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	<title>Kulturen &#187; Sina Gesell</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>&#8220;Ich traue mir mehr zu&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 13:16:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Erleichterung steht Sandra Mennicke ins Gesicht geschrieben: Bei ihrem Auftritt im Jazzclub „Schlot“ hat alles geklappt, die Nerven haben mitgemacht. Im Interview spricht die 23-jährige UdK-Studentin und Sängerin über musikalische Vorbilder, Rückschläge und ihre Leidenschaft für Musicals.

Sandra, du coverst sehr oft Songs der Sängerin Adele. Was fasziniert dich an ihr?
Sie ist einfach eine tolle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Erleichterung steht Sandra Mennicke ins Gesicht geschrieben: Bei ihrem Auftritt im Jazzclub „Schlot“ hat alles geklappt, die Nerven haben mitgemacht. Im Interview spricht die 23-jährige UdK-Studentin und Sängerin über musikalische Vorbilder, Rückschläge und ihre Leidenschaft für Musicals.</p>
<p><span id="more-2542"></span></p>
<div id="attachment_2543" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a rel="attachment wp-att-2543" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2542/sandra"><img class="size-medium wp-image-2543" title="sandra" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2012/01/sandra-300x199.jpg" alt="Sandra Mennicke. Foto: privat" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Sandra Mennicke. Foto: privat</p></div>
<p><strong>Sandra, du coverst sehr oft Songs der Sängerin Adele. Was fasziniert dich an ihr?</strong></p>
<p>Sie ist einfach eine tolle Sängerin, hat eine wunderschöne Stimme und eine wahnsinnige Ausstrahlung. Auf der Bühne ist sie präsent wie kaum eine andere und zeigt Emotionen. Ich würde mich zwar nie mit ihr vergleichen; aber einige Leute haben schon öfter gesagt, dass sie, wenn ein Lied von Adele im Radio läuft, an mich denken müssten.</p>
<p><strong>Ein schönes Kompliment.</strong></p>
<p>Ja, das ist ein sehr großes Kompliment für mich, das beste, das ich mir vorstellen kann. Ein Dozent hat mir letztens gesagt, dass er immer an mich denken müsse, wenn er ein Lied von Pink hört. Auch das hat mich sehr gefreut.</p>
<p><strong>Mit wem würdest du sonst noch gern verglichen werden?</strong></p>
<p>Das kann ich nicht sagen. Ich denke, als Sänger ist es wichtig, dass man sich nicht mit irgendjemand vergleicht. Auch wenn ich Lieder cover, muss ich meinen eigenen Stil finden und mir diese Lieder zu eigen machen. Ich muss sie für mich selbst interpretieren und ihnen eine eigene Bedeutung geben.</p>
<p><strong>Wie sieht es dann mit Vorbildern aus?</strong></p>
<p>Die Musical-Darstellerin Willemijn Verkaik finde ich toll. Sie hat die Hauptrolle in „Wicked“ gespielt und hat eine traumhafte Stimme. Von ihr habe ich auch schon Lieder gesungen, zum Beispiel die Ballade „Ich bin es nicht“. Das war eine große Herausforderung für mich.</p>
<p><strong>Du coverst hauptsächlich Songs von Sängerinnen, warum nicht von Sängern?</strong></p>
<p>Das liegt vermutlich daran, dass ich mich besser an ihnen orientieren kann. Meinen eigenen Stil habe ich noch nicht wirklich gefunden, ich bin noch immer auf der Suche und sammle Eindrücke. Auch das Angebot an Musikrichtungen ist so vielfältig, dass ich noch nicht einmal die Gelegenheit hatte, mich überall auszuprobieren. Zurzeit geht es für mich eher in die Musical-Richtung, aber das kann sich noch ändern.</p>
<p><strong>Hättest du dann nicht lieber Musical-Show an der UdK studiert?</strong></p>
<p>Ja, ehrlich gesagt schon. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden mit meinem jetzigen Studium. Die Chance, an den Studiengang Musical-Show zu kommen, ist sehr gering. Da muss man schon richtig gut sein. Aber ich denke, ich habe einen guten Kompromiss gefunden. Außerdem versuche ich das durch die Musical-Company zu kompensieren und so meine Leidenschaft für Musicals in meine Freizeit einzubinden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hast du dich für den Studiengang Musical-Show beworben?</strong></p>
<p>Ja, direkt nach der Schule. Ich wollte das unbedingt machen, habe mich wahnsinnig angestrengt und wurde dann abgelehnt. Ich war einfach zu schlecht. Trotzdem war es eine Enttäuschung, ein Rückschlag. Das war schon hart. Immerhin ist Musik etwas sehr Subjektives. Man gibt aber so viel von sich preis, da fällt es dann umso schwerer, mit der Niederlage umzugehen.</p>
<p><strong>Hast du deshalb auch noch nie an Castingshows teilgenommen?</strong></p>
<p>Nein, das war nicht der Grund. Ich will das auch in Zukunft nicht. Da geht’s ja eher um persönliche Schicksale als um Gesangstalent. Aber ich muss zugeben, ich schaue mir die Shows im Fernsehen an. Ich selbst möchte in zwei Jahren beim Bundeswettbewerb Gesang teilnehmen. Da habe ich auch etwas, worauf ich hinarbeiten kann. Ich gehe zwar nicht einmal davon aus, dass ich auch nur eine Runde weiterkomme, aber darum geht es auch nicht.</p>
<p><strong>Seit deinem ersten größeren Auftritt im Schlot vor eineinhalb Jahren scheinst du dich verändert zu haben. Was meinst du?</strong></p>
<p>Das habe ich schon mal gehört. Ich glaube, das kommt daher, weil ich gerade im Musik-Bereich viel gemacht habe. Vor allem in der letzten Zeit hatte ich viele Auftritte, auch bei Hochzeiten oder Uni-Veranstaltungen. Deshalb gehe ich etwas entspannter an die Auftritte heran. Ich versuche, lockerer zu sein. Und ich bin ein Stück weit sicherer geworden über die Jahre.</p>
<p><strong>Entspannter, aber auch selbstbewusster?</strong></p>
<p>Das ist schwer einzuschätzen. Ich bin immer noch relativ unsicher und stehe mir damit manchmal selbst im Weg. Aber es wird schon besser. Ich mache ja jetzt auch immer mehr und probiere mich aus. Ich traue mir mehr zu.</p>
<p><em>Kurzporträt:<br />
</em></p>
<p><em>Wie lange sie schon Musik macht, kann Sandra Mennicke nicht genau sagen. Mit zehn fing sie an, zu singen und Klavier zu spielen und nahm Ballett-Unterricht. Gitarre, Schlagzeug, E-Bass und Geige folgten. Heute studiert die 23-Jährige an der Universität der Künste in Berlin Musikpädagogik. Ihre große Leidenschaft seien Musicals, vor allem „Wicked“ habe es ihr angetan. Vermutlich deshalb hat sie auch dieses Jahr im Jazzclub „Schlot“ in Berlin ein Lied aus dem Musical gesungen.</em><em>Nächstes Jahr wird sie mit der Berliner Musical Company auf der Bühne stehen, im Stück „Mein Avatar und ich“ von Peter Lund. 2013 will sie beim Bundeswettbewerb Gesang in den Kategorien Musical/Chanson teilnehmen. Außerdem wird sie mit ihrer Pop-Band, die aus einem Uni-Projekt entstanden ist, auftreten.</em><em><br />
Auch privat hört Sandra am liebsten Lieder aus Musicals, aber auch Pop oder Jazz und Blues. „Manchmal habe ich eine Musical-Phase, manchmal eine Jazz-Phase. Das kommt ganz auf die Situation an“, sagt sie. Eine ihrer Lieblings-Sängerinnen ist Adele, von der sie auch schon einige Songs gecovert hat.</em></p>
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		<title>Der Bartkaiser von Berlin</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 11:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“. Der Vorsitzende des Berliner Bartclubs blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Anerkennung sucht er noch immer.

Lutz Giese steht vor dem Spiegel. Aus einem Standfön bläst ihm warme Luft ins Gesicht. Am Abend zuvor hat er seinen Bart schon gewaschen und mit Pferdemark eingerieben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“. Der Vorsitzende des Berliner Bartclubs blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Anerkennung sucht er noch immer.</strong></p>
<p><span id="more-2416"></span></p>
<div id="attachment_2441" class="wp-caption alignright" style="width: 228px"><a rel="attachment wp-att-2441" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2416/giese-2"><img class="size-medium wp-image-2441" title="Giese" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/Giese1-218x300.jpg" alt="Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie &quot;Kinn- und Backenbart Chinese&quot;. Foto: privat" width="218" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie &quot;Kinn- und Backenbart Chinese&quot;. Foto: privat</p></div>
<p>Lutz Giese steht vor dem Spiegel. Aus einem Standfön bläst ihm warme Luft ins Gesicht. Am Abend zuvor hat er seinen Bart schon gewaschen und mit Pferdemark eingerieben. Nun versucht er, ihn erst mit einer groben, dann mit einer kleinen Rundbürste in Form zu bringen, verpasst dem Schnäuzer eine Fönwelle und zieht den Backenbart von der Oberlippe aus nach unten. Danach fixiert er die einzelnen Haare mit Haarspray. Um letzte Unebenheiten auszumerzen, massiert er bayerisches Bartwachs ein, bis der Bart ganz ebenmäßig ist. Manchmal verwendet er zusätzlich Wachs in der Farbe „haselnuss“, um helle Stellen zu kaschieren.</p>
<p>Für die morgendliche Prozedur braucht Lutz Giese eine gute halbe Stunde. Seit mehr als 15 Jahren investiert er täglich diese Zeit. Denn der 69-Jährige ist nicht nur leidenschaftlicher Bartträger, sondern auch Gründer und Vorsitzender des Ersten Berliner Bartclubs. Er will sich in der Clubkneipe treffen, zu Hause sei er sowieso selten. Stolz stellt er seinen Pokal des letzten Wettkampfes auf den Tisch. Mitte Mai diesen Jahres hat er in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“ in Norwegen den Weltmeistertitel geholt.</p>
<p><strong>Der Beginn einer &#8220;Bartkarriere&#8221;</strong></p>
<p>Gerne spricht Giese von „seiner Idee“, einen Bartclub zu gründen. Streng genommen kam der Anstoß aber aus Baden-Württemberg. In den Neunzigern besuchte Giese die Internationale Tourismusbörse. Damals trug er Vollbart, den Oberlippenbart stylte er in Form eines Fahrradlenkers. Am Stand der Stadt Pforzheim hat er an einem Wettbewerb des Ersten Höfner Bartclubs teilgenommen und „zu Recht“ gewonnen – der Beginn seiner „Bartkarriere“. „Ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich habe mich gegen 50 bis 60 Bartträger durchgesetzt. Die Bärte waren okay, aber überhaupt nicht gestylt“, sagt Giese, fast ein wenig spöttisch. Der heute 69-Jährige wurde Mitglied im Höfner Bartclub. Er trennte sich von seinem Vollbart, fuhr zur Weltmeisterschaft nach Pforzheim und trat in der Kategorie „Musketier“ mit spitzem Kinnbart und geschwungenem Oberlippenbart an. Dort ist er Fünfter geworden. Von den Höfnern sei er daraufhin gedrängt worden, einen Bartclub in Berlin zu gründen. Nach einigen mühevollen Versuchen, Mitglieder zu gewinnen, wurde schließlich 1996 der Erste Berliner Bartclub offiziell gegründet.</p>
<p>Nach dem ersten Sieg folgten Interviews in Zeitungen, im Fernsehen, im Radio. Doch die großen Siege ließen auf sich warten. Bei seinem zweiten Wettkampf trat Giese nochmal als „Musketier“ an, sogar im passenden Kostüm. Als er wieder nur Fünfter wurde, nahm er eine Schere und schnitt aus Wut seinen Spitzbart ab. Den Oberlippenbart ließ er stehen und ein wenig länger wachsen, so dass er in der Kategorie „Schnurrbart Englisch“ antreten konnte. 1999 kam damit auch der erste Erfolg, Lutz Giese wurde in Schweden Weltmeister und auch andere Mitglieder seines Bartclubs verließen den Wettkampf mit einem Pokal. Das war der Durchbruch für den Club, seinem Kind, wie er sagt. Nach zehn Jahren ohne weitere WM-Titel wurde er schließlich, 2009 in Alaska, wieder Weltmeister. Danach ließ er sich einen Vollbart wachsen, doch im Urlaub griffen Salzwasser und Sonne seinen Bart so sehr an, dass ihm nichts anderes übrig blieb als zum Rasierer zu greifen. „Aus der Not macht man eben eine Tugend, da habe ich mir ein Chinesen-Bärtchen gezüchtet“, sagt Giese.</p>
<p>Lutz Giese hatte es oft nicht leicht. Seine Mutter ist früh und unerwartet an einem Gehirntumor gestorben, sein Vater musste zehn Jahre lang ein Krebsleiden bekämpfen und erlag 1983 schließlich einem Herzversagen. Über seine Mutter scheint er nicht gern zu sprechen, seinen Vater bewundert er: „Mein Vater hat nach dem Tod meiner Mutter noch einmal heimlich geheiratet, ich fand das toll, er muss ja auch sein Leben leben.“</p>
<p><strong>Einsame Zeiten</strong></p>
<p>Sein Leben musste auch Lutz Giese wieder auf die Reihe bekommen. 1989 trennte sich Gieses damalige Frau nach 19 Jahren Ehe von ihm. „Das hat mich schon sehr getroffen, nach so vielen Jahren.“ Natürlich habe er viele Fehler gemacht, er sei bestimmt kein einfacher Mensch. Zu seinem Halbbruder hatte er den Kontakt verloren. Von dessen Tod erfährt Giese erst Monate später. Gieses Sohn wächst bei seiner ehemaligen Frau auf, er bekommt ihn nur selten zu Gesicht. Dabei sei er es gewesen, der dem Sohn eine Lehrstelle verschafft hat. Anerkennung scheint er keine bekommen zu haben. Lutz Giese fühlt sich oft einsam. Er hat zwei Enkelkinder, die er kaum sieht. „Da werde ich nicht so eingebunden wie meine Ex-Frau“, sagt er. Dabei kann man sich Giese leicht als guten Großvater vorstellen, ein freundlicher und sensibler Mann sitzt da am Tisch. Während er von seinen schweren Zeiten erzählt, schaut er verlegen zur Seite, sein Gesicht nimmt einen rötlichen Ton an und man meint, Wasser in seinen Augen stehen zu sehen. Bis er sich verschluckt und entschuldigt, er müsse das Bad aufsuchen.</p>
<p>Heute hat der gebürtige Berliner eine Lebensgefährtin, über das Thema „Heirat“ spricht er nicht gerne. Das Paar hat getrennte Wohnungen, er wohnt in Spandau, sie in Charlottenburg. „Das klappt schon irgendwie“, sagt der 69-Jährige.</p>
<p><strong>Der Bart als einzige Konstante</strong></p>
<div id="attachment_2419" class="wp-caption alignleft" style="width: 246px"><a rel="attachment wp-att-2419" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2416/giese"><img class="size-medium wp-image-2419" title="Giese" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/Giese-236x300.jpg" alt="Lutz Giese ist Bartträger aus Überzeugung. Foto: Gesell" width="236" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Giese ist Bartträger aus Überzeugung. Foto: Gesell</p></div>
<p>Die einzige Konstante in seinem Leben scheint sein Bart zu sein, Lutz Giese trägt ihn aus Überzeugung. Als er als kleiner Junge die Sommerferien bei seiner Oma verbrachte und diese ihm Fotos seines Großvaters und Ur-Großvaters – beides bärtige Männer – zeigte, sei für ihn klar gewesen: „Wenn ich groß bin, will ich auch einen Bart.“ Seit seinem 17. Lebensjahr zieren nun schon verschiedene Bärte sein Gesicht. Sein Hobby wurde zur Leidenschaft und mit der Zeit pflegte er auch seinen Bartwuchs immer penibler. Vermutlich deshalb ärgert er sich umso mehr über einige der 15 Mitglieder seines Clubs, die sich mit ihrer Gesichtsbehaarung nicht so viel Mühe geben. Bei der letzten WM trat er unter anderem gegen seinen clubinternen „Widersacher“ an – und gewann. „Sein Bart sah aus wie Kraut und Rüben“, sagt Giese.</p>
<p>Bei der Clubsitzung am Abend läutet er eine Glocke, damit ihm die anderen zuhören. Die Clubmitglieder zu verschiedenen Veranstaltungen zu motivieren, ist für den 69-Jährigen nicht einfach. Einig sind sie sich nur über einen Konkurrenten aus dem Schwarzwald, der seinen Bart nicht selbst stylt und damit „Superweltmeister“ geworden ist. „Das geht nicht, der muss ja nur sein Gesicht hinhalten“, sagt Giese.</p>
<p>Zwar seien gute Freundschaften innerhalb des Clubs entstanden, aber manchmal hätten ihn die Mitglieder auch enttäuscht. Wie bei der WM 2005, die der Bartclub in Berlin ausrichtete. Sie hätten ihn mit der Organisation im Stich gelassen und der ein oder andere hätte sich dann in den Vordergrund gedrängt. Giese habe sich gewünscht, dass sie der Presse gesagt hätten: „Das ist der Macher.“ Lutz Giese ist kein Mann, der in der zweiten Reihe steht, er sucht Anerkennung.</p>
<p><strong>Als der Bruch kam</strong></p>
<p>Der 69-Jährige wirkt geknickt, weil niemand seine Leidenschaft so intensiv teilt. Ab und zu wollte er schon alles hinschmeißen, erzählt er und trinkt von seiner Berliner Weiße mit Schuss –  natürlich durch einen Strohhalm, um seinem Bart nicht zu schaden. Seine langen leicht gräulichen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz gebunden, auf dem Kopf trägt er eine Basecap mit dem Logo des Bartclubs. Wie 69 sieht er nicht aus, man würde ihn viel jünger schätzen. Das liegt auch an seinem Bart, den er ab und zu mit einer „leichten Tönung“ färbt. Seiner Mutter war das Aussehen ihres Sohnes immer ein Dorn im Auge. Sie habe ihm gesagt, er solle sich die Haare schneiden lassen, man schäme sich mit ihm. Aber Giese machte Musik, erst Dixieland, dann Rock’n’Roll und da gehöre ein Rocker-Aussehen dazu. Unterstützt hätten ihn seine Eltern nicht, er musste einen Kredit aufnehmen, um sich ein gebrauchtes Schlagzeug und eine Lederjacke zu kaufen. Er schmiss seinen Mechaniker-Job hin und trat mit seiner Band einige Monate in einem Nachtclub in Holland auf.</p>
<p>Zurück in Deutschland arbeitete Giese nur kurz als Mechaniker, schulte dann um zum Operator für Großrechenanlagen. Später stieg er zum Programmtester auf, „bis der große Bruch kam“. Giese wurde entlassen und war vier Jahre lang arbeitslos, er ging in Frührente. Heute arbeitet er ein paar Stunden am Tag als Busfahrer und bringt Behinderte zur Arbeit oder in Einrichtungen.</p>
<p>Ziele hat Lutz Giese keine mehr. Mit der Bart-WM 2005, die er in Berlin ausgerichtet hat, und seinen Titeln habe er alles erreicht, was er wollte. Aber aufgeben möchte er den Club nicht, viel zu gerne präsentiert er sich in der Öffentlichkeit. Denn egal, wohin er geht, Lutz Giese fällt auf. Bevor er die Clubkneipe verlässt, schaut er noch einmal in die Fensterscheibe, rückt sein Basecap zurecht und kontrolliert, ob sein Bart richtig sitzt.</p>
<p><em> </em></p>
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		<title>Enttrümmert</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 20:13:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein jüdischer Fotograf als leiser Beobachter des Nachkriegs-Berlins: Das C/O Berlin zeigt in der Ausstellung &#8220;Berlin unterm Notdach&#8221; Fotografien von Fritz Eschen &#8211; Fotografien aus einer Zeit, die geprägt ist von Trümmern und Verwüstung, aber auch von Aufbruchstimmung und einem Neuanfang.

Kinder spielen auf Straßenbahn-Gleisen auf dem Tauentzien, hinter ihnen die Gedächtniskirche. Einer der drei Jungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein jüdischer Fotograf als leiser Beobachter des Nachkriegs-Berlins: Das C/O Berlin zeigt in der Ausstellung &#8220;Berlin unterm Notdach&#8221; Fotografien von Fritz Eschen &#8211; Fotografien aus einer Zeit, die geprägt ist von Trümmern und Verwüstung, aber auch von Aufbruchstimmung und einem Neuanfang.</strong></p>
<p><span id="more-2294"></span></p>
<div id="attachment_2298" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/Eschen.jpg.png"><img class="size-medium wp-image-2298  " title="Eschen.jpg" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/Eschen.jpg-300x296.png" alt="Foto: c/o Berlin" width="300" height="296" /></a><p class="wp-caption-text">Oft sind Kinder die Motive Eschens. Foto: C/O Berlin</p></div>
<p>Kinder spielen auf Straßenbahn-Gleisen auf dem Tauentzien, hinter ihnen die Gedächtniskirche. Einer der drei Jungen hält einen Stein in der Hand, bereit zum Wurf in Richtung  Kamera. Die anderen beiden scheinen sich zum Wegrennen bereit zu machen, sobald der Stein geworfen ist. Ein gewöhnlicher Jungenstreich, wäre nicht eine unterschwellige Aggression gegen den Beobachter zu spüren und wären die Kinder nicht von Trümmern und Verwüstung umgeben. Die Straßenbahn fährt nicht mehr, von der Kirche ist nur der Torso geblieben und auch die Häuser zeugen von Kriegsschäden. Die Fotos von Fritz Eschen, die derzeit in der Ausstellung „Berlin unterm Notdach – Fotografien 1945 bis 1955“ im C/O Berlin zu sehen sind, erzählen von der Verwüstung und Not, aber auch von einem Neuanfang.</p>
<p>Fritz Eschen fotografiert Alltagssituationen in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Er scheint außenstehender Beobachter zu sein, dabei ist er selbst einer von denen, die unter dem Nazi-Regime zu leiden hatten. Während er in den 1920er-Jahren als kaufmännischer Angestellter arbeitete und nur nebenbei fotografierte, hatte er ab 1929 erste Erfolge als Bildreporter, die mit der Machtergreifung Hitlers aber schnell gestoppt werden sollten. Denn Eschen war Jude. Halbwegs sicher war er nur, weil er mit seiner zweiten Frau in einer „privilegierten Mischehe“ lebte. Bald aber wurde ihm ein Berufsverbot als Pressefotograf auferlegt, die Ausreise in die USA verweigert und später wurde er zu Zwangsarbeit verpflichtet. Seine erste Frau und sein Sohn wurden nach Ausschwitz gebracht. Was dort mit genau ihnen geschieht, ist nicht übermittelt. Zwei Jahre vor Kriegsende wird auch er verhaftet, nach den Rosenstraßen-Protesten aber wieder frei gelassen. Nach dem Krieg nimmt er seine Arbeit als Fotograf sofort wieder auf. 1964 stirbt Eschen, beigesetzt wird er auf dem Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf.</p>
<p>Die vermeintliche Befangenheit Eschens ist den Fotografien nicht anzumerken. Viel mehr als das Leid ist in seinen Bildern die Aufbruchsstimmung in seiner Heimatstadt zu spüren. Fotos wie das eines Pärchens, das mit dem Fahrrad die heutige Bundesallee entlang fährt, oder von Artisten vor dem Zirkus Blumenfeld zeugen von Hoffnung. Die Menschen schauen nach vorne, bauen die Stadt wieder auf und suchen Ablenkung. Diese finden sie vor allem in der Kultur. 1947 gehen sie zum Beispiel ins Kino, um die Hochzeit von Königin Elisabeth II zu sehen. Fritz Eschen fotografiert den Besucherandrang vor dem Kino Astor, die Frauen in schicken Mänteln, die Männer tragen Hüte. Das Plakat der Hochzeit thront über ihnen, bringt Glanz nach Berlin. Von der Tragik der vergangenen Jahre ist nur wenig zu spüren, sie soll auch in diesem Bild keine Rolle spielen.</p>
<p>Eschen will eben den Alltag in Einzelsituationen darstellen. Dennoch kommt er auch am Thema „Politik“ nicht ganz vorbei. Zu wichtig sind die politischen Ereignisse der Nachkriegsjahre. Dabei geht es Eschen allerdings eher darum, zu zeigen, wie diese das Leben der Menschen beeinflussen. Die Luftbrücke, die Gründung zweier deutscher Staaten und der Kalte Krieg – das alles spiegelt sich im Alltag der Berliner wider, der von Armut, Hunger und Handel auf dem Schwarzmarkt geprägt ist. Er schafft es, den Fotografien einen politischen Rahmen zu bieten ohne sie zu politisieren. Da fliegt zum Beispiel ein Rosinenbomber über den Kopf eines Jungen hinweg oder Frauen blättern in einer Zeitung, an der Wand hinter ihnen ist der Schriftzug „Für Juden verboten“ zu lesen.</p>
<p>Die Ausstellung im C/O ist chronologisch aufgebaut: von zerbombten Gebäuden über Enttrümmerung bis hin zum Wiederaufbau veranschaulicht sie den Zeitverlauf der Nachkriegsjahre. Viele der 120 ausgestellten Bilder Eschens ähneln sich aber stark, so dass an mancher Stelle mehr Abwechslung gut getan hätte. Getrost hätte man auf das ein oder andere Bild verzichten können. Ausdrucksstärker wären einzelne, ausgewählte Bilder gewesen und nicht Hunderte von Kindergesichtern, die kaum Unterschiede aufweisen.</p>
<p>Dass Eschen in der Ausstellung nicht nur als Situationsfotograf dargestellt wird, wirkt erst einmal befremdlich. Das C/O zeigt Porträts von Malern, Bildhauern, Regisseuren,  Schauspielern und Schriftstellern. Sei es Jean-Paul Sartre oder Max Liebermann in seinem Atelier. Stilistisch haben die Porträts mit Eschens Momentaufnahmen zwar wenig gemeinsam, dennoch machen sie eines deutlich: Das Thema „Kultur“ wurde in den Nachkriegsjahren zum sichtbaren Zeichen des Neubeginns.</p>
<p>Einige seiner Fotografien sind unscharf, als hätte Eschen nicht die Zeit gehabt, seine Kamera einzustellen. Zu gerne hätte man den Gesichtsausdruck der Menschen auf den Fotos erkannt, erfahren, ob sie traurig waren oder glücklich. Anfangs wirken die Motive emotionslos und wenig spannend, lediglich eine Aufnahme von gewöhnlichen Alltagssituationen. Doch eben dies macht die Bilder zu wichtigen historischen Aufnahmen, die nicht anklagen. Dennoch gelingt es ihm nicht ganz, ohne jegliche Wertung zu beobachten. Er fotografiert beispielsweise eine amerikanische Studentin, die gerade die Hand zum Hitlergruß erhebt. Es ist schwer vorstellbar, dass derartige Aufnahmen nur zu Dokumentationszwecken gemacht werden. Denn Eschen ist Künstler und schon allein mit der Auswahl seiner Motive bewertet er.</p>
<p>Oft fotografiert Fritz Eschen den gleichen Straßenzug mehrmals im Verlauf weniger Jahre: vor der Enttrümmerung und danach. Fünf Jahre nachdem er das Foto der drei Jungen auf dem Tauentzien geschossen hat, macht er 1950 eine neue Aufnahme der Straße. Kaum etwas erinnert an die Geisterstadt kurz nach dem Krieg. Die Straßenbahn rollt wieder, Paare schlendern über die Straße, Geschäftsleute eilen vorüber, Autos fahren Richtung Kurfürstendamm. Nur eines ist geblieben: Die zerbombte Gedächtniskirche – ein Mahnmal an das vergangene Leid.</p>
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		<title>Kitsch und Beatbox</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/2212</link>
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		<pubDate>Sat, 14 May 2011 16:20:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Jill Wagner und Sina Gesell
Nur zweimal gemeinsam proben, dann muss es sitzen. Musical-Show- und Musikpädagogik-Studenten bereiten sich auf einen Abend im Jazz-Club „Schlot“ vor. Dabei kommt es nicht nur auf die Gesangskünste an, sondern auch auf die Rampensau-Qualitäten.

Musical – da denkt man an Broadway, übertriebene Gefühle und Kitsch. Bei Musikpädagogik dagegen steht vielmehr die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Jill Wagner und Sina Gesell</em></p>
<p><strong>Nur zweimal gemeinsam proben, dann muss es sitzen. Musical-Show- und Musikpädagogik-Studenten bereiten sich auf einen Abend im Jazz-Club „Schlot“ vor. Dabei kommt es nicht nur auf die Gesangskünste an, sondern auch auf die Rampensau-Qualitäten.</strong></p>
<p><strong><span id="more-2212"></span></strong></p>
<div id="attachment_2231" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a rel="attachment wp-att-2231" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2212/dsc05375"><img class="size-medium wp-image-2231" title="Sandra" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC05375-300x240.jpg" alt="Gefühlvoll: Sandra Mennicke singt &quot;Someone Like You&quot;. Foto: privat" width="300" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Gefühlvoll: Sandra Mennicke singt &quot;Someone Like You&quot;. Foto: privat</p></div>
<p>Musical – da denkt man an Broadway, übertriebene Gefühle und Kitsch. Bei Musikpädagogik dagegen steht vielmehr die Theorie und Pragmatik im Vordergrund. Und anstelle eines großen Saals werden die meisten Studenten mal ein kleines Klassenzimmer füllen. Zumindest sind das die Bilder, die viele Menschen von den Studiengängen „Musical-Show“ und „Musikpädagogik“ im Kopf haben. Spannend ist es, wenn diese beiden Kontraste aufeinandertreffen wie beim Konzert „Einmal New York und zurück“ im Jazzclub „Schlot“. Rund 20 Studenten der beiden Studiengänge präsentierten am 1. Mai Songs aus verschiedenen Genres wie zum Beispiel „Don’t Know Why“ von Norah Jones oder auch „There Are Worse Things“ aus dem Musical „Grease“. Was die meisten Zuschauer an diesem Abend nicht wissen: Die Sänger und Pianisten an diesem Abend hatten sich vorher nur zweimal getroffen, um sich auf den Auftritt vorzubereiten. Davon ist an diesem Abend nichts zu spüren, das Prinzip „Musical-Show trifft auf Schulmusik“ funktioniert. An staubige Klassenzimmer-Atmosphäre erinnert nichts, ein Hauch Kitsch bleibt.</p>
<p><strong>„Nackig machen“</strong></p>
<div id="attachment_2217" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><a rel="attachment wp-att-2217" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2212/anja1"><img class="size-medium wp-image-2217 " title="Anja1" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/05/Anja1-180x300.jpg" alt="Selbstbewusst und spontan: Anja Backus. Foto: privat" width="180" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Selbstbewusst und spontan: Anja Backus. Foto: privat</p></div>
<p>Geprobt haben sie gemeinsam mit Bijan Azadian. Dem Pianisten, der an der UdK unter anderem Klavier lehrt, entgeht kein schiefer Ton oder ein Klavier-Patzer. „Bijan hört ganz genau hin“, sagt Anja Backus, die im 8. Semester Musical-Show studiert. Sie singt am Abend drei Stücke, unter anderem „I Will Survive“ von Gloria Gaynor. Die 23-Jährige wirkt selbstbewusst, die Nervosität kommt erst kurz vor dem Auftritt. Sie hat kein Problem, sich vor anderen „emotional nackig zu machen“, dafür sei sie schon zu lange dabei. Deswegen verwundert es auch wenig, dass sie kurzerhand für eine erkrankte Kommilitonin beim Song „There Are Worse Things“ einspringt und ihr auch dieser Auftritt überzeugend gelingt. Von Nervosität auf der Bühne keine Spur.</p>
<p><strong>Im Duett</strong></p>
<p>Anders ist das bei der Musikpädagogik-Studentin Sandra Mennicke. Ihr ist ein mulmiges Gefühl anzumerken, es kostet sie Überwindung. Doch sobald sie anfängt zu singen, scheint die Aufgeregtheit verflogen. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie „Someone Like You“ von Adele, einer ihrer Lieblingssängerinnen, performt. Dass ihre Stimme Balladen-tauglich ist, zeigt sie auch beim Duett „As Long As You’re Mine“ aus dem Musical „Wicked“, dessen deutsche Version sie zusammen mit dem Musical-Show-Studenten Maximilian Mann singt. Aber bei den Proben wird nicht nur auf die Stimme und das Klavier geachtet, auch Entscheidungen wie „Soll ich besser im Sitzen oder Stehen singen?“, müssen getroffen werden. Tatsächlich zieht Sandra dann abends im Schlot keine große Show ab, trägt einen der Songs sitzend vor. Und begeistert dennoch allein mit ihrer Stimme und Natürlichkeit.</p>
<p><strong>„It’s so hot“</strong></p>
<p>Als wahre Rampensau entpuppt sich dagegen Maja Sikora. Bei den Proben noch nicht ganz textsicher, ist ihr Auftritt ein Highlight des Abends im „Schlot“. Bei „Love Is A Bridge“ haucht sie „Yeahs“ und „Ahs“ oder ein „It’s so hot“ ins Mikrophon. Wie eine Katze schleicht sie über die Bühne und winkt dabei ab und an mit der Hand vor ihrem Gesicht.</p>
<div id="attachment_2220" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a rel="attachment wp-att-2220" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2212/emil"><img class="size-medium wp-image-2220" title="emil" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/05/emil-200x300.jpg" alt="Eigentlich steht er eher auf Hip Hop als auf Musicals: Pianist und Beatboxer Emil Wölze. Foto: privat" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Eigentlich steht er eher auf Hip Hop als auf Musicals: Pianist und Beatboxer Emil Wölz. Foto: privat</p></div>
<p>„Ich bin immer noch nicht so textsicher und hab mir einige Zeilen auf die Hand geschrieben“, verrät sie. Diese vermeintliche Schwäche nutzt sie jedoch zu ihrem Vorteil: Maja schafft es, ihren eigenen Stil in die Lieder zu bringen, improvisiert und zeigt sich von ihrer sexy Seite im kurzen Kleid. Am Klavier sitzt Emil Wölz, der „von Kind auf“ Klavier spielt. Eigentlich hört der 24-Jährige lieber Hip Hop, Musicals seien ihm zu kitschig und zu viel Glamour. Bei „Crying At The Discotheque“ kann er dann auch seine Beatbox-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dabei erinnert in der Version der beiden bis auf den Text kaum noch etwas an die öde Elektro-Pop-Nummer.</p>
<p><strong>Moderator und Pausenclown</strong></p>
<p>Für Erheiterung sorgen dann auch Maximilian Mann und Benjamin Sommerfeld. Die einwandfrei den Song „Me &amp; My Shadow“ vortragen und sich dabei auch noch gekonnt den Slapstick-Elementen, die dieser hergibt, bedienen. Für die meisten Lacher des Abends sorgt Maximilian zudem als Moderator und Pausenclown. An diesem Abend breitet sich jedoch auch immer wieder ein Gefühl der Melancholie und besinnlichen Ruhe aus, was vor allem an den vielen Balladen liegt. Diese sind alle gelungen, dennoch bleiben nach diesem Abend vor allem „Crying At The Discotheque“ und „New York, New York“ im Ohr. Und das nicht nur wegen ihres Wiedererkennungswerts.</p>
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		<title>Der Wagner-Checker</title>
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		<pubDate>Fri, 06 May 2011 14:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Er möchte lieber an der Spree entlang schlendern, denn Florian Zinnecker ist eher Spaziergänger als Kaffeetrinker. Rumsitzen ist für den 26-Jährigen nichts, meistens habe er mehrere „Baustellen“ gleichzeitig, sagt er. Seit vergangenem Jahr macht er eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule, muss aber noch die Abschlussarbeit seines vorherigen Studiums fertig schreiben. Derzeit ist er Praktikant bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er möchte lieber an der Spree entlang schlendern, denn Florian Zinnecker ist eher Spaziergänger als Kaffeetrinker. Rumsitzen ist für den 26-Jährigen nichts, meistens habe er mehrere „Baustellen“ gleichzeitig, sagt er. Seit vergangenem Jahr macht er eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule, muss aber noch die Abschlussarbeit seines vorherigen Studiums fertig schreiben. Derzeit ist er Praktikant bei der <em>FAS</em> in Berlin. Ganz nebenbei hat er ein Buch herausgebracht.</strong></p>
<p><strong><span id="more-2181"></span></strong></p>
<div id="attachment_2183" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a rel="attachment wp-att-2183" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2181/_mg_2691-1"><img class="size-medium wp-image-2183 " title="Florian Zinnecker1" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/05/MG_2691-1-300x200.jpg" alt="Florian Zinnecker" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Florian Zinnecker hat schon vieles ausprobiert, im Feuilleton fühlt er sich am wohlsten. </p></div>
<p>In Bayreuth, seiner Heimatstadt, ist Florian Zinnecker bekannt als Liebhaber der Wagner-Opern – zumindest bei den Lesern des Nordbayerischen Kuriers. Bei der Tageszeitung hat Zinnecker erst ein Praktikum, danach ein Volontariat gemacht. Schon damals war klar: Er gehört ins Feuilleton – mittlerweile sein „Steckenpferd“, wie er sagt. Die Festspielstadt Bayreuth war da gerade richtig, um eine journalistische Ausbildung zu machen. Zumal Zinnecker die Opern von Richard Wagner liebt, schon als Kind hatte er eine Statistenrolle im „Rheingold“ bekommen. Er würde sich selbst nicht als „Wagnerianer“, „Experte“ oder gar als „Fan“ bezeichnen. Fanatisch wirkt er auch nicht, er komme nur nicht los von der Faszination der Wagner-Opern.</p>
<p>Da diese für Laien bekanntlich nicht leicht zu verstehen sind, hat Zinnecker den „Wagner-Check“ geschrieben. Entstanden ist der Wagner-Führer aus seiner Zeit beim Nordbayerischen Kurier, als er eine Straßenumfrage unter Jugendlichen machte und sie fragte, ob sie Ahnung von den Festspielen hätten. Die Antworten: „Meist ein gelangweiltes Nö“, resümiert Zinnecker. Da kam ihm die Idee, ein Buch für Jugendliche zu schreiben – ohne „schwülstiges Operndeutsch“. Damit wollte er zeigen, dass die Opern auch für jüngere Generationen spannend sein können. Verkauft habe sich das Buch „verhältnismäßig grandios“, er habe die Zahlen gerade nicht parat – „ist ja kein Spiegel-Bestseller“. 2007 ist die erste Fassung erschienen, die zweite Auflage drei Jahre später im „Handtaschenformat“, erweitert um das Frühwerk Wagners und eine kurze Biografie.</p>
<p><strong>&#8220;Mund halten&#8221;</strong></p>
<p>Schon als Zehnjähriger hat sich Florian Zinnecker im Theater versucht, bei der Bayreuther Amateur-Gruppe „Brandenburger Kulturstadl“. Seinen ersten Auftritt hatte er in „Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler. Mit 17 Jahren übernahm er dann selbst Regie und inszenierte 2001 „Die Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens, fünf Jahre später „Currywurst mit Pommes“, eine Komödie über merkwürdige Gestalten, die sich an der Pommesbude treffen. Heute wirkt Zinnecker, auch wenn er immer noch die frechen blonden Stoppelhaare trägt, öfter mal nachdenklich. Er gibt sich pingelig mit Begriffen, überlegt sich seine Worte sehr genau und verbessert sich so lange, bis er eine Aussage gefunden hat, mit der er leben kann. Schließlich ist er selbst Journalist. Das ist auch die einzige Bezeichnung, die auf ihn zutreffe, sagt er. Denn auch wenn er schon viel gemacht hat in seinem Leben, „Schauspieler“, „Regisseur“ oder „Buchautor“ will er nicht genannt werden. Da habe er nur „herum dilettiert“. Nicht einmal als „Feuilletonist“ will er bezeichnet werden. Bescheiden ist er, manchmal etwas zu sehr oder an falscher Stelle. Trotzdem ist Zinnecker ein offener Typ, lacht viel und gerne. Dass er aber auch ab und zu die Stille sucht, hat er nach dem Besuch seiner Lieblingsoper „Parsifal“ gemerkt. „Danach möchte man einfach mal drei, vier Stunden den Mund halten.“</p>
<div id="attachment_2184" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a rel="attachment wp-att-2184" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2181/_mg_2688-1"><img class="size-medium wp-image-2184" title="Florian Zinnecker2" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/05/MG_2688-1-300x200.jpg" alt="Er nimmt sich selbst nicht so ernst. Doch auch die Denkerstirn passt zu Zinnecker. Fotos: privat" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Er nimmt sich selbst nicht so ernst. Doch auch die Denkerstirn passt zu Zinnecker. Fotos: privat</p></div>
<p>Nach seinem Volontariat ging Zinnecker nach Lüneburg, um „Angewandte Kulturwissenschaften und Politik“ zu studieren. In seiner Abschlussarbeit geht es natürlich um die Oper. Abgegeben hat er diese allerdings noch nicht, an manchen Baustellen arbeitet man eben länger. Trotzdem scheint er nicht das Gefühl zu haben, sich bei seinen zahlreichen Projekten zu übernehmen. Falls doch, würde er sich das vermutlich nicht eingestehen und einfach so weitermachen. Eins nach dem anderen zu erledigen, ist nicht sein Ding. Es ist fast spürbar, wie ihm die verschiedensten Gedanken durch den Kopf schießen. Dabei scheint er sich innerlich zu ermahnen, Ordnung zu halten.</p>
<p><strong>Durchgesetzt</strong></p>
<p>Derzeit macht Zinnecker schon die nächste Ausbildung: An der Henri-Nannen-Schule in Hamburg hat er sich mit 19 anderen gegen 2500 Bewerber durchgesetzt und darf nun an einer der besten Journalistenschulen Deutschlands studieren. „Lustigerweise bin ich dabei“, sagt Zinnecker, der unter anderem schon Artikel in der <em>Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</em>, der <em>Financial Times Deutschland</em> und auf <em>Zeit Online</em> veröffentlicht hat. „Die <em>Zeit</em>-Artikel sind nicht der Rede wert, das waren ganz kleine Sachen“, gibt er bescheiden zu. Der <em>FAS</em>-Artikel, in dem er seine Sicht auf Bayreuth, zu Guttenberg und die Uni schildert, macht ihn dagegen stolz. „Nichts liegt dieser Stadt ferner als Hochstapelei. Deshalb passt der Guttenberg-Fall auch nicht hierher“, ist ein Zitat aus seinem Plädoyer für Bayreuth. Er liebt seine fränkische Heimatstadt, die Landschaft, die Kultur. Nach Hause kommt er nur noch selten, zwei-, dreimal im Jahr. Trotzdem verbringt er viel Zeit im Zug: In Hamburg hat er ein WG-Zimmer, aber eigentlich wohnt er mit seiner Freundin in Lüneburg in einer Drei-Zimmer-Wohnung.</p>
<p>Wenn er aber doch einmal aus dem flachen Norden mit dem Zug nach Bayreuth fährt, die Gegend immer hügeliger wird, die Durchsagen im Zug immer unverständlicher werden, weiß er, dass er bald zu Hause ist. Den mundfaulen und verschlossenen Oberfranken erkennt man in ihm aber nicht. Diese Attribute hat sich Zinnecker nie angeeignet oder bereits abgelegt. Sein fränkisches „r“ hat er allerdings behalten. So wie seine Liebe zu den Opern von Richard Wagner.</p>
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