Gob Squad versprechen mit ihrer Spielhaltung, mit ihrer Ästhetik Avantgarde zu sein und halten das Versprechen nicht ein. Kamera auf der Bühne, Nahaufnahmen trotz Theater. Irgendwann verbraucht sich das Ganze.</p>
<p>Immerhin gibt es bei Gob Squad doch einen Unterschied zum anfänglichen Pollesch-Spiel von vierten Wänden auf der Bühne und dem Experiment Verdecktes medial zu zeigen. Denn Gob Squad ist nicht nur Improvisations-, sondern auch Interaktionstheater. Zum einen beginnen Warhols Filme, die drei Leinwände, miteinander zu kommunizieren; die Protagonisten sehen sich von Leinwand zu Leinwand an, sie treten in Beziehung zueinander, was Freude macht beim Zusehen. Zum anderen schlüpfen Theaterbesucher in die Rollen der Gab Squad Performer, die wiederum im Zuschauerraum sitzen und den Publikumstars per Mikro Regie-Anweisungen in die aufgesetzten Kopfhörer flüstern.</p>
<p>Mit der Spannung des Mitmachens trifft man das Publikum wieder im Jetzt. Das kennt man aus dem Web 2.0, aus Wikis und aus Blogs. Digitale Handlungsgewohnheiten finden Raum auf der Bühne: Kollaboration und Echtzeit. Und auch ein bisschen Sex, wenn die Dame aus dem Publikum in Großaufnahme mit Sarah knutscht und alle gebannt zusehen. Big Brother und Web 2.0. Warhol und Pollesch. Alles ein bisschen wie schon mal gesehen. Hier und Jetzt hinter der Wand. In Küchen werden Soßen auf Essenzen runtergekocht.</p>
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		<title>Kein Schnappschuss &#8211; ein Bewegungsfluss</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:09:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Galerie Deschler]]></category>
		<category><![CDATA[Monat der Fotografie]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Ausstellung „technical matters“ zeigt die Galerie Deschler den Künstler Jay Mark Johnson. Seine Bilder sind fotografierte Bewe-gungszeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In der Ausstellung „technical matters“ zeigt die Galerie Deschler den  Künstler Jay Mark Johnson. Seine Bilder sind fotografierte  Bewegungszeit.</strong></p>
<p><span id="more-1894"></span>Im Galerieraum tanzt eine Asiatin inwärts an der Ecke entlang. Sie schmiegt sich  im Bewegungsfluss, spreizt anmutig im Sprung ein Bein nach hinten, sie hinterlässt Bewegungsspuren – hingebungsvoll eingeschrieben auf einer glänzenden Fläche Fotopapier.</p>
<p>Die Bilder von Jay Mark Johnson, die in der Galerie Deschler im Rahmen der Ausstellung „technical matters“ aus-gestellt werden, zeigen Frauenkörper in asiatischen Bewegungsmustern &#8211; beim Tanz und Tai Chi &#8211; die mit einer modifizierten Panoramakamera auf-genommen wurden. Die Kamera steht still und nimmt durch einen vertikalen Schlitz auf, vor dem sich eine Bewegungsfolge abspielt. Die Bewegung vor dem Schlitz wird auf dem Belichtungsstreifen von links nach rechts geschrieben, so dass das Bild, das daraus entsteht, in seiner Horizontalen keinen Raum abbildet, sondern Zeit. So sieht man wellenartig verlängerte Körperteile, die im Bild durch die Luft schweifen, anmutig den Raum streichelnd, wenn sich die Tänzerin langsam bewegt, wie beim Tai Chi. Man sieht Fußspitzen, die sich spitz ziehen, expressionistisch verzerrt. Aber auch isolierte Hände, die körperlos im Raum zu schweben scheinen, wenn blitzartig die Hand vor dem Belichtungsschlitz vorbeigezogen wurde. Körperlos im Raum, obwohl das Bild keine gewöhnliche Raumordnung zeigt &#8211; die Fotografien erzeugen eigentümliche Irritationen. Sie erreichen, was Fotografie im Gegensatz zum Film eigentlich gar nicht kann: einen Bewegungsverlauf zeitlich darstellen. Kein Schnappschuss &#8211; ein Bewegungsfluss. Bilder, die ein Paradox kreieren,  in denen Dynamik in Luft gerinnt, bei denen die Sehgewohnheiten von Bewegtbildern dem statischen Kunstwerk eingeschrieben sind.</p>
<div id="attachment_1897" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1897 " title="JMJohnson_Priscilla-Sunday-017_CROP 6B" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/JMJohnson_Priscilla-Sunday-017_CROP-6B1-300x243.jpg" alt="Der Zeit Raum geben. Jay Mark Johnsons &quot;Priscilla Sunday&quot;" width="300" height="243" /><p class="wp-caption-text">Der Zeit Raum geben. Jay Mark Johnsons &quot;Priscilla Sunday&quot;</p></div>
<p>Die Bilder, die im Eingangsbereich der Galerie Deschler zu sehen sind, heißen „Priscilla“ in verschiedenen Variationen. Sie tragen den Namen der Tänzerin. Der in L.A. und Venedig lebende Künstler Jay Mark Johnson hat Priscilla Sunday im Rahmen seiner Serie „motion studies“ aufgenommen. Besonders eindrucksvoll ist „Priscilla Electric Lodge #47-1“, das im Eingangsraum über Eck angebracht ist. Ein Spiel mit der Ecke als Bruch der Bewegung in knapp vier Metern Breite. Ein Bild, in dem der Zeit Raum gegeben wird. Und der Bewegung Bild.</p>
<p>Die Ausstellung „technical matters“ hebt Künstler hervor, die mit innovativen technischen Mitteln Kunst erschaffen &#8211; ein Schwerpunkt der Galerie Deschler. Anlässlich des „4. Europäischen Monats der Fotografie“ stellt die Galerie in „technical matters“ diejenigen Künstler aus, bei denen dieses technische Mittel die Fotografie ist. Neben Jay Mark Johnson sind außerdem Tony Conway und Stefan Roloff zu sehen, sowie der Künstler Holger Bär.</p>
<p>Ähnlich wie Jay Mark Johnson verwendet Holger Bär ein spezifisches technisches Instrument, um seine Bilder herzustellen. Jedoch erzeugt er eine völlig andere Ästhetik. Die Verbindung zur Fotografie findet bei Holger Bär im Ursprungsbild statt: ein digitales Foto wird mit Hilfe einer „Malmaschine“ Pixel für Pixel in Öl auf Leinwand trans-poniert, so dass ein pointillistisch gemaltes Werk entsteht. Seit seiner Zeit als Student an der Kunstakademie arbeitet Bär an der technishcen Entwicklung seiner automatisierten Malapparate.</p>
<p>Die kleinen Farbpunkte ergeben in ausreichender Entfernung leuchtende Park- und Stadtlandschaften, vereinzelt auch Menschen. Tritt man dichter an die Bilder heran, sieht man feine Ölkleckse, in dichter Textur, fast plastisch, die präzise aufgetragen sind. Man be-wundert die geduldige Hand des Künstlers, wenn man nicht weiß, dass einen Maschine zwischengeschaltet ist, die den Pinsel für den Künstler führt.</p>
<div id="attachment_1895" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1895 " title="HBaer_Park (Chinese)_2010_OelLwd_150x150" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/HBaer_Park-Chinese_2010_OelLwd_150x150-300x300.jpg" alt="Holger Bärs Malmaschine malt pointilistisch Schicht für Schicht in Fleißarbeit." width="300" height="300" /><p class="wp-caption-text">Holger Bärs Malmaschine malt pointilistisch Schicht für Schicht in Fleißarbeit.</p></div>
<p>Holger Bärs Malmaschine, die die Illusion von Hand- und Fleißarbeit erzeugt, wirft Fragen auf, genau wie Jay Mark Johnsons Panoramakamera. Findet die Beobachtung unserer Umwelt immer durch den Blick eines technischen Apparats statt? Vermittelt uns ein Medium unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit? Die beiden Künstler kommunizieren mit den Betrachtern ihrer Werke vermittelt durch Medien. Schlitzkamera und Malmaschine sind zwischengeschaltet. Wie unverstellt begreifen diese Künstler unser Handeln in der Welt?</p>
<p>Jay Mark Johnsons fotografische Drucke könnten auf einen undifferenziert flüchtigen Blick auch Vorlagen für eine Posterdruckserie sein. Holger Bär hat´s leichter: pointillistische Ölkleckse erwecken unwillkürlich den Eindruck vermeintlich hoher Kunst.</p>
<p>Beide Techniken stellen subtil in Frage, wie Medien unsere Wahrnehmung beeinflussen. Die Sprache der Künstler kann nur mit dem bewussten Willen zum Verstehen entschlüsselt werden.</p>
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		<title>Pure Schnitte im Tablaux vivant</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Michael Sontag zeigt seine Herbst/Winter-Kollektion auf der Berlin Fashion Week als Installation zum Drumherumgehen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Michael Sontag zeigt seine Herbst/Winter-Kollektion auf der Berlin Fashion Week als Installation zum Drumherumgehen</strong></p>
<p><strong><span id="more-1904"></span></strong><img class="size-medium wp-image-1908 alignleft" title="SNV34897" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/SNV34897-300x225.jpg" alt="SNV34897" width="300" height="225" /></p>
<p>Wie skandinavische Skulpturen hat Michael Sontag seine Models installiert. Im Römischen Hof, Unter den Linden, stehen sie wie kühle Schaufensterpuppen auf hölzernen Paletten in der Mitte der Präsentationshalle. Sie tragen weite Chinohosen in ungesättigten Naturtönen, einen Strickpullunder in senfgelb, weiße Blusen, am Rücken und unter den Armen drapiert, hüllende Wollmäntel, sowie ein asymmetrisches, apfelgrünes Abendkleid.</p>
<p>Der 30-jährige Designer, der 2009 als Newcomer gefeiert wurde, lässt seine Models stillstehen und das Publikum drum herum laufen. Er wählt bewusst keine klassische Schau, weil man sich so die Mode genauer ansehen und sich Zeit nehmen kann. „Auf dem Laufsteg geht´s mir einfach zu schnell“, sagt Sontag.</p>
<p>Die aufgebrochene Präsentationsform bringt die Kollektion des Designers nah an das Publikum heran. Man kann selbst die Perspektive ändern und sich die Bluse auch von hinten ansehen und noch mal zurückgehen zu seinem persönlichen Lieblingsstück. Dadurch wird die Mode dreidimensional und plastisch. Sie verliert die Unnahbarkeit der konventionellen Schauen, die Stücke sind auffällig tragbar.</p>
<p><img class="size-medium wp-image-1909 alignleft" title="w" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/w-225x300.jpg" alt="w" width="225" height="300" /></p>
<p>Das Konzept der Installation geht ausgesprochen gut auf. Der Kontrast vom grauen Kieselboden und vom kühlen Beton der Ausstellungshalle zur organischen Wärme der hellen Birkenholzpaletten, auf denen die Models geerdet sind, spiegelt sich auch in Sontags Mode wider: Klare Schnitte, fast architektonisch, und doch natürliche Farbigkeit und Naturfasern. „Organic cotton“, so Sontag, verwende er am Liebsten.</p>
<p>Die Textur der Stoffe fällt besonders ins Auge bei einer Präsentationsform, bei der man ganz nah an die Kleider heran gehen kann. „Es soll gemütlich sein“, sagt Sontag, „man soll sich cosy fühlen.“ Die Materialien sind dem Designer, Absolvent der Kunsthochschule Berlin Weißensee, ausgesprochen wichtig.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Man sieht mehr dunkelblau als schwarz, alles in Matt, mal Tweed, mal Strick, viel Baumwolle. Kein Glanz von Synthetik. Michael Sontag hat schon in seinen vorangegangenen Kollektionen mit Drapierungen und Raffungen gearbeitet. Die Herbst/Winter-Kollektion zeigt außerdem fallende Stoffpartien über den Schultern, asymetrische Nähte und tropfenförmigen Körperkonturen. Die Stoffe wirken fest, fast steif. Taillen und Hüften sind weit verhüllt.</p>
<p><img class="size-medium wp-image-1910 alignleft" title="SNV34912" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/SNV34912-225x300.jpg" alt="SNV34912" width="225" height="300" /></p>
<p>Michael Sontag sagt, es gehe ihm nicht um eine Verhüllung der weiblichen Silhouette. Vielmehr stelle er sich vor<strong> „</strong>wie sich die Frau fühlt“ und „dass es toll ist, wenn man solche</p>
<p>Stoffe an sich spürt und sich damit bewegen kann.“ Bei aller Ästhetik der Installation vermisst man als Betrachter dann doch gerade das: die Kleider und Stoffe in Bewegung zu sehen. So wirken die Schnitte statisch, ein wenig schablonenhaft und eingefroren, gebrochen von Strickschals, die locker als Gürtel um die Hüften gelegt sind. Die Materialität und die Texturen von Sontags Kollektion kann man sich sehr genau ansehen. Wie Schnitte lebendig werden, sieht man leider nicht.</p>
<p>Der aus Bayern stammende Designer macht Mode, die ausgesprochen skandinavisch wirkt. Nicht so feminin wie filippa k und nicht so trendig wie Acne. Man denkt an cos, nur schöner. Michael Sontag setzt auf Langsamkeit statt Hektik auf dem Laufsteg mit einer angenehm puren Präsentation.</p>
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		<title>Lärmen statt Leiden</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:46:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Busch]]></category>
		<category><![CDATA[Hamlet]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Quiet is the new loud]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Kriegenburg und „Ernst Busch“-Studenten inszenieren „Hamlet“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters

„Quiet ist the new loud!“ prophezeiten vor einigen Jahren die Kings of Convenience mit dem Titel ihres Debüt-albums. Regisseur Andreas Kriegenburg und die Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ zeigen das Gegenteil: In ihrer Inszenierung am Deutschen Theater steht eine Gesellschaft aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Andreas Kriegenburg und „Ernst Busch“-Studenten inszenieren „Hamlet“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters</p>
<p><span id="more-1384"></span></p>
<p>„Quiet ist the new loud!“ prophezeiten vor einigen Jahren die Kings of Convenience mit dem Titel ihres Debüt-albums. Regisseur Andreas Kriegenburg und die Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ zeigen das Gegenteil: In ihrer Inszenierung am Deutschen Theater steht eine Gesellschaft aus Krach und Klamauk auf der Bühne, in der kein Raum für die leisen Töne eines melancholischen Hamlets bleibt. Weltschmerz und Trauer werden spaßig übertönt.</p>
<p>Wie ein Setzkasten aus überdimensionierten Weinkisten erscheint der Bühnenboden, jede gerade groß genug für einen Menschen (Bühne: Julia Kurzweg). Nur eine zarte Schnur mit schwarzen Luftballons ragt über den hölzernen Kistenpark.<br />
Zwei Joker-Fratzen schnellen aus ihren Kisten empor und rahmen das Bild am vorderen Bühnenrand: kreidebleiche Clownsbemalung, schwarz verlaufene Augenringe, strähniges Haar und rot verschmiertes Grinsen. Rosencrantz (Aenne Schwarz) und Guildenstern (Marco Portmann) zerren mit nervtötendem Geplärr und irrsinnigem Lachen von Anfang bis Ende der Vorstellung an den Nerven des Publikums. Die Narren sind die Stars des Abends, sie spielen die tragischen Figuren an die Wand.</p>
<p>Nach und nach schlüpft die clownsmaskiert Hofgesellschaft &#8211; ein jeder aus seiner Kiste: Gertrud, Claudius, Laertes, Polonius, Horatio. Man amüsiert sich, lärmt und lacht. Und wirkt dabei verloren.<br />
Ophelia (Maria Wardzinska) ist die Puppe zwischen den Clowns. Sie trägt Tutu, bewegt sich in versteinerter Anmut wie eine Ballerina auf der Spieluhr. Aufgezogen, fremdgesteuert hebt sie die Ärmchen, dreht sich, posiert und funktioniert.<br />
Die Hauptfigur bemerkt man kaum. Hamlet (Thomas Halle) trägt das Bündel schwarzer Luftballons wie eine Regenwolke über seinem Kopf &#8211; ein Ballonverkäufer auf dem Jahrmarkt, der auf der Trauer-Ware sitzen bleibt. Wer sollte daran auch Gefallen finden in einer ausgemachten Spaßgesellschaft?<br />
Gertrud (Natali Seelig), die aufgescheuchte Party-Mutti, hebt Champusgläser statt zu trauern und kokst bis ihr die Nase blutet. Für den sensiblen Sohnemann, den depressiven Zweifler Hamlet &#8211; den Leisen &#8211; fehlt jede Empathie. Claudius Hof ist eine hedonistische Legehennenbatterie. Effekt und Lust anstatt Gefühl. Betäubender Lärm verdeckt das Leiden. „Hey, Denmark, this is very funny!“</p>
<p>„Gott hat euch ein Gesicht gegeben und ihr macht euch ein anderes!“, verflucht Hamlet seine Mitmenschen, deren Masken wie aufgezwungene Fratzen wirken, die stets dem König nach dem Mund reden. Hamlet erkennt die Mitschuld am Mord seines Vaters an ihren rot verschmierten Mündern, die lächeln sollen, doch blutig anmuten &#8211; ein grausames Grinsen. Ein Leben als Maskenspiel. Wo sind ihre Gesichter?</p>
<p>Kriegenburg stellt Hamlet als ungehörten Depressiven dar, verloren in einer tosenden Welt. Er zeigt, dass stille Wasser nicht nur tief gründen, sondern vielleicht tief traurig sind und an Weltschmerz und persönlichem Leid zerbrechen.<br />
Welche Stimmen <em>um</em> uns und <em>in</em> uns übertönt ein Leben mit einem Lautstärkepegel am Anschlag? Nichts scheint schwerer zu ertragen als die Stille. Darin ruht tückisch der eigene Seelenschmerz. Drum lieber pauken und koksen.</p>
<p>In einer vergnügungssüchtigen Gesellschaft hat die persönliche Tragödie keinen Raum. Das Drama „Hamlet“ dient dabei nicht nur als beliebige Schablone. Vielmehr störte sich Shakespeare selbst an der Vergnügungssucht der elisabethanischen Zeit. Theater diente der Unterhaltung, dem plärrenden Vergnügen. Empfindungen dagegen tönen sanft.</p>
<p>Kriegenburgs Inszenierung klingt nach der Dauerbeschallung unseres Lebens, nach lärmendem Privatfernsehen und Hintergrundmusik als Lebensstrategie. Schneller, lauter, schriller. Und bloß keine Stille aufkommen lassen. „Liebe?! Spinnst du oder was? &#8211; Und jetzt sei lustig!“</p>
<p>Hamlet und Ophelia dagegen erleben im Streit authentische Gefühle, die sonderbar wirken in dem Tumult an Maskenspielen und Verstellung. Die Liebenden schreien die ehrlichen, inneren Stimmen heraus, die sonst verschanzt bleiben und stumm. Zuletzt verzweifelt Ophelia am lärmenden Fake ihrer Umwelt. Sie nimmt ein Mikrofon zur Hilfe und flüstert: „Das ist doch krank! Denen muss man doch helfen!“</p>
<p>Slapstick, Klamauk und akustischer Stress durchziehen die Inszenierung. Sie machen auch vor dem Grab nicht halt. Kriegenburg lässt die Totengräber (Henning Bosse und Sergej Lubic) vor Ophelias Grab ein schändliches Leichen-Medley grölen. „Who wants to live forever?“ Sterben als Show, zum Mitklatschen.</p>
<p>Die hysterische Atmosphäre der Inszenierung nervt gewaltig. Doch sie hält klug den Spiegel vor und fragt nach dem Verbleib der leisen Töne. Sie ermutigt, auch trauerndes Wimmern mal klingen zu lassen und nicht verkrampft drauf los zu lärmen.<br />
Hamlet wirkt wie in einer Glassäule auf der Bühne, er steht blöd rum, als wenn er nicht so recht dazu gehöre. Wie auf einer Party, auf der sich alle zu amüsieren scheinen &#8211; außer man selbst. Die Party übertönt den Schmerz. Doch wer hört Hamlet? „Quiet“ lag wohl noch nie so recht im Trend.</p>
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		<title>Blättern, Lesen, Spüren</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 13:07:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Magazinladen &#8220;do you read me?!&#8221; in Berlin Mitte verkauft anspruchsvolle Designlektüre.

Musik: Brill
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Magazinladen &#8220;do you read me?!&#8221; in Berlin Mitte verkauft anspruchsvolle Designlektüre.</p>
<p><span id="more-1356"></span></p>

<p>Musik: Brill</p>
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