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	<title>Kulturen &#187; Theater</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Gob Squad im Retro-Reigen</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Magdalena Ulrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Andy Warhol]]></category>
		<category><![CDATA[Gob Squad]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbühne]]></category>

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		<description><![CDATA[Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das deutsch-britische Künstlerkollektiv spielt mit „Gob Squad´s Kitchen (You´ve never had it so good)“ Warhol Filme in der Volksbühne nach. Die Avantgarde verpasst den Einsatz.</strong></p>
<p><strong><span id="more-1886"></span></strong></p>
<dl id="attachment_1887" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px;">
<dt><a href="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w.jpg"><img class=" " title="brochure_b_w" src="../wp-content/uploads/2011/01/brochure_b_w-150x150.jpg" alt="Kitchen-Party bei Warhol und Gob Squad" width="150" height="150" /></a></dt>
</dl>
<p>Die Küche ist das Zentrum einer jeden Party. Hier steht man dicht an dicht gedrängt, man lernt sich kennen, hier nährt man sich &#8211; kulinarisch und zwischenmenschlich. Andy Warhol wusste wohl, dass in der Küche die wahre Party und das wahre Leben zu erhaschen ist. In seinem Film „Kitchen“ von 1965 kann man beobachten, wie das so war in den 60ern mit Drogen, Sex und seiner Muse Edie Sedgwick. Die deutsch-englische Künstlertruppe Gob Squad zeigt ihre Version des vergriffenen Warhol Films. Sie stellen dafür einen verschlossenen Raum, einen fensterlosen Container, auf die Bühne, der für die Zuschauer nur durch Kameras im Inneren ersichtlich ist. Die Aufnahmen werden auf die dem Publikum zugewandte Außenwand des Raums projiziert. Innen spielen die Kitchen-Stars. Das Publikum sieht Reality-TV. Ein performativer Retro-Reigen. In Live und schwarz-weiß.</p>
<p>Beim Einlass kann der Zuschauer sich ein genaues Bild vom Innenleben des Containers machen. Man darf erstmal durch die Spielräume hindurch marschieren, einmal quer über die Bühne, bevor man seinen Sitzplatz im Zuschauerraum sucht. Erst ist da ein kleiner Raum mit einer Matratze auf dem Boden, auf die eine Kamera gerichtet steht. Hier wird Warhols Film „Sleep“ nachgestellt. Dann ein küchengroßer Raum in der Mitte, das 60er-Jahre-Set, an dem gleich „Kitchen“ gedreht werden wird. Im dritten Raum steht ein Sessel, auf den ebenfalls eine Kamera gerichtet ist. Wer hier Platz nimmt, wird Protagonist für „Screentests“. Auch diese sind einem Filmprojekt von Warhol nachempfunden, bei dem es galt: einfach nur gucken, selbst sein und filmen lassen. Drei Projektionsflächen auf der Außenwand zeigen dem Publikum, was innen passiert. The audience is watching you.</p>
<p>In Gob Squad´s Retro-Reigen quirlen die Protagonisten Nina, Bastian, Sarah und Simon auf der Bühne herum. Sie spielen 60er, persiflieren Warhols „Kitchen“, in dem es kein Drehbuch im herkömmlichen Sinne gab. Die Schauspieler waren mehr oder weniger sie selbst und auch ein Spiegel der damaligen Avantgarde. „Wir sind die Essenz unserer Zeit“, heißt es bei Gob Squad, doch was war das für eine Zeit, für ein Zeitgeist, den Warhol filmisch festzuhalten suchte? Die Gob Squad Performer sehen sich in der 60er-Küchenkulisse um, erkunden das Interieur und das Innenleben des Küchenschranks. Sie stellen resigniert fest: „There was no Capuccino around“. Aber Toastbrot gab es schon und Instant Coffee war gerade der neueste Schrei. Ansonsten gab es Drogen, eine latente sexuelle Spannung, Leben als Kunst und Rock ´n´ Roll – Aufbruchstimmung der kreativen Bohéme. Das war Avantgarde und die unstillbare Lust am revolutionären Neuen. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber mutiger war es wohl schon. Die Verkrustung der 50er schenkte viel Anlass und viele unbesetzte Ausdrucksmöglichkeiten für avantgardistische Gesten.</p>
<p>Und heute? Bei Gob Squad riecht es kurz nach Avantgarde, wenn man als Zuschauer der Erleichterung erliegt, dass da was anderes kommt als klassisches Schauspiel samt intel-lektueller Anstrengung. Ui, denkt man, hier geht´s aber ab! Hier kann ich lachen, und Spaß haben, hier fühle ich mich nicht klein im Antlitz bildungsbürgerlicher Attitüden. Da fällt Bastian in seinem karierten Schulbuben-Hemd, zugeknöpft bis obenhin, geradezu aus der Rolle, was auch Nina bemerkt und bemängelt: „Bastian, it´s all a bit stiff with you.“  Bastian ist der Sympath, bei dem man als Zuschauer sofort das Gefühl hat mit ihm befreundet zu sein. Das ganze Stück wirkt so locker, so flockig spontan. Erst als klar wird, dass nun ein Zuschauer auf die Bühne geholt wird, spürt der Theaterbesucher in seiner Angststarre mit einem mal wieder, was es heißt da oben zu sein, zu spielen, zu performen, zu unterhalten.</p>
<p>Der Anflug eines Avantgarde Gefühls ist leider aber allzu schnell verflogen, weil klar wird, dass das alles nichts Neues ist. Diese containerartigen Räume im Theater, Reality-TV, ein wenig Kryptisches, eine Prise Klamauk, so kocht René Pollesch (mit dem Gob Squad seine Anfänge an der Volksbühne feierten) in seinen Inszenierungen seit Jahren. Das war Anfang der Nuller Jahre mal hip. Gob Squad tanzen so einen zweideutigen Retro-Reigen, zum einen mit ihrer Hommage an Warhol, zum anderen, weil sie die wirklich innovative Theaterästhetik verfehlen.</p>
<p>„Was willste denn da draußen, da draußen ist alles schon passiert. Hier drinnen ist alles neu“, erklärt Nina und versucht Bastian, der vor die Projektionsfläche zum Publikum getreten ist, zurück in den Container zu holen. Dort drin möchte man als Theaterzuschauer sein, dort,  wo es scheinbar Neues zu erleben gibt.</p>
<p>Theater muss nicht immer so sein, muss nicht immer neu sein, bringt oft das Wahre, statt das Neue auf die Bühne. Doch Gob Squad versprechen mit ihrer Spielhaltung, mit ihrer Ästhetik Avantgarde zu sein und halten das Versprechen nicht ein. Kamera auf der Bühne, Nahaufnahmen trotz Theater. Irgendwann verbraucht sich das Ganze.</p>
<p>Immerhin gibt es bei Gob Squad doch einen Unterschied zum anfänglichen Pollesch-Spiel von vierten Wänden auf der Bühne und dem Experiment Verdecktes medial zu zeigen. Denn Gob Squad ist nicht nur Improvisations-, sondern auch Interaktionstheater. Zum einen beginnen Warhols Filme, die drei Leinwände, miteinander zu kommunizieren; die Protagonisten sehen sich von Leinwand zu Leinwand an, sie treten in Beziehung zueinander, was Freude macht beim Zusehen. Zum anderen schlüpfen Theaterbesucher in die Rollen der Gab Squad Performer, die wiederum im Zuschauerraum sitzen und den Publikumstars per Mikro Regie-Anweisungen in die aufgesetzten Kopfhörer flüstern.</p>
<p>Mit der Spannung des Mitmachens trifft man das Publikum wieder im Jetzt. Das kennt man aus dem Web 2.0, aus Wikis und aus Blogs. Digitale Handlungsgewohnheiten finden Raum auf der Bühne: Kollaboration und Echtzeit. Und auch ein bisschen Sex, wenn die Dame aus dem Publikum in Großaufnahme mit Sarah knutscht und alle gebannt zusehen. Big Brother und Web 2.0. Warhol und Pollesch. Alles ein bisschen wie schon mal gesehen. Hier und Jetzt hinter der Wand. In Küchen werden Soßen auf Essenzen runtergekocht.</p>
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		<title>Ich will hier weg</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 22:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonnie Berendes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Tauben“ von David Gieselmann wurde am 6. März an der Schaubühne uraufgeführt. Marius von Mayenburg inszenierte die turbulente Farce, in der alle Charaktere psychische Probleme haben.
Reglos sitzen acht Gestalten auf einem langen roten Designersofa auf der noch dunklen Bühne. Vor ihnen Glastische mit Champagnerflaschen, neben ihnen ein riesiger Plastikweihnachtsbaum mit Lichterkette und bunt blinkendem Stern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Die Tauben“ von David Gieselmann wurde am 6. März an der Schaubühne uraufgeführt. Marius von Mayenburg inszenierte die turbulente Farce, in der alle Charaktere psychische Probleme haben.<span id="more-526"></span></strong></p>
<p>Reglos sitzen acht Gestalten auf einem langen roten Designersofa auf der noch dunklen Bühne. Vor ihnen Glastische mit Champagnerflaschen, neben ihnen ein riesiger Plastikweihnachtsbaum mit Lichterkette und bunt blinkendem Stern auf der Krone. „All I want for Christmas is you“ wird gesanglich überaus professionell angestimmt. Das Licht geht an, und prompt ist es mit der scheinbaren Besinnlichkeit für den Rest des Stückes vorbei.</p>
<p>Von nun an wird in der Uraufführung „Die Tauben“ von David Gieselmann gelogen, betrogen, geraubt und geschimpft. Das alles auf brüllende, tobende und durchaus hektische Weise. Vor etwa zehn Jahren erlangte David Gieselmann mit seiner Farce „Herr Kolpert“ erstmals Bekanntheit. Bei „Die Tauben“ handelt es sich nun um sein zweites Stück, das an der Schaubühne aufgeführt wird. Er gewann damit den Komödienwettbewerb, den die Schaubühne unter dem Titel „Deutschlands missratene Kinder“ ausgerichtet hatte. Die Kulturstiftung des Bundes förderte das Stück im Rahmen des Theaterprojekts „60 Jahre Deutschland. Annäherung an eine unbehagliche Identität“.</p>
<p><strong>Jeder ist auf seine Weise verrückt</strong></p>
<p>Den Anfang in „Die Tauben“ macht Hauptfigur Robert Bertrand. „Ich will hier weg“ sind seine ersten Worte, mit denen er den Stein der absurden Handlung ins Rollen bringt. Robert ist genervt von seiner Firma und dem Leben mit seiner kaufsüchtigen Ehefrau Gerlinde, die schon fast wahnhaft davon besessen scheint, nach Ligurien auszuwandern. Seinen Mitarbeiter Holger Voss weiht Robert in seinen Plan ein, lässt jedoch offen, wohin und wie er verschwinden will.</p>
<p>Holger, der die Firma übernehmen soll, ist jedoch alles andere als erfreut darüber. Er ist nämlich ein Nervenbündel par excellence, bekommt daher häufig Panikattacken (vor allem wenn das Telefon klingelt), fühlt sich von seinen Kollegen gemobbt und ist fest davon überzeugt, dass man ihn in den Wahnsinn treiben will. Zudem wird er regelmäßig von seiner aggressiven, zu ausufernden Wutanfällen neigenden Frau Natalie zusammengestaucht. Tatsächlich hat Roberts unscheinbarer Sohn Helmar eine Mitarbeiterin darauf angesetzt, den geistig labilen Holger aus der Firma rauszuekeln, um selbst auf den Chefsessel zu gelangen.</p>
<p><strong>Auch der Zuschauer wird wahnsinnig</strong></p>
<p>Bei der Beobachtung des regen Treibens auf der von Nina Wetzel etwas karg ausgestatteten Bühne mit all den psychisch gestörten Charakteren, fragt sich der Zuschauer, ob in diesem Stück überhaupt eine Person existiert, die noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist. Denn selbst Psychiater Dr. Erich Asendorf, den früher oder später alle armen Seelen des Stücks aufsuchen, ist selbst nicht ganz klar im Kopf. Er schläft mit all seinen Patientinnen, kann seine Klienten nicht mehr auseinander halten und ist kurz davor, den Verstand zu verlieren.</p>
<p>So reiht sich in diesem Reigen eine Absurdität an die andere, und der Zuschauer wird allein schon durch die Betrachtung des Ganzen irgendwann selbst fast wahnsinnig. David Gieselmanns turbulente Farce lebt jedoch gerade davon. Es geht hier nicht um eine tiefgründige Handlung, sondern viel mehr um das detaillierte Aufzeigen von menschlichen Schwächen. Dem Zuschauer wird sozusagen das Abbild einer lächerlichen Gesellschaft vorgeführt, in der jeder Einzelne mit seinen mehr oder weniger großen psychischen Defekten zu kämpfen hat. Gieselmann überrascht das Publikum immer wieder mit einer neuen abstrusen Szene, mit der vorher nicht zu rechnen war. So zum Beispiel auch mit jener, als der verschwundene Robert plötzlich, getarnt als französischer Schönling, wieder auftaucht.</p>
<p><strong>Rasantes Tempo mit rasant wechselnden Dialogen</strong></p>
<p>Marius von Mayenburg, Hausautor der Schaubühne, lässt den Schönling in seiner schrillen Inszenierung in knappen Shorts, mit Kniestrümpfen, engem T-Shirt und Perücke auftreten. Bewaffnet mit einem Baguette legt dieser dann zur Freude des Publikums auf lächerlichste Weise eine Tanzeinlage mit gekonnt gespreizten Gliedern ein. Von nun an gibt er sich mit albernem französischem Akzent als Roberts Halbbruder Francois aus.</p>
<p>Die schräge Komödie zeichnet sich durch ein rasantes Tempo und ebenso rasant wechselnde Dialoge aus, die den Zuschauer während des gesamten Stücks so einiges an Aufmerksamkeit abverlangen. Mit Hilfe dieser  Methoden gelingt es Mayenburg von der insgesamt eher flachen Handlung abzulenken und das Publikum dennoch bei Laune zu halten. Zwischendurch legen die multitalentierten Darsteller immer mal wieder eindrucksvolle Gesangseinlagen mit Gitarren-, Xylophon-, oder Mundharmonikabegleitung ein und bringen die Anwesenden damit wirklich zum Staunen.</p>
<p><strong>Insgesamt ein eindrucksvolles Schauspiel</strong></p>
<p>Dem eindrucksvollen und enthusiastischen Spiel jedes einzelnen Darstellers ist es auch zu verdanken, dass der Zuschauer das Theater nicht mit einem Kopfschütteln verlassen muss. Robert Beyer überzeugt in der Rolle des panischen Holger Voss und zeigt dabei vollen Körpereinsatz. Urs Jucker wechselt mit Leichtigkeit zwischen der Rolle des groben Roberts und der des feminin angehauchten Franzosen Francois hin und her. Eva Meckbach beeindruckt in der Rolle der Natalie Voss mit ihren temperamentvollen Wutausbrüchen, bei denen sie sich auch ab und zu mal selbst eine Ohrfeige verpasst. Zudem bringt sie das Publikum mit ihrer hingebungsvollen Gesangseinlage und einer beeindruckend schönen Stimme zum Staunen.</p>
<p>Aufgrund der schauspielerischen Leistung aller Darsteller und der gelungenen szenischen Umsetzung verzeiht man es dem Stück, dass es keine anspruchsvollere Handlung vorweisen kann. Überhaupt ist es verwunderlich, dass ein solch komödiantisches Stück in der Schaubühne präsentiert wird, da man so etwas doch viel eher im Theater am Kurfürstendamm erwartet hätte.</p>
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