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	<title>Kulturen &#187; Leben</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Friedhof der Unbekannten</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 11:50:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rebecca Schindler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Berliner und Touristen kommen an dieser Ecke täglich vorbei – die Schloßstrasse ist eine der beliebtesten Einkaufsmeilen, gleich nebenan befindet sich das Rathaus Steglitz. Und doch dürfte der alte Dorffriedhof der Matthäus Gemeinde in Steglitz bisher nur wenigen aufgefallen sein. Hier liegen 60 Gräber, deren Geschichte gerade erforscht wird. Wir haben nachgefragt, was bisher über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berliner und Touristen kommen an dieser Ecke täglich vorbei – die Schloßstrasse ist eine der beliebtesten Einkaufsmeilen, gleich nebenan befindet sich das Rathaus Steglitz. Und doch dürfte der alte Dorffriedhof der Matthäus Gemeinde in Steglitz bisher nur wenigen aufgefallen sein. Hier liegen 60 Gräber, deren Geschichte gerade erforscht wird. Wir haben nachgefragt, was bisher über die unbekannten Toten in Erfahrung gebracht wurde.<span id="more-2526"></span></p>
<p><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/12/beitrag_schindler_friedhof.wav">Hörfunkbeitrag: Friedhof der Unbekannten</a></p>
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		<title>Nicht alles ist Gold, was glänzt</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 15:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Wießner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Frida Gold in Berlin: Überraschung und Enttäuschung zugleich. Die Band aus dem Ruhrpott rockte zwar den Postbahnhof, hinterließ aber einen üblen Beigeschmack.
Draußen vor dem Berliner Fritz Club klirrte eisige Kälte. Kinder mit ihren Eltern zitterten in der Schlange, Gruppen von Männern und Frauen gefroren die Becher voll Bier und Prosecco in den Händen. Alle wollten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/11/frida_gold_new_press_picture_7659.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2520" title="frida_gold_new_press_picture_7659" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/11/frida_gold_new_press_picture_7659-300x199.jpg" alt="frida_gold_new_press_picture_7659" width="300" height="199" /></a>Frida Gold in Berlin: Überraschung und Enttäuschung zugleich. Die Band aus dem Ruhrpott rockte zwar den Postbahnhof, hinterließ aber einen üblen Beigeschmack.</strong><span id="more-2513"></span></p>
<p>Draußen vor dem Berliner Fritz Club klirrte eisige Kälte. Kinder mit ihren Eltern zitterten in der Schlange, Gruppen von Männern und Frauen gefroren die Becher voll Bier und Prosecco in den Händen. Alle wollten endlich rein ins Warme, wo goldiger Glanz auf sie wartete.</p>
<p>Und so strömten mehr als 1000 Fans der Pop-Elektro-Kombo Frida Gold am 16.11. in den Club am Ostbahnhof. Doch es sollte noch ein ganzes Weilchen dauern, bis sich Frontsängerin Alina Süggeler und ihre Männer auf die Bühne wagten.</p>
<p>Denn zuvor versuchten sich drei Musiker alias die Band „Pilot“ erst einmal. Mit einer gelungenen Mischung aus gefühlvollem Deutschrock und Gitarrensoli zwischendurch unterhielten sie die erste halbe Stunde. Der Sänger mit seiner blonden Lockenmähne und der blauen Jacke mit floralem Muster versprühte sogar ein wenig Glamrock-Flair unter dem alten Holzdach.</p>
<p><strong>Neuer Look: Stoppeln statt Haarpracht</strong></p>
<p>Die Band konnte aber noch so oft die Locken wirbeln und die Saiten erzittern lassen, doch das Publikum wollte nur Frida Gold. Die ließen die Leute jedoch an der langen Leine zappeln. Nach der Vorband verstrichen erst 15, dann 30 und schließlich 45 Minuten. Das Publikum entlud ob dieser immensen Verspätung  seinen Unmut zu Recht in Pfiffen. Als die Band sich dann doch endlich entschloss, hinterm schwarzen Vorhang hervorzutauchen, war aller Unmut vergessen. Die verpuffte Wut mag vielleicht auch an der neuen Frisur Alina Süggelers legen, die „heute mal mit einem neuen Look“ überraschen wollte. Statt üppiger Haarpracht sprießen nur noch Stoppeln auf Alina Süggelers Kopf. Ob die lange Verspätung einer spontanen Rasur hinter der Bühne geschuldet ist? Man weiß es nicht. Jedenfalls tat die Band so, als ob nichts gewesen wäre, nur das erste Lied „Morgen“ ließ die Erkenntnis über eine gewisse zeitliche Diskrepanz erahnen.</p>
<p>Frida Gold, zurzeit mit ihrem am 2. Dezember erscheinenden Album „Juwel“ auf Deutschland-Tournee,  machten ihrem Namen alle Ehre: Der goldblonde Haarschopf von Gitarrist Julian Cassel harmonierte mit der goldenen, mit Strasssteinen besetzten Bassgitarre von Andreas Weizel und am Mikrofonständer baumelte ein golden glänzendes Schmuckstück. Sängerin Alina Süggeler funkelte zwar nicht golden, davor bot ihr schwarzer enganliegender Einteiler einen Ausschnitt bis zum Bauchnabel. Darunter blitzte zum Glück nicht der blanke Busen hervor, sondern ein schwarzes Bustier, darüber ein Pelzkragen.</p>
<p><strong>Auf fremden Schultern im Publikum baden</strong></p>
<p>Mit den gut bekannten und immer bewährten Titeln „Zeig mir wie du tanzt“ und „Wovon sollen wir träumen“ setzten Frida Gold kleine Höhepunkte in einer Reihe solider, aber nach Konfektionsware klingender Lieder. Dafür war die Interaktion mit dem Publikum umso erwärmender. Mit animierenden Zusprüchen – den Frauen entlockte die Sängerin ein hysterisches „ah“, den Männern ein animalisches „oh“ – versuchte Alina Süggeler Kontakt zu den Fans aufzunehmen.  Höhepunkt dieser intensiven Kontaktaufnahme war ihr Ritt auf den Schultern des „größten Mannes im Saal“, so die Frontfrau.</p>
<p>Für diesen Herrn war es wohl der Zenit des Abends. Für alle anderen genügte der tanzbare Disko-Pop, gepfeffert mit Trommeleinlagen Alina Süggelers und den kuriosen Hin-und-Her, Vor- und-Zurück-Bewegungen Julian Cassels, dessen Klatschbekundungen bei jedem Lied bereits nach fünf Titeln ermüdend wurden. In der Mitte des Konzerts gab es sogar einen Überraschungsgast: Der Bruder von Sängerin Alina sang eine eigene Ballade mit Unterstützung seiner Schwester im Hintergrund.</p>
<p>Neben der haarigen Neuerung brachten Frida Gold auch einen neuen Titel nach Berlin: ein deutsches Cover des Spandau Ballet-Klassikers  „Gold“. Dabei haben sie solche Neuinterpretationen gar nicht nötig. Ihre eigenen Lieder sind gute Pop-Elektro-Nummern. Und nur weil etwas glänzt, ist es noch lange nicht Gold. Es hätte ein gelungener Abend in Berlin werden können, wenn der üble Beigeschmack der langen Verzögerung nicht gewesen wäre. Denn so lange sind Frida Gold noch nicht berühmt und auch die größten Stars lassen ihre Fans nicht warten. Das hätte keine Klasse, keinen Stil und den Goldstatus auch nicht verdient.</p>
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		<title>Wunderbare Ereignislosigkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 11:09:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura Marie Hamdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Filmstill statt Actionstreifen &#8211; die Ausstellung &#8220;12&#215;12 &#8211; Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie&#8221; sensiblisiert die Sinne.

Wir sind hibbelig, eigentlich immer. Wir hassen vergeudete Zeit, wir lieben das Multitasking. Ob wir einkaufen gehen, eine Hausarbeit schreiben oder in den Urlaub fahren &#8211; wir packen uns ein in eine Wattehülle aus Medien. Die Hülle besudelt uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Filmstill statt Actionstreifen &#8211; die Ausstellung &#8220;12&#215;12 &#8211; Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie&#8221; sensiblisiert die Sinne.</p>
<p><span id="more-2469"></span></p>
<p>Wir sind hibbelig, eigentlich immer. Wir hassen vergeudete Zeit, wir lieben das Multitasking. Ob wir einkaufen gehen, eine Hausarbeit schreiben oder in den Urlaub fahren &#8211; wir packen uns ein in eine Wattehülle aus Medien. Die Hülle besudelt uns ununterbrochen mit Musik aus dem mp3-Player, Facebook leuchtet im Hintergrund marine-blau, dazu läuft das Radio oder der Fernseher. Wenn die Medien-Hülle zu dick wird, wird sie zur Medien-Hölle, denn sie macht uns taub für das richtige Leben.</p>
<p>Im schlimmsten Fall bedeutet das: Unsere Konzentration lässt nach. Ein Buch zu lesen und sich gar darin zu verlieren wird immer schwerer, alles lenkt uns ab, ständig durchkreuzen Gedanken zur nächsten Aufgabe unsere Aufmerksamkeit. Dokumentarfilme erfordern unser gesamtes Durchhaltevermögen, denn wir können auf keine Katastrophe hin fiebern. Bei Hörspielen schlafen wir sofort ein &#8211; weil unser Körper den Status der Entspannung nicht mehr kennt, sondern nur Schlaf oder Hyperaktivität.</p>
<div id="attachment_2470" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2470" title="Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/Berlinische-Galerie-300x300.jpg" alt="Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt" width="300" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Berlinische Galerie: In zwölf Monaten werden die zwölf besten Videokünstler vorgestellt</p></div>
<p>Und nun betreten wir die Berlinische Galerie. Einen dunklen Gang direkt am Eingang des White Cubes, der uns mit Möwengeschrei und Windrauschen anlockt. Und wir finden uns wieder auf einer Tribüne vor einer großen Leinwand. Die Tribüne ist überzogen von rotem Teppich, in der letzten Reihe können wir uns gemütlich anlehnen.</p>
<p><strong>Holzkutter stampfen auf den Wellen</strong></p>
<p>Zum Möwengeschrei und Windrauschen kommt ein Bild, eine einzige Perspektive: ein aufgewühltes graues Meer, das am Horizont mit dem Himmel verschmilzt, der genauso grau ist. Es sind wahrscheinlich drei bis vier Windstärken, denn die Wellen beginnen zu brechen. Regen fällt, oder Graupel, er überdeckt alles mit einem dicken Schnee-ähnlichen Schleier. Im Vordergrund ragen ein paar krumme Holzpfähle aus dem Wasser, einige nur so knapp, dass sie von den Wellen immer wieder verschluckt werden.</p>
<p>Von rechts schieben sich zwei Holzkutter ins Bild. Sie sind an langen Ankerleinen an den Grund des Meeres gekettet, haben aber genügend Spielraum, um vor und zurück zu schaukeln. Und genau das tun sie, eigentlich nur das: Sie schaukeln vor und zurück, manchmal unregelmäßig, sie stampfen auf den Wellen, wenn sie im Wind stehen, und rutschen sanft über den Wellenkamm, wenn sie sich vom Wind wegdrehen.</p>
<p>Was passiert als nächstes? Hat das Windrauschen einen unheilvollen Beigeschmack? Was soll das Kindergeschrei, was sich bei genauem Hinhören deutlich von den Möwen abhebt? Denken wir. Aber es geschieht: nichts.</p>
<p>Zunächst lässt uns die Hoffnung auf Nervenkitzel auf der Tribüne sitzen bleiben – obwohl es uns schon in den Zehen juckt, aufzuspringen. Die Berlinische Galerie ist schließlich groß, es gibt noch viel zu entdecken und wie immer drängt die Zeit. Doch dann merken wir: Es wird nichts mehr passieren. Seit zehn Minuten starren wir auf zwei Kutter. Sehen, wie sie zum Spielzeug von Wind und Meer werden. Wie sie sich aus dem Bild herausschieben und wieder hineingetrieben werden. Und langsam, ganz langsam lassen wir uns auf diese Ereignislosigkeit ein, denn sie erfüllt uns mit einer ungewohnten Ruhe. Details fallen uns auf: Der Rumpf hat rostrote, blaue und weiße Streifen – verblichen und zur Hälfte abgeblättert. Die Holzpinne scheint jeden Moment abzubrechen, so sehr wird sie von den Wellen hin- und her gedrückt.</p>
<div id="attachment_2471" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2471" title="Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/marcellus-l-2-300x200.jpg" alt="Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Videokünstler Marcellvs L.: Zufall statt Drehbuch</p></div>
<p>Uns kommen verrückte Ideen in den Kopf, verrückt weil sie so gewöhnlich sind: Wir denken nach über die Kraft der Strömung, wir überlegen uns, wo die Kamera steht, was wohl hinter der Kamera passiert. Wir streichen über den roten Teppich, auf dem wir sitzen und empfinden es als angenehm, hier im Trockenen zu sitzen und nicht auf einem der Schiffe, auf die der Regen so unbarmherzig niederprasselt.</p>
<p><strong>Zufall statt Drehbuch</strong></p>
<p>Kurzum: wir kurbeln langsam unsere Wahrnehmung wieder an. Unsere absichtliche Wahrnehmung, nicht die Wahrnehmung dröhnender Beats, zu der uns der IPod zwingt.</p>
<p>Es sind 15 Minuten der Entspannung in der Ausstellung „12&#215;12 &#8211; die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie“. Innerhalb eines Jahres werden hier die Arbeiten von zwölf Videokünstlern gezeigt, die sich neue Möglichkeiten des Films erschlossen haben. Sie legen den Fokus auf Bildausschnitt, Fokussierung, das Objekt, die Ästhetik. Das Schiffs-Video stammt von Marcellvs L., der 31jährige Künstler aus Brasilien nennt seine Arbeit VideoRhizome. 28 Filme hat er gedreht, die alle für sich stehen und in denen immer die Kamera von einem festen Standpunkt aus ein willkürliches Geschehen vor der Linse filmt, manchmal so unscharf, dass der Zuschauer nur vermuten kann, was dort gerade passiert. Es gibt kein Drehbuch und keine Schauspieler für die Filme von Marcellvs L., alles geschieht zufällig. Seine Filme basieren auf der Spannung zwischen dem zufälligen Geschehen und der gezielten Aufnahme dieses Geschehens.</p>
<p>Seine Filme sind Ruhe statt auf Spektakel. Aber die Geduld, die sie uns kosten, lohnt sich. Vielleicht schon auf dem Heimweg, auf dem wir lieber dem Wellenrauschen im Kopf lauschen, als den dröhnenden Beats der Kopfhörer.</p>
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		<title>Berliner Bonbonmacherei</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 10:49:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alena Dörfler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Kindheitserinnerungen, die auf der Zunge zergehen. Die Bonbonmacherei ist ein kleines Spezialitätengeschäft mit angeschlossener Schauküche. Hier werden Berliner Bonbons nach Original  Rezepten traditionell über dem Feuer gekocht und anschließend verkauft.
  Bonbonmacherei
Ein Film von Alena Dörfler und Rebecca Schindler
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/bonbons.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2467" title="bonbons" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/bonbons.jpg" alt="bonbons" width="215" height="170" /></a>Kindheitserinnerungen, die auf der Zunge zergehen. Die Bonbonmacherei ist ein kleines Spezialitätengeschäft mit angeschlossener Schauküche. Hier werden Berliner Bonbons nach Original  Rezepten traditionell über dem Feuer gekocht und anschließend verkauft.</strong><span id="more-2125"></span></p>
<p>  <a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/09/Bonbonmacherei1.mp4">Bonbonmacherei</a></p>
<p>Ein Film von Alena Dörfler und Rebecca Schindler</p>
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		<title>Der Bartkaiser von Berlin</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 11:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina Gesell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“. Der Vorsitzende des Berliner Bartclubs blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Anerkennung sucht er noch immer.

Lutz Giese steht vor dem Spiegel. Aus einem Standfön bläst ihm warme Luft ins Gesicht. Am Abend zuvor hat er seinen Bart schon gewaschen und mit Pferdemark eingerieben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“. Der Vorsitzende des Berliner Bartclubs blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Anerkennung sucht er noch immer.</strong></p>
<p><span id="more-2416"></span></p>
<div id="attachment_2441" class="wp-caption alignright" style="width: 228px"><a rel="attachment wp-att-2441" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2416/giese-2"><img class="size-medium wp-image-2441" title="Giese" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/Giese1-218x300.jpg" alt="Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie &quot;Kinn- und Backenbart Chinese&quot;. Foto: privat" width="218" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Giese ist Weltmeister in der Kategorie &quot;Kinn- und Backenbart Chinese&quot;. Foto: privat</p></div>
<p>Lutz Giese steht vor dem Spiegel. Aus einem Standfön bläst ihm warme Luft ins Gesicht. Am Abend zuvor hat er seinen Bart schon gewaschen und mit Pferdemark eingerieben. Nun versucht er, ihn erst mit einer groben, dann mit einer kleinen Rundbürste in Form zu bringen, verpasst dem Schnäuzer eine Fönwelle und zieht den Backenbart von der Oberlippe aus nach unten. Danach fixiert er die einzelnen Haare mit Haarspray. Um letzte Unebenheiten auszumerzen, massiert er bayerisches Bartwachs ein, bis der Bart ganz ebenmäßig ist. Manchmal verwendet er zusätzlich Wachs in der Farbe „haselnuss“, um helle Stellen zu kaschieren.</p>
<p>Für die morgendliche Prozedur braucht Lutz Giese eine gute halbe Stunde. Seit mehr als 15 Jahren investiert er täglich diese Zeit. Denn der 69-Jährige ist nicht nur leidenschaftlicher Bartträger, sondern auch Gründer und Vorsitzender des Ersten Berliner Bartclubs. Er will sich in der Clubkneipe treffen, zu Hause sei er sowieso selten. Stolz stellt er seinen Pokal des letzten Wettkampfes auf den Tisch. Mitte Mai diesen Jahres hat er in der Kategorie „Kinn- und Backenbart Chinese“ in Norwegen den Weltmeistertitel geholt.</p>
<p><strong>Der Beginn einer &#8220;Bartkarriere&#8221;</strong></p>
<p>Gerne spricht Giese von „seiner Idee“, einen Bartclub zu gründen. Streng genommen kam der Anstoß aber aus Baden-Württemberg. In den Neunzigern besuchte Giese die Internationale Tourismusbörse. Damals trug er Vollbart, den Oberlippenbart stylte er in Form eines Fahrradlenkers. Am Stand der Stadt Pforzheim hat er an einem Wettbewerb des Ersten Höfner Bartclubs teilgenommen und „zu Recht“ gewonnen – der Beginn seiner „Bartkarriere“. „Ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich habe mich gegen 50 bis 60 Bartträger durchgesetzt. Die Bärte waren okay, aber überhaupt nicht gestylt“, sagt Giese, fast ein wenig spöttisch. Der heute 69-Jährige wurde Mitglied im Höfner Bartclub. Er trennte sich von seinem Vollbart, fuhr zur Weltmeisterschaft nach Pforzheim und trat in der Kategorie „Musketier“ mit spitzem Kinnbart und geschwungenem Oberlippenbart an. Dort ist er Fünfter geworden. Von den Höfnern sei er daraufhin gedrängt worden, einen Bartclub in Berlin zu gründen. Nach einigen mühevollen Versuchen, Mitglieder zu gewinnen, wurde schließlich 1996 der Erste Berliner Bartclub offiziell gegründet.</p>
<p>Nach dem ersten Sieg folgten Interviews in Zeitungen, im Fernsehen, im Radio. Doch die großen Siege ließen auf sich warten. Bei seinem zweiten Wettkampf trat Giese nochmal als „Musketier“ an, sogar im passenden Kostüm. Als er wieder nur Fünfter wurde, nahm er eine Schere und schnitt aus Wut seinen Spitzbart ab. Den Oberlippenbart ließ er stehen und ein wenig länger wachsen, so dass er in der Kategorie „Schnurrbart Englisch“ antreten konnte. 1999 kam damit auch der erste Erfolg, Lutz Giese wurde in Schweden Weltmeister und auch andere Mitglieder seines Bartclubs verließen den Wettkampf mit einem Pokal. Das war der Durchbruch für den Club, seinem Kind, wie er sagt. Nach zehn Jahren ohne weitere WM-Titel wurde er schließlich, 2009 in Alaska, wieder Weltmeister. Danach ließ er sich einen Vollbart wachsen, doch im Urlaub griffen Salzwasser und Sonne seinen Bart so sehr an, dass ihm nichts anderes übrig blieb als zum Rasierer zu greifen. „Aus der Not macht man eben eine Tugend, da habe ich mir ein Chinesen-Bärtchen gezüchtet“, sagt Giese.</p>
<p>Lutz Giese hatte es oft nicht leicht. Seine Mutter ist früh und unerwartet an einem Gehirntumor gestorben, sein Vater musste zehn Jahre lang ein Krebsleiden bekämpfen und erlag 1983 schließlich einem Herzversagen. Über seine Mutter scheint er nicht gern zu sprechen, seinen Vater bewundert er: „Mein Vater hat nach dem Tod meiner Mutter noch einmal heimlich geheiratet, ich fand das toll, er muss ja auch sein Leben leben.“</p>
<p><strong>Einsame Zeiten</strong></p>
<p>Sein Leben musste auch Lutz Giese wieder auf die Reihe bekommen. 1989 trennte sich Gieses damalige Frau nach 19 Jahren Ehe von ihm. „Das hat mich schon sehr getroffen, nach so vielen Jahren.“ Natürlich habe er viele Fehler gemacht, er sei bestimmt kein einfacher Mensch. Zu seinem Halbbruder hatte er den Kontakt verloren. Von dessen Tod erfährt Giese erst Monate später. Gieses Sohn wächst bei seiner ehemaligen Frau auf, er bekommt ihn nur selten zu Gesicht. Dabei sei er es gewesen, der dem Sohn eine Lehrstelle verschafft hat. Anerkennung scheint er keine bekommen zu haben. Lutz Giese fühlt sich oft einsam. Er hat zwei Enkelkinder, die er kaum sieht. „Da werde ich nicht so eingebunden wie meine Ex-Frau“, sagt er. Dabei kann man sich Giese leicht als guten Großvater vorstellen, ein freundlicher und sensibler Mann sitzt da am Tisch. Während er von seinen schweren Zeiten erzählt, schaut er verlegen zur Seite, sein Gesicht nimmt einen rötlichen Ton an und man meint, Wasser in seinen Augen stehen zu sehen. Bis er sich verschluckt und entschuldigt, er müsse das Bad aufsuchen.</p>
<p>Heute hat der gebürtige Berliner eine Lebensgefährtin, über das Thema „Heirat“ spricht er nicht gerne. Das Paar hat getrennte Wohnungen, er wohnt in Spandau, sie in Charlottenburg. „Das klappt schon irgendwie“, sagt der 69-Jährige.</p>
<p><strong>Der Bart als einzige Konstante</strong></p>
<div id="attachment_2419" class="wp-caption alignleft" style="width: 246px"><a rel="attachment wp-att-2419" href="http://kulturen.b3at.de/archives/2416/giese"><img class="size-medium wp-image-2419" title="Giese" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/07/Giese-236x300.jpg" alt="Lutz Giese ist Bartträger aus Überzeugung. Foto: Gesell" width="236" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Giese ist Bartträger aus Überzeugung. Foto: Gesell</p></div>
<p>Die einzige Konstante in seinem Leben scheint sein Bart zu sein, Lutz Giese trägt ihn aus Überzeugung. Als er als kleiner Junge die Sommerferien bei seiner Oma verbrachte und diese ihm Fotos seines Großvaters und Ur-Großvaters – beides bärtige Männer – zeigte, sei für ihn klar gewesen: „Wenn ich groß bin, will ich auch einen Bart.“ Seit seinem 17. Lebensjahr zieren nun schon verschiedene Bärte sein Gesicht. Sein Hobby wurde zur Leidenschaft und mit der Zeit pflegte er auch seinen Bartwuchs immer penibler. Vermutlich deshalb ärgert er sich umso mehr über einige der 15 Mitglieder seines Clubs, die sich mit ihrer Gesichtsbehaarung nicht so viel Mühe geben. Bei der letzten WM trat er unter anderem gegen seinen clubinternen „Widersacher“ an – und gewann. „Sein Bart sah aus wie Kraut und Rüben“, sagt Giese.</p>
<p>Bei der Clubsitzung am Abend läutet er eine Glocke, damit ihm die anderen zuhören. Die Clubmitglieder zu verschiedenen Veranstaltungen zu motivieren, ist für den 69-Jährigen nicht einfach. Einig sind sie sich nur über einen Konkurrenten aus dem Schwarzwald, der seinen Bart nicht selbst stylt und damit „Superweltmeister“ geworden ist. „Das geht nicht, der muss ja nur sein Gesicht hinhalten“, sagt Giese.</p>
<p>Zwar seien gute Freundschaften innerhalb des Clubs entstanden, aber manchmal hätten ihn die Mitglieder auch enttäuscht. Wie bei der WM 2005, die der Bartclub in Berlin ausrichtete. Sie hätten ihn mit der Organisation im Stich gelassen und der ein oder andere hätte sich dann in den Vordergrund gedrängt. Giese habe sich gewünscht, dass sie der Presse gesagt hätten: „Das ist der Macher.“ Lutz Giese ist kein Mann, der in der zweiten Reihe steht, er sucht Anerkennung.</p>
<p><strong>Als der Bruch kam</strong></p>
<p>Der 69-Jährige wirkt geknickt, weil niemand seine Leidenschaft so intensiv teilt. Ab und zu wollte er schon alles hinschmeißen, erzählt er und trinkt von seiner Berliner Weiße mit Schuss –  natürlich durch einen Strohhalm, um seinem Bart nicht zu schaden. Seine langen leicht gräulichen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz gebunden, auf dem Kopf trägt er eine Basecap mit dem Logo des Bartclubs. Wie 69 sieht er nicht aus, man würde ihn viel jünger schätzen. Das liegt auch an seinem Bart, den er ab und zu mit einer „leichten Tönung“ färbt. Seiner Mutter war das Aussehen ihres Sohnes immer ein Dorn im Auge. Sie habe ihm gesagt, er solle sich die Haare schneiden lassen, man schäme sich mit ihm. Aber Giese machte Musik, erst Dixieland, dann Rock’n’Roll und da gehöre ein Rocker-Aussehen dazu. Unterstützt hätten ihn seine Eltern nicht, er musste einen Kredit aufnehmen, um sich ein gebrauchtes Schlagzeug und eine Lederjacke zu kaufen. Er schmiss seinen Mechaniker-Job hin und trat mit seiner Band einige Monate in einem Nachtclub in Holland auf.</p>
<p>Zurück in Deutschland arbeitete Giese nur kurz als Mechaniker, schulte dann um zum Operator für Großrechenanlagen. Später stieg er zum Programmtester auf, „bis der große Bruch kam“. Giese wurde entlassen und war vier Jahre lang arbeitslos, er ging in Frührente. Heute arbeitet er ein paar Stunden am Tag als Busfahrer und bringt Behinderte zur Arbeit oder in Einrichtungen.</p>
<p>Ziele hat Lutz Giese keine mehr. Mit der Bart-WM 2005, die er in Berlin ausgerichtet hat, und seinen Titeln habe er alles erreicht, was er wollte. Aber aufgeben möchte er den Club nicht, viel zu gerne präsentiert er sich in der Öffentlichkeit. Denn egal, wohin er geht, Lutz Giese fällt auf. Bevor er die Clubkneipe verlässt, schaut er noch einmal in die Fensterscheibe, rückt sein Basecap zurecht und kontrolliert, ob sein Bart richtig sitzt.</p>
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