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	<title>Kulturen &#187; Film</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Gob Squad im Retro-Reigen</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Andy Warhol]]></category>
		<category><![CDATA[Gob Squad]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbühne]]></category>

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		<description><![CDATA[Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz.</strong></p>
<p><strong><span id="more-1886"></span></strong></p>
<dl id="attachment_1887" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px;">
<dt><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w.jpg"><img class=" " title="brochure_b_w" src="../wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w-150x150.jpg" alt="Kitchen-Party bei Warhol und Gob Squad" width="150" height="150" /></a></dt>
</dl>
<p>Die Küche ist das Zentrum einer jeden Party. Hier steht man dicht an dicht gedrängt, man lernt sich kennen, hier nährt man sich &#8211; kulinarisch und zwischenmenschlich. Andy Warhol wusste wohl, dass in der Küche die wahre Party und das wahre Leben zu erhaschen ist. In seinem Film „Kitchen“ von 1965 kann man beobachten, wie das so war in den 60ern mit Drogen, Sex und seiner Muse Edie Sedgwick. Die deutsch-englische Künstlertruppe Gob Squad zeigt ihre Version des vergriffenen Warhol Films. Sie stellen dafür einen verschlossenen Raum, einen fensterlosen Container, auf die Bühne, der für die Zuschauer nur durch Kameras im Inneren ersichtlich ist. Die Aufnahmen werden auf die dem Publikum zugewandte Außenwand des Raums projiziert. Innen spielen die Kitchen-Stars. Das Publikum sieht Reality-TV. Ein performativer Retro-Reigen. In Live und schwarz-weiß.</p>
<p>Beim Einlass kann der Zuschauer sich ein genaues Bild vom Innenleben des Containers machen. Man darf erstmal durch die Spielräume hindurch marschieren, einmal quer über die Bühne, bevor man seinen Sitzplatz im Zuschauerraum sucht. Erst ist da ein kleiner Raum mit einer Matratze auf dem Boden, auf die eine Kamera gerichtet steht. Hier wird Warhols Film „Sleep“ nachgestellt. Dann ein küchengroßer Raum in der Mitte, das 60er-Jahre-Set, an dem gleich „Kitchen“ gedreht werden wird. Im dritten Raum steht ein Sessel, auf den ebenfalls eine Kamera gerichtet ist. Wer hier Platz nimmt, wird Protagonist für „Screentests“. Auch diese sind einem Filmprojekt von Warhol nachempfunden, bei dem es galt: einfach nur gucken, selbst sein und filmen lassen. Drei Projektionsflächen auf der Außenwand zeigen dem Publikum, was innen passiert. The audience is watching you.</p>
<p>In Gob Squad´s Retro-Reigen quirlen die Protagonisten Nina, Bastian, Sarah und Simon auf der Bühne herum. Sie spielen 60er, persiflieren Warhols „Kitchen“, in dem es kein Drehbuch im herkömmlichen Sinne gab. Die Schauspieler waren mehr oder weniger sie selbst und auch ein Spiegel der damaligen Avantgarde. „Wir sind die Essenz unserer Zeit“, heißt es bei Gob Squad, doch was war das für eine Zeit, für ein Zeitgeist, den Warhol filmisch festzuhalten suchte? Die Gob Squad Performer sehen sich in der 60er-Küchenkulisse um, erkunden das Interieur und das Innenleben des Küchenschranks. Sie stellen resigniert fest: „There was no Capuccino around“. Aber Toastbrot gab es schon und Instant Coffee war gerade der neueste Schrei. Ansonsten gab es Drogen, eine latente sexuelle Spannung, Leben als Kunst und Rock ´n´ Roll – Aufbruchstimmung der kreativen Bohéme. Das war Avantgarde und die unstillbare Lust am revolutionären Neuen. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber mutiger war es wohl schon. Die Verkrustung der 50er schenkte viel Anlass und viele unbesetzte Ausdrucksmöglichkeiten für avantgardistische Gesten.</p>
<p>Und heute? Bei Gob Squad riecht es kurz nach Avantgarde, wenn man als Zuschauer der Erleichterung erliegt, dass da was anderes kommt als klassisches Schauspiel samt intel-lektueller Anstrengung. Ui, denkt man, hier geht´s aber ab! Hier kann ich lachen, und Spaß haben, hier fühle ich mich nicht klein im Antlitz bildungsbürgerlicher Attitüden. Da fällt Bastian in seinem karierten Schulbuben-Hemd, zugeknöpft bis obenhin, geradezu aus der Rolle, was auch Nina bemerkt und bemängelt: „Bastian, it´s all a bit stiff with you.“  Bastian ist der Sympath, bei dem man als Zuschauer sofort das Gefühl hat mit ihm befreundet zu sein. Das ganze Stück wirkt so locker, so flockig spontan. Erst als klar wird, dass nun ein Zuschauer auf die Bühne geholt wird, spürt der Theaterbesucher in seiner Angststarre mit einem mal wieder, was es heißt da oben zu sein, zu spielen, zu performen, zu unterhalten.</p>
<p>Der Anflug eines Avantgarde Gefühls ist leider aber allzu schnell verflogen, weil klar wird, dass das alles nichts Neues ist. Diese containerartigen Räume im Theater, Reality-TV, ein wenig Kryptisches, eine Prise Klamauk, so kocht René Pollesch (mit dem Gob Squad seine Anfänge an der Volksbühne feierten) in seinen Inszenierungen seit Jahren. Das war Anfang der Nuller Jahre mal hip. Gob Squad tanzen so einen zweideutigen Retro-Reigen, zum einen mit ihrer Hommage an Warhol, zum anderen, weil sie die wirklich innovative Theaterästhetik verfehlen.</p>
<p>„Was willste denn da draußen, da draußen ist alles schon passiert. Hier drinnen ist alles neu“, erklärt Nina und versucht Bastian, der vor die Projektionsfläche zum Publikum getreten ist, zurück in den Container zu holen. Dort drin möchte man als Theaterzuschauer sein, dort,  wo es scheinbar Neues zu erleben gibt.</p>
<p>Theater muss nicht immer so sein, muss nicht immer neu sein, bringt oft das Wahre, statt das Neue auf die Bühne. Doch Gob Squad versprechen mit ihrer Spielhaltung, mit ihrer Ästhetik Avantgarde zu sein und halten das Versprechen nicht ein. Kamera auf der Bühne, Nahaufnahmen trotz Theater. Irgendwann verbraucht sich das Ganze.</p>
<p>Immerhin gibt es bei Gob Squad doch einen Unterschied zum anfänglichen Pollesch-Spiel von vierten Wänden auf der Bühne und dem Experiment Verdecktes medial zu zeigen. Denn Gob Squad ist nicht nur Improvisations-, sondern auch Interaktionstheater. Zum einen beginnen Warhols Filme, die drei Leinwände, miteinander zu kommunizieren; die Protagonisten sehen sich von Leinwand zu Leinwand an, sie treten in Beziehung zueinander, was Freude macht beim Zusehen. Zum anderen schlüpfen Theaterbesucher in die Rollen der Gab Squad Performer, die wiederum im Zuschauerraum sitzen und den Publikumstars per Mikro Regie-Anweisungen in die aufgesetzten Kopfhörer flüstern.</p>
<p>Mit der Spannung des Mitmachens trifft man das Publikum wieder im Jetzt. Das kennt man aus dem Web 2.0, aus Wikis und aus Blogs. Digitale Handlungsgewohnheiten finden Raum auf der Bühne: Kollaboration und Echtzeit. Und auch ein bisschen Sex, wenn die Dame aus dem Publikum in Großaufnahme mit Sarah knutscht und alle gebannt zusehen. Big Brother und Web 2.0. Warhol und Pollesch. Alles ein bisschen wie schon mal gesehen. Hier und Jetzt hinter der Wand. In Küchen werden Soßen auf Essenzen runtergekocht.</p>
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		<title>Kindheitsträume werden wahr – in Disneys märchenhafter Eisshow</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 15:02:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rebecca Schindler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die berühmten Comicfiguren Micky und Minnie, Donald und Daisy sowie Goofy und Pluto mit Schlittschuhen auf dem Eis? Fast unvorstellbar, aber es funktioniert, und wie: Mit tosendem Applaus, offenen Mündern und funkelnden Augen wurden die berühmten Disney-Stars am Donnerstagabend im Berliner Velodrom empfangen. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene wurden in den Bann von „Disney On [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die berühmten Comicfiguren Micky und Minnie, Donald und Daisy sowie Goofy und Pluto mit Schlittschuhen auf dem Eis? Fast unvorstellbar, aber es funktioniert, und wie: Mit tosendem Applaus, offenen Mündern und funkelnden Augen wurden die berühmten Disney-Stars am Donnerstagabend im Berliner Velodrom empfangen. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene wurden in den Bann von „Disney On Ice &#8211; ein Abenteuer im Disneyland“ gezogen.</strong><span id="more-1620"></span></p>
<p>In der Eisshow, die in den 60ern spielt, wollen Micky, Minnie, Donald und Goofy ein Abenteuer erleben und beschließen, einmal selbst als Gäste den Attraktionspark „Magic Kingdom“ im Disneyland zu besuchen. Dabei treffen sie auf viele bekannte Gesichter, wie zum Beispiel Stitch, Buzz Lightyear, Alice und den verrückten Hutmacher, Balu sowie die beiden Prinzessinnen Schneewittchen und Cinderella. Neben den berühmten Figuren, stößt man während des gesamten Stückes natürlich auch auf typische Disneyland-Attraktionen. So fahren die vier „Fabs“ mit der beliebten Space-Mountain-Achterbahn oder mit dem Schiff durch den Themenpark „It’s a small World“, gruseln sich im Haunted Mansion und haben Spaß bei der Teetassenparty des Hutmachers.</p>
<p>Aber die gute Stimmung hält nicht lange an. Denn plötzlich taucht die böse Fee Malefiz auf und verlangt von Donald und Minnie, sich an der berühmten Dornröschen-Spindel zu stechen. Dadurch fallen die beiden in einen langen und tiefen Schlaf. Doch Hilfe naht und schon sind die vier wohl bekanntesten Superhelden zur Stelle: The Incredibles (Die Unglaublichen).</p>
<p>Trotzdem kommt es natürlich immer wieder zu lustigen Szenen, an denen meistens die etwas tollpatschigen Figuren Goofy und Donald beteiligt sind. „<em>Disney on Ice präsentiert Abenteuer im Disneyland</em> weckt beim Publikum schöne Erinnerungen an die schier unbegrenzten Attraktionen von Disneyland und sorgt durch die lustigen Eskapaden von Micky und ihren Freunden zugleich für beste Unterhaltung“, weiß auch Produzent Kenneth Feld.</p>
<p>Auffällig bei der Show sind die großartigen Outfits, gestaltet von Kostümbildner Scott Lane: „Die Kostüme fangen die Bilder der Parks ein, von den Verkäufern über die Attraktionen bis hin zu den Besuchern.“ Der Retrolook der 60er Jahre wird in jeder Szene passend integriert. So werden schicke A-Linien-Röcke, stylische Schuhe und ausgefallene Brillen mit riesen Gestellen und Pünktchenmustern getragen. Aber nicht nur die Besucher und Verkäufer des Parks sind perfekt gekleidet, auch die Hauptdarsteller der einzelnen Attraktionen, wie zum Beispiel die Piraten des Ensembles Pirates of the Caribbean. Alleine die zerrissenen Klamotten der männlichen sowie weiblichen Seeräuber scheinen eine eigene Geschichte zu erzählen. Die verschiedenen Stoffe mit ihren abwechslungsreichen Mustern sowie die Augenbinden und Kopftücher – ein Fest für die Augen. Leicht war Lanes Job allerdings nicht. Denn jedes Kostüm musste leicht sein und so designed, dass die Künstler beim Eislaufen optimale Bewegungsfreiheit haben. Sein Motto lautet daher „Keep it Simple“.</p>
<p>Neben Lane hatte auch der Lichtdesigner eine schwere Aufgabe zu meistern. Der Emmy Preisträger Peter Morse verlieh dem ganzen Stück seinen gewissen Charme. Mit verschiedenen Farben und Spezialeffekten gelang es ihm, die Disneyfiguren in eine scheinbar reale Welt des Disneylands zu integrieren. Eine der schönsten Szenen ist die Achterbahnfahrt durch den Wilden Westen auf der Big Thunder Mountain Railroad: hier inszeniert Morse durch spezielle Lichteffekte gelungene Gleise auf das Eis, die sogar ins wanken geraten, als die Fahrt eine turbulente Wendung nimmt. Durch detailgetreue Nachahmung können sich die Zuschauer so in jede Szene hineinversetzen und Teil der Show werden.</p>
<p>Hierfür ist nicht zuletzt aber auch die Choreographin Cindy Stuart verantwortlich. Von den roboterartigen Bewegungen der Jungle-Cruise-Affen aus dem Dschungelbuch zum eleganten Walzer der Geister im Haunted Mansion lässt Stuart alle Attraktionen nacheinander Revue passieren, sodass die Zuschauer Disneyland virtuell miterleben können. Stuart: „Ich finde es toll, dass sich die Besucher während der Show nostalgisch ins Disneyland zurückversetzt fühlen.“</p>
<p>Die großartige Eisrevue Disney on Ice – Abenteuer im Disneyland verbindet Talent vom anerkannten Kreativ-Team und von den besten Eiskunstläufer mit einer originellen Märchengeschichte, die die Zuschauer aus der ganzen Welt ins Disneyland nimmt, wo sie Abenteuer mit allen Freunden erleben können, die sie aus den Disney Geschichten kennen.</p>
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		<title>&#8220;Der liebevolle Realist&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 01:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna Mayrhauser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Dresens neuer Film „Whisky mit Wodka“ ist wieder einmal eine Geschichte von großen und kleinen Verlierern geworden.  Eine Annäherung an den „aufrichtigen Humanisten“ unter den deutschen Filmemachern.

Einer der schönsten Filme, die man heute unter dem Genre „DDR-Film“ einreihen würde, entstand bereits 1992. Er hieß „Stilles Land“, ein Zitat aus einem Lied von Wolf Biermann. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left"><strong><em>Andreas Dresens neuer Film „Whisky mit Wodka“ ist wieder einmal eine Geschichte von großen und kleinen Verlierern geworden.  Eine Annäherung an den „aufrichtigen Humanisten“ unter den deutschen Filmemachern.</em></strong></p>
<p style="text-align: left"><em><span id="more-1254"></span></em></p>
<p style="text-align: left">Einer der schönsten Filme, die man heute unter dem Genre „DDR-Film“ einreihen würde, entstand bereits 1992. Er hieß „Stilles Land“, ein Zitat aus einem Lied von Wolf Biermann. Das Ensemble eines Theaters irgendwo in der ostdeutschen Provinz kämpft sich im Herbst 1989 durch „Warten auf Godot“ und verpasst die Wende. Ein junger Regisseur schrammt an der Aktualität vorbei, eine alte Schauspielerin sagt „Na toll, jetzt können wir überall hin.“ Kein teuerer Film, fast ein bisschen dokumentarisch, der durch seine Nähe zu den Ereignissen mittlerweile selbst ein Zeitdokument wurde. Es war der Debütfilm des damals neunundzwanzigjährigen Andreas Dresen. Das Drehbuch hatte er gemeinsam mit Laila Stieler geschrieben. Die dokumentarische, improvisierte Spielfilmform wird für sein Filmschaffen typisch werden. Fast siebzehn Jahre später wehrt sich Andreas Dresen immer noch gegen seine Einordnung als „ostdeutscher Filmemacher“: „Ich habe mich schon oft gefragt, wo eigentlich meine westdeutschen Kollegen stecken, bei denen dieser Zusatz ganz offenkundig nicht nötig zu sein scheint“ schreibt Dresen 2009 in einem Kommentar in der ZEIT.</p>
<p style="text-align: left"><em> </em></p>
<p style="text-align: left"><strong><em>Das Glück und der Bruch</em></strong></p>
<p style="text-align: left">Sein Ausbildungsweg erinnert auch ein bisschen an „Warten auf Godot“: Mit 15 Jahren kommt der 1963 in Gera geborene und praktisch im Schweriner Landestheater aufgewachsene Dresen (Vater Adolf Dresen und Ziehvater Christoph Schroth sind beide Regisseure, die Mutter Barbara Bachmann Schauspielerin) zum Amateurfilm. Nach einem langwierigen Aufnahmeprozess beginnt er 1986 sein Regiestudium an der  Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Wenn Dresen über seine Karriere spricht, dann spricht er sehr oft vom Glück. Das Glück, ein Volontariat beim Defa-Spielfilmstudio bekommen zu haben und nicht bei der Filmabteilung der NVA. Das Glück, einer der Volontäre gewesen zu sein, die für das Regiestudium übernommen wurden und so eine fundierte Ausbildung zu erhalten. Dort hat er, der eigentlich nur Spielfilme machen wollte, das Dokumentarische gelernt: „Ich wollte unbedingt zum Spielfilm und lernen mit Schauspielern zu arbeiten. Aber man sagte uns: Nein, jetzt geht ihr erst mal auf die Straße und filmt die Werktätigen. Und dann musste man plötzlich lernen, in der Realität Bilder zu finden.&#8221; Das Glück nach seinem Debütfilm eine Ausschreibung zu gewinnen, die den zweiten Film komplett finanzierte. Später das Glück, Theater und Film machen zu können, und auch Oper. Eine Arbeit, die sich gegenseitig ergänzt und immer wieder neue Wege hervorbringt, wo das eine das anderer ermöglicht. Ohne die Erfahrung der Theaterarbeit wäre ein Film wie „Halbe Treppe“ nicht möglich gewesen. Das Glück nach Publikumserfolgen wie „Sommer vorm Balkon“ und „Nachtgestalten“ freiere, radikaler Produktionen wie „Halbe Treppe“ und „Wolke 9“ verwirklichen zu können. Das Glück unter dem Rektorat von Lothar Bisky an der Filmhochschule gewesen zu sein, der den „aufrechten Gang“ durch das Studium ermöglichte, wie Dresen in Interviews oft betont. Den biographischen Bruch durch die Wende empfindet Dresen als großen Wert. „Zu spüren wie sich alles verändert, hat mir viel gebracht und war eine unglaubliche Erfahrung“ erzählt er in Interviews. Auch ein Bruch zu richtigen Zeit, für viele ältere, begabte Regisseure, die in der DDR ausgebildet worden sind, hätte es später keinen Platz mehr auf dem Filmmarkt des wiedervereinigten Deutschlands gegeben.</p>
<p style="text-align: left"><strong><em>„Ohne Verachtung und frei von Zynismus“</em></strong></p>
<p style="text-align: left">Seine HeldInnen wurschteln sich durch ihr Leben, einen Sommer, einen Winter, einen Wahlkampf lang und bleiben dabei immer liebenswert und werden nie vorgeführt. Dennoch sind Dresens Filme frei von Sozialromantik und immer politisch. Als Vorbilder, Filmemacher und Autoren, die ihn beeinflusst und beeindruckt haben nennt er Namen wie Wolfgang Kohlhase, dessen Drehbuch zu „Sommer vorm Balkon“ er verwirklicht hat und mit dem er jetzt bei „Whiskey mit Wodka“ wieder zusammen gearbeitet hat, Jim Jarmusch, die italienischen Neorealisten, Ken Loach und den britischen Realismus der 70/80er Jahre, bei dem ihm die selbstverständliche, undogmatische Art mit der Arbeiterklasse umzugehen beeindruckt hätte und er so etwas auch für den deutschen Film suchte. „Die Kunst die mich geprägt hat, hatte immer damit zu tun, dass die Künstler die Menschen geliebt haben, über die sie erzählten. Ohne Verachtung und frei von Zynismus“, sagt Dresen in einem Interview zum Film „Sommer vorm Balkon“. Eine Vorgabe, die in jedem Dresen-Film spürbar ist. Dresen hält keinen für blöd, eine seiner radikalsten Filme „Die Polizistin“ entstand fürs Fernsehen. Dresen schafft es, dass sogar ein „Herr Wichmann von der CDU“ in seiner sich wiederholenden Phrasenhaftigkeit und ein schmieriger Autohändler „Willenbrock“ irgendwie sympathisch werden. Dabei singt Dresen aber nicht das gerne angestimmte Lied vom armen weißen Mann, das Ines Kappert letztlich in ihrer intelligenten Analyse „Der Mann in der Krise. Kapitalismuskritik  in der Mainstreamkultur“ dekonstruiert hat, sondern zeigt wie Menschen ihre Rolle in einem System spielen. Als weiterer Vorbilder nennt Dresen auch die Dardenne &#8211; Brüder. Nach dem Publikumserfolg von „Sommer vorm Balkon“ wollte er gerne etwas Radikaleres, Unversöhnlicheres machen. Entstanden ist „Wolke 9“, eine Film über Liebe und Sexualität im Alter, der bei Publikum und Kritik trotz dieser Härte gut ankam.</p>
<p style="text-align: left"><strong><em>Radikales Vertrauen</em></strong></p>
<p style="text-align: left">Damit so etwas entstehen kann ist in der Arbeitsweise vor allem eins wichtig: Vertrauen. SchauspielerInnen und KollegInnen sprechen von einer freien, gleichberechtigten und respektvollen Atmosphäre am Set. Nadja Uhl nannte es einmal einen kleinen „Set-Kommunismus“. Dresens größte Qualität ist, scheint es, normal und unprätentiös zu sein. Er selbst spricht davon ein Klima ohne Angst schaffen zu wollen, eine Atmosphäre, die es erlaubt, sich zu öffnen, damit etwas entstehen kann. Für die Arbeitsweise der Improvisation ist das natürlich extrem wichtig. Dresen arbeitet oft mit denselben Menschen zusammen: Axel Prahl, Laila Stieler, Wolfgang Kohlhaase, Inka Friedrich, Cooky Zische&#8230;um nur einige Namen zu nennen, der Ruf der „familiären“ Atmosphäre eilt ihm voraus. Dresen macht Ensemblefilme.</p>
<p style="text-align: left">Bei jeden Film muss man versuchen die eigenen Grenzen zu verschieben, ein Stück weiter zu treiben.“ ist Dresens Überzeugung. Mal sehen ob „Whisky mit Wodka“ ein radikaler Film wird oder ein Publikumserfolg. Oder Beides. Der Mann mit den schönen Berlinfilmen lebt übrigens in Potsdam. Dort ist es ruhiger.</p>
<p style="text-align: left"><em><br />
</em></p>
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		<title>Blocklaster</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 20:27:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Avatar, das mit neuster 3-D- und Special Effects-Technik ausgestattete Kino-Spektakel von Blockbuster Regisseur und Drehbuchautor James Cameron (Terminator, Titanik) ist ein Trip durch Utopia.

Blaue Mars-, äh Patagonia-Männchen vom Volk der Na‘vi, physisch ausgestattet mit einer Mischung aus westlichen Schönheitsidealen &#8211; groß und schlank mit Kulleraugen &#8211; und schlechter Mundhygiene leben im Einklang mit der Tierwelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Avatar, das mit neuster 3-D- und Special Effects-Technik ausgestattete Kino-Spektakel von Blockbuster Regisseur und Drehbuchautor James Cameron (Terminator, Titanik) ist ein Trip durch Utopia.</strong><br />
<span id="more-1199"></span></p>
<p>Blaue Mars-, äh Patagonia-Männchen vom Volk der Na‘vi, physisch ausgestattet mit einer Mischung aus westlichen Schönheitsidealen &#8211; groß und schlank mit Kulleraugen &#8211; und schlechter Mundhygiene leben im Einklang mit der Tierwelt und der Natur.  Bedroht durch die geldgierige Menschheit, die ihren eigenen Planeten nahezu komplett ausgebeutet hat und nun auf die Ressorcen des Naturvolks umsteigen muss, eilt Ihnen der gelähmte Soldat Jack Skully zur Seite. Allein durch seine Gedankenkraft steuert er einen Na‘vi-Avatar, der in der für Menschen giftigen Athmosphäre existieren kann.</p>
<p>Während seiner Abenteuer in der an kitschige Jahrmarkts“gemälde“ erinnernden Fantasia-Welt begegnet er der fluoreszierenden Neytiri. Zwischen ihm und der „Pocahontas auf LSD“ entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die der Kinogänger in kleinen Variationen schon hundert Mal gesehen hat.</p>
<p>Und es bleibt nicht bei diesem déjà vu. Schon die Charaktere bedienen sämtliche Stereotype: der geldgierige Firmenboss, der psychopathische Elitesoldat mit markigen Sprüchen, die ideologische Forscherin und der gebrochene Held.</p>
<p><strong>Alles nur geklaut</strong></p>
<p>Auch der Plot, oder besser „die Plots“, kommt einem bekannt vor. Kein Geheimnis, dass James Cameron sich bei sämtlichen Sci-Fi-Geschichten, die ihn seit der Jugend begeistern, bedient hat.</p>
<p>Sci-Fi-Abenteuer, Drama, Liebes- und Katastrophenfilm, dazu noch ein wenig Utopia und Kriegsfilmhandlungen &#8211; dies alles gepresst in 160 Minuten. Kann das gut gehen?</p>
<p>Manchmal ist weniger mehr. Und in diesem Fall: weniger mitreißende Geschichten, weniger ausgearbeitete Charaktere, dafür mehr &#8211; viel mehr &#8211; Technik und Special Effekte.</p>
<p>78 Bilder pro Sekunde für die ausgefeilte 3-D Technik, anstatt der sonst üblichen 24 &#8211; (über)fordern das Auge und sind vielleicht der Grund dafür, dass Cameron das Denkzentrum nicht unnötig belastet. So bleibt die volle Gehirnkapazität für die visuelle Verarbeitung.</p>
<p>Denn da ist einiges zu tun. Drachenvögel schlagen einem mit ihren Schwingen fast ins Gesicht, Silberfisch-Hunde schnappen zu und lassen einen auf den Kinositzen zusammen zucken. Selbst in der letzten Reihe ist keine Ruhe zum Knutschen. Wozu nach der Betrachtung von der blauen Pocahontas und Skully bei selbigem wahrscheinlich sowieso keiner mehr die Lust verspürt.</p>
<p><strong>Ein Klischee jagt das nächste</strong></p>
<p>3-D-Nerdbrillen, die vor zwei Jahren noch cool gewesen wären, bringen einen so nah ans / fast ins Geschehen, dass man am liebsten zu Sigourney Weaver rennen möchte und schreien: „Warum??“, wenn sie sich in ihren virtuellen Hippie-Öko-Avatar mit Flecht-Rastas morpht.</p>
<p>Die Klischees machen sogar vor der Musik keinen Halt. Der Auftritt der Na‘vi, deren Kleidung und Schmuck schon sehr etho-lastig ist, wird natürlich mit afrikanischer Trommelmusik begleitet. Wohingegen die Militärhubschrauber mit triumphaler Marschmusik eingeführt werden.</p>
<p>Für James Cameron, den technik-verliebten Erfolgsregisseur, ist Avatar eine Spielwiese der Special-Effects. Nebenher gibt es ein paar laue Storys, die unter anderem die grüne Bewegung und die Anti-Kriegs-Haltung bedienen. Gepaart mit der richtigen und kostenintensiven Marketingstrategie (150 Mio. $, mehr als jeder Film zuvor) soll Avatar sämtliche Zuschauerrekorde sprengen.</p>
<p>(Werbe)technik, die begeistert.</p>
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		<title>Bluebox Blaumänner</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/1168</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 00:27:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Wilhelm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[James Cameron hat mit Avatar 3D wieder einmal den teuersten Film aller Zeiten gedreht. Es ist ein vor Doppelmoral triefender, sinnlos mit Technik vollgestopfter Streifen.
Blau ist das neue grün! Mercedes nennt seine neuen Spritsparer Blue-Line und Samsung sein neues Öko-Handy Blue Earth. Der Klimawandel machts möglich. Getreu dem Zeitgeist hat James Cameron nun mit Avatar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>James Cameron hat mit Avatar 3D wieder einmal den teuersten Film aller Zeiten gedreht. Es ist ein vor Doppelmoral triefender, sinnlos mit Technik vollgestopfter Streifen.</strong></p>
<p><strong><span id="more-1168"></span></strong>Blau ist das neue grün! Mercedes nennt seine neuen Spritsparer Blue-Line und Samsung sein neues Öko-Handy Blue Earth. Der Klimawandel machts möglich. Getreu dem Zeitgeist hat James Cameron nun mit Avatar 3D eine Art Bio-Science Fiction vorgelegt. Seine vollständig animierten Hauptfiguren sind dementsprechend: Blau.<br />
Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Der Planet der Na´Vi –eine Art Alien-Öko-Indianer &#8211; wird nach menschlichen bzw. amerikanischen Gepflogenheiten kolonisiert und durch Raubbau an der Natur zerstört. Nach einer unvermeidbaren interplanetaren Liebesgeschichte schmeißen die Öko-Aliens die Menschen aber wieder raus.<br />
Die Message ist klar. Popcorn-Kino für den zivilisierten Gutmenschen, der die Ausrottung der Indianer blöd und den Klimawandel auch nicht so gut findet. Action, Liebe und Verrat inklusive. Eine Mischung aus Star Wars, der mit dem Wolf tanzt, und Serengeti darf nicht sterben. Der nicht gerade als barmherzige Samariter bekannte Rupert Murdoch hat das Geld für den Film gegeben -James Cameron sein notorisches Faible für technische Neuerungen. Was in Abbys, Terminator 2 und Titanic noch Aufregung versprach und zur Illustrierung der Geschichte diente, wird bei Avatar nun zum Selbstzweck. Camerons im Computer errechneten Bildwelten sind durch ihren räumlichen 3D-Charakter zwar von beeindruckender Präsenz. Das bloße Zurschaustellen des visuell technisch Möglichen erinnert aber eher an die Schausteller des frühen 19. Jahrhunderts, die der Menschheit die ersten bewegten Bilder präsentierten. Die Geschichte war damals zweitrangig – bei Avatar ist sie es wieder. Mit dem Kino als Ort des Erzählens in Bildern hat das nichts mehr zu tun.<br />
Offenbar hat selbst der Technik-Nerd Cameron dieses Manko bemerkt. Wie sonst könnte man sich die Besetzung der Science Fiction Ikone Sigourney Waever erklären, wenn nicht als krampfhafter Versucht, zumindest einen Rest an Wiedererkennungswert zum Kino der großen Geschichten herzustellen. In der Blue-Box wurde ihr Gesicht gescannt, gerastert und gerendert, um es dann gänzlich verwurstet auf einen virtuellen Körper zu verpflanzen. Selbst der Schauspieler dient nur noch als Vorlage. Ein Verfahren, das eher an die Autorschaft Helene Hegemanns erinnert, denn an Regie –wie Cameron sein Treiben immer noch zu nennen beliebt.<br />
Michel Ballhaus hat diese vollständig im Computer generierten Bilder einmal als „Attraktion ohne Nervenkitzel“ – als „kaltes Auge“ &#8211; bezeichnet. James Cameron exerziert diese Ideenlosigkeit 161 Minuten in Reinform. Avatar 3D. So einen Film kann nur jemand machen, der alle dramaturgischen und ästhetischen Wegweiser des Kinos verloren hat. Die Erzählung untauglich, das Auge blind, und das Denken am Ende.</p>
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