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	<title>Kulturen &#187; Berliner Plätze und ihre Rituale</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Die wohlerzogene Jungsklasse &#8211; 10 Jahre Dial Records</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 12:15:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anne Waak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[»Er muß schick sein, nicht zu dick sein, mit viel Zaster, keine Laster, schön solide, nicht zu müde, kurz und klein: Er muß ein Engel sein«, schreibt die Titanic in ihrer aktuellen Ausgabe über den potentiellen Gast der Berliner »Top-Disko« Berghain.
Die Schlange der Menschen, die auf Einlass warten, misst an diesem Samstag im März 150 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»Er muß schick sein, nicht zu dick sein, mit viel Zaster, keine Laster, schön solide, nicht zu müde, kurz und klein: Er muß ein Engel sein«, schreibt die Titanic in ihrer aktuellen Ausgabe über den potentiellen Gast der Berliner »Top-Disko« Berghain.</strong></p>
<p>Die Schlange der Menschen, die auf Einlass warten, misst an diesem Samstag im März 150 Meter. Das entspricht in der hier geltenden, von der geläufigen Rechnung abgelösten Zeit: zwei Stunden des Wartens.</p>
<p><strong>Eine Dekade Klarheit</strong></p>
<p>In Bauch des Clubs, in dem auf die Dauer von mindestens zwölf Stunden ausgedehnten Zwischenweltkorridor von Samstagabend bis Sonntagmittag, sind in der Tat ein paar allzeit schicke und wache Menschen zu Gange: Das Hamburger Label Dial, bekannt und geliebt für eleganten Minimal- und Intelligent-Techno feierte seine zehnjährige Existenz.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1282" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/04/20080924-_DSC20472-300x201.jpg" alt="Dial Allstars" width="247" height="166" /></p>
<p>Eine Dekade Klarheit stand auf dem Programm, die Liste der Künstler aus dem Artist-Roster des Labels war lang: Efdemin, John Roberts, Lawrence, Rndm und Carsten Naujoks, des Weiteren DBX, Pawel und der befreundete Microhouse-Produzent Isolée mit Live-Sets.</p>
<p>Der Abend ist weit entfernt davon, sich nach corporate sound anzuhören: Label-Co-Betreiber David Lieske a.k.a Carsten Jost spielt klassische House Music, Efdemin ganz entgegen des reduzierten Sounds seines eben veröffentlichten Albums »Chicago« hartholzige Technobretter.</p>
<p><strong>Selbstvergessenes Herumschlingern</strong></p>
<p>Die Dial-Allstars eint, wenn nicht unbedingt ihr Sound, so denn ihr Habitus, in dessen Rahmen sie sich untereinander offensiv in Stil und Gesten zitieren – ein mit liebevollem und unheiligem Ernst ausgetragenes adaptives Spielen, dessen Ziel es ist, exakt so zu sein, auszusehen und zu klingen wie jemand anderes. Ihr Charme ist der einer wohlerzogenen Jungsklasse präadoleszenter Richkids, die, von einer geschmackssicheren Mutter nach Vorbild eines Hochglanzmodemagazins gegen ihren halblaut geäußerten Widerstand in gedecktfarbenes Tuch gekleidet und mit übergroßen Basecaps behütet, beim Auflegen selbstvergessen mitsingend vor den Plattenspielern herumschlingern.</p>
<p>Der modernistisch-romantische Versatzstückler Christian Naujoks bespielt die Panorama Bar mit einem unbekümmert-eklektizistischen Set von minimalen Tuba-Stampfern bis zum Jazz-Pop von Steely Dan. Die Nostalgie-Radio-Kandidaten klingen in diesem Kontext nur auf den ersten Blick unpassend: der Bandname bezeichnet einen eisernen Dildo. Von den Wänden herab beschaut die Großfotografie Wolfgang Tillmans &#8211; darauf die Rosette eines jungen Mannes &#8211; wohlwollend das Geschehen.</p>
<p>Kontrastiv derweil ein Stockwerk weiter unten: Das Live-Set Isolées klingt dank Industrial-Anleihen wie gemeint für genau diesen Ort: Der Geruch der stählernen Innenarchitektur klebt an den Händen, Muskeln im dichten Nebel, beleuchtet von kaltweißen Strobo-Blitzen, Hitze. Draußen brüllen die Vögel die Dämmerung herbei. Vor der Tür: unverändert 150 Meter Einlasswillige.</p>
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		<title>Caipirinhas statt Molotow-Cocktails</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 19:20:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Diana Ringelsiep</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Der gefürchtete 1. Mai in Kreuzberg und ich mittendrin. Von hunderten Menschen umgeben und unfähig, mein eigenes Wort zu verstehen, rieb ich mir die vom Rauch brennenden Augen.

Doch von Schlachtrufen vermummter Staatsfeinde und brennenden Mülltonnen keine Spur. Ich befand mich in einer bunten Menschenmenge und es lag an der lauten  Musik, dass ich nichts verstand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der gefürchtete 1. Mai in Kreuzberg und ich mittendrin. Von hunderten Menschen umgeben und unfähig, mein eigenes Wort zu verstehen, rieb ich mir die vom Rauch brennenden Augen.</strong></p>
<p><strong><span id="more-932"></span></strong></p>
<div id="attachment_955" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-955" title="clip_image001" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/02/clip_image0011-300x225.jpg" alt="Das Anti-Konflikt-Team" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Das Anti-Konflikt-Team</p></div>
<p>Doch von Schlachtrufen vermummter Staatsfeinde und brennenden Mülltonnen keine Spur. Ich befand mich in einer bunten Menschenmenge und es lag an der lauten  Musik, dass ich nichts verstand und am Qualm des Holzkohlegrills neben mir, dass Rauch zwischen den Häusern der  Oranienstraße emporstieg. Ich genoss die warme Abendluft und schlenderte durch die belebte, nach Bratwürstchen riechende, Straße.</p>
<p>Vor einer Bühne tanzte eine junge Mutter zu Reggaeklängen, ihr quiekendes Kind hopste auf ihren Schultern auf und ab. Einige Meter weiter versuchte sich ein türkischer Anwohner vor einer klatschenden Gruppe als Cocktail-Mixer. Neben mir auf der Straße tanzten zwei Punks barfuß einen Walzer. Ein amüsiertes Ehepaar feuerte sie an.</p>
<p><strong>Die Unruhestifter treffen ein</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dann wurde die Idylle plötzlich gestört. Die Vermummten. Hinter Schutzschilden und Helmen versteckt, rannten sie durch die Menge. Wie viele waren es? 30, 40 Polizisten?  Kurzzeitig verbreitete sich eine seltsame Unruhe unter den Anwesenden. Von zusätzlich bestellten Deeskalationsteams hatte ich gelesen. Kopfschüttelnd sahen die Straßenfestbesucher ihnen nach, bevor sie weitertanzten. Es dämmerte.</p>
<p>Doch weder Autonome noch ein Ende des Festes waren in Sicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Der Punk – Dein Freund und Helfer</strong></p>
<p>Mir fiel ein Punk mit einem hohen Iro auf, der zielstrebig mit seiner Freundin durch die Menge ging. Als sie an mir vorbeiliefen, sprach ich sie an: <em>„Hey, wisst ihr ne gute Kneipe in der Nähe?“</em>, das Mädchen musterte mich abschätzend durch die grünen Haare. Unter ihren Springerstiefeln trug sie eine mit Laufmaschen übersäte Strumpfhose mit Leopardenmuster, in der Hand hielt sie eine Flasche Whiskey. <em>„Ick weeß ja nich ob et dir da jefällt, aber wir jehn in’ Trinkteufel…“</em>, antwortete sie. <em>„Wenn’de wills’ kannse ja mitkommen“</em>, fügte er grinsend hinzu und biss sich auf die gepiercte Unterlippe.</p>
<div id="attachment_957" class="wp-caption alignnone" style="width: 370px"><img class="size-full wp-image-957" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/02/clip_image002.jpg" alt="&quot;Grüppchenbildung&quot; " width="360" height="240" /><p class="wp-caption-text">&quot;Grüppchenbildung&quot; </p></div>
<p><em>„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“,</em> las ich auf dem Rücken ihrer nietenbesetzten Lederjacke als ich ihnen nachlief. Die Stimmung um uns herum brodelte. Wir drängelten uns durch die Menschenmenge und ich fragte mich, ob  es vielleicht doch noch zu Unruhen kommen würde. Dann wurde ich aus meinen Gedanken gerissen: <em>„Hier is er, der Teufel“,</em> sagte der Punk und zeigte auf die Eckkneipe neben uns. <em>„Ick bin hier draußen gleich verabredet, wenns dir drinne nich jefällt, kannse ja zu uns kommen“</em>, sie grinsten.</p>
<p><strong>Ein letzter Provokationsversuch</strong></p>
<p>Dann wurde ich unsanft zur Seite geschubst. Es waren wieder die brustgepanzerten Polizisten, die durch die Menge stürmten und Menschen wegstießen, um sich dann mit ernster Miene am Straßenrand aufzustellen. Überall blickten sie in verständnislose Gesichter. Nur das Punk-Pärchen schien die Polizisten nicht  zu beachteten. Sie hatten sich auf die andere Straßenseite gesetzt und lachten. Er küsste sie auf die gepiercte Nase.</p>
<p>Auf der anderen Straßenseite posierte währenddessen ein Skater vor der Polizei. Sein Kumpel schoss ein Foto, wahrscheinlich als Erinnerung an ihre rebellische Jugend. Das waren sie also. Die berüchtigten Mai-Krawalle. Grinsend betrat ich die Kneipe und tat das, was alle taten. Ich ließ das Anti-Konflikt-Team stehen. Wie bestellt – und nicht abgeholt.</p>
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		<title>Toskana-Kitsch und Bahntrassen-Charme</title>
		<link>http://kulturen.b3at.de/archives/656</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 20:41:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Bueß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Möglichkeiten, in Berlin einen perfekten Sommerabend zu verbringen, sind zahllos. Es gibt Biergärten, Cafés zum draußen sitzen, man kann im Park grillen und – sich auf eine Brücke setzen. 

Und von denen hat Berlin immerhin mehr als Venedig. Die prominenteste und meistbevölkerte ist derzeit wohl die Admiralbrücke in Kreuzberg. Malerisch über den Landwehkanal gelegen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Möglichkeiten, in Berlin einen perfekten Sommerabend zu verbringen, sind zahllos. Es gibt Biergärten, Cafés zum draußen sitzen, man kann im Park grillen und – sich auf eine Brücke setzen. </strong></p>
<p><span id="more-656"></span></p>
<p>Und von denen hat Berlin immerhin mehr als Venedig. Die prominenteste und meistbevölkerte ist derzeit wohl die Admiralbrücke in Kreuzberg. Malerisch über den Landwehkanal gelegen, kann man von hier aus Schwäne und den Sonnenuntergang beobachten. Auf der Brücke drängen sich währenddessen Nachtschwärmer, Akustikbands, Touristen, Grasdealer und Leute aus der Nachbarschaft mit Hund, Bier und Picknickkörben.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-674" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/07/p1030185.jpg" alt="Admiralbrücke" width="448" height="336" /></p>
<p>Sogar in die großen Zeitungsfeuilletons hat es die Admiralbrücke geschafft, die <em>Zeit</em> etwa ruft euphorisch ein „Neuberliner Brückenwunder“ aus. Im <em>Lonely Planet</em>, dem Standard-Rucksacktouristen-Reiseführer, steht der „Hotspot“ jedoch wider Erwarten noch nicht. Doch heute muss ein guter Tipp nicht mehr gedruckt verbreitet werden, es genügen persönliche Empfehlungen und Blogs.</p>
<p><strong>Lieber Autos als Partylärm</strong></p>
<p>In den regionalen Zeitungen ging es außerdem oft um den Streit über die Zukunft der Brücke – einige Anwohner fühlten sich derart von dem Partylärm gestört, dass sie sich die Poller wegwünschten, die für eine verkehrsberuhigte Zone sorgen, und hätten also Motorenlärm und Abgase bevorzugt. Der Bezirk lehnte die Forderungen ab, will aber andere Möglichkeiten diskutieren, um für mehr Ruhe zu sorgen, sogar ein Alkoholverbot.</p>
<p>Was an dem Thema am meisten fasziniert, ist das Phänomen, dass sich so viele Menschen Tag für Tag auf den manchmal nassen oder kalten Asphaltboden setzen, statt auf eine Parkbank, das heimische Sofa oder einen Barhocker.</p>
<p><strong>Anti-Haltung gegenüber Bars</strong></p>
<p>Gründe gibt es dafür genug: „Wir holen uns bei dem Späti an der Ecke Bier, und das Gute hier ist, dass man Freunde und Bekannte trifft, ohne dass man sich verabreden muss“, erzählt Sascha, der am nahe gelegenen Kottbusser Tor wohnt und oft abends herkommt. Er sitzt auf dem Bordstein und muss jetzt seine Füße einziehen, weil ein Auto über die Brücke fahren will – schneller als im Schritttempo ist das kaum möglich. Der Fahrer wirkt gereizt. Alle fünf Minuten kommen Leute, die leere Flaschen in ausgebeulten Plastiktüten sammeln, der Boden ist mit Kronkorken übersäht.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-664" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/07/p1030184.jpg" alt="Admiralbrücke" width="448" height="336" /></p>
<p>Auch Seda sitzt gerne hier und hat eine einleuchtende Theorie, warum der Platz so beliebt ist. „Hier zu sitzen ist eine Art Anti-Haltung gegenüber Clubs und Bars, in denen soziale Kommunikation und Spaß ein Teil des Konsum-Zirkus’ sind“, meint sie. Hier könne jeder kommen, und zwar ohne Eintritt. Auch für Dialoge sei in Clubs weniger Raum, oder für ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Demokratisches Zusammensitzen als antikommerzielle Jugendbewegung also?</p>
<p><strong>Pseudo-toskanisches Flair</strong></p>
<p>Um die Ecke, in der Böckhstraße, wohnt Miriam. Mit ihrem kleinen Sohn spaziert sie fast jeden Tag an der Brücke vorbei. Ob sie der ständige Trubel stört? „Nein, überhaupt nicht. Ist ja auch eine sehr nette Stimmung, aber ich selbst saß da komischerweise noch nie.“ Das liege aber wohl an den Scherben auf den Boden, da könne man eben kein Kind drüberkrabbeln lassen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-672" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/07/p1030187.jpg" alt="Admiralbrücke" width="448" height="336" /></p>
<p>Dass die Gegend um die Brücke, der Graefekiez, derzeit gerade bei jungen Familien so beliebt ist, findet Miriam auch nicht schlimm. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier so hip und spießig wird wie zum Beispiel im Prenzlauer Berg.“ Auf ihren Freund Chris dagegen wirkt das Bild der vielen Leute, die auf der Brücke abhängen, surreal. Er findet den Brauch schlicht „scheiße“: „Dieser Kitsch und das pseudo-toskanische Flair gehen mir auf die Nerven.“</p>
<p><strong>Sonnenuntergang über der Bahntrasse</strong></p>
<p>Während die Admiralbrücke zum Mainstream der Berlinkultur gezählt werden muss, ist die Modersohnbrücke in Friedrichshain eine schöne und entspannte Alternative. Ein Stück hinter der Oberbaumbrücke gelegen, führt sie über die S-Bahngleise und verbindet das Gebiet um den Boxhagener Platz mit dem ruhigeren Friedrichshainer Kiez zwischen Bahntrasse und Spree. Auch von hier aus kann man wunderbar die Sonne untergehen sehen, wenn auch weniger romantisch über dem Wasser, als trashig-urban über den Gleisen und Fabrikgebäuden.</p>
<p>Heute sitzt niemand auf der Modersohnbrücke, denn es ist kalt und es nieselt. Nur Charlotte lehnt am Brückengeländer und schaut auf den grauen Horizont in Richtung Warschauer Straße und Alex. Sie wohnt seit rund zehn Jahren in der Nähe, in der Lehmbruckstraße. Als Charlotte herzog, war die ursprüngliche Brücke gerade abgerissen worden und es gab nur einen Fußgängersteg. Seit sieben Jahren steht sie nun in ihrer heutigen Form, mit genug Platz für Autos und einem breiten Geh- und Radweg daneben.</p>
<p><strong>Die Brücke als romantic spot</strong></p>
<p>„Davor war hier ein gefühltes Niemandsland, zwischen Wasserwerken und Baumarkt. Aber seit es so viel Platz zum Sitzen gibt, bin ich öfter mal abends hier – das war immer mein romantic spot &#8230;“, erzählt Charlotte und lächelt. Einmal war sie hoffnungslos verliebt in einen Jungen, und nach einem Streit hatten sie sich monatelang nicht gesehen. „In einer lauen Nacht warf er dann Steinchen an mein Fenster und es war klar, dass wir uns auf die Brücke setzen um uns auszusprechen.“ Geklappt hat es mit den beiden nicht, und wie um die traurigen Gedanken wegzuwischen, springt Charlotte jetzt ein paar Mal auf und ab: „Krass, oder?“, ruft sie, und der Boden vibriert und wackelt.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-667 aligncenter" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/07/p1030206.jpg" alt="Modersohnbrücke" width="527" height="395" /></p>
<p>Schade, dass aus ihrer Sommernachtsgeschichte nichts geworden ist. Am Ort lag es sicher nicht, denn der ist sehr charmant. So ist es durchaus vorstellbar, dass auch die Romantik ein wichtiger Faktor bei der Vorliebe der Berliner für Brücken ist. Sie sind sozialer alternativer Treffpunkt für Freunde und bieten zugleich eine eher kitschige – im Fall der Admiralbrücke – oder leicht melancholische – im Fall der Modersohnbrücke – Kulisse für Paare und alle, die es vielleicht, mit etwas Glück, werden wollen.</p>
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		<title>Hasenjagd in der Parkidylle</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 22:25:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruth Wolter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></p>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Berliner Hasenheide ist eine der wenigen touri-freien Zonen Berlins und das ist nicht verwunderlich, denn mit einer Fotokamera herumzulaufen kann unangenehm werden. Im 17. Jahrhunderten gingen Fürsten hier auf Hasenjagd. Heute jagd die Polizei die zahlreichen Drogenhändler – und umgekehrt.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der Park liegt zwischen Tempelhof, Südkreuz und Herrmannplatz in Neukölln. Auf den ersten Blick scheint er wie jeder andere zu sein. Yoga-praktizierende spreizen Arme und Beine für den Sonnengruß, Spaziergänger streunen über den Asphalt, Sonnenbadende rollen sich über die Wiese, türkische Großfamilien picknicken unter den Bäumen. Der Park ist ein typisches Berlin-Biotop. Seit einigen Monaten gibt es hier sogar einen Streichelzoo und im Sommer strömen junge Film- und Techno-Fans zum Openairkino und Raves.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Razzien stehen an der Tagesordnung<br />
</strong>Ab und zu wird die Parkidylle jedoch gestört. Des öfteren wurden hier Tote und Leichenteile gefunden, im März 2006 starb ein 40-jähriger Polizeitkommissar an einem Kopfschuss, den ihm ein Kleinkrimineller in der Hasenheide verpasst hatte. Fast täglich finden hier Razzien statt. Ein ewiges Versteckspiel zwischen Polizei und Drogendealern. Siera Leone, Nigeria, Westafrika – Jeder Eingang ist von einer anderen Nationalität besetzt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Frisches Grass aus Holland<br />
</strong>Wenn eine Razzia stattfindet, wird die Ware ins Gebüsch geworfen. Angeblich nur Grass, frisch angeliefert aus Holland. Den Beamten bleibt dann nur noch die Passkontrolle. „Die Polizisten kaufen ja selbst bei uns ein, es kam sogar schonmal einer in Uniforum“, sagt ein Dealer. Nicht immer läuft es so harmonisch ab zwischen Polizei und Dealern. „Wir haben auch schon mal einen Zivilpolizisten vom Fahrrad gerissen und seine Kamara zerstört, weil er uns fotografiert hat”, sagt der 29-Jährige. - Eigentlich ganz sympatisch.</p>
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		<title>Wir wollen Kuschelkaschmir!</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 12:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lara Schirin Grund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Plätze und ihre Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Untiefen des Modebezirks Berlin-Mitte herrscht Suchtgefahr. Edle Stöffchen und alles was der Mensch von heute zu brauchen glaubt, lässt sich auf einem Streifzug der Verheißungen aufpicken. Das bedroht Geldbörse und den klaren Verstand. Und man möchte danach ganz dringend nach Neukölln.

Wo bitte geht’s denn hier zum Paradies in Beige? Immer den Ladies in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den Untiefen des Modebezirks Berlin-Mitte herrscht Suchtgefahr. Edle Stöffchen und alles was der Mensch von heute zu brauchen glaubt, lässt sich auf einem Streifzug der Verheißungen aufpicken. Das bedroht Geldbörse und den klaren Verstand. Und man möchte danach ganz dringend nach Neukölln.<br />
</strong><br />
Wo bitte geht’s denn hier zum Paradies in Beige? Immer den Ladies in den hohen Hacken nach. Süßlich weißes Licht umspült Muscheln und allerlei Meeresnippes, der sorgfältig auf wolkig getünchte Hocker und Tischchen drapiert ist, mit dösender Helligkeit. Fast möchte man das Rauschen der schlagenden Brandung hören, glaubt aus den Schuhen Sand schütteln zu müssen, wähnt sich in einem Strandhaus auf Sylt oder in den Hamptons. Doch von wegen. In diesem süffig Ton in Ton arrangierten Ambiente wird Mode verkauft. Und zwar nicht irgendwelche Mode, sondern die Mode schlechthin. Wir befinden uns im Epizentrum der deutschen Off-Modeszene: in Berlin-Mitte.</p>
<p><strong>Ein Besuch bei Lala</strong><br />
Eines ihrer Kinder ist die Wohlfühloase des Labels Lala der Modedesignerin und Hauptstadtpflanze Leyla Piedayesh. „Lala ist zart, weich und kuschelig“, souffliert die Chefin auf der Homepage. Ah ja, hätten wir nicht gedacht. Auf Strickkleidung hat sich die ehemalige MTV-Redakteurin spezialisiert, daher das Bedürfnis zum Anschmiegen. Schlicht wirken die Textil-Exemplare die Schulter an Schulter in ihrer Boutique in der Mulackstraße hängen. Überwiegend gedeckte Farben, ein Hauch Silber, gerne mal Flieder, Fuchsia oder Bordeaux, hier und da etwas Gelb. Wenig Schnickschnack haftet den Entwürfen an, dafür umso mehr Understatement-Eleganz, eine Spezialität der Berliner Designer.</p>
<p><strong>Zottelig statt chic<br />
</strong>Denn im Gegensatz zu den Pariser Madamen möchte hier niemand elegant sein, nicht mal chic. Man kommt daher, wie gerade aus dem Bett gefallen, im perfekt sitzenden Ensemble versteht sich, gestylt vom Scheitel bis zur Sohle und ohne jemals in den Spiegel zu schauen. Deshalb macht Lala auch „Wohlfühlklamotten“, wie Jacken für 700 oder Kaschmirtücher für 300 Euro das Stück. Welch ein Segen, sich dieses wohlige Gefühl leisten zu können. Und wer kann das? Die blasiert dreinschauende Verkäuferin in rosa Top und Halstuch wohl nur dank Mitarbeiterbonus. Im Laden drängelt und schubst sich niemand um die Kleider, wie bei den Kollegen COS oder American Apparel um die Ecke. Aber so läuft es hier auch nicht. Man spielt Oberliga mit dem Status der jungen Wilden und weiß sich in einem exklusiven Club.</p>
<p><strong>Kaffee Latte und Heidelbeermuffin in Knödelläden</strong></p>
<p>Im respektvollen Abstand sind die feinen Stoffe angeordnet, mit ausreichend Platz sich divenhaft zu entfalten und gleichzeitig so dezent, dass Ahnungslose sich suchend nach einem Kaffee Latte oder einem Heidelbeermuffin umsehen. Und es ist nicht ihre Schuld. In diesem Boheme-Kiez verkaufen Knödelläden, die wie Design-Ateliers aussehen, Leib und Seele-Produkte, und umgekehrt. In Wahrheit will jeder alles sein, nicht nur ein mit Ricotta gefüllter Spinatklops, nicht nur ein malvenfarbenes Häckelkleid, sondern Tei des neuen Savoir vivre, um Einiges moderner als die Franzosen. Daher verirrt sich auch kaum jemand en passant in diese seichte Art des Seins im Fashion-Bermuda-Dreieck Münz-, Mulackstraße- Alte/Neue Schönhauser Straße. Die vielen Modetouristen aus den Metropolen Europas kommen mit einer Mission: Eintauchen in eine Konsumwelt, die sich zu Multi-Kaufketten wie Alexia so verhält wie Homöopathie zu überfüllten Krankenhauswartezimmern. Es tut viel weniger weh und man hat sogar das Gefühl sich was Gutes zu tun.</p>
<p><strong>Souvenir-Modeshopping</strong><br />
Auch Lucia und Mel aus Barcelona wollen bei Lala glücklich werden. Zielstrebig durchcampen die beiden Freundinnen die aktuelle Sommerkollektion. Sie sind eindeutig auf der Suche nach einem Souvenir, dem Berlin-Item, das keiner hat. Von wegen Alexanderplatz, Reichstag oder Schloss Sanssouci, heute fliegt man für Partys, Mode und Lifestyle nach Berlin.<br />
Die gelangweilte Bedienung hat noch immer nichts zu tun. Eine Kasse gibt es nicht. Dafür ein glänzendes MacBook &#8211; natürlich in weiß, ein Gästebuch wie Präsidenten und Lakritze. Soviel Purismus erlaubt es dem Besucher sich sehr besonders zu fühlen. Vielleicht sind 389 Euro für ein Sommerhängerchen doch nicht zu viel und es lohnt es sich? Nein, eigentlich möchte man mit dreckbeschmierten Stiefeln über den feinen Boden schlurfen, laut rülpsen oder der verkrampften Tante hinterm Tresen die Frisur verwuscheln. Nicht jeder ist fürs Paradies gemacht.</p>
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