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	<title>Kulturen &#187; Ruth Wolter</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Hasenjagd in der Parkidylle</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 21:25:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruth Wolter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></p>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Berliner Hasenheide ist eine der wenigen touri-freien Zonen Berlins und das ist nicht verwunderlich, denn mit einer Fotokamera herumzulaufen kann unangenehm werden. Im 17. Jahrhunderten gingen Fürsten hier auf Hasenjagd. Heute jagd die Polizei die zahlreichen Drogenhändler – und umgekehrt.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der Park liegt zwischen Tempelhof, Südkreuz und Herrmannplatz in Neukölln. Auf den ersten Blick scheint er wie jeder andere zu sein. Yoga-praktizierende spreizen Arme und Beine für den Sonnengruß, Spaziergänger streunen über den Asphalt, Sonnenbadende rollen sich über die Wiese, türkische Großfamilien picknicken unter den Bäumen. Der Park ist ein typisches Berlin-Biotop. Seit einigen Monaten gibt es hier sogar einen Streichelzoo und im Sommer strömen junge Film- und Techno-Fans zum Openairkino und Raves.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Razzien stehen an der Tagesordnung<br />
</strong>Ab und zu wird die Parkidylle jedoch gestört. Des öfteren wurden hier Tote und Leichenteile gefunden, im März 2006 starb ein 40-jähriger Polizeitkommissar an einem Kopfschuss, den ihm ein Kleinkrimineller in der Hasenheide verpasst hatte. Fast täglich finden hier Razzien statt. Ein ewiges Versteckspiel zwischen Polizei und Drogendealern. Siera Leone, Nigeria, Westafrika – Jeder Eingang ist von einer anderen Nationalität besetzt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Frisches Grass aus Holland<br />
</strong>Wenn eine Razzia stattfindet, wird die Ware ins Gebüsch geworfen. Angeblich nur Grass, frisch angeliefert aus Holland. Den Beamten bleibt dann nur noch die Passkontrolle. „Die Polizisten kaufen ja selbst bei uns ein, es kam sogar schonmal einer in Uniforum“, sagt ein Dealer. Nicht immer läuft es so harmonisch ab zwischen Polizei und Dealern. „Wir haben auch schon mal einen Zivilpolizisten vom Fahrrad gerissen und seine Kamara zerstört, weil er uns fotografiert hat”, sagt der 29-Jährige. - Eigentlich ganz sympatisch.</p>
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		<title>Reif für die Klappse</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 10:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruth Wolter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[les possédés]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[toula limnaios]]></category>
		<category><![CDATA[zeitgenössischer Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Das zeitgenössiche Tanzstück „Les possédés“ der Choreographin Toula Limnaios ist bis 12. Juli in der HALLE in Berlin Prenzlauer-Berg zu sehen. Macht und Missbrauch, Angst und Neurose: Das eindrucksvoll inszenierte Stück ist ein Schlachtfeld der Extreme und versetzt den Zuschauer in surreale Welten. 
„Lauf! Spring! Küss mich!“. Die Tänzerin in Mantel und Kleid richtet eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-572" title="limnaios_possedes1" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/07/limnaios_possedes1.jpg" alt="limnaios_possedes1" width="581" height="422" /><span id="more-557"></span><!--more--> </p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"><strong>Das zeitgenössiche Tanzstück „Les possédés“ der Choreographin Toula Limnaios ist bis 12. Juli in der HALLE in Berlin Prenzlauer-Berg zu sehen. Macht und Missbrauch, Angst und Neurose: Das eindrucksvoll inszenierte Stück ist ein Schlachtfeld der Extreme und versetzt den Zuschauer in surreale Welten. </strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;">„Lauf! Spring! Küss mich!“. Die Tänzerin in Mantel und Kleid richtet eine Pistole auf einen Mann und schreit ihn an. Sie laufen, rennen, springen durch den kleinen Raum der HALLE. Er gehorcht, lässt sie ihre Macht auspielen, so erniedrigend und absurd die Befehle auch sein mögen. „Jetzt sprich! Erzähl mir was von Dir“. Zunächst schienen sie wie ein Paar, das Beziehungsprobleme austrägt. Doch ihre Befehle werden tyrannischer, bedrohlicher, grenzen an Missbrauch. Kurzzeitig wehrt er sich, flucht auf Portugiesisch.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;">In „Les possédés“ von Toula Limnaios evozieren die Tänzer Abgründe der menschlichen Psyche. Nach dem theatralischen Intro des Paars, changieren sie und vier weitere Tänzer und Tänzerinnen zwischen Täter- und Opferrolle. Sie reißen einander die Kleidung vom Leib, knebeln sich selbst mit Strumpfhosen, scheinen von Dämonen besessen. Dann springen sie unbeschwert umher, als hätte ihnen jemand auf Knopfdruck den Dämon ausgetrieben. Frontal bauen sie sich vor dem Publikum auf, bewegen sich schleichend, animalisch auf und ab, wie ein Tier vor dem Käfiggitter.  Sie fixieren ein imaginäres Etwas zwischen Tanzraum und Zuschauertribüne, das sie scheinbar hypnotosiert und zwingt, unterschiedliche Rollen einzunehmen. Mal üben sie als Täter Macht aus, quälen ihr Opfer, mal stecken sie selbst in der Opferrolle oder üben Autoaagressionen aus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;">Das musikalische Spektrum scheint unendlich zu sein. Kompositionen und auditive Kollagen von Ralf R. Ollertz wechseln von einem Extrem ins andere. Ist sie die Quelle, die die emotionalen Zustände provoziert? Arien, Trommelbeats, bishin zu historischen Tonaufnahmen, elektronische Signale oder Rauschen begleiten das Geschehen und bringen auch den Zuschauer in die unterschiedlichsten Gefühlszustände.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;">Ähnlich wie in Filmen von David Lynch herrscht eine undefinierbare Ursache, die das Geschehen surreal erscheinen lässt. Die Choreographin Toula Limnaios beruft sich auf Werke des russischen Autors Fjodor Dostojevsky, der sich in seinen Werken in die Welten psychisch Kranker bewegt. „Les possédés“ &#8211; Die Besessenen ist eine alternative Übersetzung für sein Werk „Die Dämonen“.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;">Limnaios bezeichnete ihren Stil einmal als „magischen Realismus“. Dieses Stück scheint wie eine realistische Studie, psychiatrische Therapie und ein surrealistisches Kunstwerk des zeitgenössischen Tanztheaters zugleich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ruth Wolter</p>
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		<title>Bauchtanzeuphorie im Kellerverlies</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 21:53:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruth Wolter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>

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		<description><![CDATA[Horrorfilme bedienen sich Stereotypen. In der Türkei ist &#8220;schwul&#8221; eines der schlimmsten Schimpfwörter. Eine dieser Aussagen könnte der Kern von &#8220;Destere&#8221; (Die Säge) des türkischen Comicautors Gürcan Yurt sein. Die Komödie läuft seit Donnerstag im UFA-Palast in Köln. 
Um „Destere“ im gesamten Ausmaß seiner Bedeutungen zu verstehen, empfiehlt es sich, die Horrorfilm-Reihe SAW (Die Säge) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Horrorfilme bedienen sich Stereotypen. In der Türkei ist &#8220;schwul&#8221; eines der schlimmsten Schimpfwörter. Eine dieser Aussagen könnte der Kern von &#8220;Destere&#8221; (Die Säge) des türkischen Comicautors Gürcan Yurt sein. Die Komödie läuft seit Donnerstag im UFA-Palast in Köln.<span id="more-211"></span></strong> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Um „Destere“ im gesamten Ausmaß seiner Bedeutungen zu verstehen, empfiehlt es sich, die Horrorfilm-Reihe SAW (Die Säge) aus den USA anzusehen, da &#8220;Destere&#8221; diese persifliert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Die Parallelen zum Vorbild &#8220;The Saw&#8221; sind offensichtlich</strong><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Tatsächlich sind die meisten Handlungsstränge eins zu eins übernommen. Bei &#8220;Destere&#8221; ist die Handlung jedoch in ein türkisches Dorf verlegt und gemäß ihres Genres parodistisch überspitzt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Der Händler Hayrettin kommt in einem Keller zu Bewusstsein, in den er zusammen mit einem anderen Bewohner seines Dorfes namens Hayati eingesperrt wurde. In ihrem Verlies befinden sich weiter ein toter Bär, ein Handy und eine Stereo-Anlage. Die beiden Opfer vermuten bald, dass der Säge-Mörder hinter ihrer Entführung steckt. Dieser meldet sich sodann per Handy, spielt die beiden erfolgreich gegeneinander aus und lässt sie amüsante Bauchtänze aufführen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Der Dorfpolizist ermittelt erfolglos</strong><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Währenddessen ermittelt der dilettante Dorfpolizist mit seinen beiden Helfern, indem er alle Dorfeinwohner verhört. Der hübsche Polizist wird jedoch während der Suche von seiner Ehefrau aufgehalten, die droht, in zu verlassen und von einer notgeilen Geliebten, die ihn bei jeder Gelegenheit verführen will. Da es sich um eine Komödie handelt, sind die Dorfeinwohner, Ermittler und Opfer gleichermaßen gelassen und scheinen sich wenig um den Säge-Mörder zu scheren, der bereits einen Großteil der Dorfeinwohner ermordet hat und nun zwei weitere Opfer fordert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Das Vorbild &#8220;SAW&#8221; ist eine Billigproduktion und spielte in den USA Millionen ein. Dies allein scheint auszureichen, um die Produktion von &#8220;Destere&#8221; zu legitimieren. Ein Mainstream-Blockbuster, der von Millionen von Zuschauern geschätzt und überschätzt wird, zieht &#8220;Destere&#8221; von vorn bis hinten durch den Kakao. Aufatmen ist angesagt. Denn eine Persiflage sollte per definitionem geistreich und kritisch sein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Doch welchen Sinn hat eine Persiflage, wenn sie nichts weiter als eine überspitzte Kopie des Originals ist und keinen eigenen Beitrag leistet? Wenn sie den Zuschauer dermaßen offenkundig und plump auf die Schwachstellen des Originals stößt, dass man sie für eine Persiflage ihrer selbst hält? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>&#8220;Ich ganz doll böse auf das Säge&#8221;</strong><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">„Destere“ schafft es weder durch satirische Anspielungen noch plumpe Witze, den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Ein Lichtblick sind lediglich die Leistungen der Schauspieler, die durch leidenschaftliche Bauchtänze eine Slap-Stick Komik erahnen lassen und über die miserablen deutschen Untertitel („Ich ganz doll böse über der Säge“) hinwegzusehen.<span style="font-size: 10pt;"> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 10pt;">Mit dem kaum empfehlenswerten Original „Saw“ ist der Zuschauer immer noch besser bedient, als mit einem unreflektierten Diffamierungsversuch dessen, bei dem sowohl Spannung, als auch geistreicher Humor völlig fehlen.</span></p>
<p class="MsoNormal">
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