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	<title>Kulturen</title>
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	<description>Das Online-Magazin der Kulturjournalisten an der UdK Berlin</description>
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		<title>Baudelaire unter Bomben</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 12:48:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Bueß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verliebt sich Ingeborg Bachmann in Kärnten in einen jüdischen Soldaten der britischen Armee. Poetisch, berührend und eindrucksvoll erzählt der Band „Kriegstagebuch“ von der Begegnung. Er enthält ihre Tagebuchaufzeichnungen und die Briefe des Soldaten Jack Hamesh.

Es ist März 1945, der Krieg ist vorbei. In einem Büro der britischen Armee begegnet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verliebt sich Ingeborg Bachmann in Kärnten in einen jüdischen Soldaten der britischen Armee. Poetisch, berührend und eindrucksvoll erzählt der Band „Kriegstagebuch“ von der Begegnung. Er enthält ihre Tagebuchaufzeichnungen und die Briefe des Soldaten Jack Hamesh.</strong></p>
<p><span id="more-1507"></span></p>
<p>Es ist März 1945, der Krieg ist vorbei. In einem Büro der britischen Armee begegnet die achtzehnjährige Ingeborg Bachmann dem Soldaten Jack Hamesh. Er ist „klein und eher hässlich, Augengläser, spricht fließend deutsch mit einem Wiener Akzent“, vermerkt Bachmann in ihrem „geliebten Tagebuch“. Er befragt sie zu ihrer kurzen Mitgliedschaft beim Bund Deutscher Mädel und ob sie dort Führerin gewesen sei. Bachmann verneint, wird rot und „vor Verzweiflung immer röter“. Sie fragt sich, „warum man auch rot wird und zittert, wenn man die Wahrheit sagt.“ Wenig später verbindet das ungleiche Paar eine enge Freundschaft und zarte Liebe.</p>
<p><strong>Thomas Mann als Anknüpfungspunkt</strong></p>
<p>In Bachmanns Fragment, das nur wenige DINA-4-Seiten umfasste, werden die letzten Kriegsmonaten und die beginnende Nachkriegszeit festgehalten. Darauf folgen die Briefe des emigrierten österreichisch-jüdischen Hamesh. Bachmanns Tagebuch ist kurz, aber eindrucksvoll. „In der Strasse ist jetzt niemand mehr. Die Tage sind so sonnig. Ich habe einen Sessel in den Garten gestellt und lese. Ich habe mir fest vorgenommen, weiterzulesen, wenn die Bomben kommen“. Sie vergöttert Baudelaire, Thomas Mann und Stefan Zweig. Die Literatur wird zum Anknüpfungspunkt der jungen Menschen mit ihren so unterschiedlichen Geschichten. Hamesh ist das entwurzelte und traumatisierte Opfer des Nationalsozialismus, er war 1938 vor den Nazis nach England geflüchtet, seine Eltern waren bereits tot. Bachmanns Vater war Mitglied der NSDAP.</p>
<p><strong>Der erste Handkuss</strong></p>
<p>„Wir haben bis zum Abend geredet, und er hat mir die Hand geküsst, bevor er gegangen ist. Noch nie hat mir jemand die Hand geküsst. Ich bin so verdreht und glücklich, und wie er fort war, bin ich auf den Wallischbaum gestiegen, und hab geheult und mir gedacht, ich möchte mir nie mehr die Hand waschen“.</p>
<p>In mehrerer Hinsicht ist der Text aufschlussreich. Wir können uns ein Bild machen von der jungen Autorin Ingeborg Bachmann, die schon hier teilweise knapp und eindrucksvoll formuliert. Daneben finden sich Passagen aus dem Leben eines verliebten Teenagers. Bachmann hat ihre Schuhe an eine Freundin verliehen, die sich Zeit lässt mit dem Zurückgeben – „und ich muss mit den alten Schlapfen herumgehen, auch wenn Jack kommt.“</p>
<p>Zudem ist der Text ein Dokument jener Zeit, wir werden Zeugen eines tief verwurzelten Antisemitismus. „Alle reden über mich. ,Sie geht mit dem Juden’“. Und dann trotzig: „jetzt erst recht.“ Bachmann bricht ein Tabu und Hamesh überwindet sein anfängliches Misstrauen. „Durch Dich erst sah ich, dass es doch noch wert ist an Menschen zu glauben. Nicht an alle, an wenige einzelne an Dich“.</p>
<p><strong>&#8220;Sie geht mit dem Juden&#8221;</strong></p>
<p>Beispielhaft ist auch die eigenwillige Rechtschreibung Hameshs mit Fehlern, kaum vorhandenen Kommata und falsch angewandten Fällen. Dankenswerterweise wurden diese vom Herausgeber Hans Höller nicht korrigiert. So wird deutlich, wie sehr die Vertreibung, die Jahre im Exil, den jungen Mann auch aus seiner sprachlichen Heimat entfremdet haben.</p>
<p>Neben ihrer so gegensätzlichen und doch untrennbar verbundenen Herkunft, ihrer Intellektualität und Liebe zur Literatur, meint Hamesh noch einen weiteren Grund zu kennen, warum sich die beiden einander so verbunden fühlen. Sie komme zwar aus einem liebevollen Elternhaus. Und doch „sehnst Du Dich alleine zu sein. In dieser Einsamkeit glaube ich haben wir uns gefunden.“ Für ihn ist die Begegnung eine entscheidende Wendung, Bachmann schwärmt vom schönsten Sommer ihres Lebens.</p>
<p><strong>&#8220;Sie alle können nicht mehr froh werden&#8221;</strong></p>
<p>Doch die gemeinsame Zeit währt nur kurz. Bachmann geht nach Wien an die Universität, Hamesh verlässt seine Heimat ein zweites Mal und wandert über Italien nach Tel Aviv aus. In seinen Briefen klagt er über schmerzhafte Einsamkeit und „Haltlosigkeit wie ich sie noch nie zuvor miterlebt hatte, diese letzte Zeit war für mich das schrecklichste was ich je erleben musste.“ Er vermisst Bachmann sehr. Der letzte Brief erreicht sie 1947, Hamesh schreibt, er sei nun zufrieden („ich könnte ja ebenso gut in einem Massengrab in Polen verfaulen“). Er hat Freunde gefunden, auch sie aus Wien emigriert. „Doch sie alle haben ähnliches oder noch schlimmeres erlebt. Sie alle können nicht mehr froh werden.“</p>
<p>Es bleibt Raum für Mutmaßungen, eine leise Enttäuschung und zugleich ein besonderer Reiz des Bandes. Denn nicht nur Jack Hamesh selbst konnte nicht mehr gefunden werden, auch die Antworten Bachmanns sind damit verschollen. Höller, der Herausgeber, führt im Nachwort eine lange Liste an Personen und Institutionen an, die er auf der Suche nach Hamesh vergeblich kontaktiert hat und nennt die Hoffnung, durch die Veröffentlichung doch noch Hinweise zu finden.<br />
<img class="alignleft size-medium wp-image-1510" title="Kriegstagebuch" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/07/Kriegstagebuch-180x300.jpg" alt="Kriegstagebuch" width="180" height="300" /></p>
<p><em>Ingeborg Bachmann: Kriegstagebuch. Mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Höller. Suhrkamp, Berlin 2010. 107 Seiten, 15,80 Euro.</em></p>
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		<title>„I like it when the red water comes out…!“</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 00:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Diana Ringelsiep</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[  Deutsch meets English. Comedy meets Tragödie. Joker meets Hamlet…   
How spooky is that then?!

In Kooperation mit Studierenden der „Hochschule für Schauspielkunst  Ernst Busch“ inszeniert Hausregisseur Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater einen Pop-Art Hamlet mit einem entschiedenen Hang zum Grotesken. Pop-Art definiert sich als künstlerische Reaktion auf ein den Massenmedien entnommenem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong> <strong>Deutsch meets English. Comedy meets Tragödie. Joker meets Hamlet… </strong> <strong> </strong></p>
<p><strong>How spooky is that then?!</strong></p>
<p><span id="more-1495"></span></p>
<p>In Kooperation mit Studierenden der „Hochschule für Schauspielkunst <img class="alignright size-medium wp-image-1496" title="Kriegenburgs &quot;Hamlet&quot; am Deutschen Theater" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/06/Hamlet_0343-300x199.jpg" alt="Kriegenburgs &quot;Hamlet&quot; am Deutschen Theater" width="270" height="187" /> Ernst Busch“ inszeniert Hausregisseur Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater einen Pop-Art Hamlet mit einem entschiedenen Hang zum Grotesken. Pop-Art definiert sich als künstlerische Reaktion auf ein den Massenmedien entnommenem Motiv. Und genau hat Kriegenburg getan. Sofort fällt auf, dass die Protagonisten allesamt aussehen wie der Batman-Joker aus <em>„The Dark Knight“</em>. Als Heath Ledger 2008 verstarb, grinste einen jene Joker-Fratze an, sobald man die Zeitung aufschlug, den Fernseher anschaltete oder den Web-Browser öffnete. Ihr jedoch in einer Shakespeare Aufführung zu begegnen, damit hat wohl erst einmal niemand gerechnet. Doch damit nicht genug.</p>
<p>Im letzten Jahr machte im Internet ein mehrteiliger, englischsprachiger Comic-Film namens <em>„Salad Fingers“*</em> die Runde. Zu sehen ist eine verstörte Kreatur, die in Gesellschaft von drei Handpuppen in ihrer eigenen Welt lebt, Selbstgespräche führt und sich selbst verletzt, „<em>until the red water comes out“</em>. Kriegenburg hat etliche stilistische Elemente aus diesem Comic übernommen und lässt Guildenstern ganze Passagen in Salat Fingers’ Gruselstimme zitieren.  Überhaupt kommt Guildenstern und Rosencrantz eine ganz besondere Rolle in dieser Inszenierung zu. Am vorderen Bühnenrand sitzend moderieren und kommentieren sie wie zwei Außenstehende das gesamte Stück auf die psychopathische Art und Weise ihres Comic-Vorbildes. Dabei reden sie größtenteils Englisch, gern auch mit Deutsch vermischt: <em>„I’ve lost the roten Faden!“</em>, sagt Guildenstern einmal. <em>„Me too, me too…“</em>, ist Rosencrantz’ Standardantwort.</p>
<p>Der melancholische Hamlet selbst scheint in Kriegenburgs Darbietung die <em>normalste</em> Figur von allen zu sein, wenn er auch das gesamte Stück über auf Schritt und Tritt von einer symbolträchtigen schwarzen Luftballonwolke verfolgt wird. Denn als er kurz nach dem Tod seines Vaters heimkehrt, gleicht der dänische Hof einem Irrenhaus. Seine Mutter Gertrude, die Königin, hat sich offensichtlich um den Verstand gekokst und wenn sie nicht gerade mit den Tampons in ihrer Nase beschäftigt ist, um die Blutungen zu stoppen, fingert sie lüstern an ihrem neuen Gemahl Claudius herum. Die schöne Ophelia dagegen gleicht der Primaballerina aus einem Gruselkabinett. Die marionettenhaften Bewegungen und ihr umnachtetes Grinsen verleihen ihr etwas Irrsinniges. Auch Ophelias Vater Polonius, der nie mehr trägt als eine knappe Union-Jack-Boxershorts und in verschiedensten deutschen Dialekten spricht, macht einen äußerst konfusen Eindruck.</p>
<p>Dazu kommt das außergewöhnliche Bühnenbild, das komplett aus deckellosen Holzkisten besteht. Die Protagonisten sind daher gezwungen, unbeholfen von einer Kiste in die nächste zu steigen oder auf deren Außenwänden zu balancieren. Egal für welche der beiden Möglichkeiten sie sich entscheiden, es unterstreicht stets die Unsicherheit und Verletzlichkeit, die sich durch alle Charaktere zieht.  Neben all diesen exzentrischen Figuren rückt Hamlet selbst vollkommen in den Hintergrund. Hält er einen auch nur <em>etwas</em> längeren Monolog, verdrehen Guildenstein und Rosencrantz bereits gähnend die Augen: <em>„How boring… I have no bock more…“</em> und schlagen auf ihre <em>Halli Galli</em> Glocken, um eine neue Figur in ihrer Holzkiste zum Leben zu erwecken<em>. </em>Vielleicht liegt es auch daran, dass Thomas Halle als Hamlet keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Denn in Kriegenburgs Inszenierung gehen die Hauptrollen eindeutig an die Damen. Die Studentin Maria Wardzinska ist als Ophelia, trotz der Rolle innewohnenden apathischen Abwesenheit, das gesamte Stück über so präsent, dass man den Blick nicht von ihr lassen kann. Auch Aenne Schwarz zieht den Zuschauer in ihren Bann, wenn sie als Rosencrantz in ihrem gruseligen Deutsch-Englisch-Kauderwelsch die Handlung kommentiert: <em>„I love this play!“</em>, murmelt sie verschwörerisch dem Publikum zu, bevor es an die Schlussszene geht, <em>„Everybody will die now… he he he… Enjoooy it!“. </em></p>
<p>Doch das erwartete Gemetzel bleibt aus. Zwei der Schauspieler ziehen sich riesige Masken auf und schlüpfen in die verschiedenen Rollen, um die begangenen Morde lediglich anzudeuten.  Kriegenburgs Hamlet Interpretation ist plakativ, skurril und provozierend. Wer sich darauf einlässt wird einen unterhaltsamen Abend verleben. Wer nicht, wird mit ausreichend Stoff versorgt, um sich zumindest den Rest des Tages darüber aufregen zu können. Guildenstern sagt an einer Stelle kopfschüttelnd: <em>„I don’t like this play. </em><em>It is shit!“</em>, woraufhin Rosencrantz ihm wie üblich zustimmt, <em>„Yes, that’s true, me too, me too… </em><em>It’s shit!“</em>. Doch dann schaut sie noch einmal kurz zur Bühne, das wahnsinnige Grinsen kehrt zurück und man kann sie voller Begeisterung flüstern hören: <em>„…but I like shit!“.</em></p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">*Salat Fingers: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=M3iOROuTuMA">http://www.youtube.com/watch?v=M3iOROuTuMA</a></p>
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		<title>Der Kunstverein &#8211; Avantgarde in Marburg</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sabrina Waffenschmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Marburger Kunstverein liegt im Herzen der hessischen Stadt Marburg. Seit über 50 Jahren werden verschiedene Künstler aus der gesamten Bundesrepublik ausgestellt. Heute ist er ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Marburgs.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Marburger Kunstverein liegt im Herzen der hessischen Stadt Marburg. Seit über 50 Jahren werden verschiedene Künstler aus der gesamten Bundesrepublik ausgestellt. Heute ist er ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Marburgs.</p>

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		<title>Der Geräuschemacher</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anne Waak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Helmut Kowanda hat 40 Jahre als Geräuschemacher gearbeitet und unter anderem die Filme der Olsen-Bande vertont. Ein Besuch in seinem Atelier.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Helmut Kowanda hat 40 Jahre als Geräuschemacher gearbeitet und unter anderem die Filme der Olsen-Bande vertont. Ein Besuch in seinem Atelier.</p>
<div id="attachment_1434" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1434" title="Helmut Kowanda" src="http://kulturen.b3at.de/wp-content/uploads/2010/06/IMG_4860-300x200.jpg" alt="Helmut Kowanda" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Helmut Kowanda</p></div>
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		<title>Für mehr Menschlichkeit</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 23:49:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Schirmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutschland diskutiert mal wieder über Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Leider immer nur unter negativen Gesichtspunkten. Es wird Zeit, endlich mal die Vorteile zu sehen.
Jetzt tun sie wieder so, als  ob es hier Probleme gäbe. Regen sich auf, wenn ein paar 13-jährige  Idioten nach einer schnell ge-exten Flasche Wodka nicht mehr ansprechbar   [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland diskutiert mal wieder über Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Leider immer nur unter negativen Gesichtspunkten. Es wird Zeit, endlich mal die Vorteile zu sehen.</strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Jetzt tun sie wieder so, als  ob es hier Probleme gäbe. Regen sich auf, wenn ein paar 13-jährige  Idioten nach einer schnell ge-exten Flasche Wodka nicht mehr ansprechbar   auf der Straße liegen. Tun so, als ob es die Sicherheit gefährden  würde, wenn an der U-Bahn oder im Park die Alkoholiker rumhängen.  Und erfinden die fadenscheinigsten Argumente, um neue Verbote zu  erlassen.  „Müll“, sagen sie? Dann müssen sie auch McDonalds verbieten, oder  Zigaretten, Zeitungen und praktisch jede volkswirtschaftliche Einheit,  die Bons und Quittungen ausstellen.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Die Realität sieht doch ganz  anders aus. In Deutschland ist der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit  konservativer und beschaulicher als der schlimmste Heimatfilm. Es liegt  nicht in unserem Naturell, die Öffentlichkeit als Ort des Suffs zu  erwählen. Wir bevorzugen die Gaststätten. Die sind unser Revier.</span></p>
<p><strong>Trunk und Gesang als deutsches Kulturgut</strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Wir lieben Trunk und Gesang.  In dieser Reihenfolge. Hätte Gott gewollt, dass wir das auf der Straße  veranstalten, hätte er uns zu Briten gemacht.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Es gibt kulturhistorische  Belege  für diese These. In „Casablanca“ kommen die Wehrmachtssoldaten  in die Kneipe, besetzen das Klavier und singen deutsches Liedgut.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Nicht unähnlich, wenn eine  deutscher Fußballverein im europäischen Wettbewerb ein anderes Land  bereist. Wir gehen in die Kneipen, saufen und singen unsere  Schlachtlieder.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Das kommt ein bisschen  martialisch  rüber, denn dafür taugt die deutsche Sprache immer noch, die anderen  kriegen Angst und wir gewinnen das Spiel. Man führt sich ein bisschen  wie ein Nazi auf, ist es aber doch nicht und kann beruhigt schlafen  gehen.</span></p>
<p><strong>Zunehmender Werteverfall</strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Dass in Deutschland nicht  gemeinsam  auf der Straße getrunken wird, veranschaulicht nur den Werteverfall  und die zunehmende Individualisierung in unserer Gesellschaft. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Schaut nach Spanien oder  Frankreich!  Die „botellones“ in Sevilla, die „apéro géant“ in Paris!</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Hier wird Gemeinschaftsgefühl  mit einer kleinen Geste symbolisiert. Statt zuhause zu sitzen und vor  dem Fernseher vor sich hin zu trinken – denn man braucht ja nicht  so zu tun, als ob hier nichts getrunken würde -, trifft man sich da  auf einem ausreichend großen Platz, um das Gelage gemeinsam zu  zelebrieren.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Hier in Deutschland braucht  man schon ein albernes Straßen- oder Volksfest oder ein sportliches  Großereignis, damit sich die Damen und Herren bequemen, mal mit Fremden  eine gemeinsame Zeit zu verbringen.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"><strong>Die soziale Schere bremsen</strong><br />
</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Zwar ist es schön und für  die deutsche Wirtschaft und Kultur von Vorteil, dass es eine  Kneipenvielfalt  gibt. Und das soll auch so bleiben. Das Problem ist aber, dass eine  Kneipe auch immer jemanden ausschließt, weil man kein Geld hat, weil  man die falschen Klamotten hat und des Weiteren mehr.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Öffentliche Treffen, bei denen  Alkohol konsumiert wird, könnten diesem Wachstum der sozialen Schere  entgegenwirken. Man teilt miteinander, man lernt Leute kennen und das  alles zu dem Preis und dem Ausmaß, auf das man gerade Lust hat.  Gemeinschaft  würde erzeugt werden und der demographische Wandel könnte in seiner  Kraft erheblich geschwächt werden.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"><strong>Deutsche Spontanität</strong><br />
</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Jetzt stellt sich die  berechtigte  Frage, ob das denn in Deutschland überhaupt möglich ist. Sowas, wie  in Spanien und Frankreich. Würden wir nicht leicht dazu tendieren,  es wieder zu reglementieren, zu sagen: Jeden ersten und dritten Freitag  im Monat öffentliches Besäufnis, bei Regen werden Zelte bereitgestellt?  Können wir überhaupt so spontan sein?</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Wir können nicht nur, wir  sollten es auch endlich lernen. Natürlich ist es schwer, wie jeder  Anfang, aber die WM 2006 war ein Beispiel, wo es gelungen ist. Das  sollten  wir fortsetzen.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Es auch mal ohne Großleinwand  probieren. Ein bisschen Gesellschaft üben. Den Einsamen die Möglichkeit  geben, abseits von Wallfahrten nach Taizé und ähnlichem Hokus-Pokus,  wieder Leute kennen zu lernen. Die Behinderten integrieren. Wieder ein  bisschen solidarischer, ein bisschen menschlicher sein.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Und natürlich wird da mal  einer umfallen. Aber würde er es nicht auch sowieso?</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"><strong>Keine Zwänge, nur Gemeinschaft</strong><br />
</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Wir müssen das öffentliche  Trinken nicht eindämmen, wir müssen es fördern. Sozusagen den Geist  aus dem Jahr 2006, in dem unser Land ein paar Wochen lang Schland hieß,  in neue Dimensionen befördern. Ohne Fußball, denn auch Fußball schließt  aus. Eine öffentliche Anlage tut das nicht. Denn wer keinen Alkohol  mag oder darf, muss ja auch nicht. Abstinenzler und Muslime dürfen  sich auch willkommen fühlen.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;">Wie wäre das schön, was würde  es alles über unser Land aussagen, wenn so was möglich wäre? Wenn  sich die Menschen, abseits von Anlässen und Konsumierpflicht treffen  und ein paar Stunden gemeinsam verbringen? Uns selbst und die Welt  überraschen  könnten. Die Deutschen: entspannt und locker. Wer hätte das gedacht?</span></p>
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