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	<title>Kulturen &#187; Kunst</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Wunderbare Ereignislosigkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 11:09:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura Marie Hamdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Filmstill statt Actionstreifen &#8211; die Ausstellung &#8220;12&#215;12 &#8211; Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie&#8221; sensiblisiert die Sinne.

Wir sind hibbelig, eigentlich immer. Wir hassen vergeudete Zeit, wir lieben das Multitasking. Ob wir einkaufen gehen, eine Hausarbeit schreiben oder in den Urlaub fahren &#8211; wir packen uns ein in eine Wattehülle aus Medien. Die Hülle besudelt uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Filmstill statt Actionstreifen &#8211; die Ausstellung &#8220;12&#215;12 &#8211; Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie&#8221; sensiblisiert die Sinne.</p>
<p><span id="more-2469"></span></p>
<p>Wir sind hibbelig, eigentlich immer. Wir hassen vergeudete Zeit, wir lieben das Multitasking. Ob wir einkaufen gehen, eine Hausarbeit schreiben oder in den Urlaub fahren &#8211; wir packen uns ein in eine Wattehülle aus Medien. Die Hülle besudelt uns ununterbrochen mit Musik aus dem mp3-Player, Facebook leuchtet im Hintergrund marine-blau, dazu läuft das Radio oder der Fernseher. Wenn die Medien-Hülle zu dick wird, wird sie zur Medien-Hölle, denn sie macht uns taub für das richtige Leben.</p>
<p>Im schlimmsten Fall bedeutet das: Unsere Konzentration lässt nach. Ein Buch zu lesen und sich gar darin zu verlieren wird immer schwerer, alles lenkt uns ab, ständig durchkreuzen Gedanken zur nächsten Aufgabe unsere Aufmerksamkeit. Dokumentarfilme erfordern unser gesamtes Durchhaltevermögen, denn wir können auf keine Katastrophe hin fiebern. Bei Hörspielen schlafen wir sofort ein &#8211; weil unser Körper den Status der Entspannung nicht mehr kennt, sondern nur Schlaf oder Hyperaktivität.</p>
<div id="attachment_2470" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2470" title="Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/Berlinische-Galerie-300x300.jpg" alt="Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt" width="300" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt</p></div>
<p>Und nun betreten wir die Berlinische Galerie. Einen dunklen Gang direkt am Eingang des White Cubes, der uns mit Möwengeschrei und Windrauschen anlockt. Und wir finden uns wieder auf einer Tribüne vor einer großen Leinwand. Die Tribüne ist überzogen von rotem Teppich, in der letzten Reihe können wir uns gemütlich anlehnen.</p>
<p><strong>Holzkutter stampfen auf den Wellen</strong></p>
<p>Zum Möwengeschrei und Windrauschen kommt ein Bild, eine einzige Perspektive: ein aufgewühltes graues Meer, das am Horizont mit dem Himmel verschmilzt, der genauso grau ist. Es sind wahrscheinlich drei bis vier Windstärken, denn die Wellen beginnen zu brechen. Regen fällt, oder Graupel, er überdeckt alles mit einem dicken Schnee-ähnlichen Schleier. Im Vordergrund ragen ein paar krumme Holzpfähle aus dem Wasser, einige nur so knapp, dass sie von den Wellen immer wieder verschluckt werden.</p>
<p>Von rechts schieben sich zwei Holzkutter ins Bild. Sie sind an langen Ankerleinen an den Grund des Meeres gekettet, haben aber genügend Spielraum, um vor und zurück zu schaukeln. Und genau das tun sie, eigentlich nur das: Sie schaukeln vor und zurück, manchmal unregelmäßig, sie stampfen auf den Wellen, wenn sie im Wind stehen, und rutschen sanft über den Wellenkamm, wenn sie sich vom Wind wegdrehen.</p>
<p>Was passiert als nächstes? Hat das Windrauschen einen unheilvollen Beigeschmack? Was soll das Kindergeschrei, was sich bei genauem Hinhören deutlich von den Möwen abhebt? Denken wir. Aber es geschieht: nichts.</p>
<p>Zunächst lässt uns die Hoffnung auf Nervenkitzel auf der Tribüne sitzen bleiben – obwohl es uns schon in den Zehen juckt, aufzuspringen. Die Berlinische Galerie ist schließlich groß, es gibt noch viel zu entdecken und wie immer drängt die Zeit. Doch dann merken wir: Es wird nichts mehr passieren. Seit zehn Minuten starren wir auf zwei Kutter. Sehen, wie sie zum Spielzeug von Wind und Meer werden. Wie sie sich aus dem Bild herausschieben und wieder hineingetrieben werden. Und langsam, ganz langsam lassen wir uns auf diese Ereignislosigkeit ein, denn sie erfüllt uns mit einer ungewohnten Ruhe. Details fallen uns auf: Der Rumpf hat rostrote, blaue und weiße Streifen – verblichen und zur Hälfte abgeblättert. Die Holzpinne scheint jeden Moment abzubrechen, so sehr wird sie von den Wellen hin- und her gedrückt.</p>
<div id="attachment_2471" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2471" title="Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/marcellus-l-2-300x200.jpg" alt="Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch</p></div>
<p>Uns kommen verrückte Ideen in den Kopf, verrückt weil sie so gewöhnlich sind: Wir denken nach über die Kraft der Strömung, wir überlegen uns, wo die Kamera steht, was wohl hinter der Kamera passiert. Wir streichen über den roten Teppich, auf dem wir sitzen und empfinden es als angenehm, hier im Trockenen zu sitzen und nicht auf einem der Schiffe, auf die der Regen so unbarmherzig niederprasselt.</p>
<p><strong>Zufall statt Drehbuch</strong></p>
<p>Kurzum: wir kurbeln langsam unsere Wahrnehmung wieder an. Unsere absichtliche Wahrnehmung, nicht die Wahrnehmung dröhnender Beats, zu der uns der IPod zwingt.</p>
<p>Es sind 15 Minuten der Entspannung in der Ausstellung „12&#215;12 &#8211; die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie“. Innerhalb eines Jahres werden hier die Arbeiten von zwölf Videokünstlern gezeigt, die sich neue Möglichkeiten des Films erschlossen haben. Sie legen den Fokus auf Bildausschnitt, Fokussierung, das Objekt, die Ästhetik. Das Schiffs-Video stammt von Marcellvs L., der 31jährige Künstler aus Brasilien nennt seine Arbeit VideoRhizome. 28 Filme hat er gedreht, die alle für sich stehen und in denen immer die Kamera von einem festen Standpunkt aus ein willkürliches Geschehen vor der Linse filmt, manchmal so unscharf, dass der Zuschauer nur vermuten kann, was dort gerade passiert. Es gibt kein Drehbuch und keine Schauspieler für die Filme von Marcellvs L., alles geschieht zufällig. Seine Filme basieren auf der Spannung zwischen dem zufälligen Geschehen und der gezielten Aufnahme dieses Geschehens.</p>
<p>Seine Filme sind Ruhe statt auf Spektakel. Aber die Geduld, die sie uns kosten, lohnt sich. Vielleicht schon auf dem Heimweg, auf dem wir lieber dem Wellenrauschen im Kopf lauschen, als den dröhnenden Beats der Kopfhörer.</p>
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		<title>Der Wolkenmacher</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 12:24:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura Marie Hamdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Installationskünstler Tomás Saraceno macht aus Plastikbällen funkelnde Luftblasen.

Galerien sind unpersönliche Orte. Boden, Wände und Decken sind in sterilem Weiß gehalten &#8211; als makelloser Grund für Gemälde, Skulpturen oder Installationen. Bis auf die Kunst sind die Räume leer, denn jede Requisite würde die Wirkung der Kunst schmälern. Der Purismus schützt aber auch ein Geheimnis: Die Beziehung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Installationskünstler Tomás Saraceno macht aus Plastikbällen funkelnde Luftblasen</em>.</p>
<p><span id="more-2450"></span></p>
<p>Galerien sind unpersönliche Orte. Boden, Wände und Decken sind in sterilem Weiß gehalten &#8211; als makelloser Grund für Gemälde, Skulpturen oder Installationen. Bis auf die Kunst sind die Räume leer, denn jede Requisite würde die Wirkung der Kunst schmälern. Der Purismus schützt aber auch ein Geheimnis: Die Beziehung zwischen Kunst und Künstler. Blicken wir auf das Werk eines Tyrannen, der monatelang in einem Materialwust gehaust hat – mutterseelenallein, denn seine Mitarbeiter sind allesamt entsetzt geflüchtet? Oder war hier ein Esoteriker am Werk, der mit Bedacht, Weltliebe und Räucherstäbchen zu seinem Endprodukt gelangt ist? Einmal dem Künstler bei der Arbeit über die Schulter sehen, das wünschen sich viele ratlose Ausstellungsbesucher, die verstehen möchten, welche Gefühle sich hinter der entstellten Gummipuppe, der verdorrten Blume oder dem Bleistift-Berg verbergen.</p>
<div id="attachment_2451" class="wp-caption alignright" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-2451" title="Saracenos Wolkenstädte: eine fantastische Reduktion der Realität auf Formen und Farben" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/saraceno2-199x300.jpg" alt="Saracenos Wolkenstädte: eine fantastische Reduktion der Realität auf Formen und Farben" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Saracenos Wolkenstädte: eine fantastische Reduktion der Realität auf Formen und Farben</p></div>
<p>Die seltene Gelegenheit, den Aufbau einer Ausstellung mitzuerleben, bietet in diesen Tagen der Hamburger Bahnhof. Tomás Saracenos Installation„Cloud Cities“ eröffnet  zwar erst am 14. September, bis dahin kann jeder Besucher der Dauerausstellung  dem Künstler aber schon mal beim Aufbau über die Schulter schauen.</p>
<p>Der erste Eindruck der Ausstellung ist eine Erinnerung an ein Kinderspielzeug: Beim Blick durch das Kaleidoskop sah man Kreise aus funkelnden Farbmustern, die sich beim behutsamen Drehen des Rohres zu neuen Kreisen zusammensetzten. Saracenos „Cloud Cities“ scheinen dem Kaleidoskop entsprungen – sie funkeln, sie sind symmetrisch, sie sind einander ähnlich und differieren doch in Farbe, Größe und Oberfläche.</p>
<p><strong>Schwebende Luftblasen</strong></p>
<p>Der Hamburger Bahnhof hängt voller transparenter Plastikbälle, in die kontinuierlich Luft gepumpt wird. Einige sind so klein wie Fußbälle, andere reichen vom Boden bis hinauf zu den Eisenträgern an der Decke. Einige lassen Pflanzen in ihrer Mitte schweben, andere sind hohl. Befestigt sind sie mit schwarzen Stricken, die sich netz-ähnlich um die Bälle spannen und dann quer durch den Raum verlaufen. Sie halten die Bälle in der Luft. Eine der Kugeln ist mit einer künstlichen Moosschicht bedeckt, auf der sich lange, ebenso künstliche Blätter kringeln. Die Kugel schwebt im vorderen Teil des Raumes. Genau darunter sitzt ein schmales Mädchen in Rock und Turnschuhen auf einem Holzstuhl und knüpft versunken weitere Blätter zusammen, die kurz danach vorsichtig auf dem Moos befestigt werden. Etwas weiter fehlt die Kugel &#8211; und doch ist sie da: Die schwarzen Schnüre sind so ineinander verknotet, dass sie dreidimensionale, kugelförmige Hohlräume bilden. Einige Schnurenden hängen lose zu Boden.</p>
<p>Die größten Kugeln dürfen ab dem 14. September auch vom Publikum betreten werden. Eine Flugzeugleiter führt zum Einstieg an der Seite. Drinnen ist eine Gummiplane quer durch die Kugel gespannt – ein Trampolin, das den Eindruck erweckt, in der Luft zu springen, mit freiem Blick zum Boden durch viele transparente Kreise, durch viel Luft hindurch.</p>
<div id="attachment_2452" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2452" title="Künstler Tomás Saraceno: liebevoller Umgang mit seinen Luftschlössern" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/saraceno1-300x225.jpg" alt="Künstler Tomás Saraceno: liebevoller Umgang mit seinen Luftschlössern" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Künstler Tomás Saraceno: liebevoller Umgang mit seinen Luftschlössern</p></div>
<p>In der zweitgrößten Kugel turnt der Künstler barfuß über das Trampolin und lässt sich dabei fotografieren. In Jeans und blauem Hemd liegt er auf dem quietschenden, durchsichtigen Untergrund. Die Arme hinterm Kopf verschränkt kämpft er ab und zu mit dem Gleichgewicht, denn auch der Fotograf schlägt Wellen auf dem bewegten Grund. Der Balanceakt scheint beiden Spaß zu machen, es ist kein sehr ernstes Fotoshooting. Saraceno wirkt mit fünf-Tage-Bart und zerwühlten Haaren wie ein großer Junge, der voller Vorfreude seiner Ausstellung entgegensieht, aber es nicht nötig hat, nervös zu sein. Er wirkt relaxt  – auch, als er wenig später wieder festen Boden unter den Füßen hat. Er schlendert zwischen offenen Kisten, Plastikplane und Wasserflaschen hindurch zu einer Mitarbeiterin, nimmt ihr einen monströsen, roten Föhn aus der Hand und beginnt, eine Plastikkugel damit aufzupusten. Behutsam legt er den fertigen Ball auf einen breiten Streifen Knisterfolie am Rand des Ausstellungsfeldes.</p>
<p><strong>Saraceno strahlt und fegt</strong></p>
<p>Insgesamt sind zehn Menschen in der Halle des Hamburger Bahnhofs damit beschäftigt, Knoten zu machen, Luft zu pumpen oder Fellbüschel und Kunstgewächs an den Bällen zu befestigen. Handys werden weitergereicht, Anweisungen gegeben, Kabel ent- und verwirrt. Ein oranger Mini-Kran kurvt durch das Wirrwarr am Boden. Es kommt einem Wunder gleich, dass er in keiner der Schnüre hängen bleibt, die durch die Halle gespannt sind. An fast jeder Kugel wird gearbeitet, emsig und entspannt. Dazwischen: Saraceno, der strahlend umherläuft, anpackt, manchmal nicht sofort eine passende Baustelle findet und hilflos beginnt, zwei Quadratmeter freien Boden in der Hallenmitte zu fegen.</p>
<p>Trotz des Chaos liegt Ruhe über den Arbeiten im Hamburger Bahnhof. Der liebevolle Umgang Saracenos mit seiner Kunst hat sich auf seine Mitarbeiter übertragen. Ihnen beim Aufbau zuzusehen, vermittelt jedem Zuschauer die Begeisterung für die Cloud Cities. Die Wolkenstädte sind eine liebevolle Utopie, eine fantastische Reduktion der Realität auf Farben und Formen, die Spannung erzeugen und glücklich machen.</p>
<div id="attachment_2454" class="wp-caption alignright" style="width: 225px"><img class="size-full wp-image-2454" title="schwebende Pflanzen in schwebenden Luftblasen " src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/saraceno3.jpg" alt="schwebende Pflanzen in schwebenden Luftblasen " width="215" height="184" /><p class="wp-caption-text">schwebende Pflanzen in schwebenden Luftblasen </p></div>
<p>Diesen Luftschlössern beim Wachsen zusehen zu können, ist ein Privileg. Der Entstehungsprozess zeigt, dass Kunst immer Technik und Chaos braucht, um zu seiner finalen Form zu gelangen, dass Kunst nicht die reine, umgesetzte Idee ist, sondern mit ihr gerungen werden muss. Gerade im Hamburger Bahnhof sensibilisiert sich das Gespür für die Wechselwirkung zwischen Raum und Kunstwerk – und wirft Fragen auf: Wie wird sich die räumliche Spannung ändern, wenn die Schnüre alle straff, wenn die losen Enden verschwunden, wenn der Boden frei ist?</p>
<p>Eines steht fest: Am 14ten September wird sich auch Tomás Saraceno vor den makellos weißen Wänden des Hamburger Bahnhofs den Fragen der Ausstellungsbesucher stellen. Fragen wie: Und welche Beziehung haben Sie eigentlich zu ihrer Kunst?“</p>
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		<title>Ein Roboter stellt aus</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 08:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jill Wagner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Roboter ersetzen Menschen. Die Blechmänner können arbeiten, tanzen, umarmen und sogar malen. Die Galerie Deschler stellt nun Arbeiten einer Malmaschine aus. In der Ausstellung &#8220;Technical Matters&#8221; treffen neue Technologien auf altbewährte Kunstelemente.
Automatisch trägt er Farbschicht für Farbschicht auf. Zunächst alle dunkelgrünen Punkte, nachdem diese getrocknet sind, die hellgrünen und abschließend die türkisfarbenen Kleckse. Nach dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Roboter ersetzen Menschen. Die Blechmänner können arbeiten, tanzen, umarmen und sogar malen. Die Galerie Deschler stellt nun Arbeiten einer Malmaschine aus. In der Ausstellung &#8220;Technical Matters&#8221; treffen neue Technologien auf altbewährte Kunstelemente.<span id="more-2295"></span></strong><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/TConway_Gatekeeper_2005_152x122.jpg"><img class="size-full wp-image-2306 alignleft" title="TConway_Gatekeeper_2005_152x122" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/TConway_Gatekeeper_2005_152x122.jpg" alt=" Tony Conway reduziert auf's Wesentliche. Foto: Galerie Deschler" width="336" height="420" /></a></p>
<p>Automatisch trägt er Farbschicht für Farbschicht auf. Zunächst alle dunkelgrünen Punkte, nachdem diese getrocknet sind, die hellgrünen und abschließend die türkisfarbenen Kleckse. Nach dem Auftragen des letzten Farbtons ist ein Bild einer Stadtlandschaft entstanden. Der Computer hat sein Werk vollbracht. Bei dieser Beschreibung handelt es sich nicht etwa um<br />
ein wissenschaftliches Experiment oder eine Passage aus einem Science-Fiction-Roman. Der Künstler Holger Bär lässt tatsächlich eine Maschine für ihn malen. Bärs außergewöhnliche Werke sind derzeit in der Galerie Deschler zu sehen. In der Ausstellung „Technical Matters“ zeigen neben Bär noch drei weitere junge Künstler anlässlich des 4. Europäischen Monats der Fotografie ihre fotobasierten Arbeiten. Das Besondere ist dabei vor allem ihr Umgang<br />
mit neuen Technologien innerhalb der Fotografie.</p>
<p>So auch Bärs Bilder, die die Ausstellungsbesucher, wenn sie von seiner Maltechnik erfahren, verblüffen und überraschen. Denn zunächst erinnern seine Ölmalereien an den Pointillismus. Es sind keine klaren Linien, dafür eine Anordnung von Punkten anzufinden, die insgesamt ein Bild ergeben. Dabei sind die Punkte nicht oval, sondern meist eher eckig geraten, was vor allem bei Kindern eine Erinnerung an ihre Legospielsachen hervorrufen dürfte. Die Punkte, so groß in etwa wie der kleine Fingernagel, formen sich zu einer Landschaft: Bäume, Autos, Hochhäuser &#8211; alles gerne in leuchtenden und auffälligen Farben. Erst bei näherer Betrachtung eröffnen sich die Feinheiten der Bilder: Hände, Augen, Münder &#8211; Menschen versteckt innerhalb der Landschaften.</p>
<p>Kaum vorstellbar bleibt, dass diese Werke allesamt von einem Computer gemalt wurden. Doch ganz so simpel ist die Sache auch nicht, denn Holger Bär ist weder faul noch unkreativ. Ganz im Gegenteil: Bereits seit zwanzig Jahren widmet er sich der Entwicklung computergesteuerter Malmaschinen. Fotografien, die er selbst macht, bilden die Vorlage für all seine Werke. Anschließend entscheidet Bär selbst, welche Farben seine Maschine benutzen soll. Er ist somit selbst viel mehr Künstler als es auf den ersten Blick erscheint, auch wenn Bär selbst einmal gesagt haben soll: „Es ist mein größtes Ziel, der faulste Künstler auf Erden zu werden“. In dieser Aussage schwingt wohl eher eine gehörige Portion Selbstironie gemischt mit falscher Bescheidenheit mit. Denn da Bär selbst kreativer Kopf hinter dem Gesamtkonzept ist, spielt es kaum eine Rolle, wer den nun den Pinsel geschwungen hat. Das Zusammenspiel Mensch-Maschine funktioniert und fasziniert.</p>
<p>Ein weiterer Künstler, der momentan in der Galerie zu sehen ist, ist Tony Conway. Auch er beschäftigt sich mit der digitalen Fotografie. Auch er begnügt sich nicht damit, dass Foto in seiner Ursprungsform zu belassen. Seine Bilder zeigen nur einen Bruchteil des Ausgangsmotivs und lassen so fast vergessen, dass es sich einst um eine Fotografie gehandelt hat. Der Hintergrund ist meist komplett weiß. Durch schwarze und hellblaue<br />
Hervorhebungen entdecken wir verschiedene Formen, hinter denen sich Möbel, Pflanzen oder auch Menschen verbergen könnten. Auch hier bedient sich der Künstler dem technischen Fortschritt. Er bearbeitet seine Fotografien am Computer und reduziert alle Formen auf das Wesentliche beziehungsweise auf das, was für den Künstler das Wesentliche ausmacht. Auf mehrere Plexiglasscheiben gedruckt und anschließend übereinander geschichtet, hebt der Künstler einige Elemente zusätzlich durch Graphitzeichnungen hervor.</p>
<p>Als Bildbetrachter kann man nur rätseln, was sich hinter der Vorlage verbirgt. Dieses Rätseln wandelt sich aber schnell in ein Gefühl der Ruhe und Entspannung. Conways Werke schockieren nicht, rütteln nicht auf und wollen auch nicht um jeden Preis auffallen. Stattdessen überzeugen sie durch ihre Schlichtheit und angenehmen Farben. „Stilvoll“ wäre das passendste Wort für seine Werke, bei denen man sich schnell vorstellen kann, eines mitzunehmen und über die eigene Couch zu hängen.<br />
Auch die beiden weiteren Künstler Jay Mark Johnson und Stefan Roloff beschäftigen sich mit Symbiose aus Kunst und Technik. Ersterer arbeitet mit einer modifizierten Panorama-Kamera. Er nimmt wiederholt denselben vertikalen Streifen über einen festgelegten Zeitraum auf und als Endresultat fängt das Bild sämtliche Veränderungen in den Bewegungen der Menschen auf. Der Ausstellungsbesucher bekommt dadurch zum Beispiel eine Tänzerin zu sehen, bei der alle Bewegungen fließend aussehen, der Körper und die<br />
Kleidung unnatürlich gewellt ist und ein dritter Arm in verzerrter Form durch das Bild „hüpft“.</p>
<p>Roloff hingegen präsentiert in der Ausstellung seine Video-Installation „Lindenstraße“, die sich thematisch mit dem ehemaligen Stasi-Gefängnis Lindenstraße beschäftigt. Der Künstler hat hierfür mit ehemaligen Insassen gesprochen und der Zuschauer bekommt nun die Gesprächsprotokolle zu sehen. So unterschiedlich die Künstler und ihre Werke auch sind, sie zeigen alle, dass ein technischer Fortschritt keinen Rückschritt für die Kunst bedeutet. Trotz der neuen Techniken bleiben alte Kunstelemente bestehen und die vier Künstler präsentieren allesamt einen eigenen Stil. Somit beweist sich das Sprichwort „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ zumindest bezogen auf die Ausstellung für wahr.</p>
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		<title>Enttrümmert</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 20:13:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein jüdischer Fotograf als leiser Beobachter des Nachkriegs-Berlins: Das C/O Berlin zeigt in der Ausstellung &#8220;Berlin unterm Notdach&#8221; Fotografien von Fritz Eschen &#8211; Fotografien aus einer Zeit, die geprägt ist von Trümmern und Verwüstung, aber auch von Aufbruchstimmung und einem Neuanfang.

Kinder spielen auf Straßenbahn-Gleisen auf dem Tauentzien, hinter ihnen die Gedächtniskirche. Einer der drei Jungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein jüdischer Fotograf als leiser Beobachter des Nachkriegs-Berlins: Das C/O Berlin zeigt in der Ausstellung &#8220;Berlin unterm Notdach&#8221; Fotografien von Fritz Eschen &#8211; Fotografien aus einer Zeit, die geprägt ist von Trümmern und Verwüstung, aber auch von Aufbruchstimmung und einem Neuanfang.</strong></p>
<p><span id="more-2294"></span></p>
<div id="attachment_2298" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/Eschen.jpg.png"><img class="size-medium wp-image-2298  " title="Eschen.jpg" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/06/Eschen.jpg-300x296.png" alt="Foto: c/o Berlin" width="300" height="296" /></a><p class="wp-caption-text">Oft sind Kinder die Motive Eschens. Foto: C/O Berlin</p></div>
<p>Kinder spielen auf Straßenbahn-Gleisen auf dem Tauentzien, hinter ihnen die Gedächtniskirche. Einer der drei Jungen hält einen Stein in der Hand, bereit zum Wurf in Richtung  Kamera. Die anderen beiden scheinen sich zum Wegrennen bereit zu machen, sobald der Stein geworfen ist. Ein gewöhnlicher Jungenstreich, wäre nicht eine unterschwellige Aggression gegen den Beobachter zu spüren und wären die Kinder nicht von Trümmern und Verwüstung umgeben. Die Straßenbahn fährt nicht mehr, von der Kirche ist nur der Torso geblieben und auch die Häuser zeugen von Kriegsschäden. Die Fotos von Fritz Eschen, die derzeit in der Ausstellung „Berlin unterm Notdach – Fotografien 1945 bis 1955“ im C/O Berlin zu sehen sind, erzählen von der Verwüstung und Not, aber auch von einem Neuanfang.</p>
<p>Fritz Eschen fotografiert Alltagssituationen in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Er scheint außenstehender Beobachter zu sein, dabei ist er selbst einer von denen, die unter dem Nazi-Regime zu leiden hatten. Während er in den 1920er-Jahren als kaufmännischer Angestellter arbeitete und nur nebenbei fotografierte, hatte er ab 1929 erste Erfolge als Bildreporter, die mit der Machtergreifung Hitlers aber schnell gestoppt werden sollten. Denn Eschen war Jude. Halbwegs sicher war er nur, weil er mit seiner zweiten Frau in einer „privilegierten Mischehe“ lebte. Bald aber wurde ihm ein Berufsverbot als Pressefotograf auferlegt, die Ausreise in die USA verweigert und später wurde er zu Zwangsarbeit verpflichtet. Seine erste Frau und sein Sohn wurden nach Ausschwitz gebracht. Was dort mit genau ihnen geschieht, ist nicht übermittelt. Zwei Jahre vor Kriegsende wird auch er verhaftet, nach den Rosenstraßen-Protesten aber wieder frei gelassen. Nach dem Krieg nimmt er seine Arbeit als Fotograf sofort wieder auf. 1964 stirbt Eschen, beigesetzt wird er auf dem Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf.</p>
<p>Die vermeintliche Befangenheit Eschens ist den Fotografien nicht anzumerken. Viel mehr als das Leid ist in seinen Bildern die Aufbruchsstimmung in seiner Heimatstadt zu spüren. Fotos wie das eines Pärchens, das mit dem Fahrrad die heutige Bundesallee entlang fährt, oder von Artisten vor dem Zirkus Blumenfeld zeugen von Hoffnung. Die Menschen schauen nach vorne, bauen die Stadt wieder auf und suchen Ablenkung. Diese finden sie vor allem in der Kultur. 1947 gehen sie zum Beispiel ins Kino, um die Hochzeit von Königin Elisabeth II zu sehen. Fritz Eschen fotografiert den Besucherandrang vor dem Kino Astor, die Frauen in schicken Mänteln, die Männer tragen Hüte. Das Plakat der Hochzeit thront über ihnen, bringt Glanz nach Berlin. Von der Tragik der vergangenen Jahre ist nur wenig zu spüren, sie soll auch in diesem Bild keine Rolle spielen.</p>
<p>Eschen will eben den Alltag in Einzelsituationen darstellen. Dennoch kommt er auch am Thema „Politik“ nicht ganz vorbei. Zu wichtig sind die politischen Ereignisse der Nachkriegsjahre. Dabei geht es Eschen allerdings eher darum, zu zeigen, wie diese das Leben der Menschen beeinflussen. Die Luftbrücke, die Gründung zweier deutscher Staaten und der Kalte Krieg – das alles spiegelt sich im Alltag der Berliner wider, der von Armut, Hunger und Handel auf dem Schwarzmarkt geprägt ist. Er schafft es, den Fotografien einen politischen Rahmen zu bieten ohne sie zu politisieren. Da fliegt zum Beispiel ein Rosinenbomber über den Kopf eines Jungen hinweg oder Frauen blättern in einer Zeitung, an der Wand hinter ihnen ist der Schriftzug „Für Juden verboten“ zu lesen.</p>
<p>Die Ausstellung im C/O ist chronologisch aufgebaut: von zerbombten Gebäuden über Enttrümmerung bis hin zum Wiederaufbau veranschaulicht sie den Zeitverlauf der Nachkriegsjahre. Viele der 120 ausgestellten Bilder Eschens ähneln sich aber stark, so dass an mancher Stelle mehr Abwechslung gut getan hätte. Getrost hätte man auf das ein oder andere Bild verzichten können. Ausdrucksstärker wären einzelne, ausgewählte Bilder gewesen und nicht Hunderte von Kindergesichtern, die kaum Unterschiede aufweisen.</p>
<p>Dass Eschen in der Ausstellung nicht nur als Situationsfotograf dargestellt wird, wirkt erst einmal befremdlich. Das C/O zeigt Porträts von Malern, Bildhauern, Regisseuren,  Schauspielern und Schriftstellern. Sei es Jean-Paul Sartre oder Max Liebermann in seinem Atelier. Stilistisch haben die Porträts mit Eschens Momentaufnahmen zwar wenig gemeinsam, dennoch machen sie eines deutlich: Das Thema „Kultur“ wurde in den Nachkriegsjahren zum sichtbaren Zeichen des Neubeginns.</p>
<p>Einige seiner Fotografien sind unscharf, als hätte Eschen nicht die Zeit gehabt, seine Kamera einzustellen. Zu gerne hätte man den Gesichtsausdruck der Menschen auf den Fotos erkannt, erfahren, ob sie traurig waren oder glücklich. Anfangs wirken die Motive emotionslos und wenig spannend, lediglich eine Aufnahme von gewöhnlichen Alltagssituationen. Doch eben dies macht die Bilder zu wichtigen historischen Aufnahmen, die nicht anklagen. Dennoch gelingt es ihm nicht ganz, ohne jegliche Wertung zu beobachten. Er fotografiert beispielsweise eine amerikanische Studentin, die gerade die Hand zum Hitlergruß erhebt. Es ist schwer vorstellbar, dass derartige Aufnahmen nur zu Dokumentationszwecken gemacht werden. Denn Eschen ist Künstler und schon allein mit der Auswahl seiner Motive bewertet er.</p>
<p>Oft fotografiert Fritz Eschen den gleichen Straßenzug mehrmals im Verlauf weniger Jahre: vor der Enttrümmerung und danach. Fünf Jahre nachdem er das Foto der drei Jungen auf dem Tauentzien geschossen hat, macht er 1950 eine neue Aufnahme der Straße. Kaum etwas erinnert an die Geisterstadt kurz nach dem Krieg. Die Straßenbahn rollt wieder, Paare schlendern über die Straße, Geschäftsleute eilen vorüber, Autos fahren Richtung Kurfürstendamm. Nur eines ist geblieben: Die zerbombte Gedächtniskirche – ein Mahnmal an das vergangene Leid.</p>
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		<title>Aus Internet-Schrott wird Kunst</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 19:46:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Stark reduziert wirkt die Ausstellung Here comes everybody, nahezu leer die Ausstellungsräume. Aber Leere bedeutet nicht gleich Stille. Denn schon beim Betreten des Raumes hallen verschiedene Töne, seien es Klavierstücke oder Gitarrenbässe, aus den Lautsprechern. Noch bis zum 1. Mai sind die Werke des Internetkünstlers Cory Arcangel im Hamburger Bahnhof zu sehen.
„In vielen meiner Arbeiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Stark reduziert wirkt die Ausstellung <em>Here comes everybody</em>, nahezu leer die Ausstellungsräume. Aber Leere bedeutet nicht gleich Stille. Denn schon beim Betreten des Raumes hallen verschiedene Töne, seien es Klavierstücke oder Gitarrenbässe, aus den Lautsprechern. Noch bis zum 1. Mai sind die Werke des Internetkünstlers Cory Arcangel im Hamburger Bahnhof zu sehen.</strong></p>
<div id="attachment_2130" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/02/01_acouplethousand.jpg"><img class="size-medium wp-image-2130 " title="01_acouplethousand" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/02/01_acouplethousand-300x200.jpg" alt="Cory Arcangel, A Couple Thousand Short Films About Glenn Gould, 2007.  Foto: Foto: Courtesy the Artist and Team Gallery, New York" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Cory Arcangel, A Couple Thousand Short Films About Glenn Gould, 2007.  Foto: Courtesy the Artist and Team Gallery, New York</p></div>
<p>„In vielen meiner Arbeiten geht es um die Hinfälligkeit von Dingen – meine Kunst sieht ohnehin schon nach Müll aus“, sagte Cory Arcangel kürzlich in einem Interview mit <em>monopol</em>. Dennoch schafft der in New York lebende Künstler es, aus dem vermeintlichen Müll Kunst zu machen. Die Hauptdarsteller in seinem Film <em>Drei Klavierstücke, Op. II</em> sind süße Kätzchen aus YouTube-Videos, die auf einem Klavier herumtapsen. Diese Banalität hat Arcangel in ein Kunstwerk verwandelt und Schnipsel aus den Homevideos zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein Stück des Komponisten Arnold Schönberg – gespielt von Katzen.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/lF6IBWTDgnI?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong>Tradition und Popkultur</strong></p>
<p>Neben dem Klavierstück steht im Zentrum der Ausstellung die Doppelprojektion <em>A Couple Short Films About Glenn Gould</em> von 2007. Auf zwei nebeneinander angebrachten Leinwänden zeigt Arcangel eine Videomontage, deren Basis der erste Satz der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach bildet. Jeder auftretende Laienmusiker – wiederum aus Homevideos – spielt eine Note des Stücks. Aus insgesamt 1106 Video-Sequenzen hat Arcangel eine Collage gebastelt, deren Schnelligkeit der Betrachter aufgrund der rasch wechselnden Bilder kaum folgen kann. Inspiriert von dem Pianisten Glenn Gould, der schon für seine Schallplattenproduktionen Ausschnitte aus verschiedenen Aufnahmen zusammensetze, gelingt es Arcangel, Barock und Amateurmusik auf lockere und humorvolle Art zu verbinden. Tradition und Popkultur rücken in den Fokus des Künstlers, der einst Musik studierte und nun oft als einer der wichtigsten Vertreter der New Media-Art bezeichnet wird. Der Bezug zu Tradition wird auch im Hamburger Bahnhof deutlich: Eines seiner Videos wird mittels eines 16 Millimeter-Projektors an die Wand projiziert.<br />
Bei einem Ausstellungsstück bezieht Arcangel auch die Besucher ein. Diese können sich am Playstation-Spiel <em>Guitar Hero</em> versuchen, indem sie eine Komposition Arcangels mit der Spielekonsole in Form einer Gitarre nachspielen.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/ZkkJaqBbXV8?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong>Spielerischer Hacker</strong></p>
<p>Cory Arcangel, der 1978 in Buffalo geboren ist, wurde vor allem durch seine Nintendo-Manipulationen bekannt. In seinem Video <em>Super Mario Clouds</em> von 2002 hat Arcangel das Spiel so reduziert, dass nur noch die Wolken übrig bleiben. <em>Tetris</em> verlangsamte er so stark, dass die eigentliche Idee des Spiels verlorengeht. <em>Super Slow Tetris</em> nennt er sein Werk aus dem Jahr 2004. Oft wird Arcangel – zumindest im Hinblick auf seine frühen Werke – als Hacker bezeichnet. Er selbst differenziert den Begriff „Hacker“ allerdings insofern, als dass er lediglich spielerisch mit der Technologie umgehe und kein richtig guter Programmierer sei.<br />
Das Web 2.0 kommt dem 32-Jährigen gelegen; er schöpft die Möglichkeiten, die das Internet für Kunst bietet, aus. So puzzelt er beispielsweise Blogeinträge verschiedener User zu einem eigenen Tagebuch zusammen.</p>
<p>Auch wenn lediglich eine kleine Auswahl der Werke des Netzkünstlers im Hamburger Bahnhof zu sehen ist, so wird schnell klar: Die Leere der Ausstellungsräume täuscht; Internet-Schrott wird zu Kunst. Und das geschieht ziemlich laut.</p>
<p><em>Weitere Infos zu Cory Arcangel: <a href="http://www.coryarcangel.com" target="_self">http://www.coryarcangel.com/</a></em></p>
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