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	<title>Kulturen &#187; Schauspiel</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Ich will hier weg</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 22:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonnie Berendes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Tauben“ von David Gieselmann wurde am 6. März an der Schaubühne uraufgeführt. Marius von Mayenburg inszenierte die turbulente Farce, in der alle Charaktere psychische Probleme haben.
Reglos sitzen acht Gestalten auf einem langen roten Designersofa auf der noch dunklen Bühne. Vor ihnen Glastische mit Champagnerflaschen, neben ihnen ein riesiger Plastikweihnachtsbaum mit Lichterkette und bunt blinkendem Stern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Die Tauben“ von David Gieselmann wurde am 6. März an der Schaubühne uraufgeführt. Marius von Mayenburg inszenierte die turbulente Farce, in der alle Charaktere psychische Probleme haben.<span id="more-526"></span></strong></p>
<p>Reglos sitzen acht Gestalten auf einem langen roten Designersofa auf der noch dunklen Bühne. Vor ihnen Glastische mit Champagnerflaschen, neben ihnen ein riesiger Plastikweihnachtsbaum mit Lichterkette und bunt blinkendem Stern auf der Krone. „All I want for Christmas is you“ wird gesanglich überaus professionell angestimmt. Das Licht geht an, und prompt ist es mit der scheinbaren Besinnlichkeit für den Rest des Stückes vorbei.</p>
<p>Von nun an wird in der Uraufführung „Die Tauben“ von David Gieselmann gelogen, betrogen, geraubt und geschimpft. Das alles auf brüllende, tobende und durchaus hektische Weise. Vor etwa zehn Jahren erlangte David Gieselmann mit seiner Farce „Herr Kolpert“ erstmals Bekanntheit. Bei „Die Tauben“ handelt es sich nun um sein zweites Stück, das an der Schaubühne aufgeführt wird. Er gewann damit den Komödienwettbewerb, den die Schaubühne unter dem Titel „Deutschlands missratene Kinder“ ausgerichtet hatte. Die Kulturstiftung des Bundes förderte das Stück im Rahmen des Theaterprojekts „60 Jahre Deutschland. Annäherung an eine unbehagliche Identität“.</p>
<p><strong>Jeder ist auf seine Weise verrückt</strong></p>
<p>Den Anfang in „Die Tauben“ macht Hauptfigur Robert Bertrand. „Ich will hier weg“ sind seine ersten Worte, mit denen er den Stein der absurden Handlung ins Rollen bringt. Robert ist genervt von seiner Firma und dem Leben mit seiner kaufsüchtigen Ehefrau Gerlinde, die schon fast wahnhaft davon besessen scheint, nach Ligurien auszuwandern. Seinen Mitarbeiter Holger Voss weiht Robert in seinen Plan ein, lässt jedoch offen, wohin und wie er verschwinden will.</p>
<p>Holger, der die Firma übernehmen soll, ist jedoch alles andere als erfreut darüber. Er ist nämlich ein Nervenbündel par excellence, bekommt daher häufig Panikattacken (vor allem wenn das Telefon klingelt), fühlt sich von seinen Kollegen gemobbt und ist fest davon überzeugt, dass man ihn in den Wahnsinn treiben will. Zudem wird er regelmäßig von seiner aggressiven, zu ausufernden Wutanfällen neigenden Frau Natalie zusammengestaucht. Tatsächlich hat Roberts unscheinbarer Sohn Helmar eine Mitarbeiterin darauf angesetzt, den geistig labilen Holger aus der Firma rauszuekeln, um selbst auf den Chefsessel zu gelangen.</p>
<p><strong>Auch der Zuschauer wird wahnsinnig</strong></p>
<p>Bei der Beobachtung des regen Treibens auf der von Nina Wetzel etwas karg ausgestatteten Bühne mit all den psychisch gestörten Charakteren, fragt sich der Zuschauer, ob in diesem Stück überhaupt eine Person existiert, die noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist. Denn selbst Psychiater Dr. Erich Asendorf, den früher oder später alle armen Seelen des Stücks aufsuchen, ist selbst nicht ganz klar im Kopf. Er schläft mit all seinen Patientinnen, kann seine Klienten nicht mehr auseinander halten und ist kurz davor, den Verstand zu verlieren.</p>
<p>So reiht sich in diesem Reigen eine Absurdität an die andere, und der Zuschauer wird allein schon durch die Betrachtung des Ganzen irgendwann selbst fast wahnsinnig. David Gieselmanns turbulente Farce lebt jedoch gerade davon. Es geht hier nicht um eine tiefgründige Handlung, sondern viel mehr um das detaillierte Aufzeigen von menschlichen Schwächen. Dem Zuschauer wird sozusagen das Abbild einer lächerlichen Gesellschaft vorgeführt, in der jeder Einzelne mit seinen mehr oder weniger großen psychischen Defekten zu kämpfen hat. Gieselmann überrascht das Publikum immer wieder mit einer neuen abstrusen Szene, mit der vorher nicht zu rechnen war. So zum Beispiel auch mit jener, als der verschwundene Robert plötzlich, getarnt als französischer Schönling, wieder auftaucht.</p>
<p><strong>Rasantes Tempo mit rasant wechselnden Dialogen</strong></p>
<p>Marius von Mayenburg, Hausautor der Schaubühne, lässt den Schönling in seiner schrillen Inszenierung in knappen Shorts, mit Kniestrümpfen, engem T-Shirt und Perücke auftreten. Bewaffnet mit einem Baguette legt dieser dann zur Freude des Publikums auf lächerlichste Weise eine Tanzeinlage mit gekonnt gespreizten Gliedern ein. Von nun an gibt er sich mit albernem französischem Akzent als Roberts Halbbruder Francois aus.</p>
<p>Die schräge Komödie zeichnet sich durch ein rasantes Tempo und ebenso rasant wechselnde Dialoge aus, die den Zuschauer während des gesamten Stücks so einiges an Aufmerksamkeit abverlangen. Mit Hilfe dieser  Methoden gelingt es Mayenburg von der insgesamt eher flachen Handlung abzulenken und das Publikum dennoch bei Laune zu halten. Zwischendurch legen die multitalentierten Darsteller immer mal wieder eindrucksvolle Gesangseinlagen mit Gitarren-, Xylophon-, oder Mundharmonikabegleitung ein und bringen die Anwesenden damit wirklich zum Staunen.</p>
<p><strong>Insgesamt ein eindrucksvolles Schauspiel</strong></p>
<p>Dem eindrucksvollen und enthusiastischen Spiel jedes einzelnen Darstellers ist es auch zu verdanken, dass der Zuschauer das Theater nicht mit einem Kopfschütteln verlassen muss. Robert Beyer überzeugt in der Rolle des panischen Holger Voss und zeigt dabei vollen Körpereinsatz. Urs Jucker wechselt mit Leichtigkeit zwischen der Rolle des groben Roberts und der des feminin angehauchten Franzosen Francois hin und her. Eva Meckbach beeindruckt in der Rolle der Natalie Voss mit ihren temperamentvollen Wutausbrüchen, bei denen sie sich auch ab und zu mal selbst eine Ohrfeige verpasst. Zudem bringt sie das Publikum mit ihrer hingebungsvollen Gesangseinlage und einer beeindruckend schönen Stimme zum Staunen.</p>
<p>Aufgrund der schauspielerischen Leistung aller Darsteller und der gelungenen szenischen Umsetzung verzeiht man es dem Stück, dass es keine anspruchsvollere Handlung vorweisen kann. Überhaupt ist es verwunderlich, dass ein solch komödiantisches Stück in der Schaubühne präsentiert wird, da man so etwas doch viel eher im Theater am Kurfürstendamm erwartet hätte.</p>
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		<title>Kurzschluss mit fatalen Folgen</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Feb 2009 23:51:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonnie Berendes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Komödie]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel]]></category>

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Stromausfall im Theater am Kurfürstendamm! Auf der Bühne nichts zu sehen. In der „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer ist die Bühne in Licht getaucht, wenn sie für die Schauspieler im Dunkeln liegt, und dunkel, sobald das Licht angeht.
Knappe zehn Minuten starrt das Publikum in der Finsternis in Richtung Bühne. Nur die Stimmen der Darsteller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-372" title="komoedie_theater_am_kurfuerstendamm" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2009/02/komoedie_theater_am_kurfuerstendamm.jpg" alt="komoedie_theater_am_kurfuerstendamm" width="479" height="223" /></p>
<p><strong>Stromausfall im Theater am Kurfürstendamm! Auf der Bühne nichts zu sehen. In der „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer ist die Bühne in Licht getaucht, wenn sie für die Schauspieler im Dunkeln liegt, und dunkel, sobald das Licht angeht.</strong><span id="more-291"></span></p>
<p>Knappe zehn Minuten starrt das Publikum in der Finsternis in Richtung Bühne. Nur die Stimmen der Darsteller und Nebengeräusche werden wahrgenommen.Der junge, erfolglose Künstler Brindsley Miller erwartet gemeinsam mit seiner Verlobten Carol hohen Besuch: George Godunow, ein wohlhabender russischer Kunstmäzen hat sich zusätzlich zu Carol´s griesgrämigem Vater für den Abend angekündigt.</p>
<p>Um den beiden zu imponieren hat Brindsley seine schäbigen Möbel zuvor heimlich gegen die wertvollen Antiquitäten seines vorübergehend verreisten, pingeligen Nachbarn Harold ausgetauscht. Einem gelungenen Abend, der den jungen Künstler zu privatem und beruflichem Erfolg verhelfen soll, steht eigentlich nichts mehr im Weg. Doch dann lässt ein Kurzschluss plötzlich die Sicherung durchbrennen und die Bühne erstrahlt in hellem Licht. Brindsley und Carol tappen ab jetzt im Dunkeln und immer mehr unerwünschte Gäste gesellen sich dazu.</p>
<p><strong>Das Chaos ist vorprogrammiert </strong></p>
<p>Eine ältere Dame von nebenan, überzeugend gespielt von Marie Gruber, tastet sich zunächst noch schüchtern und durch die Dunkelheit verängstigt in Brendsleys Wohnzimmer. Unerwartet taucht auch Nachbar Harold auf, der frühzeitig von seiner Reise zurückgekehrt ist und auch Carol´s mürrischer Vater und ehemaliger Colonel lässt nicht lange auf sich warten. Als dann auch noch Clea, die eifersüchtige Ex-Freundin und immer noch Geliebte von Brendsley dazukommt scheint das Chaos perfekt. Doch es kommt noch schlimmer, als der Elektriker eintrifft und alle Anwesenden ihn für den millionenschweren Kunstmäzen halten.</p>
<p>Mit seiner „Black Comedy“ wurde der britische Dramatiker Peter Shaffer erstmals in Deutschland bekannt. Am Kurfürstendamm feierte sein Stück bereits vor 40 Jahren deutsche Premiere. Die geniale Idee des Autors, Hell und Dunkel zu vertauschen, machte die Komödie zum Welterfolg. Die Darsteller tasten sich unbeholfen und dabei lächerlich aussehend durch die für sie stockdunkle Wohnung, die jedoch für das Publikum in hellem Licht erstrahlt. So wird zur Freude der Zuschauer jedes Malheur sichtbar.</p>
<p><strong>Im Schaukelstuhl über die Bühne</strong></p>
<p>Es macht besonders viel Spaß den Darstellern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig anrempeln, sich versehentlich betatschen und über die kostbaren Antiquitäten des Nachbars stolpern. Markus Majowski, bekannt aus Film und Fernsehen, zeigt enthusiastisch und dabei sehr amüsant, wie schnell seine Freundschaft vorbei sein kann, wenn man ihm seine kostbaren Einrichtungsgegenstände wegnimmt. Dabei hatte Brindsley (Robert Glatzeder) sich größte Mühe gegeben, die Möbel rechtzeitig wieder nach nebenan zu schaffen, bevor der Kurzschluss behoben wäre und alles auffliegen würde.</p>
<p>Die Zuschauer konnten sich kaum mehr im Zaum halten, bei diesem Anblick. Lautstarkes Gelächter brach aus, als der Colonel (Jürgen Mai) sich mit Schwung auf einen alten Schaukelstuhl fallen ließ, nach hinten kippte und mit einem Salto zu Boden fiel. Schließlich konnte er nicht ahnen, dass sein Schwiegersohn in Spe inzwischen Harolds bequemen antiken Sessel in der Dunkelheit erfolgreich gegen den Schaukelstuhl eingetauscht hatte. Dem immer skeptischer werdenden alten Mann bleibt auch weiterhin nichts erspart. Brindsley verheddert ihn auch noch in das Elektrokabel einer wertvollen Lampe aus Harolds Sammlung und zerrt ihn auf erheiternde Weise mitsamt dem Schaukelstuhl über die Bühne.</p>
<p><strong>Kleine Schönheitsfehler </strong></p>
<p>Der britische Regisseur und ehemalige Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg Michale Bogdanov hat das Stück zwar sehr amüsant und locker aufgebaut,insgesamt hätte der Inszenierung jedoch noch etwas mehr Feingefühl und Präzision nicht geschadet. Vor allem die Bewegungen der Darsteller in der Dunkelheit hätten ein bisschen mehr Witz und Originalität vertragen. Im zweiten Akt ließen dann auch die Dialoge teilweise zu wünschen übrig. Mit flachen Sprüchen wurde versucht, das Publikum weiterhin zum Lachen zu animieren, was jedoch nicht wirklich funktionierte.</p>
<p>Trotzdem konnten diese kleinen Schönheitsfehler dem Stück nichts anhaben, da es einfach zu viel Spaß machte, dem „dunklen“ Treiben auf der Bühne zuzusehen. Zudem beeindruckte Sean Crowley mit der Ausstattung des aufwendig gestalteten Bühnenbilds die Gäste. Vom Bücherregal über die Zimmerpflanzen bis hin zu den Kunstwerken an den Wänden war hier jedes kleine Detail bedacht worden. Die Komödie im Dunkeln ist also &#8211; sofern das Licht denn an ist- in vielerlei Hinsicht ein Augenschmaus.</p>
<p><em>Die „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer läuft noch bis Mitte Februar am Theater am Kurfürstendamm</em></p>
<p><a href="http://komoedie-berline.de">www.komoedie-berlin.de</a></p>
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